Mein Wort zum Sonntag: Was ist Logik?
Mein Wort zum Sonntag: Was ist Logik?Foto-Quelle: © kantver - www.Fotolia.com

Mein Wort zum Sonntag: Was ist Logik?

News Team
Beitrag von News Team

Wenn wir sagen: Das ist logisch, meinen wir: Das ist vernünftig, praktisch, sinnvoll. Doch Logik hat damit nichts zu tun, ja, sie kann unmenschlich sein und extrem gefährlich werden.
Logik ist die Anwendung logischer Gesetze auf geistige Inhalte, die durch irgendeine Sprache ausgedrückt werden. Das kann ganz schön aus dem Ruder laufen. Ein Beispiel dafür ist Loriots Vortrag über

Steuerermäßigung

Nach den neuen Gesetzen zur Entlastung mittelständischer Arbeitnehmer beträgt die Steuerermäßigung bei einem monatlichen Einkommen von 1.200.- für einen 30jährigen Angestellten mit zwei Kindern 846.- pro Jahr. Infolge der progressiven Staffelung kann ein 97jähriger Angestellter mit 53 Kindern und einem Einkommen von 1.400.- künftig mit einer Steuerermäßigung von jährlich 386.000.- rechnen. Die gleiche Summe ergibt sich rein rechnerisch für einen fünfjährigen Angestellten mit 126 Kindern. Wie wahr! Und wie unsinnig. Die Fallstricke der Logik hat der Mathematiker und Kinderbuchautor Lewis Carroll bestens in seinen Alice-Büchern beschrieben (und er wusste, wovon er redete). Hier ein paar Beispiele:

Warum ist die Grinsekatze verrückt?

"Woher weißt du" fragte Alice die Grinsekatze, "dass du verrückt bist?"
"Zunächst einmal, ein Hund ist nicht verrückt. Zugegeben?"
"Ich nehme an."
"Nun denn, siehst du: Ein Hund knurrt, wenn er zornig ist, und wedelt mit dem Schweif, wenn er sich freut. Ich dagegen knurre, wenn ich mich freue, und wedle mit dem Schwanz, wenn ich zornig bin. Folglich bin ich verrückt."
Na, da kann man nur mit Carroll definieren:
Wenn es so wäre, könnte es so sein; wäre es so, würde es sein; doch da's nicht ist, ist es nicht. Das ist Logik.

Warum Protagoras nichts zahlen will

Besonders amüsant - und besonders schrecklich - sind die Fallstricke der Logik, die schon den alten Griechen bekannt waren. So etwa die Geschichte des Protagoras: Der intelligente Junge studierte Rechtswissenschaften. Sein Lehrer war von ihm so beeindruckt, dass er einen Vertrag abschloss: Sollte sein Schüler den ersten Prozess gewinnen (wovon er ausging), dann brauche er kein Lehrgeld zahlen. Verliere er aber den ersten Prozess, müsse er zahlen. Protagoras beendete sein Studium und tat - nichts. Bis es seinem Lehrer zu dumm wurde und er ihn verklagte. Das Geld, dachte er, bekomme ich auf jeden Fall: Verliert Protagoras den Prozess, erhalte ich das Geld. Gewinnt er ihn aber (und ich verliere ihn), muss er laut Vertrag zahlen. Protagoras dachte genau umgekehrt: Verliere ich den Prozess, muss ich laut Vertrag nichts zahlen. Gewinne ich aber, muss ich laut Gesetz auch nichts zahlen.
Schlimm wirkte sich diese Logik zur Zeit der Hexenprozesse aus: Gestand die Hexe, mit dem Teufel im Bunde zu sein, war sie schuldig. gestand sie nicht, war sie erst recht schuldig, denn solche Qualen wie bei der Folter konnte nur diejenige ertragen, die mit dem Teufel im Bunde stand.

Warum Frauen dümmer sind als Männer

Und noch ein Beispiel aus dem Bereich der "Wissenschaft": Die frühen Anatomen stellten fest dass die Gehirne der Frauen kleiner sind als die der Männer. Also sind sie dümmer. Später relativierte man die Erkenntnis: Frauen haben, relativ zum Körpergewicht, größere Gehirne als Männer. Folgerung: Sie sind dümmer als Männer, weil sie zur gleichen Hirnleistung mehr Hirnsubstanz brauchen. Das ist Logik!
Besonders schlimm aber sind Politiker, die logisch handeln. Wie zum Beispiel Adolf Hitler: Keiner hat die eigenen Ideen so logisch, d.h. konsequent, umgesetzt, wie er. Seine Politik hat fast mathematische Klarheit. Es gibt nur zwei "Axiome":
- Der deutsche Volkskörper muss reingehalten werden.
- Die Juden verunreinigen ihn.
Die Folgen der Umsetzung dieser Logik kennen wir.
Merke: Logik ist die Kunst, in strenger Übereinstimmung mit den Grenzen und Handicaps des menschlichen Unverstands zu denken und zu argumentieren. Ambrose Bierce, aus dem "Wörterbuch des Teufels".