Gehorsam und Liebe - kein Widerspruch

Beitrag von wize.life-Nutzer

10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen will, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)

Ich habe gelernt, daß es sehr aufschlußreich sein kann, den Zusammenhang, in dem eine Aussage steht, zu beleuchten. Meist ergibt sich die Erklärung dann von selbst. Darum einmal der direkte Zusammenhang.

Nicht umsonst wird Johannes der Apostel der Liebe genannt, dies kommt nicht nur im Johannesevangelium unübersehbar zum Ausdruck, sondern auch in seinen Briefen, bereits mit dem 1. Johannesbrief beginnend. Wer aufmerksam – auch den ersten Brief – liest, wird feststellen, dass Johannes in seinem Brief zwei Elemente untrennbar miteinander verbindet:

Liebe und Gehorsam

Zunächst weist Johannes auf Jesus Christus als das Wort hin, das von Anfang an da war. (1. Joh. 1,1) und zu dem wir gehören.

Gemeinsam gehören wir zu Gott, dem Vater, und zu seinem Sohn Jesus Christus. (1. Joh. 1,3)

Was war seine Botschaft an die Gemeinde?

1. Wir sind schuldig gewesen und wurden von Schuld befreit

Und das Blut, das sein Sohn Jesus Christus für uns vergossen hat, befreit uns von aller Schuld.
8 Wenn wir behaupten, sündlos zu sein, betrügen wir uns selbst. Dann ist kein Fünkchen Wahrheit in uns.
9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erfüllt Gott seine Zusage treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen.
10 Doch wenn wir behaupten, wir hätten gar nicht gesündigt, dann machen wir Gott zum Lügner und zeigen damit nur, dass seine Botschaft in uns keinen Raum hat. (1. Joh. 1,7-10)

Die Grundaussage ist, dass wir schuldig waren und Jesus Christus uns von dieser Schuld befreit hat. Das ist wahrlich eine Botschaft des Heils! Doch diese Botschaft ist nicht neu! (siehe 1. Mose3,15). Auch Paulus macht das deutlich, wenn er in Röm. 3,22.23 sagt

22 Gott spricht jeden von seiner Schuld frei und nimmt jeden an, der an Jesus Christus glaubt. Nur diese Gerechtigkeit lässt Gott gelten. Denn darin sind sie alle gleich:
23 Sie alle sind Sünder und haben nichts aufzuweisen, was Gott gefallen könnte. (Röm. 3,22.23)

Während Paulus von den Israeliten, die sich auf ihre Gesetzestreue etwas einbilden (Gerechtigkeit aus (vermeintlicher) Gesetzestreue) und den Griechen, die sich auf ihren Verstand verlassen (eigene Leistung), spricht, wendet sich Johannes hier an jene, die in der Gefahr stehen das, was Jesus für sie getan hat als eigene Leistung zu betrachten.

Ich blende bereits hier die Aussage des Johannes aus 2. Joh. 10 ein, weil dieses Wort sich auch hierauf bezieht

10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzälhlen will, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)

2. Damit es keine Rückfall gibt

Wenn vor Gefahren gewarnt wird, betrachten es die Einen als Bevormundung und die anderen als Hilfestellung. So auch im Zusammenhang mit der Sünde. Während Gott den Menschen vor einer Gefahr für sein Leben warnte, ihm eine Hilfestellung zur Treue gab

16 Dann schärfte er ihm ein: "Von allen Bäumen im Garten darfst du essen,
17 nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt. Sobald du davon isst, musst du sterben!" (1. Mose 2,16.17)

stellte Satan dieses Handeln als eine Bevormundung dar

4 "Unsinn! Ihr werdet nicht sterben", widersprach die Schlange,
5 "aber Gott weiß: Wenn ihr davon esst, werden eure Augen geöffnet - ihr werdet sein wie Gott und wissen, was Gut und Böse ist." (1. Mose 3,4.5)

Auch Johannes geht den Weg, den Gott bereits bei Adam und Eva eingeschlagen hat, wenn er sagt

Meine geliebten Kinder, ich schreibe euch, damit ihr nicht länger sündigt. (1. Joh. 2,1)

Er macht der Gemeinde deutlich, womit sie einen Rückfall in ein Leben ohne Gott verhindern kann

4 Wenn jemand behauptet: "Ich kenne Gott", hält sich aber nicht an seine Gebote, so ist er ein Lügner; die Wahrheit ist nicht bei ihm zu finden.
5 Doch wer nach dem lebt, was Gott gesagt hat, an dem zeigt sich Gottes ganze Liebe. Daran ist zu erkennen, ob wir wirklich mit Christus verbunden sind.
6 wer von sich sagt, daß er zu Christus gehört, der soll auch so leben, wie Christus gelebt hat. (1. Joh. 2,4-6)

