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Was lehrt die Bibel wirklich

Was lehrt die Bibel wirklich

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 13.12.2015 - 22:41 Uhr

Mir wurde in letzter Zeit vermehrt ein Bibelkurs von Zeugen Jehovas angeboten. Da sich Jehovas Zeugen selbst als Bibellehrer bezeichnen, wollte ich mich einmal davon überzeugen.
Ich habe mir auf der Webseite der Zeugen Jehovas also eine Kopie der Publikation ‚Was lehrt die Bibel wirklich‘ heruntergeladen.
Es handelt sich hier um ein kleines 220-seitiges Taschenbuch mit 19 Kapiteln, die über die wichtigsten biblischen Lehren (gemäß der Vorstellung der Zeugen) Auskunft geben sollen.
Ich möchte zunächst auf den Titel des Buches eingehen. Er lautet wie schon oben erwähnt: „Was lehrt die Bibel wirklich“. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das kleine Adjektiv ‚wirklich‘ auf dem Buchdeckel vom Herausgeber gesondert hervorgehoben wurde. Das zeigt deutlich, auf was es den Zeugen ankommt.
Die meisten bibelfesten Christen wissen, was die Bibel lehrt. Wenn der Buchtitel lediglich lautete ‚Was lehrt die Bibel‘ würde man sich wohl kaum von der Masse abheben. Deshalb hängte man das kleine Adjektiv ‚wirklich‘ hinten an und unterstrich das visuell. Einem aufrichtigen Christen geht allerdings schnell auf, dass mit der Aussage „Wir wissen, was die Bibel wirklich lehrt“, etwas in Anspruch genommen wird, was einem gar nicht zusteht, nämlich die absolute Deutungshoheit über die komplette Heilige Schrift. Selbst Apostel Paulus – wohl die prominenteste Figur nach Jesus Christus – erkannte das und gab freimütig zu: „Denn was wir erkennen, ist immer nur ein Teil des Ganzen … Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern … Wenn ich jetzt etwas erkenne, erkenne ich immer nur einen Teil des Ganzen …“ (Korintherbrief)

Kommen wir jetzt zum Inhalt des Buches. Wie wird der Bibelkurs durchgeführt? Jedes einzelne Kapitel ist in durchnummerierte Paragrafen aufgeteilt und für jeden dieser Absätze gibt es am Fuß der Seite ein oder zwei Fragen die auf das Geschriebene Bezug nehmen. Auffällig ist, dass Bibelverse selten komplett zitiert werden. Auch bei den in Klammern angegebenen Schriftstellen werden meistens nur Einzelverse angegeben. Eine Vers - für Versbetrachtung einzelner Bibelpassagen vermisst man komplett.
Direkt in der Einleitung wird auf die heutigen Probleme eingegangen und es wird auf die biblische Lösung hingewiesen – bestimmt nicht verkehrt. Allerdings werden auf zwei bebilderten Doppelseiten lediglich Versauszüge überwiegend aus alttestamentarischen Wiederherstellungsprophezeiungen angeführt.
Wenn man sich jetzt in Folge die einzelnen Kapitel anschaut, wird der geübte Leser schnell feststellen, dass sich die Herausgeber des Buches in den meisten Fällen der Eisegese als Lehrmethode bedienen. Wikipedia definiert den Begriff folgendermaßen: „Eisegese bezeichnet eine Textauslegung, bei der etwas in den Text hineininterpretiert wird, das nicht darinsteht oder gemeint war. Im Deutschen spricht man auch vom „Hineinlesen“, „Hineindeuten“ oder „Hineininterpretieren“.
Des Weiteren wird ausgeführt: „In der Praxis wird der Ausdruck "Eisegese" meist für eine misslungene Auslegung eines Bibeltextes verwendet. "Eisegetisches" Verhalten steht im Widerspruch zu seriöser Hermeneutik (Wissenschaft der Textauslegung bzw. Textinterpretation). Da eine Eisegese immer eine Fehlinterpretation darstellt sind weitergehende Schlussfolgerungen aufgrund einer Eisegese unhaltbar… Eisegesen können durchaus beabsichtigt sein. Beabsichtigte Eisegesen dienen ideologischen Zwecken oder der Aufrechterhaltung einer Ansicht oder Lehrmeinung.

