Alle Künste tragen bei zur größten aller Künste, der Lebenskunst. Bertold Br ...
Alle Künste tragen bei zur größten aller Künste, der Lebenskunst. Bertold Brecht, 1898-1956Foto-Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Alle_K%C3%BCnste_tragen_bei_zur_gr%C3%B6%C3%9Ften_aller_K%C3%BCnste,_der_Lebenskunst._Bertold_Brecht,_1898-1956_-_de_.svg

Der Traum vom besseren Leben - kann man Lebenskunst lernen?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die Zeiten werden immer schnelllebiger, das Hamsterrad dreht sich. Viele Menschen träumen von einem besseren Leben, während gleichzeitig ihre kostbare Lebenszeit ungenutzt verrinnt. Dabei besteht Lebenskunst einfach nur darin, das eigene Leben auch selbst in die Hand zu nehmen …

Eine Vielzahl von Ratgebern flüstert uns ein, wir müssten ständig glücklich und erfolgreich sein, doch wahre Lebenskunst kommt viel bescheidener daher: Würde es uns nur gelingen, den Alltag gut zu meistern und so zu gestalten, dass wir immer wieder einen Zustand der Zufriedenheit und Sorglosigkeit erlangen, dann wäre schon sehr viel gewonnen.

Philosophie der Lebenskunst
Seit der Antike zerbrechen sich die Philosophen den Kopf über die Kunst der guten Lebensführung. Die einen raten dazu, das Leben in vollen Zügen zu genießen, die anderen empfehlen Askese und Mäßigung. Heute gibt es keine allgemein gültigen Gesetze mehr. Zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse. Und wir nehmen kaum noch jemanden ernst, der uns sagen will, was wir wollen sollen.

Selbst ist der Mensch
Wenn Diogenes nach der Lebenskunst gefragt wurde, fragte er einfach zurück: „Wozu also lebst du, wenn du dich nicht darum sorgst, schön zu leben?“ Denn die Frage, was genau denn nun ein gutes und schönes Leben ausmacht, kann ohnehin nur jeder einzelne für sich selbst beantworten.

Jeder von uns hat andere Bedürfnisse, Ziele und Wünsche. Der wahre Lebenskünstler kennt sie nicht nur- er verwirklicht sie auch. Er lebt sein Leben und gibt ihm immer wieder ein neues Ziel. Lebenskunst ist kein einmaliges, abgeschlossenes Projekt, sondern mitunter ein langwieriger und schwieriger Prozess. Ziele können sich ändern und viele große Kunstwerke bleiben unvollendet.

Sorge und Genuss
Beständiges Glück ist ein allzu hohes Ideal. Ein Leben ohne Sorge gibt es nicht. Doch selbst die Sorge hat einen positiven Aspekt: sie treibt uns an, für einen gewissen Grad an Sorglosigkeit zu sorgen. Denn die Sorglosigkeit ist die Grundbedingung für Genuss.

Wir können zum Beispiel für unsere Gesundheit sorgen. Damit ist nicht so sehr die Abwesenheit von Krankheit gemeint, sondern die Kunst, es sich gut gehen zu lassen, indem man für das eigene Wohlbefinden – seelisch wie körperlich – möglichst gut sorgt. Und die Sorge für sich selbst, das wusste schon Sokrates, ist immer zugleich auch eine Sorge für andere.

Krankheit und Tod
Wir haben nicht immer die Freiheit der Wahl. Krankheit, Leiden und Tod gehören zum Leben wie Glück und Genuss. Doch die Lebenserfahrung lehrt, dass uns mitunter gerade schmerzhafte Erlebnisse viel über die Kunst des guten Lebens lehren können. Mit Krankheit und Tod ist immer auch die Aufforderung verbunden, das Leben wirklich zu leben, es selbst in die Hand zu nehmen und nicht einfach so dahin gehen zu lassen.

Literaturtipp: Philosophie der Lebenskunst von Wilhelm Schmid