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Ein Prophet sieht die Zukunft

Von wize.life-Nutzer - Mittwoch, 13.05.2015 - 05:19 Uhr

Im 1. Regierungsjahr des babylonischen Königs Belsazar hatte Daniel nachts im Traum eine Vision. Er schrieb alles nieder, was er gesehen hatte,

und so beginnt sein Bericht: Ich, Daniel, sah, wie aus allen vier Himmelsrichtungen ein starker Wind kam und das Meer aufwühlte.

Vier große Tiere stiegen aus dem Wasser empor; sie waren alle verschieden.

Das erste sah aus wie ein Löwe, es hatte jedoch Adlerflügel. Während ich es betrachtete, wurden ihm plötzlich die Flügel abgerissen, es wurde aufgerichtet und wie ein Mensch auf zwei Füße gestellt. Dann bekam es das Herz eines Menschen.

Das zweite Tier sah aus wie ein Bär und hatte sich mit einer Seite aufgerichtet. Zwischen den Zähnen hielt es drei Rippenknochen fest. Man rief ihm zu: "Los, steh auf und friss Fleisch, soviel du kannst!"

Dann sah ich das nächste Tier erscheinen. Es glich einem Panther, hatte aber vier Vogelflügel auf dem Rücken und vier Köpfe. Ihm wurde große Macht gegeben.

Zuletzt sah ich in der Vision ein viertes Tier. Sein Anblick war grauenerregend, und es strotzte vor Kraft. Was es mit seinen gewaltigen Zähnen aus Eisen nicht zermalmte, das zertrat es mit den Füßen. Von den anderen Tieren unterschied es sich völlig. Es hatte zehn Hörner.

Als ich die Hörner genau betrachtete, sah ich ein weiteres, kleines Horn zwischen ihnen hervorwachsen. Drei Hörner wurden herausgerissen, um ihm Platz zu machen. Ich bemerkte, dass dieses Horn Menschenaugen besaß und ein Maul, das große Reden schwang.

Während ich noch schaute, wurden Thronsessel aufgestellt. Ein hochbetagter Mann setzte sich auf einen von ihnen. Sein Gewand war weiß wie Schnee und sein Haar so hell wie reine Wolle. Sein Thron stand auf Rädern aus Feuer und war von Flammen umgeben,

ja, ein ganzer Feuerstrom ging von ihm aus! Unzählige Engel standen vor ihm und dienten ihm. Nun trat ein Gericht zusammen, und Bücher wurden geöffnet.

Ich schaute wieder auf das Horn, das so selbstgefällig daherredete. Plötzlich wurde das Tier, zu dem es gehörte, getötet und ins lodernde Feuer geworfen.

Die anderen drei Tiere hatten ihre Macht schon eingebüßt, sie durften aber weiterleben bis zu der Zeit, die Gott bestimmen würde.

Doch ich sah noch mehr in meiner Vision: Mit den Wolken am Himmel kam einer, der aussah wie ein Mensch. Man führte ihn zu dem alten Mann,

der ihm Macht, Ehre und königliche Würde verlieh. Die Menschen aller Länder, Völker und Sprachen dienten ihm. Für immer und ewig wird er herrschen, sein Reich wird niemals zerstört! (Dan. 7,1 – 14)

Wie bereits bei der Vision des Königs Nebukadnezars, die Gott zum Zeichen seiner Allwissenheit auch Daniel mitteilte, stellt Gott zuerst die Abfolge von Ereignissen vor, bevor es an die Deutung geht. Der Mensch soll zuerst die Zusammenhänge erfassen, bevor er sich mit Einzelheiten beschäftigt.

Bei den Bildern, die dem Propheten Daniel vor Augen geführt werden ist unschwer die Verbindung zum Traum des Nebukadnezar zu erkennen. Wie in dem Traumbild von Daniel 2 von vier Großreichen die Rede ist, wiederholt sich dieses in Kapitel 7. Während dem weltlichen Herrscher Nebukadnezar ein geschichtlicher Abriß über die Wertigkeit der Reiche gegeben wird, wie sie oft von Menschen in den Mittelpunkt gerückt werden – Gold, Silber, Bronze, Eisen – werden dem Propheten die gleichen Reiche von ihrer charakterlichen Wertigkeit vor Augen geführt.

