Kirche an Erntedank
Kirche an ErntedankFoto-Quelle: DEF

Was heißt hier bitte Erntedank?

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Was heißt Erntedank in einer reichen, eher städtisch geprägten Welt?

Das Ritual ist klar und lang eingeübt: Die Kirche wird im Herbst nach stattgehabter Ernte mit Feldfrüchten geschmückt. Alle danken für ein gutes Jahr und eine gute Ernte. Das Leben hing davon ab. Tut es das noch?

Aber haben wir uns nicht alle so ewig weit schon davon entfernt? Milch kommt im Tetrapak und die Kuh nicht mehr aus dem Stall. Brot wird in Fabriken hergestellt und in Backshops vor Ort aufgebacken. Das ist dann frisches Brot. Das Fleisch bei den Metzgereien kommt manchmal noch von Rindern und Schweinen aus der Umgebung oder wenigstens dem Landkreis. Aber seit die EU ihre Bestimmungen nochmals verschärfte, schlachten nicht mehr viele Betriebe selbst. Die Investitionskosten für die neuen Anlagen waren einfach zu hoch. Auf den Feldern im Umland wächst meistens nur Mais. Der wird Silofutter für die Tiere in Ställen und zunehmend Energiemais in Biogasanlagen. Die Abbauprodukte der Mittel, die auf die Felder kommen, finden sich zum Beispiel in den Haferflocken in unserer Müslimischung.

Da schauen wir auf die Erntedankgaben, wie sie vor dem Altar aufgebaut sind, zeigen sie den Kindern. Eine Erntekrone aus Korn gebunden, diverse Kürbisse, die es zur Zeit überall zu kaufen gibt. Ein großes, schönes, eigens gebackenes Brot, auf dem in anderem Teig aufgeschrieben steht "Erntedank 2014". Ein paar Gläser Marmelade und ein Weidenkorb mit Gepaschokolade und Fair Trade Kaffee aus dem EineWeltLaden der Gemeinde.

Unser Einkaufskorb schaut nicht so aus. Vor allem ist darin viel mehr Plastik, das wir gezwungen sind, mitzukaufen. Das möchte man nicht beim Erntedankgottesdienst im Altarraum haben. Ja, wir haben uns wirklich meilenweit von dem Leben unserer einst meist bäuerlichen Vorfahren entfernt. Vielleicht ist Erntedank ja eine Möglichkeit, darüber wenigstens mal nachzudenken. Oder aber zu danken, dass wir keinen Hunger leiden müssen, es den Hunger aber in so vielen Teilen der Welt sehr wohl noch gibt. Es ist eine große Weltaufgabe, die Bekämpfung von Hunger und Armut. Sie war das erste der Milleniums-Entwicklungsziele, die 2015 auslaufen. Sie wird vielleicht auch das erste der neuen Weltnachhaltigkeitsziele des Post 2015 Prozesses werden, werden müssen. Unser Dank darf nicht zu schlaff und wohlstandssatt ausfallen, sondern sollte ein aktiver sein.
Essen wertschätzen, nicht wegwerfen. Anders einkaufen, mit insgesamt mehr Gedanken. Sorgfältiger. Dem wieder näher kommen: unserm Essen, unserm Leben. Und dass ich es nicht nur für uns hier gut haben will, sondern für alle Menschen auf der Erde. Damit wir uns nicht schämen müssen vor den Konfirmanden, die in dieser Gemeinde heranwachsen, und morgen schon Bürgerinnen und Bürger sein werden, nicht nur unseres Landes, sondern auch Weltbürger.