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Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest

Von Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern - Montag, 01.06.2015 - 10:01 Uhr

Monatsspruch Juni
"Ich lasse dich nicht los,
wenn du mich nicht segnest."
Gen 32,27

Wir kennen diese Geschichte der Söhne Isaaks, Jakob und Esau. Jakob, der Zweitgeborene, holt sich auf Anraten seiner Mutter Rebekka hinterlistig den Segen des Vaters, der dem Erstgeborenen zusteht. Esau schwört Rache. Darauf flieht Jakob zu den Verwandten seiner Mutter.

Jeder von uns kennt das: In einer schwierigen Situation - vielleicht von uns mitverschuldet - wollen wir uns nicht stellen, schauen oder laufen oft weg... Aber dann zieht es uns, wie Jakob, doch zurück in die Heimat, zur Familie...

Und der Herr begleitet ihn. Du Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, Herr, du hast gesagt: Kehr in deine Heimat und zu deiner Verwandtschaft zurück. Ich bin mit dir. (Gen 3,3)

Doch Jakob hat Todesangst vor der Rache seines Bruders Esau. Und im Alten Testament (Gen 32) lesen wir dazu: Er zog seines Weges. Da begegneten ihm Engel Gottes. Jakob schickt Versöhnungsgeschenke an seinen Bruder. Er tastet sich vorsichtig heran. So machen wir das doch auch!

Aber Jakob wird seine Angst nicht los: Er bleibt in der finsteren Nacht allein am Flussufer zurück. Er ringt mit sich, mit seiner Angst... Er wagt sich nicht ans andere Ufer. Und da ereignet sich eine sonderbare Geschichte.

Als er nur noch allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg. Als der Mann sah, dass er ihm nicht beikommen konnte, schlug er ihm auf das Hüftgelenk, sein Hüftgelenk renkte sich aus. Der Mann sagte: Lass mich los, denn die Morgenröte ist aufgestiegen. Jakob aber entgegnete: Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.

Jener sagte: Wie heißt du? Jakob, antwortete er. Da sprach der Mann: Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (d.h. Gottesstreiter), denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und hast gewonnen. Gen. 32,23-28

Damit wird klar, welche Lehre daraus zu ziehen ist: Er hält sich beharrlich an Gott fest, dem Einzigen in der Geschichte, der treu ist und bleibt. Und das gilt auch für Israel bzw. die Israeliten, deren Stammvater Jakob ist.

Und auch für uns gilt, Gottes Segen kommt unverrückbar an - auch wenn es unmöglich erscheint. Wer sich an Gott hält, ist gut bestellt, sagt eine Redensart. Das klingt oft banal und wird belächelt von den Mitmenschen, wenn man es ausspricht. Aber es ist dieses Gespür für die sichere Geborgenheit in Gott, in welchen Wirrnissen des Lebens der Mensch sich auch befindet. (Vgl. Psalmen, z. B. Der Herr ist mein Hirte... ) Da ist etwas, was uns Menschen begleitet und stark macht, wenn wir nur beharrlich daran festhalten.

Dazu eine kleine Begebenheit: Eine ältere Frau und Mutter von vier Kindern war sehr vereinsamt, allein gelassen von der Familie. Sie wurde schwer krank, war immer wieder dem Tod nahe, konnte aber nicht sterben, nicht los lassen - wie Jakob. Auch ihre Beharrlichkeit (ihr Gebet?) führte letztlich dazu, dass die Kinder allmähliich erkannten, dass etwas schief gelaufen war, dass sie eigentlich die Nähe der Mutter schon lange vermissten. Sie holten die Mutter aus dem Pflegeheim nach Hause und sagten: Du bist nicht allein, wir lieben Dich, Du darfst los lassen. Die Frau betete und starb zwei Tage später im Kreise ihrer Lieben.

"So sprach der Herr:
Ich bleibe derselbe, so alt ihr auch werdet,
bis ihr grau werdet, will ich euch tragen."
Jesaja 46,4

Monatsspruch Juni
aus dem Andachtenheft des DEF

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