Das neubabylonische Reich wird vor dem weltlichen Herrscher mit Gold und Haupt vorgestellt, dem Propheten mit dem „König der Tiere“ – einem Löwen – beflügelt mit Adlerflügeln – dem König der Lüfte. Wer schon einmal vor dem Ischtartor aus Babylon stand, das im Pergamonmuseum in Berlin zu bewundern ist, sieht dieses Wappentier – den geflügelten Löwen – vielfach darauf mit kostbaren glasierten Kacheln verewigt.

Um den Bezug weiter zu präzisieren, wird dem Propheten gezeigt, dass es für Babylon eine Phase gab, in der es zu menschlicher Größe aufstieg. Ob dies sich auf die hervorragende Gesetzgebung bezieht, oder wie manche Bibelausleger meinen auf die Bekehrung Nebukadnezars (Daniel 4) ist vielleicht nicht von so großer Bedeutung. Aber die Menschlichkeit in diesem gewaltigen Reich wird besonders betont.

Wie in der Statue aus dem Traum Nebukadnezars das goldene Haupt von der Brust aus Silber abgelöst wird, so tritt nach dem neubabylonischen Reich in der Schau des Daniel ein Folgereich auf, das mit einem Bären charakterisiert wird. Ein Kenner der Geschichte weiß, dass Babylon von dem Doppelreich der Meder und Perser abgelöst wurde.

Der Bär ist nach dem Löwen das stärkste Raubtier, das auch wegen seiner Gefräßigkeit bekannt ist. Wie Silber im Bezug auf Gold geringwertiger ist, so kommt auch der Bär trotz seiner Stärke nicht an die königliche Stellung eines Löwen oder Adlers heran. Wenn der Prophet sieht, dass sich der Bär auf der einen Seite erhebt, kann dies damit erklärt werden, dass nach anfänglicher Führung der Meder – der Mederkönig Darius eroberte das goldene Babylon – die Perser unter Kores immer mehr in den Vordergrund traten und fortan die Oberhand behielten.

Wenn in der Vision von drei Rippenknochen die Rede ist, die der Bär in seinem Maul zwischen den Zähnen festhält, finden wir die Parallele in der Geschichte vielleicht darin, dass Persien drei große, vornehme Nationen eroberte – Lydien, Babylon und Ägypten.

Das dritte Tier in dieser Schau, das griechische Weltreich, charakterisiert durch einen Panther mit den vier Vogelflügeln und den vier Köpfen weist ebenfalls die Merkmale eines Raubtieres auf. Die Kombination in der Darstellung des gewandten, flinken Panthers mit vier Flügeln lässt die außergewöhnliche Wendigkeit und Geschwindigkeit erkennen, mit der die Eroberungszüge Alexanders des Großen, dem Begründer des griechischen Weltreiches stattfanden. Dieses löste, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, das persische Großreich ab. Innerhalb von nur 10 Jahren eroberte Alexander nicht nur das ehemalige Territorium des Persischen Reiches, sondern dehnte seine Macht bis zum Indus aus.

Die vier Köpfe dieses Tieres erinnern daran, dass das griechische Reich nach Alexanders Tod – er soll ein exzessiver Trinker gewesen sein – nicht wie in dieser Zeit üblich an seine Kinder überging, sondern unter seinen verdienten Hauptleuten aufgeteilt wurde. Diese wurden auch als die vier Diadochen bekannt. Hierauf wird jedoch näher in der Weissagung von Daniel 8 eingegangen.

In der Weltgeschichte Band 1 S. 216 schreibt Ranke: „Welch eine unvergleichliche Siegeslaufbahn hat er (Alexander) zurückgelegt!“ und Rollins stellt in seiner Weltgeschichte „Ancient history“ S. 112 fest, dass Alexander in nur 8 Jahren mit seinen Truppen etwa 8.200 km zurücklegte.

Für das vierte Reich, das dem griechischen Weltreich folgte, das römische Weltreich, findet sich offensichtlich kein vergleichbares Tier, so dass es einfach nur als grauenhaftes, schreckliches und sehr starkes Tier beschrieben wird. Unübersehbar ist allerdings die Beschreibung der eisernen Zähne, mit denen es um sich fraß und alles zermalmte. Was damit noch nicht zerstört war, wurde mit seinen Füßen zertreten.

Es ist auffallend, dass wie in dem Traum Nebukadnezars (Dan. 2) sowohl dem ersten als auch dem vierten Reich mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, als den anderen Reichen. Wie auch an anderen Stellen der Heiligen Schrift beleuchtet Gott immer die Gegenwart und das Ziel in besonderer Weise, damit für die Gläubigen die Zielsetzung offensichtlicher wird.

