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Im Himmel gibt es keinen Stundenlohn... (Mt 20,01-16)

Von wize.life-Nutzer - Samstag, 20.09.2014 - 21:55 Uhr

ein altbekanntes Gleichnis von den Weinbergarbeitern.
Und jedes Mal, wenn man es hört, hat man ein ungutes Gefühl im Bauch, weil es ja tatsächlich ungerecht zugeht. Der Gutsbesitzer zahlt keinen bei uns üblichen Stundenlohn.
Er vereinbart nur den Lohn des Tages mit diesen Tagelöhnern.
Am Ende hält sich zwar der Gutsbesitzer an die getroffene Vereinbarung des Tageslohnes, aber es fühlen sich trotzdem diejenigen ungerecht behandelt, die für den gleichen Lohn den ganzen Tag gearbeitet haben und nicht nur einige Stunden.
Zu Recht, würden wir sagen...
Aber dieses Gleichnis stammt nicht aus einem Tarifverhand­lungs­protokoll der Gewerkschaft, sondern ist „frohe Botschaft“, eben ein Evangelium, das uns sehr viel mehr aufzeigen möchte als das Thema der Lohngerechtigkeit.
Worum geht‘s also?
Immer wieder fragten die Jünger Jesu, „was haben wir davon, wenn wir Dir nachfolgen?“ Rentieren sich der Aufwand, die Mühe und der Einsatz? So sind die Menschen eben, klar berechnend, und immer die Frage: „Was bringt‘s?
Mit diesem Gleichnis zeigt Jesus ein für alle Mal auf, dass wir im Himmel keinen „Lohn“ empfangen werden.
Wir werden am Jüngsten Tag nicht nach unserer Leistung beurteilt, die wir auf Erden vollbracht haben oder auch nicht.
Gott ist kein berechnender Buchhalter, der uns am Ende die Lebensbilanz unserer Verdienste und Fehler präsentieren wird.
Der Schlüsselsatz in diesem Evangeliumsabschnitt ist:
„...weil ich gütig bin...“
Wir werden also in der Ewigkeit vor allem Gottes gütige Barmherzigkeit erfahren und nicht die gesetzeskonforme Gerechtigkeit, vor der eigentlich niemand eine Chance haben kann.
Das Entscheidende, was die Weinbergarbeiter getan haben, war offensichtlich nicht ihre Arbeit, die mehr oder weniger lange gedauert hat und mehr oder weniger produktiv sein konnte. Das Entscheidende war, dass sie der Einladung des Gutsbesitzers gefolgt sind, dass sie auf sein Angebot eingegangen sind und ihren Dienst im Weinberg taten, so gut sie es vermochten.
Und genau das ist die Botschaft dieses Evangeliumsabschnittes für uns: Jesus lädt uns, jede(n) Einzelne(n) ein, IHM in seinen Weinberg zu folgen und IHM zu dienen.
Natürlich ist es mühsam und kann reichlich lange dauern. Manche Menschen stellen sich ihr ganzes Leben lang in Seinen Dienst. Andere verstehen seinen Ruf erst kurz vor „Torschluss“ und folgen ihm schließlich nach langer Zeit der Untätigkeit oder Unentschlossenheit.
Deswegen kommt es am Ende nicht darauf an, wie viel jeder von uns „missioniert“ oder gespendet hat für die Kirche, an wie vielen Sitzungen er beteiligt war oder wie viele Gottesdienste er besucht hat.
Das Entscheidende ist, dass wir den Ruf Jesu verstanden und IHM unser Herz geöffnet haben.
Wenn wir zu Jesus eine Herzensbeziehung haben, dann können wir gar nicht anders, als uns für all das einzusetzen, wofür sich Jesus an unserer Stelle einsetzen würde, und für die Menschen da zu sein, für die auch Jesus an unserer Stelle da wäre.
Aber wie kommt man zu einer Herzensbeziehung mit Jesus, die alles andere Lebensentscheidende erst möglich macht?
Der Sakramentenempfang alleine scheint es nicht zu sein, denn es gibt viele, die trotz mehr oder weniger häufigem Empfang der Sakramente sich entfernt haben und womöglich aus der Kirche ausgetreten sind.
Ich glaube, mit Jesus kommt man auf die gleiche Weise zu einer Herzensbeziehung, wie man sie auch mit Menschen bekommt: Es hängt vom persönlichen und häufigen Gespräch ab, vom gegenseitigen, zuhörenden Interesse aneinander und davon, dass man an den anderen im Lauf der Zeit viele Fragen stellt und so manche gute Antwort bekommt.
Genau so ist es in der Beziehung mit Jesus!
* Sich die Zeit für das regelmäßige Gespräch nehmen (= Gebet),
* zuhören im Tiefsten des Herzens (= Meditation und Betrachtung),
* viele Fragen stellen und zu verstehen versuchen (= in Gesprächs- und Lebenskreisen).

Ich bin sehr erstaunt und dankbar über die vielen, die hier in der Gemeinde alle möglichen Dienste tun und sich einsetzen für das Gemeindeleben. Alle meine Hochachtung!
Und dennoch möchte ich sowohl jenen, deren Gemeinde­aktivitäten sich sehr in Grenzen halten, als auch den anderen, die sich sehr engagieren, den Blick auf diese Herzensbeziehung zu Jesus lenken.
Ohne diese Beziehung könnte nämlich vieles in einen gut gemeinten Aktivismus abdriften oder jegliches nennenswertes Engagement gar nicht erst entstehen lassen.
Jesus kommt auch heute auf unseren „Marktplatz des Lebens“ und ruft uns zu: „Kommt auch ihr in meinen Weinberg“!
Der „Denar“, den ER uns geben möchte, das ist kein Kleingeld, sondern der eigentliche Schatz des Lebens im Tiefsten unseres Herzens.
Es ist jener entscheidende Schatz, der alles andere verblassen lässt.
Folgen wir also seinem Ruf,
folgen wir unserer Berufung!

www.konrad-heil.de

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11 Kommentare

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"Den Denar, den er uns geben möchte...."
das hört sich an, als sollten wir ein Geschenk erhalten. Im Gleichnis ist es aber der Lohn für Arbeit - das ist ein Unterschied!

