Herzensbildung
Herzensbildung

Herzensbildung

Beitrag von wize.life-Nutzer

Herzensbildung ist ein alter Begriff, den wohl Goethe einst prägte und der heute mit ‚Emotionaler Intelligenz‘ übersetzt wird.

Was ist emotionale Intelligenz?

Grundsätzlich handelt es dabei um den Umgang mit Gefühlen und deren Einschätzung bei sich selbst und anderen. Ferner ist das Beeinflussen von Gefühlen von Bedeutung.

Neumodischer psychologischer Quatsch, mögen einige sagen. Stimmt nicht ganz. Viele Psychologen setzten sich bereits mit derartigen Themen auseinander. In den 20er Jahren verwandte Edward Thorndike den Begriff ‚soziale Intelligenz‘. Also ganz ‚neumodisch‘ ist die Geschichte nicht.

Und Quatsch? Wohl kaum. Um einen guten Umgang mit seinen Mitmenschen führen, um überhaupt Beziehungen eingehen zu können, ist es von Bedeutung, dass man sich seiner eigenen Gefühle bewusst wird und die des Gegenübers möglichst genau einschätzen kann. Denn sonst funktioniert so gut wie keine Kommunikation. Das Einschätzen allein hat noch keinen Nutzen. In der Folge ist es wichtig, dass Gefühle beeinflusst werden können. Sowohl die eigenen, als auch die der anderen.


Zu keiner Zeit hat es sich bewährt, wenn man seinen Gefühlen, egal, wo man sich nun gerade befindet, großzügig freien Lauf lässt. Sei es, dass man nun vor lauter Wut, weil man an der Kasse schon 5 Minuten wartet, lauthals los zu schimpfen, oder einen Freudentanz aufführt, wenn der Chef heute die eigene Schnelligkeit bei der Arbeit lobt.
Das Beeinflussen der Gefühle hat, wie der Schwabe sagt, schnell ein ‚Gschmäckle‘. Bei dieser Vorstellung wird uns unwohl, wir denken an Manipulation, die uns vor allem in Politik und Werbung begegnet. So weit brauchen wir aber gar nicht zu schauen. Sind wir nicht ständig mehr oder weniger bewusst dabei, die Gefühle unseres Gegenübers zu beeinflussen? So setzen wir einiges daran, dass wir einen Rabatt beim Autokauf herausschlagen, oder wir versuchen dem Kollegen dahingehend umzustimmen, dass er nun doch eine unangenehme Aufgabe übernimmt oder unsere besser Hälfte möchten wir davon überzeugen, dass Omas Geburtstagsfeier ganz toll wird. Und der abgedrehten Freundin versuchen wir den ‚tollen‘ Typ von gestern sanft auszureden, weil wir wissen, dass sie bei weitem nicht die einzige ist, mit der er anbändelt.

Psychologen haben lange erkannt, dass die emotionale Intelligenz höher einzuschätzen ist, das die Intelligenz des Wissens. Populär wurde dies durch das Buch 'EQ. Emotionale Intelligenz' des amerikanischen Journalisten und Psychologen David Goleman. Seit ca. dieser Zeit (1995) kommen immer mehr Menschen, vor allem aber auch Unternehmen dahinter, dass nicht der IQ (Intelligenz-Quotient), sondern der EQ (Emotionaler Quotient) ein wichtiger Schlüssel zum persönlichen und beruflichen Erfolg ist.

Personen mit einem hohen EQ besitzen Führungsqualitäten, da sie gut mit anderen Menschen umgehen können. Sie können in der Regel Konflikte konstruktiv meistern, hören aktiv zu und wissen, dass sie andere nicht ändern können. Meist sind sie beliebt, pflegen tiefgehende Beziehungen und Freundschaften, sind selbst meist ausgeglichen und zufrieden.

Zu den Kompetenzen der emotionalen Intelligenz gehören:
> Selbstbewusstheit - realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit
> Selbststeuerung - Fähigkeit eigene Gefühle und damit Stimmungen durch einen inneren Dialog konstruktiv zu beeinflussen
> Empathie - Fähigkeit sich in die Gefühle und Sichtweisen anderer Menschen hineinversetzen zu können und angemessen darauf zu reagieren
> Soziale Kompetenz - Fähigkeit Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen knüpfen und Beziehungen auch dauerhaft aufrecht erhalten können

Vieles, was emotionale Intelligenz ausmacht, kann erlernt werden. Die Auswahl an entsprechender Literatur und Zeitschriften ist enorm. So kann Hans doch noch Kompetenzen erlangen, die er als Hänschen nicht hatte. Um eine natürliche und positive, also authentische Wirkung zu erzielen, muss das Erlernte aber erst einmal ‚ins Herz sinken‘.

Die Demut des Herzens verlangt nicht, daß du dich demütigen, sondern daß du dich öffnen sollst. Das ist der Schlüssel des Austausches. Nur dann kannst du geben und empfangen.

Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste, Citadelle