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Da am Berg - Gedicht zum Flugzeugabsturz

Von Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern - Dienstag, 07.04.2015 - 11:54 Uhr

Unsere Passionszeit war dieses Jahr besonders geprägt vom Flugzeugabsturz in den französischen Alpen. Das Unglück hat viele Menschen zutiefst erschüttert, auch wenn sie nicht zu den persönlich Betroffenen gehört haben.

In zehn Tagen wird zugleich ein großer ökumenischer Trauergottesdienst im Kölner Dom nochmals der 150 Todesopfer gedenken. Es wird zugleich ein staatlicher Trauerakt der Bundesrepublik Deutschland sein.



Ein Gedicht gedenkt nochmals der Opfer des Flugzeugabsturzes und fragt nach den menschlichen Verbindungen.

Da am Berg


Da am Berg
dem ersten vom Meer aus
hat die Welt sich aufgetan
hat das Leben verschlungen
von so vielen Menschen
durch die Gewalt
eines Einzigen
*

Die Erde hat gebebt
die Welt vom Aufprall
wir alle haben gezittert
vor der Gewalt
Das war das Zeichen
dass dieser setzen wollte
geblendet
*

Ich geh in den Tod
aber ich geh nicht allein
Ich nehm euch alle mit
Der ausgesperrte Kollege
kann nichts mehr tun
Gezielt fliegt er die Maschine
gegen die Wand
*

Den Spanischkurs, der im Austausch war
sechzehn Kinder
die nicht mehr wiederkommen
mit ihren Lehrerinnen
die eine war eine Mutter
die andere frisch vermählt
noch nicht
*

über hundert
in den Tod gerissen
Ein Sängerpaar mit seinem Kind
neugeboren
Menschen die an sonnigen Stränden
ihren letzten Urlaub machten
auf der Heimfahrt
*

Er hat es wirklich getan
mit Absicht
technisch meisterhaft
Doch statt Bewunderung
abzuringen
nur Leere, und Mitleid
mit seinen Eltern
*

Kein Ruhm keine Ehre
nur Entsetzen und Trauer
in Schockwellen läuft sie
über den Erdkreis
da am Berg
ist der Ort
das Zentrum des Schmerzes
*

Das Unbegreifliche
droht die Stadt zu verschlingen
wo der Bürgermeister
um Fassung ringt
und der Direktor der Schule
die Welt nicht mehr versteht
die er sonst erklären soll
*

Die Unterrichtsministerin
kommt in die Schule
wo um die anderen
getrauert wird
sie weiß sie muss hin
wenn sie auch wenig
trösten kann
*

In so viel Familien
ganze
Lebenskreise
hat es eingeschlagen
Zerstörung
ein Sturz ins Nichts
Nie mehr
*

Das Netz ist zerrissen
gespannt über
Europas Westen
So viele Träume
die Zukunft selbst
ist zerschellt
da am Berg
*

Doch im Zusammenstehen
im Bringen einer Kerze
Niederlegen eines Kranzes
der hohen Anteilnahme
der Bevölkerung
besonders in den
französischen Alpen
*

In Gesprächen Gebeten
in Tränen und Trauer
im Kerzenmeer
den Umarmungen
Im Gedenken in der Stadt
und da am Berg
im Menschenkreis
*

spannt sich in Leid
und so viel Liebe
das Netz erneut
und hält
die fallen
und hilft
zu heilen

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