"..der eigentliche Schatz des Lebens in Tiefsten unseres Herzens"
Was soll das für ein Schatz sein? Darüber sagt Konrad nichts. Ausser dem geheimnisvollen Satz, dass er "alles andere verblassen lässt"

Insgesamt finde ich das nicht als gute Interpretation dieses wirklich interessanten und tiefsinnigen Gleichnisses, bei dem es m. E. hauptsächlich um Neid und Mißgunst geht.
Der "Denar" ist eben gerade keine Lohn für die geleistete Arbeit, denn sonst wäre der Arbeitgeber nach unserem Rechtsempfinden grob ungerecht!
Neid und Missgunst kommen im Gleichnis gerade deshalb hoch, weil der gezahlte Lohn (gemessen an der Arbeitszeit) ungerecht ist.
Nein, lieber Konrad,
Der Lohn für die getane Arbeit ist nicht grob ungerecht.
Nachdem die Arbeiter, die am längsten gearbeitet hatten, anfingen sich zu beschweren, hat der Winzer sie gefragt: hab ich euch nicht heute morgen gefragt, ob ihr für x Denar den ganzen Tag arbeiten wollt? Und habt ihr nicht den vereinbarten Lohn erhalten? Was wollt ihr also noch?

Und als sich jene dann ereiferten, dass ihre Kollegen für den gleichen Lohn viel weniger arbeiten mussten, sagte er den entscheidenden Satz: "kann ich denn mein Geld nicht verschenken, an wen ICH will?"

Es war nämlich nicht der Gerechtigkeitssinn, der die Arbeiter rebellieren lies, es war der Neid!
In unserem Land bekommen Frauen weniger Lohn als Männer. Alles ganz legal, denn sie haben die entspechenden Arbeitsverträge unterschrieben.
Gerecht ist es trotzdem nicht !!!

In der 3. Welt arbeiten die Menschen für Hungerlöhne. Ganz legal, denn sie haben die Arbeitsbedingungen akzeptiert. Gerecht ist es trotzdem nicht !!!

Die Bänker verdienten im Jahr ein 6-7stelliges Gehalt.
Ganz legal. Gerecht ist es trotzdem nicht !!!
Das mag ja sein, lieber Konrad.
Aber es hat nichts mit dem Gleichnis zu tun.
Das ist ein ganz anderes Thema.
Auch im Gleichnis hat sich der Gutsherr an die Vereinbarungen gehalten, ganz legal...
Ungerecht behandelt haben sich die "Vielarbeiter" trotzdem gefühlt.
Lieber Konrad,
Wir dürfen annehmen, dass der Winzer die damals üblichen Löhne bezahlt hat. Wäre er ein Geizhals und Ausbeuter gewesen hätte er sicherlich den zuletzt angeheuerten Arbeitern weniger bezahlt als den zuerst angeheuerten.

Das Gleichnis kritisiert die Tatsache, dass sich die zuerst angeheuerten Arbeiter ungerecht behandelt gefühlt haben: sie hatten keinen anderen Grund dazu als ihren Neid. Sie konnten es nicht ertragen, dass ihren Kollegen etwas geschenkt wurde und ihnen nicht.
Für mich ist das Gleichnis der Weinbergarbeiter keine Anleitung zur Lohngerechtigkeit und auch keine Verurteilung von gefühlter Benachteiligung (=Neid). Es ist ein Lehrstück über die großzügige Liebe Gottes am Ende unseres Lebens...
LieberKonrad,
Das kann man so sehen. Leben=Arbeitstag, Tod=Feierabend, Himmel=Bezahlung. Aber wenn das so gemeint wäre, warum haben sich dann die Vielarbeiter so aufgeregt? Um nur die Großzügigkeit eines Gottes zu betonen wäre dieser Teil des Gleichnisses nicht nötig gewesen. Wen man annimmt, dass das "Wort Gottes" keine unnötigen Ausschmückungen enthält muss man noch erklären, warum die Vielarbeiter "gemurrt" haben. Und warum dieses Murren vom Winzer (=Gott) zurückgewiesen wurde.
Didaktisch ist das Gleichnis sehr klug aufgebaut.
Das Murren der Vielarbeiter macht deutlich, dass man sich den Himmel nicht verdienen kann durch "Mehrarbeit" ...
Lieber Konrad,
Ich muss dir widersprechen.
Wenn der Autor aus didaktischen Gründen eine Reaktion der Arbeiter eingebaut hätte, dann hätte er z. B. schreiben müssen, dass sich die Wenig-Arbeiter überschwänglich bedankt haben. Das "Murren" der Vielarbeiter passt nicht zu deiner Interpretation, genausowenig wie seine Zurückweisung durch den Winzer-Gott.
Das Gleichnis enthält ausdrücklich einen Tadel an die Viel-Arbeiter, die doch für die frommen und gottesfürchtigen Menschen stehen.
Ich halte diesen Tadel für ein wesentliches Element des Gleichnisses und nicht etwa für eine didaktische Ausschmückung. Es geht um mehr als nur um die Behauptung, dass man sich auf Gotteslohn keinen Anspruch erwerben kann.
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