wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Vincent van Gogh: Trauernder alter Mann
Vincent van Gogh: Trauernder alter MannFoto-Quelle: http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fupload.wikimedia.org%2Fwikipedia%2Fcommons%2F3%2F38%2FVincent_Willem_van_Gogh_002.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FDepression&h=1611

Warum ist das Leid in der Welt? Vom Umgang mit Schicksalen

Von Christine Kammerer - Mittwoch, 22.10.2014 - 09:31 Uhr

Der Tod nahestehender Menschen, Krankheiten, Unfälle und andere tragische Schicksalsschläge begleiten uns auf Schritt und Tritt. Das Leid gehört zum Menschsein. Auf die Frage nach dem „Warum?“ gibt es selten zufriedenstellende Antworten.

Die frühen Christen sahen darin eine Strafe Gottes. Sie glaubten fest daran, dass nur derjenige leiden muss, der nicht gottesfürchtig lebt. Man bürdete jenen, die mit Leid geschlagen waren, zu allem Überfluss auch noch die Schuld daran selbst auf. Aber die Frage, warum auch die guten Menschen leiden müssen oder warum Gott nichts gegen das Leiden in der Welt unternimmt, kann auch das Christentum bis heute nicht beantworten.

Es besteht aber immerhin noch eine Hoffnung auf Erlösung von allem Leid im Jenseits. Im Buddhismus dagegen ist nicht nur das diesseitige Leben ein einziges Leiden, sondern es setzt sich auch im Kreislauf der Wiedergeburt fort. Nur wer wirklich nichts mehr begehrt, wer den achtfachen Pfad zum Nirwana beschritten hat, kann das Leid überwinden.

Vom Umgang mit Schicksalen
Die Nachricht vom plötzlichen Tod eines geliebten Menschen, die Hiobsbotschaft von einer schweren Erkrankung – Schicksalsschläge ziehen immer bestimmte Reaktionen nach sich: Auf den ersten Schock und die Fassungslosigkeit folgt eine Phase der Auseinandersetzung mit dem Ereignis und die Frage: Was kann ich tun?

Man bemüht sich um Selbstbeherrschung, die Bewältigung der anstehenden Aufgaben, auch wenn einen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit immer wieder heimsuchen. Die meisten Menschen kehren nach geraumer Zeit wieder in den Alltag zurück. Sie versuchen, so normal wie möglich weiterzuleben. Und sei es nur für andere nahestehende Menschen.

Ohnmacht und Kontrollverlust
Wir können vor dem Leid nicht fliehen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen – ob wir wollen oder nicht. Die Phase der Trauer und des Neubeginns nach einem Schicksalsschlag will durchlebt sein, selbst wenn sie uns mit Gefühlen der Ohnmacht konfrontiert. Verdrängt man sie, kann das in einer Depression münden.

Leiden lernen?
Wir können nicht lernen, „besser“ damit umzugehen. Nicht einmal Menschen, die beruflich regelmäßig damit zu tun haben, gewöhnen sich daran. Sie kämpfen so oft an verlorener Front, das Leid besiegt sie immer wieder. Wir können nur versuchen, das Schicksal anzunehmen. Akzeptieren, dass wir nicht alles steuern und kontrollieren können. Und dass Verlust und Verzicht zum Leben gehören wie Genuss und Glück.

In der Not gehen 100 Freunde auf ein Lot

Viele Menschen schotten sich ab gegenüber dem Leid der anderen. Das alte Sprichwort hat von seiner Gültigkeit nichts verloren, denn besonders dann, wenn man Zuspruch gebrauchen könnte, weil einen das Schicksal hart getroffen hat, machen sich vermeintlich gute Freunde rar. Ganz so, als ob das Leid ansteckend wäre. Es sind nicht zufällig gerade die Menschen, die übergroße Angst davor haben, solches Leid am eigenen Leib zu erfahren. Von ihnen kann man bestenfalls oberflächliches Mitleid erfahren - kein Mitgefühl.

Mitleid und Mitgefühl
Mitleid trennt. Wer mitleidet, empfindet das Leid des anderen so, als wäre es ihm selbst begegnet. Er bemitleidet demnach vor allem sich selbst und ist deswegen auch nicht zu echter Anteilnahme fähig. Nur wer wirklich mitfühlt, ist mit dem Herzen beim anderen und kann auch Trost spenden. Denn Trost offenbart dem Leidenden vor allem eine positive Perspektive – er mehrt nicht auch noch dessen Kummer durch eigene düstere Gedanken.

