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Gespräch auf der Wiese

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 18.10.2015 - 20:29 Uhr

An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stille am Waldesrand.
Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt und alles ruhte.
Da streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: " Was ist eigentlich das Leben?"
Alle waren betroffen über diese schwierige Frage.
Die Heckenrose. die gerade ihre Knospe entfaltete, sprach: "Das Leben ist eine Entwicklung."
Weniger tief veranlagt war der Schmetterling.Er flog von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte: "Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein."
Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst und sagte: "Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit."
Geschätig kam eine Biene von der honighaltigen Blume zurück und meinte dazu: "Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen."
,Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte: "Das Leben? Es ist ein Kampf im Dunkeln."
Es hätte fast einen Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte der sagte: "Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen." Dann zog er weiter zum Meer.
Dort brandeten die Wogenund warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten: "Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit."
Hoch über Ihnen zog majestätisch ein Adler seine Kreise. Er frohlockte: "Tja, das Leben ist ein Streben nach oben."
Nicht weit entfernt vom Ufer stand eine Weide.Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte: "Das Leben ist ein Sichneigen unter eine höhere Macht."
Dann kam die Nacht.
Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese dem Wald zu und krächzte: "Das Leben ist, die Gelegenheit nützen wenn andere schlafen."
Und schließlich wurde es still im Wald.
Nach einer Weile kam ein junger Mann von einer Feier des Weges. Er setzte sich müde vom vielen Tanzen ins Gras und meinte erschöpft: "Das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen."
Auf einmal stand die Morgenröte in Ihrer vollen Pracht auf und und sprach: "Wie ich die Morgenröte, der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben
der Anbruch der Ewigkeit!"

(Verfasser unbekannt, vorgetragen auf einem Gottesdienst in der Klinik Mara BI, im März 1999)

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