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Russels Teekanne oder die Konsequenzen aus der Nichtwiderlegbarkeit Gottes

Russels Teekanne oder die Konsequenzen aus der Nichtwiderlegbarkeit Gottes

21.08.2018, 03:18 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Gedankenexperiment über eine Teekanne im All


Sollen wir an Gott glauben?

Können Sie beweisen, dass Gott existiert? Können Sie es widerlegen? Und woran sollte man glauben, wenn Gott weder beweis- noch widerlegbar ist? Diese Fragen stellt das Gedankenexperiment «Teekanne». Es möchte zeigen, dass die Nichtwiderlegbarkeit Gottes noch kein Grund ist, an ihn zu glauben.

Die Philosophie stellt die ganz grossen Fragen und hilft uns mit Gedankenexperimenten, eigene Antworten zu finden. SRF Kultur stellt die wichtigsten Gedankenexperimente in animierten Kurzfilmen vor. Eine unterhaltsame Anregung zum Selberdenken.
Weitere Gedankenexperimente sowie Experteninterviews, Philosophische Selbsttests und Statements von Prominenten unter: www.srf.ch/filosofix


Wer trägt die Beweislast?

Russell (britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker, 1872-1970) wollte mit dem Gedankenexperiment darauf aufmerksam machen, dass es nicht die Aufgabe der Wissenschaft ist, die Existenz Gottes zu widerlegen, sondern dass vielmehr die Religionen zeigen müssen, dass Gott existiert.

Solange das nicht belegt sei, habe man gute Gründe davon auszugehen, dass Gott nicht existiert, meint Russell. Wenn die Existenz einer Sache umstritten ist, sei es immer an den Befürwortern, die Existenz nachzuweisen. Wie aber lässt sich diese Regel begründen?


Sparen, sparen, sparen

Russell kann sich auf das Sparsamkeitsprinzip berufen ("Ockhams Rasiermesser"), das besagt, man solle keine existierenden Dinge annehmen, die man nicht braucht. Wenn man Blitz und Donner mithilfe physikalischer Gesetzmässigkeiten erklären kann, dann sollte man Götter wie Zeus aus dem Spiel lassen.

Da es keine Phänomene gibt, die allein durch die Annahme einer fliegenden Teekanne erklärt werden können, sollte man auf die Existenzannahme dieser Teekanne verzichten.


Kleine rosa Elefanten

Russell kann auch mit einer «reductio ad absurdum» argumentieren, also indem er aufweist, dass die Position des Gegners absurde Konsequenzen hat. Wenn dieser nämlich meint, man dürfe alles glauben, was nicht widerlegt sei, dann öffnet er damit Tür und Tor für Freaks und Fanatiker.

Es gibt unzählige bizarre Hypothesen, die nicht widerlegbar sind. Das fliegende Spaghetti-Monster und die kleinen rosa Elefanten lassen grüssen. Obwohl sich solche skurrilen Annahmen nicht widerlegen lassen, halten wir Leute für irrational oder gar verrückt, die ernsthaft an solche Dinge glauben.


Theist, Atheist oder Skeptiker?

In der Diskussion um die Existenz Gottes gibt es drei Lager: Gläubige, Atheisten und Skeptiker, auch Agnostiker genannt. Die ersten behaupten, Gott existiere, die zweiten, er existiere nicht, und die dritten enthalten sich des Urteils. Viele Ungläubige würden sich eher den zurückhaltenden Agnostikern zurechnen als den beinharten Atheisten.

Russells Gedankenspiel mit der Teekanne möchte aus den Agnostikern Atheisten machen. Wenn es um die Existenz von fliegenden Teekannen und unsichtbaren Einhörnern geht, sind die meisten Menschen nämlich keine Agnostiker, sondern dezidierte «Atheisten» und Einhorngegner.

Solange für die Existenz Gottes aber nicht mehr spricht als für das Vorhandensein unsichtbarer Einhörner, sollten sich die vermeintlichen Agnostiker nichts vormachen und sich als Atheisten bekennen. Andernfalls sind sie inkonsequent.