19 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Mir ist aufgefallen, dass viele Menschen leidvolle Erfahrungen länger mit sich herumschleppen als freudvolle; letztere sind oft schnell vergessen, dabei gibt es deren eine ganze Menge. Und wenn wir noch bewusster wahrnehmen würden, so würde uns manches, was wir übersehen, als beglückend erscheinen: Das Grün im Frühling, der Duft von frischem Heu, Glockengeläut, Herbstlaub, Schneekristalle usw.
Christine Kammerer
Ja, das ist das Geheimnis der Achtsamkeit. Ich glaube, die Antwort liegt in der Überwindung vieler unsinniger Ängste - zum Beispiel der vor dem Leid. Getreu dem alten Spruch: "Manche Menschen haben von ihrem Glück nichts als die Angst, es zu verlieren..." (oder so ähnlich)
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
für mich persönlich ist abträglich .....die. Frage....WARUM.....für mich persönlich gibt es auf dieses Wort keine Antwort....für mich führt das Wort...wozu...weiter.....
sicher...jede und jeder geht mit seinem Schicksal anders um...ich selber habe in meinem Leben viele Schicksalsschläge hinnehmen müssen.....auch solche, die mich fast das eigene Leben gekostet hätten...ich bin dankbar in der größten Not...immer eine Hand gefunden hat...die mich gehalten hat...auch wenn ich es nicht in der Krise gemerkt hab...vor lauter seelischem, körperlichen Schmerz...aus dieser Erfahrung heraus arbeite ich seit sehr vielen Jahren schon als Pflegefachkraft in der Altenpflege...und auch als zert. Trauerbegleiterin.....ich kann Menschen ihr Schicksal nicht abnehmen...ich kann sie begleiten, einfühlsam und tröstend....und auch manchmal schweigend....
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sehr geehrte Frau Kammerer,

gerade in der pflegerischen Arbeit werde ich immer wieder vor die von Ihnen gestellte Frage gestellt. Sie meinen:

"Aber die Frage, warum auch die guten Menschen leiden müssen oder warum Gott nichts gegen das Leiden in der Welt unternimmt, kann auch das Christentum bis heute nicht beantworten."

Ich denke schon, dass Christen diese Frage beantworten können. Da meine Ausführungen, um die Zusammenhänge zu wahren, zu umfangreich sind, um sie hier in einzelnen Blöcken einzustellen, gebe ich Ihnen einen Link zu meinen Gedanken. Auch wenn es auf den ersten Blick scheint, dass meine Antwort nicht passend wäre, lade ich Sie ein, sie einmal etwas näher zu betrachten:

http://www.razyboard.com/system/more...3085-0.html
Christine Kammerer
Sehr geehrter Herr Paetzold, Religion bzw. Gott ist doch immer das, was die Menschen draus machen und wichtig ist für mich nur, dass gläubige Menschen im Leid Trost daraus gewinnen können - ich persönlich kann das nicht, weil ich nicht daran glaube. Aber ich schöpfe meinen Trost eben aus anderen Dingen.
Ich teile Ihre Meinung jedoch nicht, dass Gott das ist, was Menschen daraus machen. Es geht bei Gott auch nicht einfach nur darum, im Leid Trost zu gewinnen. Gott wünscht eine ganz enge Beziehung zu den Menschen und schenkt ihnen daher seine Liebe. Das ist m. E. das Größte, was einem Menschen passieren kann.

Liebe führt nach Hause - das will Gott. Das hab ich mal in folgenden Worten zusammen gefasst:

Meint ein junger Mann zu seinem Vater:
Mich hält hier nichts, ich will auswandern
Zahlst du mich aus, bist du mich los
Mein Fernweh das ist riesengroß

Der junge Mann, der erbte viel
Hatt' jetzt nur noch ein einzges Ziel
Das Leben zu genießen
Ließ er den Wein in Strömen fließen

Der Freunde hatte er bald viele
Doch nur mit einem einz’gen Ziele
Teilhaben an dem Reichtum sein
Solch Leben ist doch richtig fein

Er kauft sich auch der Frauen Liebe
Nicht ahnend, daß es nur sind Triebe
Sein Geld das schwindet wie im Flug
Solch Leben ist ein einziger Betrug
Gar bald ist all sein Geld verschwunden
Die Freunde suchen neue Kunden
Kein Dach mehr über seinem Kopfe
Die Not erhebt sich über diesem Tropfe

Zu allem Elend gibt’s auch eine Wirtschaftskrise
An Arbeit mangelt es für endlos viele
Für ihn sich auch nichts Rechtes findet
Er sich auf seines Vaters Haus besinnet

Dort hätt’ er alles was ihm nötig war
Er muß sich schämen – ist doch klar
So abgerissen kann er es nicht wagen
Bei seinem Vater wieder nachzufragen

Als aber seine Not wird immer größer
Kann er doch nicht mehr länger zögern
Er macht sich auf den Weg zu seinem Vater
Vielleicht nimmt er ihn auf als Leiharbeiter

Er wandert Tag und Nacht zurück
Sein schlecht Gewissen ihn bedrückt
Was wird sein Vater ihm wohl sagen
Daß sein Vermögen er hat fortgetragen

