Erbschaft

Beitrag von wize.life-Nutzer

Meint ein junger Mann zu seinem Vater:
Mich hält hier nichts, ich will auswandern
Zahlst du mich aus, bist du mich los
Mein Fernweh das ist riesengroß

Der junge Mann, der erbte viel
Hatt' jetzt nur noch ein einzges Ziel
Das Leben zu genießen
Ließ er den Wein in Strömen fließen

Der Freunde hatte er bald viele
Doch nur mit einem einz’gen Ziele
Teilhaben an dem Reichtum sein
Solch Leben ist doch richtig fein

Er kauft sich auch der Frauen Liebe
Nicht ahnend, daß es nur sind Triebe
Sein Geld das schwindet wie im Flug
Solch Leben ist ein einziger Betrug

Gar bald ist all sein Geld verschwunden
Die Freunde suchen neue Kunden
Kein Dach mehr über seinem Kopfe
Die Not erhebt sich über diesem Tropfe

Zu allem Elend gibt’s auch eine Wirtschaftskrise
An Arbeit mangelt es für endlos viele
Für ihn sich auch nichts Rechtes findet
Er sich auf seines Vaters Haus besinnet

Dort hätt’ er alles was ihm nötig war
Er muß sich schämen – ist doch klar
So abgerissen kann er es nicht wagen
Bei seinem Vater wieder nachzufragen

Als aber seine Not wird immer größer
Kann er doch nicht mehr länger zögern
Er macht sich auf den Weg zu seinem Vater
Vielleicht nimmt er ihn auf als Leiharbeiter

Er wandert Tag und Nacht zurück
Sein schlecht Gewissen ihn bedrückt
Was wird sein Vater ihm wohl sagen
Daß sein Vermögen er hat fortgetragen

Sein Vater hat an ihn gedacht
Gar manchen Tag und manche Nacht
Wie mag es meinem Sohne gehn
Kann ich ihn wohl noch einmal sehn

Da, in der Ferne kommt ein Mann
Dies nur sein eigner Sohn sein kann
Schnell läuft und rennt er ihm entgegen
Er kommt zurück von bösen Wegen

Schließt ihn in seine Arme jetzt
Und richtet aus ein großes Fest
Sein Sohn, er war für ihn verloren
Jetzt ist er wieder neu geboren

Johannes Paetzold