Eine Vers- für Versbetrachtung würde Eisegese ganz bestimmt nicht komplett verhindern aber sie doch zumindest wirkungsvoll unterdrücken. Leider findet man im Buch – wie schon oben erwähnt – keine Vers - für Versbetrachtungen.
Ich möchte das mal an einem Beispiel aus dem Buch verdeutlichen. In Kapitel 12 wird Gott als unser ‚Freund‘ bezeichnet. Im ganzen Buch wird der Begriff in Verbindung mit Gott fast zwanzig Mal gebraucht. Auf den ersten Blick mag dagegen nichts einzuwenden sein. Im Buch wird auch auf Abraham als ein ‚Freund Gottes‘ Bezug genommen und es wird der Jakobusbrief als eine Belegstelle dafür zitiert.
In welchem Verhältnis steht allerdings ein Christ zu Gott? Wird er im NT nicht als ein Sohn oder Kind Gottes beschrieben? Der Unterschied zwischen einem Sohn der Familie und einem Freund ist riesengroß. Das NT legt sehr großen Wert auf die Sohnschaft mit dem Vater. Das wird durch die Häufigkeit deutlich unterstrichen. Die Begriffe Sohn/Söhne und Kind/Kinder kommen im NT über dreißig Mal vor und beschreiben das zärtliche, väterliche Verhältnis zu ihrem himmlischen Vater.
Es gibt keine einzige Stelle im NT an der ein Christ als ‚Freund Gottes‘ bezeichnet wird. Warum wird also im Handbuch der Zeugen Jehovas so großer Wert auf eine Freundschaft mit Gott gelegt aber das wirklich Wichtige – nämlich die Sohnschaft mit dem Gott wird mit keiner Silbe erwähnt? Was möchte man hier mit bewusster Eisegese dem unbedarften Studenten verschweigen? Versucht man hier eine andere Lehre zu stützen und verweigert deshalb interessierten Personen die Möglichkeit, ein Kind Gottes zu werden und somit das ‚Reich Gottes zu erben‘?
Was schrieb der Apostel Johannes am Ende seines Lebens, als schon einige Hunderttausend Nachfolger Christi das römische Reich bevölkerten?
„All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden.“ (Johannesevangelium)
„Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist ein Kind Gottes. Und wer den Vater liebt, der liebt auch seine Kinder.“ (Johannesbrief)
Kann man wirklich so naiv sein zu glauben, dass nur eine ganz kleine Anzahl - ausschließlich 144000 und nur diese - in den Himmel kommen, wenn selbst der Apostel Johannes davon nicht überzeugt war? Johannes glaubte tatsächlich an das Gegenteil – er schrieb das oben zitierte und bezog das auf ALLE. Es wäre bestimmt unfair, nur einer kleinen elitären Gruppe das Erbe zu versprechen und den überwiegenden Großteil nicht darüber zu informieren.
Jesus Christus warnte vor der Vorgehensweise einer religiösen Gruppe seiner Tage mit folgenden Worten: „Denn wenn ihr andere nicht ins Himmelreich hineinlasst, werdet auch ihr nicht hineingelassen… Ihr reist über Land und Meer, um einen Menschen zu bekehren, und dann macht ihr aus ihm einen Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst.“ (Matthäusevangelium)
Eine sehr deutliche Warnung. Ein Bibellehrer sollte sie bestimmt beherzigen, denn gemäß der Aussage des Jakobus wird ein ‚Lehrer von Gott besonders streng beurteilt werden‘.

Fazit: Das Buch ‚Was lehrt die Bibel wirklich‘ herausgegeben von Zeugen Jehovas ist dazu gemacht, auf produktive Weise neue Anhänger für die Religionsgemeinschaft anzuwerben.
Wer die Bibel allerdings WIRKLICH kennenlernen möchte, ist auf diese Art von ‚Hilfsmittel‘ nicht angewiesen. Vielmehr versprach Jesus Christus den Heiligen Geist als Helfer, um Menschen anzuleiten und verlieh einer beträchtlichen Anzahl von seinen Nachfolgern die Gabe des Lehrens. (Johannesevangelium und Epheserbrief)

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2 Kommentare

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Alles richtig. Das "wirklich" beansprucht die (absolute) Deutungshoheit und dahinter steht die typische manipulative Art der Zeugen Jehovas. Sie verstehen es auch in ihrer unnachahmlichen Deutung alle möglichen Katastrophen an die Wand zu malen, auf dass dem Bürger die Angst tief einfährt, um ihn dazu bewegen dem Druck nachzugeben und alles anzunehmen, was an ihn oder sie herangetragen wird.

Bei evangelischen und auch katholischen Christen kann man nicht mal sagen, die sind so und so, weil sie sich selbst als pluralistisch sehen, was auch gut ist. Bei den Zeugen Jehovas kann man das! Und sie wollen es nicht anders, denn sie wollen nach dem Uralten Schema diese punktuelle eindimensionale Deutung.

Die Zeugen Jehovas entdecken ja auch in jedem Je... den Namen Jehovas. Der steht zwar nicht so in der Bibel, aber mit jedem Namen, der mit "Je" anfängt, wird der Name Jehova "gestreichelt". Ich bin kein Theologe, aber die Zeugen Jehovas erzählen oft Dinge, die mit gesundem Menschenverstand bei mittlerer Mustererkennung doch eher abstrus sind.

Das ist alles dermaßen manipulativ und offensiv Angst machen, dass man es glatt schon verbieten könnte. Im Hinblick auf die Verschlagenheit steht die Zeugen Jehovas selbst Scientology in Nichts nach.
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Wieder was dazu gelernt! Danke
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