Sein Vater hat an ihn gedacht
Gar manchen Tag und manche Nacht
Wie mag es meinem Sohne gehn
Kann ich ihn wohl noch einmal sehn
Da, in der Ferne kommt ein Mann
Dies nur sein eigner Sohn sein kann
Schnell läuft und rennt er ihm entgegen
Er kommt zurück von bösen Wegen

Schließt ihn in seine Arme jetzt
Und richtet aus ein großes Fest
Sein Sohn, er war für ihn verloren
Jetzt ist er wieder neu geboren
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Leiden lernen, das habe ich zwar durch den Tod meines Mannes nicht gelernt, aber ich bin mir jetzt ganz bewusst, dass das Leben "endlich" ist und solange es möglich ist, auch gelebt werden muss. Mit Seniorbook, oder wie auch immer so ein Forum heißen mag, geht es besser
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Wer sich in andere Menschen rein versetzen kann,weiss auch ,was sie in schwerer Stunde fühlen. Dazu gehört auf jeden Fall die Liebe zu den Menschen.Wer die Menschen liebt,schaut über seinen Horizont hinaus und erkennt die Trauer bei seinen Mitmenschen.Er wird dann auch die richtigen Worte finden,einem leidenden Freund beizustehen.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
nach eigenen Leide aber auch Verlust wurde ich bescheidener und etwas weiser..
Christine Kammerer
Ich denke auch: das Leid will uns etwas lehren - wir können die Lektion lernen und weiser werden, mitfühlender, demütiger, bescheidener oder wir können uns verweigern und werden härter, bitterer und unglücklicher...
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Auch das Leid, das Leiden birgt Positives!
Es überwinden, stärkt und gibt Kraft, es stärkt Persönlichkeit und Resilenz. Und es lehrt Demut und Dankbarkeit!
Am schönsten ist es, bei einen tragischen Schicksalschlag, zu sehen, wer einen dabei begleitet, mitfühlend und stärkend!

Und, alles hat seinen Grund, stelle ich immer wieder fest

Und, das Christentum kennt sehr wohl eine Antwort, warum es das Leid gibt, warum Menschen leiden müssen
Christine Kammerer
Das sehe ich ganz ähnlich, nur welches soll die Antwort sein, die das Christentum gibt?
Ich meine die sogenannte Theodizee-Frage

Als Christ haben wir Regeln an die Hand bekommen, wie wir handeln und uns verhalten sollen. Und wir haben den freien Willen!
Es ist uns also selbst überlassen, wie wir handeln und ob wir uns an die Regeln halten. Nur durch Bruch der Regeln ensteht das Leid, jedenfalls das meiste Leid.
Wenn Gott immer und immer wieder eingreifen würde, hätten wir keinen freien Willen mehr.
Es liegt in und an uns selbst

Man könnte es mit Eltern vergleichen, die Kinder erziehen und ihnen die Regeln des Lebens immer wieder mit geben. Aber irgendwann müssen diese Kinder alleine leben und entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten und mit den Konsequenzen leben

Es gibt im Grunde nur eine Regel an die wir uns halten müssen/sollen. Und diese Regel ist nicht erst im Christentum entstanden, sondern schon im Buddhismus ist sie genannt worden, auch Konfuzius hat sie genannt und viele andere Kulturen auch.
"Was du nicht willst was man dir tut, das füge keinen anderen zu"
Christine Kammerer
Das gefällt mir sehr gut - besonders der letzte Satz!
Man stelle sich vor, jeder Mensch würde sich daran halten, oder wenigstens so 70/80%
Was gäbe es alles dann nicht auf der Welt, vermutlich auch keine Kriege mehr.
Niemand würde mehr betrügen, lügen, stehlen, beleidigen, töten, ...........
Nur ein Gesetz, nur eine Regel!
Und, um noch mal auf die "Antwort des Christentums auf das Leid" zu kommen. Diese Regel ist jedem Christen an die Hand gegeben worden und mit dem freien Willen sich daran zu halten oder nicht
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Der letzte Absatz " Vom Umgang mit Schicksalen" ist nach meiner Ansicht einer der wichtigsten:
Sehr oft erlebt man, wenn über Schicksalsschläge anderer gesprochen wird und ganz besonders wenn der/die Betroffene dabei
sind, dass einige, ihre eigenen, aber meist nur "gehörten" Leiden und Schicksale in den Vordergrund stellen. Und oft in der "schönsten Horrorform".
Der Betroffene fühlt sich überhört, unverstanden oder gar ignoriert.
Er zieht sich zurück in sein Leiden, und das ist der beste Ansatz in eine Depression zu fallen.
Mitgefühl auszusprechen, in ganz einfühlsamer Form (wie es das Wort ja sagt), wird sicher auf fruchtbaren Boden fallen und Hilfe in der Not bedeuten.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren