Wo denn?
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Orthopädenbesuch - oder, wie komme ich zu einer Erkenntnis

Beitrag von wize.life-Nutzer

Vorne weg möchte ich unabdingbar fest halten: Wir haben eine exklusive medizinische Versorgung. Das steht für mich außer Zweifel und ich schätze dies sehr.

Dennoch ist es schade, dass Folgendes genau dieses verschleiert:

Ich komme in diese Praxis. Große Empfangshalle mit großem Tresen. Die Arzthelferinnen sitzen, professionell mit Headset verstöpselt, dahinter. Vor mir stehen schon zwei Patienten. Trotz dieser offensichtlich straff organisierten Abläufe gibt es einen Stau. „Guten morgen, bitte füllen Sie uns dieses Blatt aus…“ Das werde ich auch noch machen müssen. Ich warte….. Hinter mir noch mehr Patienten. Also, wenn hier schon alles so straff und rationell organisiert ist, dann muss ich als Patientin wohl mit denken. Ich schnappe mir kurzerhand und ungefragt solch einen Patientenbogen und fülle ihn aus. Gleich danach bin ich an der Reihe. „ Guten morgen, ihren Namen, den Überweisungsschein und ihre Versichertenkarte bitte. Ach ja, und füllen sie doch diesen Patientenfragebogen aus…!“ Mit mildem Lächeln und treuen, rehbraunen Augen halte ich dieser fleißigen und in diesem Moment völlig überforderten Empfangs – Arzthelferin meinen bereits vollständig und unterschriebenen Bogen, meine Versicherungskarte und meinen Überweisungsschein hin. „Oh! Sie haben schon…..“ Ist sie nun dankbar, angesichts meines selbstständigen Handelns oder beleidigt. Naja, die Patienten hinter mir sind dankbar, aber auch perplex, dass ich mich getraut habe….. ooohne zu fragen frei zu denken und zu handeln…. bei einem Arzt….tststs! „ Bitte nehmen sie im Wartezimmer Platz.“ „ Gerne!“ säusel ich, teils ehrlich gemeint, aber auch innerlich die Hände reibend.

Nach einer Wartezeit, die absolut noch im Rahmen lag – immerhin ist hier alles neu und modern und organisiert – werde ich in eines der vielen Sprechzimmer geführt. Ich warte! Der Arzt kommt rein zusammen mit seiner treuen Begleiterin. Er setzt sich kurz und fordert mich auf meine Beschwerden zu schildern – für diese verbale Bestandsaufnahme habe ich gefühlte 2 min. Zeit. Ich solle mich oben frei machen und stehen bleiben. Dann geht es los, mit der nonverbalen Bestandsaufnahme: Kopf wird gedreht – lateinische Diagnose fliegt in Steno – Sprache zu seiner treuen Begleiterin. Diese sitzt am PC und tippt….. nach einander werden meine Schultern, Arme in alle Himmelsrichtungen gedreht und gewendet. Dazwischen lateinisches Steno…. „ Legen sie sich bitte dort hin…“ Endlich mal eine Reaktion auf meine Person – juhuuu er bemerkt MICH! Er nimmt mein linkes Bein – wieder Steno – Latein, die Hüfte. Rechts dasselbe Procedere – ich bewundere dieses blinde lateinische Verständnis zwischen seiner treuen Mitarbeiterin und ihm – ob er daheim auch solch eine harmonische Beziehung führt? Es flutscht nur so. „Bitte ziehen sie sich an. Wir röntgen noch. Draußen rechts und dann wieder links. Dort warten Sie bitte.“ Und weg war er…. Ähmm, wollte ich noch was sagen oder wollte ich es nicht.

Nach dem Röntgen warte ich wieder hinter einer dieser vielen Türen. Er betritt den Raum – teilt mir kurz seine Diagnose mit – im kurzen Steno – Deutsch, dann seiner treuen Arzthelferin was zu tun ist. Ich bitte ihn noch mir eine Kopie der Diagnose ebenfalls zuzusenden. Kein Problem – und teilt auch dies der Mitarbeiterin mit.

Das war´s….. ich kann gehen…. Bewaffnet mit einem Rezept für Physiotherapie.

Im Auto muss ich erst mal durch atmen. Was weiß dieser Arzt eigentlich von meinem Individuum? Von meiner ganz persönlichen Historie und Hintergrund, die mit Sicherheit einen Teil meiner Beschwerden ausmachen? Gar nichts!!!!! Und trotzdem eine Diagnose mit Behandlungsplan???? Ist das der Grund, warum dieser Mann Arzt wurde? Fließband – Arbeit mit dem Material Mensch!

Über was regen sich die Kassen eigentlich auf? Es klappt doch alles bestens! Rationelle Arbeitsabläufe, keine langen Sprechzeiten und….. Da war doch noch was? Ach so, der Patient – der neue Investor für dieses straff organisierte und moderne Gesundheitswesen. Werden Investoren eigentlich nicht betüttelt und umworben????

Naja, über Datenschutz auf der Versicherungskarte brauche ich mich nicht mehr aufregen. Denn das was da gespeichert wird, steht in jedem Anatomiebuch der 5. Klasse. Vielleicht sollten wir die Diskussion auf was ganz anderes verlagern –

RESPEKT UND ACHTUNG VOR DEM LEID DES MENSCHEN, DER SICH ANVERTRAUT.

Ein Ausschnitt aus der Genfer Deklaration: '...Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen...'

Caroline Anne Hagel

PS: Die Kopie der Diagnose kostete mich 4 Anrufe, bis diese schließlich ! per Postweg ! bei mir eintraf.

Das Folge - Rezept wird in dieser Praxis nicht zugeschickt. „NEIN!, das machen wir nicht……“ Ich musste 20 km fahren, einfache Strecke!, um es abzuholen.

Gelobt sei meine "Flexibilität" - auf allen Ebenen!!!

Caroline Anne Hagel©

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