Sie sollten sich also anders verhalten, als Adam und Eva, die sich nicht an die Gebote Gottes gehalten haben und damit das stellvertretende Opfer Jesu Christi erforderlich gemacht haben. Hierbei stellt er Jesus Christus unmissverständlich als Vorbild in den Mittelpunkt und verweist auf die Treue Jesu, der die Gemeinde nacheifern soll. Das deckt sich mit dem Anspruch Jesu, den er äußert

19 Zu dieser Anschuldigung der Juden sagte Jesus: "Ich sage euch die Wahrheit: Von sich aus kann der Sohn gar nichts tun, sondern er tut nur das, was er auch den Vater tun sieht. Was aber der Vater tut, das tut auch der Sohn!
20 Denn weil der Vater den Sohn liebt, zeigt er ihm alles, was er selbst tut. Und er wird ihn noch viel größere Wunder tun lassen, so dass ihr staunen werdet. (Joh. 5,19.20)

Erneut kommt die Aussage von 2. Joh. 10 zum Tragen

10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen will , den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)

Nicht nur heute, es scheint auch zu Zeiten Johannes Christen gegeben haben, denen diese Grundlage christlichen Glaubens und Lebens nicht geschmeckt hat. Wie sonst können wir es erklären, dass Johannes sehr deutliche Worte findet

7 Was ich euch jetzt schreibe, meine Lieben, ist kein neues Gebot, sondern die Botschaft Gottes, die ihr von Anfang an gehört habt.
8 Und trotzdem ist dieses Gebot neu, weil Christus es verwirklicht hat und ihr jetzt danach lebt.
Nur wer tut, was Gott gefällt, wird ewig leben. (1. Joh. 2,7.8.17)

Wir haben bereits gelesen, wie das aussieht

6 wer von sich sagt, dass er zu Christus gehört, der soll auch so leben, wie Christus gelebt hat. (1. Joh. 2,6)

Darum noch einmal

10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen will, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)

Wir verstehen die Eindringlichkeit, mit der Johannes die Gläubigen bittet

28 Meine Kinder, lasst euch durch nichts von Christus trennen. Dann werden wir ihm voll Zuversicht entgegengehen und brauchen sein Urteil nicht zu fürchten, wenn er kommt.
29 ihr wisst, dass Christus so gelebt hat, wie es Gott gefällt. Also könnt ihr davon ausgehen, dass jeder, der ebenso lebt, zu seinen Kindern gehört. (1. Joh. 2,28.29)

Damit es auch wirklich in der Gemeinde keine Missverständnisse gibt, was Johannes meint, zeigt er auf,

3. was es bedeutet, Gottes Kind zu sein

... Als seine Kinder sind wir Fremnde für diese Welt, weil Gott für sie ein Fremder ist.
2 Meine Lieben! Wenn wir schon jetzt Kinder Gottes sind, was werden wir erst sein, wenn Christus kommt! Dann werden wir ihm ähnlich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er wirklich ist.
3 Wer diese Hoffnung hat, der meidet jede Schuld, so wie Christus ohne Schuld war.
4 wer sündigt, lehnt sich gegen Gott und seine Gebote auf, denn sündigen heißt: Gottes Gebote missachten.
5 Doch ihr wisst ja, dass Christus Mensch wurde, um uns von unseren Sünden zu befreien, und er selbst war ohne jede Sünde. (1. Joh. 3,1-5)

Die Botschaft des Johannes kommt nirgendwo klarer zum Ausdruck als in diesen Worten. Jesus Christus wurde Mensch, um uns von unseren Sünden zu befreien! Er vertritt nicht die Auffassung, die so viele Christen proklamieren: Christus kam, um uns von der Ordnung Gottes, seinen Geboten, zu befreien. Nein! Seine Botschaft ist eine völlig andere!

Christus Mensch wurde, um uns von unseren Sünden zu befreien! (1. Joh. 3,5)

Sünde ist nach den Aussagen des Johannes Gottes Gebote missachten! (1. Joh. 3,4)

Daß das all jene, die diese biblische Botschaft, die sich durch die gesamte Heilige Schrift zieht, anders verstanden wissen wollen, liegt wohl auf der Hand. Doch Johannes ist mit dieser Botschaft in allerbester Gesellschaft, sagt er doch nichts anderes, als unser Herr und Heiland auch (Matth. 5,19; 15,3ff; 19,17; Mk. 7,8; Joh. 14,15.21; Joh. 15,10.

Wenn Jesus in diesem Zusammenhang von seinem Vater und seinen Geboten redet, sprach er von keinem Juden als seinem Vater, sondern von Gott! Das wird leider von jenen immer wieder übersehen.

6 wer von sich sagt, dass er zu Christus gehört, der soll auch so leben, wie Christus gelebt hat. (1. Joh. 2,6)

Wie treffend mahnt Johannes da in 2. Joh. 10

10 Sollte also jemand zu euch kommen, DER EUCH ETWAS ANDERES ERZÄHLEN WILL, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)>>

4. was ist mit unserem Gewissen?

