Der Schatz in unserem "Acker" (Gedanken zu Mt 13,44-46)

Beitrag von wize.life-Nutzer

Diese Evangeliumsabschnitt stellt uns vor die Frage, was uns unser Glaube wert ist.
Und dazu gibt es einige Fragen zu beantworten.
Unser Glaube ist uns nur so viel wert, so viel wir dafür einzusetzen bereit sind!

Jesus vergleicht das Himmelreich, also die Menschen, die sich ganz in seinen Dienst stellen, mit „Draufgängern“, die alles geben und am Ende alles gewinnen. Ein Dreißig-Prozent-Christentum ist nicht möglich. Ja, Jesus wiederholt zweimal das Wort „er verkaufte alles, was er besaß“...
Alles für IHN und Seine Botschaft einsetzen, nur das ist das angemessene Maß und die Wertschätzung, die einen Absolutheits-Anspruch hat.
Ein Wort, was uns immer wieder vor die Gewissensfrage stellt und stellen muss: „Sind auch wir bereit, alles in Seinen Dienst zu stellen, worüber wir verfügen?“
Bei den ersten Christen war das eine Selbstverständlichkeit und so heißt es in der Apostelgeschichte, dass die Leute alles verkauften und den Aposteln zu Füßen legten. Respekt!
Allerdings verarmte dadurch die Gemeinde von Jerusalem so sehr, dass Paulus auf seinen Reisen Geld sammeln musste, um den Brüdern und Schwestern in Jerusalem zu helfen.
Aus heutiger Sicht muss man sich fragen, was ist da schief gelaufen? Was haben die Gemeinden oder die führenden Leute womöglich falsch verstanden, so dass sie ihr Glaube an den Rand des wirtschaftlichen Ruins gebracht hatte...
Es war sicherlich die so genannte „Naherwartung“, also Jesus kommt in den nächsten Wochen als ewiger Richter und alles ist vorbei. Da brauchen wir keine irdischen Güter mehr...
Aus heutiger Sicht sehen wir es anders. Um einigermaßen durch die Zeit zu kommen, die uns Gott geschenkt hat, müssen wir mit den irdischen Gütern verantwortungsvoll umgehen und dürfen sie nicht großzügig verschleudern, weil sie ja im ewigen Himmelreich keine Bedeutung mehr haben.
Und dennoch hat diese Entschiedenheit, alles zu verkaufen und in den Dienst Jesu zu stellen, einen für uns sehr wichtigen Effekt gehabt. Diese ersten Christen, die das Wort Jesu buchstaben­getreu verstanden und gelebt haben, diese Christen geben allen Glaubensnachfahren ein authentisches Zeugnis vom grundsätz­lichen Wert des Glaubens, der uns geschenkt ist.
Und diesen entschiedenen Glauben, der alles aufs Spiel setzt, den haben sie durch ihr Beispiel weiter gegeben, bis heute!
Sonst wären wir nicht hier...

Und noch etwas lehrt uns dieses Evangelium:
Der Schatz im Gleichnis ist in einem Acker vergraben, also so sehr mit Erde und Schlamm verdeckt, dass ihn der Eigentümer dieses Ackers nicht entdecken konnte. Denn wenn er ihn entdeckt hätte, dann hätte er mit Sicherheit einen so horrenden Preis verlangt, der für den Interessenten nahezu unerschwinglich gewesen wäre.
Der Schatz des Reiches Gottes liegt also in unserem Lebensacker verborgen und wir oder die Menschen um uns herum haben ihn womöglich noch nicht entdeckt. Und das Schlimme daran, wir laufen Gefahr, unser Leben zu „verschleudern“, also billigen Angeboten hinzugeben statt selbst das Bestmögliche aus unserem Leben zu machen.

Die Werbeindustrie und die Medien möchten allesamt das Kostbarste unseres Lebens:
unsere Zeit
unser Geld
und unsere Aufmerksamkeit!

Das schaffen sie so lange, solange wir uns der Kostbarkeit unseres Lebens nicht wirklich bewusst sind.

Stellen Sie sich nur mal folgende einfache Rechnung vor:
Der Durchschnittsbürger sitzt täglich deutlich über 2 Stunden vor dem Fernseher. Ok, lassen wir ihn sitzen zu den üblichen Nach­richten, dann bleiben täglich rund 2 Stunden, die er fernsehfrei machen könnte, um sich seinem Lebensacker zuzuwenden und den kostbaren Schatz seines Lebens zu heben. Das sind bei rund 80 Millionen Bundesbürgern tagtäglich 160 Millionen Stunden Zeit- und Lebensgewinn, die für das Reich Gottes eingesetzt werden könnten.
Ist das nicht verrückt, dass wir diesen Schatz, den Gott uns geschenkt hat, einfach aussitzen und verbummeln?

Und ein Drittes lehrt uns dieses Gleichnis vom Schatz im Acker:
Den Schatz, den Gott uns schenken möchte, gibt es nicht in lupenreiner Hochglanzqualität zu haben. Immer muss man sich die Hände schmutzig machen, muss ihn erst einmal mühsam suchen und dann alle Kraft aufwenden, ihn zu heben.
Im übertragenen Sinn heißt das, dass die Kirche nie das lupenreine Himmelreich sein wird, die reine Herrlichkeit Gottes verstrahlend und makellos anzuschauen.
Immer wird es in der Kirche „menscheln“, weil es kein Paradies ohne Schlange gibt.
Die Skandale des vergangenen Jahres haben bedauerlicherweise Tausende aus der katholischen Kirche austreten lassen. Über 118.000 Katholiken waren es im Jahr 2012. Sie haben die Suche nach dem Schatz im Schlamm aufgegeben und keine Hoffnung mehr, in diesem unansehnlichen „Acker“ etwas Brauchbares zu finden. Sie haben ihren Acker billigst verscherbelt und werden irgendwann bemerken, welchen Schatz sie verkannt haben und welchen Sand sie als Gegenwert jetzt in der Hand haben.

Der Schatz im Acker!
Das gleiche Prinzip gilt in der Begeg­nung mit jedem Menschen. Gott hat in jedes Menschenleben einen göttlichen Schatz versteckt.

Ihn zu entdecken und zu heben, ist eine echte Lebensaufgabe...

(Mehr von mir und meiner Arbeit auf www.konrad-heil.de)