Die Königin vor dem sprechenden Spiegel: »Spieglein, Spieglein an der Wand,  ...
Die Königin vor dem sprechenden Spiegel: »Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?"Foto-Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Snow_White_Mirror_2.png

Schönheit - verändert das Alter unsere Wahrnehmung?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Das Ideal von Schönheit, das heute in den Medien vermittelt wird, ist für normale Menschen praktisch unerreichbar. Die Schönen auf den Hochglanzfotos sind makellos und vor allem blutjung. Doch empfinden wir das, was die Bilder uns zeigen, wirklich noch als schön? Oder verändert sich mit der Lebenserfahrung auch die Einstellung zur Schönheit?

Spieglein, Spieglein…
Der Neid und die Boshaftigkeit der Stiefmutter machen Schneewittchen das Leben schwer: die alternde Königin ist so sehr auf ihr Aussehen fixiert, dass sie ihre junge Konkurrentin mit allen Mitteln ausschalten will. Würde sie heute leben, hätte sie vermutlich zu anderen Mitteln gegriffen. Im fatalen Glauben daran, dass man Jugend und Schönheit mit Botox und Skalpell ewig konservieren kann.

Schöner Schein dank Photoshop
Natürliche Schönheit ist heute ohnehin nicht mehr gefragt. Es ist nichts mehr, wie es scheint. Seit Photoshop bleiben nicht einmal mehr Top-Models mit Idealmaßen vor „Schönungen“ verschont. Wir werden tagtäglich mit geschönten Bildern bombardiert, die uns vermitteln, dass wir gemessen an diesen Schönheiten vollkommen unzulänglich sind.

Viele Menschen - besonders Jugendliche - lassen sich durch solche Vorbilder stark beeinflussen und haben unrealistisch hohe Ansprüche in Bezug auf ihr eigenes Aussehen. Und man muss schon ein sehr stabiles Selbstwertgefühl besitzen, um diesem gesellschaftlichen Druck standzuhalten. Die, die es nicht haben, hungern oder legen sich in jungen Jahren schon unters Messer, um ihrem Schönheitsideal zu entsprechen.

Liebevoll betrachtet ist jeder Mensch schön
Natürlich sind auch ältere Menschen nicht immun gegen Schönheit. Wir alle besitzen einen mehr oder weniger ausgeprägten Blick für Ästhetik und empfinden bestimmte äußerliche Merkmale als "schön" - ganz unabhängig von Alter oder Geschlecht. Doch die Wahrnehmung der meisten Menschen verändert sich mit den Jahren – wir werden kritischer, aber gleichzeitig auch liebevoller.

Kritischer, weil wir die Medien-Botschaften zunehmend enttarnen und sie als das sehen, was sie sind: Ausgeklügelte Verkaufsstrategien, von Marketing-Experten. Erschaffen, um willige Konsumenten bei ihren Schwächen zu packen. Liebevoller, weil wir in dem Maße, in dem wir uns mit den eigenen Unzulänglichkeiten auseinandersetzen, auch bereitwilliger die kleinen Schönheits-Fehler der anderen übersehen.

Schönheit ist eine Sache des Charakters
Wenn wir an Lebenserfahrung gewinnen, beurteilen wir Menschen zunehmend nicht mehr nach dem Aussehen, sondern nach inneren Werten – mit dem Herzen. Wir entdecken eine andere Art von Schönheit, die viel tiefer geht: Ein Mensch mit Charakter stellt durch seine Ausstrahlung viele in den Schatten, die nur äußerlich attraktiv sind.