Der Ankläger hält uns immer wieder vor, dass wir doch so gut sind, dass wir Gott nicht brauchen (1. Mose 3) oder dass wir so schlecht sind, dass Gott uns gar nicht annehmen kann (Offb. 12,10). Er macht uns ein schlechtes Gewissen oder er beruhigt unser Gewissen. Das Interessante ist, dass wir heute mit einer neuen Variante des Anklägers konfrontiert werden. Während er Adam und Eva einredete, dass Gott sie mit der Beachtung seiner Gebote nur nicht an seiner Macht teilhaben lassen wollte, redet er heute den Christen ein, dass sie seine Gebote nicht mehr beachten brauchen, weil sie doch unter der Gnade leben. Johannes wendet sich gegen solche Ansinnen, wenn er sagt

20 Doch auch wenn unser Gewissen uns schuldig spricht, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott größer ist als unser Gewissen. Er kennt uns ganz genau.
21 Kann uns also unser Gewissen nicht mehr verurteilen, meine Lieben, dann dürfen wir voller Freude und Zuversicht zu Gott kommen.
22 Er wird uns geben, worum wir ihn bitten; denn wir richten uns nach seinen Geboten und leben, wie es ihm gefällt. (1. Joh. 3,20-22)

Johannes bleibt aber nicht bei der halben Wahrheit stehen (was, wie ich bereits in anderen Zusammenhängen erwähnte, eine ganze Lüge wäre), sondern bringt die ganze Wahrheit:

...denn wir richten uns nach seinen Geboten und leben, wie es ihm gefällt. (1. Joh. 3,22)

10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen will, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)

Johannes macht deutlich, dass weder das Ansinnen Satans, dass der Mensch auch ohne Gott leben kann dem Opfer Christi gerecht wird, noch die Botschaft, dass mit Jesus Christus die ganze Ordnung Gottes hinfällig geworden wäre. Beide Strömungen hatten sich bereits in der jungen Gemeinde eingenistet. Er warnt die Gemeinde vor einer neuen Gesetzlichkeit, die in einer Rechtfertigung aus Werken mündet genau so wie vor einer Alles-ist-erlaubt-Theologie, weil die Gnade doch angeblich alles zudeckt. Seine Botschaft ist eindeutig:

Liebe ist Vertrauen, das sich im Gehorsam offenbart, eine untrennbare Verbindung.

5. Wahrer Glaube

1 Wer glaubt, dass Jesus der von Gott versprochene Retter ist, der ist ein Kind Gottes. Kinder aber, die ihren Vater lieben, die lieben auch ihre Brüder und Schwestern.
2 Dass wir wirklich Gottes Kinder lieben, erkennen wir an unserer Liebe zu Gott und daran, dass wir nach seinen Geboten leben.
3 Denn Gott lieben heißt nichts anderes als seine Gebote befolgen; und seine Gebote sind nicht schwer.
4 Jedes Kind Gottes kann den Sieg erringen über alles, was sich in dieser Welt Gott widersetzt. Ja, unser Glaube hat diese Welt bereits besiegt. (1. Joh. 5,1-4)

Von vielen Christen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass heute nur noch die beiden Gebote gelten

Du sollst Gott lieben über alles und Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Diese werden als neu verkauft, wo sie doch bereits dem Volke Israel schriftlich gegeben wurden. Johannes macht in seinem „Liebesbrief“ an die Gemeinde ebenfalls deutlich, dass diese beiden Gebote uralt sind. Liebe zu Gott wird am Verhalten zu den Geschwistern sichtbar und an der Befolgung seiner Gebote. Für Johannes ist das eine untrennbare Einheit.

2 Dass wir wirklich Gottes Kinder lieben, erkennen wir an unserer Liebe zu Gott und daran, dass wir nach seinen Geboten leben.
3 Denn Gott lieben heißt nichts anderes als seine Gebote befolgen; und seine Gebote sind nicht schwer. (1. Joh. 5,2.3)

Wie sagte Jesus doch

15 "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr so leben, wie ich es euch gesagt habe.
21 Wer meine Gebote annimmt und danach lebt, der liebt mich. Und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und mich ihm zu erkennen geben." (Joh. 14,15.21)

Liebe, Glaube und Treue sind Wesensmerkmale eines Christen. Das ist die Botschaft des Johannes an die geliebte Gemeinde. Damit schließt sich der Kreis. Durch seine ganzen Briefe zieht wie ein roter Faden diese Botschaft.

10 Sollte also jemand zu euch kommen, der euch etwas anderes erzählen will, den nehmt nicht bei euch auf und wünscht ihm auch nicht Gottes Segen. (2. Joh. 10)

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