Mein Wort zum Sonntag: Was bedeutet 'Glück'?

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Beitrag von News Team

Wir wollen alle glücklich sein und so suchen wir unser Glück. Aber was ist das eigentlich?

Martina Pfannenschmidt hat in ihrem schönen seniorbook-Beitrag Was ist "Glück" und was ist "Unglück" ausführlich mit dem Glücklichsein beschäftigt. Daran anknüpfend ein paar eigene Gedanken.

Seit einiger Zeit gibt es Institute, die sich ausschließlich mit 'Glücksforschung' beschäftigen, also damit, was Glück ist, wann Menschen glücklich sind und wer glücklicher ist als die anderen. So gibt es beispielsweise mehrere Untersuchungen über das Glücksgefühl verschiedener Völker und Staaten. Die Ergebnisse sind nicht gerade erhellend.

Vanu.... wie bitte?

Eine Studie der britischen "New Economics Foundation" fand heraus: Die Einwohner von Vanuatu sind am glücklichsten. Die Einwohner von Vanuawas? werden die meisten fragen. Vanuatu ist ein Inselreich östlich von Australien, bestehend aus 83 Inseln, bewohnt von christianisierten Melanesiern, die insgesamt 108 Sprachen sprechen, hauptsächlich von der Landwirtschaft leben und kein Militär besitzen - wohl der Hauptgrund für ihr Glück. Außerdem gibt es keine Grenzstreitigkeiten, denn die kann man auf den Inseln nicht gut ausführen. An zweiter Stelle im Glücksindex steht Kolumbien, das von Drogenkriegen geplagte Land, in dem die reguläre Armee einen hoffnungslosen Kampf gegen Terrorgruppen führt. Mal ehrlich: Wollten Sie auf einer vanuatischen Insel oder im kolumbianischen (Großstadt-)Dschungel leben?

Was ist eigentlich in Deutschland los?

Eine andere Untersuchung gelangt zu dem Ergebnis: Die glücklichsten Menschen leben im ärmsten Land der Erde, in Bangladesch, dicht gefolgt von einigen lateinamerikanischen Staaten wie Mexiko, dem von Drogenkriegen und terroristischen paramilitärischen Organisationen … ich wiederhole mich. Wieder völlig andere Studien finden, dass dünnbesiedelte nördliche Staaten die glücklichsten Einwohner beherbergen, also die skandinavischen Länder, Dänemark, Kanada.

Bei allen Untersuchungen liegt Deutschland weit abgeschlagen hinter den USA. Weil die Deutschen so griesgrämig und damit unglücklich sind, wie alle Nicht-Deutschen finden? Aber nein! Es handelt sich hier um das Problem unterschiedlicher Kulturtraditionen.

Für einen Amerikaner ist das Streben nach (äußerem) Glück in der Verfassung verankert, mithin eine Art staatsmännisches Gebot, und er wird sich hüten zu sagen: ich bin unglücklich = unamerikanisch. Für die Deutschen dagegen ist Glück ein innerer Idealzustand, den niemand wirklich erreichen kann, und so wird kein Deutscher von sich behaupten: Ich habe diesen (eigentlich unerreichbaren) Zustand erreicht. Das wäre zu unbescheiden. Wie man sieht: Mit reinen Befragungen ("Sind Sie glücklich?") ergibt sich ein reichlich schiefes Bild, das keine vernünftigen Vergleiche zulässt.

Alles eine Frage der Chemie

So konzentriert sich ein anderer Zweig der Glücksforschung auf körpereigene Vorgänge, die unabhängig von Sprache und Kulturtradition verlaufen. Aber auch damit kommen wir kaum weiter. Zwar haben Biologen einige "Glückshormone" identifiziert, z.B. das Bindungshormon Oxytocin, die hirneigenen morphium-ähnlichen Endorphine sowie die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin. Fehlen sie, fühlen wir uns unglücklich. Sind sie im Übermaß vorhanden, schwimmen wir in Glückseligkeit, solange, bis unser Regulierungsmechanismus sie aus der Blutbahn entfernt hat. Wollten wir das Glückseligkeitsmaß an diesen Stoffen messen, wäre derjenige am glücklichsten, der sich die höchste noch verträgliche Menge Heroin oder Kokain einverleibt - was diese Menschen auch so fühlen.

Leider gibt es danach einen kolossalen Absturz, von unangenehmen Langzeitfolgen ganz zu schwiegen. Solche Zustände entsprechen nicht unserem Ideal von 'Glück'. Aber was dann? Nächsten Sonntag mehr dazu!


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