Vincent van Gogh: Trauernder alter Mann
Vincent van Gogh: Trauernder alter MannFoto-Quelle: http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fupload.wikimedia.org%2Fwikipedia%2Fcommons%2F3%2F38%2FVincent_Willem_van_Gogh_002.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fde.wikipedia.org%2Fwiki%2FDepression&h=1611

Warum ist das Leid in der Welt? Vom Umgang mit Schicksalen

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Der Tod nahestehender Menschen, Krankheiten, Unfälle und andere tragische Schicksalsschläge begleiten uns auf Schritt und Tritt. Das Leid gehört zum Menschsein. Auf die Frage nach dem „Warum?“ gibt es selten zufriedenstellende Antworten.

Die frühen Christen sahen darin eine Strafe Gottes. Sie glaubten fest daran, dass nur derjenige leiden muss, der nicht gottesfürchtig lebt. Man bürdete jenen, die mit Leid geschlagen waren, zu allem Überfluss auch noch die Schuld daran selbst auf. Aber die Frage, warum auch die guten Menschen leiden müssen oder warum Gott nichts gegen das Leiden in der Welt unternimmt, kann auch das Christentum bis heute nicht beantworten.

Es besteht aber immerhin noch eine Hoffnung auf Erlösung von allem Leid im Jenseits. Im Buddhismus dagegen ist nicht nur das diesseitige Leben ein einziges Leiden, sondern es setzt sich auch im Kreislauf der Wiedergeburt fort. Nur wer wirklich nichts mehr begehrt, wer den achtfachen Pfad zum Nirwana beschritten hat, kann das Leid überwinden.

Vom Umgang mit Schicksalen
Die Nachricht vom plötzlichen Tod eines geliebten Menschen, die Hiobsbotschaft von einer schweren Erkrankung – Schicksalsschläge ziehen immer bestimmte Reaktionen nach sich: Auf den ersten Schock und die Fassungslosigkeit folgt eine Phase der Auseinandersetzung mit dem Ereignis und die Frage: Was kann ich tun?

Man bemüht sich um Selbstbeherrschung, die Bewältigung der anstehenden Aufgaben, auch wenn einen Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit immer wieder heimsuchen. Die meisten Menschen kehren nach geraumer Zeit wieder in den Alltag zurück. Sie versuchen, so normal wie möglich weiterzuleben. Und sei es nur für andere nahestehende Menschen.

Ohnmacht und Kontrollverlust
Wir können vor dem Leid nicht fliehen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen – ob wir wollen oder nicht. Die Phase der Trauer und des Neubeginns nach einem Schicksalsschlag will durchlebt sein, selbst wenn sie uns mit Gefühlen der Ohnmacht konfrontiert. Verdrängt man sie, kann das in einer Depression münden.

Leiden lernen?
Wir können nicht lernen, „besser“ damit umzugehen. Nicht einmal Menschen, die beruflich regelmäßig damit zu tun haben, gewöhnen sich daran. Sie kämpfen so oft an verlorener Front, das Leid besiegt sie immer wieder. Wir können nur versuchen, das Schicksal anzunehmen. Akzeptieren, dass wir nicht alles steuern und kontrollieren können. Und dass Verlust und Verzicht zum Leben gehören wie Genuss und Glück.

In der Not gehen 100 Freunde auf ein Lot

Viele Menschen schotten sich ab gegenüber dem Leid der anderen. Das alte Sprichwort hat von seiner Gültigkeit nichts verloren, denn besonders dann, wenn man Zuspruch gebrauchen könnte, weil einen das Schicksal hart getroffen hat, machen sich vermeintlich gute Freunde rar. Ganz so, als ob das Leid ansteckend wäre. Es sind nicht zufällig gerade die Menschen, die übergroße Angst davor haben, solches Leid am eigenen Leib zu erfahren. Von ihnen kann man bestenfalls oberflächliches Mitleid erfahren - kein Mitgefühl.

Mitleid und Mitgefühl
Mitleid trennt. Wer mitleidet, empfindet das Leid des anderen so, als wäre es ihm selbst begegnet. Er bemitleidet demnach vor allem sich selbst und ist deswegen auch nicht zu echter Anteilnahme fähig. Nur wer wirklich mitfühlt, ist mit dem Herzen beim anderen und kann auch Trost spenden. Denn Trost offenbart dem Leidenden vor allem eine positive Perspektive – er mehrt nicht auch noch dessen Kummer durch eigene düstere Gedanken.