gern gegeben - oder geizig?
gern gegeben - oder geizig?Foto-Quelle: DEF Foto Andacht Oktober 2014

Gib den Armen nicht nur Geld, sondern auch ihre Würde zurück!

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Monatsspruch Oktober 2014

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlngsgaben ohne zu geizen.
Sir 35,10 (L)

Immer wenn ich durch meinen Flur mein Schlafzimmer betrete, komme ich an einem besonderen Kalender vorbei. Es ist ein großes Poster mit 365 kleinen Taschen für Geldstücke, die am Ende des Jahres der Aktion "Brot für die Welt" und einem ihrer vielen Projekte zugute kommen. Es gibt mir immer ein gutes Gefühl, wenn ich meinen Geldbeutel leere und wieder ein paar Taschen vollstopfe. Am Ende des Jahres ist es immer ein Betrag um die 200 Euro und mehr.

Der Rabbi Jesus Sirach, von dem uns dieser Weisheitsspruch überliefert ist, hatte andere, wesentlich konkretere Vorstellungen von Opfern für Gott: Er dachte an die Gaben, die man im Tempel ablieferte, um Gott zu ehren. Die Erstlingsgabe war immer das Erstgeborene eines Schafes oder eines anderen Tieres, das die frommen Juden opfern sollten. Sie hoffte, dass Gott ihnen danach noch viele weitere Tiere schenken würde. Manchmal gibt es so etwas sogar in Bezug auf Menschen - ich denke daran, dass früher in kinderreichen katholischen Famillien möglichst ein Kind der Kirche geweiht wurde, also Nonne oder Priester werden sollte.

Heute hat sich der Schwerpunkt ein bisschen verschoben: Wir haben eine Landeskirche, die ihre Pfarrer mit unseren Kichensteuermitteln bezahlt, unser Staat kümmert sich anscheinend um Arme und Obdachlose, nicht wie zur Zeit der Bibel, als Menschen und Tempel auf diese "Gottesopfer" angewiesen waren. Trotzdem sollten wir die Worte Sirachs auch heute noch bedenken: In jedem Bedürftigen, jedem hungernden Kind, jedem verzweifelten Menschen ist Gottes Aufforderung zu erkennen. Sie sagt "Hilf mir!"

Jeder Mensch ist sein Geschöpf, und indem ich ihm helfe, ehre ich Gott.

Diese Hilfe muss nicht immer in Geld oder materiellen Werten bestehen, obschon es natürlich notwendig ist. Ein Siebtel der Bevölkerung in unserem reichen Land fällt unter die Armutsgrenze und ist auf öffentliche Hilfe angewiesen. Müssen wir als Christen da nicht aufstehen und unseren Politikern sagen: Gebt den Armen Gerechtigkeit? Lasst sie ihre Menschenwürde bewahren mit gerechten Löhnen für ihre Arbeit. Unsere Hilfe lindert Not, aber die Zuwendung und das öffentliche Eintreten für ihre Sache sind ebenso wichtig.

Der Rabbi Sirach hatte es einfacher als wir heute: Opfer und Erstlingsgaben zur Ehre Gottes waren vorgeschrieben und galten ohne Frage als gut und sinnvoll. Es ist auch heute nur recht und billig, wenn wir von unserem Überfluss etwas abgeben. Es muss aber nach Möglichkeit die Haltung und die Tat dazukommen. Setz dich für die Armen und Benachteiligten ein. Gib ihnen nicht nur Geld, sondern auch ihre Würde zurück! Damit ehrst du Gott und seine Geschöpfe.

Und noch etwas gilt wie damals: gib dein Geld und dein Engagement, ohne zu geizen. Der Geiz lebt von der Angst, man könnte ja irgendwann mal arm werden.

Die Erstlingsgabe bedeutet: Gib, was da ist, in der Hoffnung, dass danach noch genug für dich selber kommen wird.

Wenn Sie ehrlich sind: War es nicht auch bei Ihnen immer so?


Rosmarie Koch, 1. Vorsitzende Trägerverein Haus für Mutter und Kind, Fürth