4 Kommentare

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Was ich in der Vision gesehen hatte, erschreckte und beunruhigte mich.

Deshalb ging ich zu einem der Engel, die in der Nähe standen, und bat ihn: "Sag mir, was dies alles zu bedeuten hat." Er erklärte:
"Die vier Tiere sind vier Königreiche, die große Macht erlangen werden.

Aber schließlich wird das heilige Volk Gottes, des Allerhöchsten, die Herrschaft empfangen und sie für alle Zeiten behalten."

Ich wollte gern noch mehr über das vierte Tier erfahren, das sich von den anderen völlig unterschied und grauenhaft aussah. Was es mit seinen gewaltigen Zähnen aus Eisen nicht zermalmte und mit seinen Krallen aus Bronze nicht zerriss, das zertrat es mit den Füßen.

Besonders wollte ich wissen, was die zehn Hörner auf seinem Kopf zu bedeuten hatten und das kleine Horn, das plötzlich hervorgewachsen war und drei andere verdrängt hatte. Es besaß Menschenaugen und ein Maul, das große Reden schwang, und es war furchterregender als die übrigen Hörner.

Ich sah, wie dieses Horn Krieg gegen das heilige Volk Gottes führte und es besiegte.

Aber dann griff der alte Mann ein. Er übertrug dem heiligen Volk Gottes, des Allerhöchsten, die Vollmacht, Gericht zu halten. Nun war die Zeit gekommen, in der sie die Herrschaft ausüben konnten.

Der Engel, den ich nach der Bedeutung des Traumes gefragt hatte, erklärte mir: "Das vierte Tier bedeutet ein viertes Reich, das sich von allen früheren unterscheidet. Es wird die anderen Völker verschlingen, zermalmen und niedertreten.

Die zehn Hörner sind zehn Könige, die aus diesem Reich hervorgehen werden. Nach ihnen jedoch kommt ein Herrscher an die Macht, der ganz anders ist als seine Vorgänger. Er wird drei Könige stürzen.

Sogar Gott, den Allerhöchsten, wird er herausfordern und das heilige Volk Gottes bezwingen. Mit allen Mitteln versucht er, die heiligen Feste abzuschaffen und das Recht zu verändern. Gottes Volk wird für einen Zeitraum, dann für zwei Zeiträume und nochmals für einen halben Zeitraum seiner Gewalt ausgeliefert sein.

Dann jedoch tritt das Gericht im Himmel zusammen. Es wird diesen Herrscher stürzen und ein für alle Mal vernichten.

Schließlich wird Gott, der Allerhöchste, seinem Volk die Herrschaft über die anderen Königreiche der Erde anvertrauen und ihm große Macht verleihen. Gottes Reich aber bleibt für immer bestehen, alle Mächtigen werden ihm dienen und gehorchen."

Bis hierher ging mein Traum. Ich war wie betäubt und wurde kreidebleich. Noch lange dachte ich über das nach, was ich gesehen hatte.


Gott bestätigt seinem Propheten, dass es sich bei den Tieren um Reiche handelt, in Übereinstimmung mit dem Traumbild des Nebukadnezar. Er bestätigt in der Deutung, dass diese Reiche vergehen werden und das Reich Gottes, hier mit dem heiligen Volk Gottes, des Allerhöchsten, kenntlich gemacht, diese Reiche ablösen wird und für immer bestehen bleibt.

Was den Propheten so sehr erschreckte war sowohl das Aussehen des vierten Tieres als auch dessen Verhaltensweise und Wandlungsfähigkeit. Es wird mitgeteilt, dass Elemente aus dem vorhergehenden Reich bei ihm zu finden sind mit dem Hinweis auf die Krallen aus Bronze (Dan. 7,19). Ein Bezug auf den Bauch und die Lenden aus Bronze aus der Vision des Königs Nebukadnezar.

Nun gibt es viele Bibelausleger, die in diesem vierten Reich die Herrschaft von Antiochus Epiphanes sehen. Doch sowohl die Heilige Schrift als auch die Geschichtsbücher sprechen eine andere Sprache. Dieser Umstand ist von besonderer Bedeutung, weil er auch eine heilsgeschichtliche Bedeutung beinhaltet.

