Briefmarke zum Thema Hunger
Briefmarke zum Thema HungerFoto-Quelle: DEF

Gott will nicht Opfer im Tempel, sondern dass wir etwas tun!

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Eine starke Bibelstelle, die auch für unser Leben jetzt noch gewaltige Kräfte freisetzen kann, darum geht es in der DEF-Monatsandacht zum November.


Monatsspruch November:
Lernt Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen!
Jesaja 1,17 (E)

Diese Sätze aus dem Buch Jesaja stehen am Ende einer langen Anklage gegen das Volk Israel.
Der Gott Israels ist zornig und verlangt Buße von seinem Volk. Er will nicht mehr ihre Opfer im Tempel, noch ihre Gottesdienste. Der Prophet spricht im Namen Jahwes: Eure Neumonde und Feiertage hasst meine Seele. Sie sind für mich Belästigungen; ich bin müde, sie zu ertragen. Als Buße verlangt er: Wascht, reinigt euch! Schafft die Bosheit eurer Taten aus meinen Augen fort! Hört auf zu schaden, lernt Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen!

Das Volk Israel glaubte, seine Pflichten gegenüber Gott zu kennen: Das war der Gottesdienst im Tempel, das waren die Opfer, die man darbringen musste und das war das Gebet und die Einhaltung der Feiertage.

Und jetzt wird das alles für unwichtig, ja sogar für schädlich erklärt. Gott will etwas ganz anderes von den Menschen. Sie sollen sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen und die Schwachen schützen. Witwen und Waisen waren zu der Zeit die Menschen, die sich nicht selbst helfen konnten. Sie brauchten männliche Fürsprecher. In allen Religionen der damaligen Zeit gehörte der Schutz der Witwen und Waisen zu den Königspflichten. Sich für diese Menschen einzusetzen, ist der wahre Gottesdienst.

Es ist viel leichter, den/die andere(n) zu übersehen, seine/ihre Not und Hilflosigkeit nicht zu erkennen, sondern achtlos an ihm/ihr vorbei zu gehen. Wenn wir aber diesen Menschen, die uns brauchen, nicht helfen, dann trennt uns das von Gott. Und diese Trennung betrifft unser Leben. Gott zeigt uns in diesem Bußaufruf, dass er uns ernst nimmt. Wir sind ihm wichtig, deshalb dieser Mahnruf, unser Leben zu ändern, uns einzusetzen gegen Unrecht und Ungerechtigkeit, damit wir ein erfülltes Leben führen. Ein Leben, in dem uns Gott nahe ist.

Das galt nicht nur zur Zeit Jesajas, sondern gilt auch heute. Auch Jesu setze sich für die Witwen ein, bei dem Jüngling zu Nain, den er auferweckte, oder in dem Gleichnis von der armen Witwe.

Unterdrückte, Witwen und Waisen gibt es auch heute noch. Wir nennen sie anders, Kinder, Behinderte, Flüchtlinge, Migranten, Asylsuchende... Sie können häufig nicht für sich selber sprechen. Daher müssen wir uns für ihre Rechte einsetzen. Auch heute noch wird ihnen ihre Würde genommen, werden sie als Menschen 2. Klasse behandelt. Dies als Unrecht zu benennen und die Politik aufzufordern, diskriminierende Gesetze zu ändern, ist unsere Pflicht.

Dann erfüllen wir unsere Pflichten gegen Gott und dürfen ihn im Gottesdienst anrufen, dass er uns Kraft und Mut gibt, den rechten Weg zu finden.

"Herr, gib du uns Augen, die den Nachbarn sehn,
Ohren, die ihn hören, und ihn auch verstehn.
Hände, die es lernen, wie man hilft und heilt,
Füße, die nicht zögern, wenn die Hilfe eilt."

Friedrich Walz, 1981

Inge Gehlert, Bundesvorsitzende DEF und 2. Landesvorsitzende des DEF Bayern.