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Versammlung

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein

Von Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern - Montag, 13.07.2015 - 10:28 Uhr

Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen.
Mt 5,37

Monatsspruch Juli

Der Satz macht mir zu schaffen. Gibt es wirklich nur ein klares Ja und ein klares Nein und nichts dazwischen? Kommunikation setzt auf "Red"lichkeit, will die ehrliche Verständigung zwischen Menschen durch Miteinanderreden. Sie will den Dialog, die abwechselnd geführte Rede und Gegenrede mit dem Bemühen, die andere Person zu verstehen. Eine Auseinandersetzung ist erst dann gelöst, wenn jede Seite von ihrer Position ein Stück weit abrückt, um zur Einigung, ja, zum Frieden, zu kommen. Unsere Demokratie lebt von diesen Kompromissen und erwartet, dass Mehrheitsentscheidungen auch bei einem früheren Nein schließlich mit einem Ja akzeptiert werden.

Mit alldem ist nicht gemeint, dass es recht ist, die Wahrheit "zurechtzubiegen", das Recht "zurechtzureden". Und auch die kleine Notlüge ist eben nur eine kleine Lüge. Wie oft sagen wir äußerlich Ja und meinen innerlich Nein.

Und dennoch: Wie schön ist eine klare Position! Dann weiß ich bei meinem Gegenüber, woran ich bin, ich kann der anderen Person vertrauen. Ihr Ja ist ein Ja, ihr Nein ein Nein, und es steht nichts dazwischen, was uns misstrauisch machen oder auseinanderbringen könnte.

Für das Verständnis des Satzes ist es indes hilfreich, ihn in seinem Zusammenhang zu sehen. Jesus spricht ihn in der Radikalität seiner Bergpredigt und er bezieht sich auf das Schwören.

"ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören; und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast. Ich aber sage Euch: Schwört überhaupt nicht, weder beim Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel für seine Füße, noch bei Jerusalem, denn es ist die Stadt der großen Könige. Auch bei deinem Haupt sollst du nicht schwören; denn du kannst kein einziges Haar weiß oder schwarz machen: Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen."

Jesus geht es um die absolute Glaubwürdigkeit. Seine Anhängerschaft soll nicht in Diplomatie ausweichen oder heilige Eide schwören, damit ihr geglaubt wird. Sie soll sich klar, eindeutig und unmissverständlich äußern. Für diese Haltung der Unverbrüchlichkeit braucht es nicht die Vereinnahmung Gottes, auch wäre das ein Verstoß gegen das Gebot, Gottes Namen nicht zu missbrauchen. Jesus erwartet ein Bekenntnis kraft der eigenen Erkenntnis.

Deshalb meint er möglicherweise nicht nur das äußerliche Ja oder Nein, sondern das innerliche, das Ja zu Gott- wie wir als Menschen angewiesen sind auf Gottes Ja zu uns. Die Treue zu Gott könnte auch den Zusammenhang mit dem zweiten Teil des Satzes erklären: ... alles andere stammt vom Bösen. Das Böse ist der Diabolus, der Verleumder, der denunziert und diffamiert, böswillig behauptet und übel nachredet, der Ja und Nein vertauscht und in das Jein verliebt ist. Ihm ist zu widerstehen durch ein klares Nein des Einzelnen.

Das schließt allerdings nicht aus, dass in manchen Situationen weder ein Ja noch ein Nein die Antwort sein kann, sondern nur ein Schweigen zu Vergewisserung, dass wir nichts wissen. Denn letztich geht es darum, dass hinter dem Ja und Nein die Unverwechselbarkeit der Person steht: Die Freiheit des Christenmenschen, aus eigener Überzeugung Ja oder Nein zu sagen.

Das sehe ich als Auftrag - aus Auftrag zur Wahrhaftigkeit.

Elke Beck-Flachsenberg,
Vorsitzende Evangelische Frauen in Bayern

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