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Der Heilige Geist stört ... unsere bürgerliche Bequemlichkeit

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 24.05.2015 - 11:46 Uhr

Wenn wir Christen Pfingsten feiern, dann feiern wir ein schwieriges Fest.
Da gibt es keinerlei besinnliche Attribute wie z.B. zu Weihnachten, kein Einkaufs- und Geschenkerummel. Da hilft uns auch die Natur nicht weiter wie z.B. zu Ostern, wo sich alles in neuer Blüte und Fruchtbarkeit zeigt. Und das Symbol des Hl. Geistes, eine Taube, das ist für uns Stadtmenschen ein Tier, das mehr Schaden als Nutzen anrichtet...
Zu Pfingsten feiern wir die „Ausgießung des Heiligen Geistes“, also einen Vorgang, mit dem sich eigentlich alle schwer tun. Schon damals hielten die Menschen die Jünger für betrunken, also irgendwie nicht mehr ganz „normal“. Sie verhielten sich ziemlich auffällig und störten das gewohnte Leben.
Die Jünger selbst redeten irgendwie in fremden Sprachen, die sie selbst nicht verstanden. So berichten uns die Aufzeichnungen von damals.
Und seither tut sich auch die Kirche schwer mit diesem Heiligen Geist. Er lässt sich nämlich nicht kontrollieren, denn er weht, wo er will und wie er will, so heißt es. Sein Wirken lässt sich also nicht kirchenbehördlich verwalten.
Das heißt also, was dieser Geist bewirkt, lässt sich kaum vorher sagen. Und es kann sogar jeder sagen, er habe einen Auftrag vom Heiligen Geist, was wiederum niemand wirklich bestreiten könnte.
Erst die schwierige Methode der „Unterscheidung der Geister“ gibt womöglich Auskunft darüber, wessen Geistes Kind da am Werk ist.
Und wer sich gegen diesen Geist stellt, der sündigt schwer, ja sogar so schwer, dass es unverzeihlich ist, dieses Vergehen, die Sünde wider den Hl. Geist (Mt 12,31).
Und wir? Einerseits bitten wir zu Pfingsten um den Beistand des Heiligen Geistes. Aber er sollte uns möglichst nicht stören in unseren Vorstellungen und Plänen.
„Das war schon immer so...“ ist so ein Satz, der ein echter Hemmschuh für den Heiligen Geist ist. Denn Gottes Geist macht lebendig (2Kor 3,6), er macht immer alles neu, sagt uns die Schrift. Und das Neue ist meist nicht so wie wir es uns ausgedacht haben.
Jede Berufung ist ein Werk des Heiligen Geistes, weil sich da Lebenswege auftun, die nicht das Ergebnis von persönlichen Zielvorstellungen und Karriereplanungen sind. Eine Berufung ist eine Lebensentscheidung, zu der uns der Geist Gottes drängt, im wahrsten Sinn des Wortes. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
Um zu verstehen, was der Heilige Geist macht, hat der Apostel Paulus die Gemeinde in Korinth darüber belehrt, welche Gaben der Geist Gottes über diejenigen ausgießt, die zum Glauben kommen (1Kor 12,1ff).
Die Korinther sollten verstehen lernen, dass bei aller Verschie­denheit der Gnadengaben immer nur der eine Geist Gottes am Wirken ist. Und diese Gaben werden immer dann in rechter Weise genutzt, wenn sie der ganzen Gemeinde dienen, wenn sie zum Wohl aller eingesetzt werden.
Die unterschiedlichen Gaben des Geistes verbieten jegliches Konkurrenzverhalten, Neid und Missgunst. Jede Gabe, die zum Wohl aller eingesetzt wird, vermehrt das Lob der ganzen Gemeinde gegenüber dem, der alle Geistesgaben schenkt.
Deshalb tun wir gerade heute am Pfingstfest gut daran, uns zu überlegen, welche Gaben und Begabungen Gott jedem einzelnen von uns geschenkt hat.
Und die zweite Frage muss sich gleich daran anschließen, ob wir diese Gaben und Begabungen zum Wohl aller einsetzen oder nur zum persönlichen und privaten Vorteil. Wenn wir nämlich unsere Gaben und Begabungen für das Wohl aller einsetzen, dann werden wir zu so etwas, was als „Kanal der Liebe Gottes“ bezeichnet werden könnte. Und das ist die größte Berufung, die wir haben können, Kanal der Liebe Gottes zu sein.
Ganz schwierig ist in diesem Zusammenhang das Thema „Firmung“. Mit diesem Sakrament soll in ganz besonderer Weise das Wirken des Heiligen Geistes im Leben der Gefirmten zum Ausdruck kommen. Die Kirche spendet dieses Sakrament, um die meist jungen Menschen mit einem Auftrag auszustatten, den Jesus allen Jüngern gegeben hat,
nämlich in alle Welt zu gehen und
Zeugnis mit dem eigenen Leben zu geben und
die Frohbotschaft Jesu zu verkündigen.
Aber von diesem dreistufigen Auftrag bleibt sehr oft nur der erste übrig. Diese jungen Menschen verschwinden in alle Welt und weg sind sie von der Bildfläche der Kirche. Schlimm, wenn die Gaben des Heiligen Geistes nicht wahrgenommen und zum Wohl aller eingesetzt werden.
Was können wir uns nun vornehmen, um dem geheimnisvollen Wirken des Heiligen Geistes auf die Spur zu kommen, dem Wirken des Hl. Geistes freien Lauf lassen?
Ich glaube, der Geist Gottes befähigt uns zu allererst zu einem Denken im Sinne Jesu. Alle Gedanken, die nicht auch Jesus an unserer Stelle denken könnte, müssen wir sofort verjagen.
Alle Gedanken der Missgunst und der Unversöhnlichkeit, nachtragende Gedanken ebenso wie vorverurteilende.
Der Geist Gottes möchte uns nur liebevolle, barmherzige und frohe Gedanken denken lassen. Die berühmte „Unterscheidung der Geister“ kann bei uns bereits mit der kritischen Unterschei­dung unserer Gedanken beginnen.
Deshalb empfiehlt die Kirche eine häufige Gewissenserfor­schung, um festzustellen, welche Gedanken und Neigungen uns bewegen und motivieren.
Bitten wir den Heiligen Geist, dass er uns erkennen lässt, welche Gaben und Begabungen wir haben und wie wir zum Wohl der Kirche beitragen können, die gerade beim ersten Pfingsten entstanden ist.
Denn ER möchte alles neu machen, auch unsere Gemeinde!


www.konrad-heil.de

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1 Kommentar

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Na endlich, ich dachte schon das "Wort zum Sonntag" fällt heute aus.
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