Während Antiochus Epiphanes lediglich einer der letzten Herrscher des griechischen Reiches, also des dritten beschriebenen Reiches war, sollte das vierte Tier wie die zuvor hervor gekommenen ein völlig Eigenständiges sein, von ganz anderer Art. Geschichtliche Tatsache ist, dass die Herrschaft des Antiochus Epiphanes eine Fortsetzung des dritten Reiches, des in vier Teilreiche zerbrochenen griechischen Weltreiches war. Rom hingegen wie in der Prophetie und aus allen Geschichtsbüchern nachprüfbar als eigenständiges Reich mit eigener Charakteristik in Erscheinung trat.

Kaiser Karl der Große (747 – 814 n. Chr.) sagte:

„Sei doch das Römische Kaisertum, das von Daniel im Gesicht gesehene vierte Tier, die Verkörperung der Feindschaft gegen das Christentum, die Stätte des exzessiven Bilderdienstes.“ (Hauck, „Kirchengeschichte Deutschlands“ Bd. II, S. 331).

Domprediger und Prof. der Pastoraltheologie Simon Ferdinand Mühe (1788 -1865) meinte:

„Das vierte ungenannte Tier kann kein anderes sein als das römische Reich (alt -und neurömisches), das in unersättlicher Gier alle Länder und Völker gefressen und zertreten hat.“ (Das enthüllte Geheimnis, S. 124, 1881)

Bei Wilhelm Redenbacher (1800 - 1876) lesen wir in „Weltgeschichte“ (Ausgabe von 1890):
„Roms Scheu vor Ungerechtigkeit sank mehr und mehr dahin. Es war nicht bloß „hart wie Eisen“, sondern mit „eisernen Zähnen fraß es um sich“ und „mit ehernen Klauen“ zerriss es alles, was neben ihm leben wollte.“ Über den Krieg mit Karthago schreibt er: „Auch den Rest der ausgeplünderten Stadt befahl der Senat dem Boden gleich zu machen; siebzehn Tage brannte die sechs Stunden im Umfang haltende Stadt, bis sie ein Aschenhaufen geworden war. Nach dem Brande wurde Karthago geschleift und der Fluch über die Stätte ausgesprochen, damit nie mehr eine menschliche Wohnung sich dort erheben sollte. Rom aber schwelgte im Freudenrausch.“ (S. 176.178)

Gibbon schreibt:

Aber das Reich der Römer erfüllte die Welt, und nachdem es in die Hände eines einzigen übergegangen war, verwandelte sich die Erde in einen ebenso zuverlässigen wie traurigen Kerker für dessen Feinde. Der Sklave des kaiserlichen Despotismus mochte zu Rom und im Senate goldene Ketten tragen, oder auf dem öden Felsen Seriphus, oder an den eisigen Ufern der Donau das Leben eines Verbannten hinschleppen, überall musste er seines Schicksals in stiller Verzweiflung harren. Widerstand brachte Untergang, Flucht war unmöglich.“

„Wo du immer sein magst“, schrieb Cicero dem verbannten Marcellus, „so bedenke, dass du dich auf gleiche Weise in der Gewalt des Siegers befindest.“ („Geschichte des römischen Weltreichs“, Band 1, Kap. 3,84.85)

In der Alliolibibel steht in der Randbemerkung zu Dan. 2,40 „das römische“.

So sagt auch Luther:

„Das erste Königreich ist der Assyrer oder Babylonier, das andere der Meder und Perser, das dritte des großen Alexandri und der Griechen, das vierte der Römer. In dieser Deutung und Meinung ist alle Welt einträchtig, und das Werk und die Historien beweisen es auch gewaltig.“ (Luther, „Sämtliche Werke“)
Peter, wenn Du einen sachlichen Beitrag schreibst, bleibt er gewiss stehen.
Nun, wenn Du genau hinschaust, stellst Du fest, dass meine "Kommentare" lediglich die Vervollständigung des Themas sind, die im Hauptbeitrag keinen Platz hatten.

Nein, Werner, das ist nicht uncool. Wer mich ernst nimmt, den nehme ich auch ernst. Aber ich muß mich nicht von der Seite anmachen lassen! Es hat nichts mit Toleranz oder Nichttoleranz zu tun, wenn persönliche Angriffe - und um solche handelte es sich bei den gelöschten Beiträgen - in von mir veröffentlichten Themen beseitigt werden. Wie ich auch an Peter schrieb, werden sachliche Beiträge stehen bleiben, auch wenn sie nicht mit meiner Meinung oder meinen Ausführungen übereinstimmen.
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