Gebt ihr ihnen zu essen! (Predigt zu Mt 14,13-21)

Beitrag von wize.life-Nutzer

Wie schön sich diese Erzählung vom Brotwunder anhört.
Ideal auch für die Kinderkatechese, weil man es sich so gut vorstellen kann, wie Jesus die Not der Menschen sieht und etwas tut, was offensichtlich nur ER tun kann.
Aber gerade weil diese Brotvermehrung so „wunder-schön“ ist, haben sich die Theologen aller Jahrhunderte gefragt, was sie zu bedeuten hat, wie diese Symbole zu verstehen sind.
Das Brot­wunder taucht nämlich in allen Evangelien auf und stimmt in manchen Details nicht so ganz überein, nur in der wesentlichen Aussage: Jesus lässt Brot (und Fische) verteilen und „alle wurden satt“!
Im Matthäus-Evangelium folgt das Brotwunder auf die Nachricht vom Tod Johannes des Täufers, den Herodes enthaupten ließ. Jesus wollte darauf hin alleine in einer einsamen Gegend sein mit seiner Trauer über Johannes. Doch die Leute folgten ihm, zu Fuß, wie es heißt. Sich in der heißen Gegend im Nahen Osten zu Fuß auf den Weg in eine einsame Gegend zu machen, das ist nicht ganz ungefährlich, noch dazu ohne genügend zum Essen mitzunehmen.
Einfach mit Jesus zu sein, das ist es, was die Leute zu einer solchen Verrücktheit treibt. Damals wie heute!
Jesus zu folgen, das ist ohne eine gewisse Verrücktheit wohl kaum möglich.
Und dort in der einsamen Gegend – ohne die Zerstreuung der geschäftigen Stadt- machen die Menschen eine Erfahrung mit Jesus, mit der wohl kaum einer „gerechnet“ hat.
Sie erleben Jesus
nicht als einen begnadeten Prediger und Lehrer,
nicht als einen, der zukunftsweisende Versprechungen macht,
und auch nicht als einen, der mit messianischen Allüren aufwartet...
Diese Menschen erleben einen Jesus, der Mitleid hat.
Jesus sieht, was die Menschen brauchen und gibt es ihnen, aber nicht in einer angeberischen Großzügigkeit. Jesus folgt dabei nicht dem Rat seiner Jünger, die Leute einfach wegzuschicken um sich bei Menschen das Notwendige „einzuhandeln“.
Was die Menschen brauchen, das kann nur ER selbst geben und er gibt und verteilt es nicht selbst, sondern lässt es seine Jünger machen. Sie sollen die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, die Gaben Gottes unter den Menschen zu verteilen.
„Gebt ihr ihnen zu essen!“ das ist der Auftrag Jesu an seine Jünger – also an uns - bis zum heutigen Tag!
Gebt ihr ihnen zu essen, da muss jeder erst einmal
in seine eigene Tasche schauen,
seine eigenen Reserven anfassen und,
eine eigene Großzügigkeit überprüfen!
Und das machen die Jünger dann auch tatsächlich! Sie entdecken allerdings, dass sie angesichts so vieler Menschen nur mit einem kümmerlichen Angebot aufwarten können: 5 Brote + 2 Fische!
„Bringt sie her!“ - das war vielleicht das entscheidende Wort Jesu, was diese prekäre Situation wendete. Alles Verfügbare in den Dienst Jesu zu stellen, das kann „Wunder“ wirken.
Und Jesus nimmt diese bescheidenen Gaben an und spricht den Lobpreis. So ein Tischgebet ist zunächst nichts Besonderes, das Besondere liegt darin, dass die 12 oder die Jünger oder die Menge(?) ihre verfügbaren Mittel in die Hände Jesu legen konnten. Natürlich hätte Jesus das Gleiche vollbringen können aus der Ferne, er hätte diese Brote und Fische bestimmt nicht notwendigerweise in seine Hand nehmen müssen. Aber es ist ein für die Ewigkeit anschauliches Zeichen: Jesus nimmt unsere Gaben an! Dadurch gewinnen sie einen Wert, der über ein einfaches Lebensmittel hinaus geht. Wenn Jesus jetzt die Brote und Fische den Jüngern zum Verteilen gibt, dann ist es eine Gabe Jesu, eine Speise des Himmels, von der die Menschen satt werden sollen. Das ist schon einen Lobpreis wert, mehr als sonst!
Schon sehr früh hat man in der Kirche dieses Brotwunder mit der Eucharistie in Verbindung gebracht, als ein Zeichen, mit dem Jesus dem Gründonnerstag weit vorgreift. Man hat auch noch andere Deutungen versucht, dass die 5 Brote für die die 5 Bücher Mose stehen und die zwei Fische für das Alte und Neue Testament. Diese bis heute heiligen Bücher sind „Nahrung“ aller Christen und werden es für immer bleiben.
Aber für mich geht die Deutung dieser Erzählung vom Brotwunder viel tiefer und sie kann auch für uns heute einen entscheidenden Impuls für die Christen geben, die häufig in der Zerstreuung (Diaspora) leben: Gebt ihr ihnen zu essen!
Da ist Eigeninitiative gefragt, da müssen wir unsere eigenen Mittel und Vorräte, Talente und Gaben inklusive einsetzen, bevor wir uns an andere „Zuständige“ wenden. Zuständig ist im Denken Jesu immer der, der die Not von Menschen sieht.
Das Sehen der Not macht uns schon „zuständig“, nach Lösungen und Verstärkung zu suchen.
Als zweiten Schritt: Das Wenige, worüber wir verfügen, Jesus in die Hand geben und mit IHM den Lobpreis zum Vater im Himmel bringen. Alles Gute, was wir tun können – auch wenn es uns nur gering erscheint – soll zur größeren Ehre Gottes beitragen. Gutes zu ermöglichen, das ist die Sache Gottes, denn ER allein ist der Gute.
Und im dritten Schritt können wir die Erfahrung des Teilens und Not-Linderns allen weiter schenken. Das macht auch die Seele „satt“, die sich nach den Großtaten Gottes sehnt.
Und am Ende bleibt noch übrig, 12 Körbe voll. Also jeder der Apostel hatte einen vollen Korb. Diesmal ist es ein Vorrat, den Jesus für später gegeben hat, ein Vorrat bis auf den heutigen Tag.
Die Erfahrung kann also noch weiter gehen...
Ja, sie muss weiter gehen!

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