Die Frage ist letztlich: Gibt es gute Gründe, die für die Existenz Gottes sprechen?
(Quelle: www.srf.ch/filosofix)

18 Kommentare

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Außer Russells Teekanne hatten wir auch schon Metzingers Osterhasen.
Wer sich durch solche Gedankenspielchen beeindrucken oder gar manipulieren lässt, ist selbst schuld. Aus jemanden etwas anderes machen zu wollen, heißt, dem anderen mangelndes Denkvermögen zu unterstellen.
Merke: auch Gläubige oder Agnostiker pflegen normalerweise ihr Gehirn zu benutzen.
  • 21.08.2018, 07:09 Uhr
wize.life-Nutzer
Dein negatives Statement beinhaltet leider keine Argumente, die den Konklusionen aus Russels philosophischem Gedankenexperiment gerecht werden könnten.

Aber ich verstehe dich, manchmal hat man einfach keine Lust oder Möglichkeiten seiner kritischen Haltung gegenüber kontroversen Aussagen argumentativ Substanz zu verleihen.

Anm.: Das ist richtig, wir benützen alle unser Gehirn, aber nicht unbedingt quantitativ und vor allem qualitativ auf eine gleichwertige Art & Weise.
  • 21.08.2018, 11:57 Uhr
Und wer beurteilt, in wessen Gehirnmasse die klügeren Gedanken entstehen?
Mit Lust oder keiner Lust auf Meinungen anderer einzugehen, hat das gar nichts zu tun. Es kann- zumindest bei mir - davon ausgegangen werden, dass ich all diese Gedanken längst abgearbeitet habe und nur eines zum Ausdruck bringe: Wer Belehrungen braucht, kann sie sich holen - die Möglichkeiten sind heute nahezu unbegrenzt.
Gurus gibt es wie Sand am Meer und diejenigen, die auftreten mit einem missionarischen Eifer, nämlich die Produkte ihrer eignen Gehirnmasse für ein Allerweltsheilmittel zu halten und Menschen zu erziehen, zu belehren, umzukrempeln sind nichts anderes als Rattenfänger, denen aber immer wieder Menschen, die das Verehren und Aufblicken brauchen, auf den Leim gehen.
Argumente jenen Gurus gegenüber, die von ihrer Gedankenwelt überzeugt sind, sind reine Zeitverschwendung, denn so ein überkluger Lehrmeister versteht sich natürlich perfekt aufs Abwimmeln. Das hatten wir schon öfter, jetzt und eben auch in der Vergangenheit. Außerdem hat Herr Russell schon längst den Löffel abgegeben; persönlich mit einem dieser Obergurus zu diskutieren, würde mir vielleicht sogar noch Spaß machen, weil ich denen gewachsen bin, auch wenn du und einige andere User immer wieder kleine Sticheleien anbringen, weil sie meinen, sie könnten mich in die Enge treiben. Liegt der mangelnde Respekt mir gegenüber möglicherweise daran, dass ich eine Frau und schon ziemlich in die Jahre gekommen bin?
  • 21.08.2018, 14:22 Uhr
wize.life-Nutzer
Mein Zitat:
"Das ist richtig, wir benützen alle unser Gehirn, aber nicht unbedingt quantitativ und vor allem qualitativ auf eine gleichwertige Art & Weise."

Deine Frage:
"Und wer beurteilt, in wessen Gehirnmasse die klügeren Gedanken entstehen?"

Meine Antwort:
Von klügeren Gedanken habe ich nicht gesprochen, denn "klüger" ist kein fest umrissener (definierter) Begriff. Meine Aussage bezog sich nicht auf "klüger", sondern auf die Tatsache, dass unsere Gehirnleistungen, ganz allgemein betrachtet, unter qualitativen Betrachtungen sehr unterschiedlich ausfallen, was sich zum Beispiel im Intelligenz-Test und anderen Bewertungsmethoden niederschlägt.

Anm.: Ich halte überhaupt nichts von GURUS, sondern versuche mich weitgehend autonom durch's (geistige) Leben zu bewegen. Die Verwendung und Angabe von möglichst guten Argumenten darf man nicht mit BELEHRUNGEN verwechseln, denn der Austausch von Argumenten ist eine der wichtigsten intellektuellen Leistungen, um eigene Konklusionen auf den Prüfstand zu stellen, um sich weiterzuentwickeln. Es ist ein Irrtum zu glauben, man hätte ALLES abgearbeitet und könnte der erste Schritt zum Stillstand sein.
  • 21.08.2018, 14:47 Uhr
Aber für mich nur interessant, wenn Gedanken auf eigenen Mist gewachsen sind.
Sicher, man kann sich an Goethe, Kant, Hegel oder meinetwegen auch an Feuerbach und Marx orientieren, aber wer nur zitiert oder nachbetet ist für mich kein interessanter Gesprächspartner. Gleiches gilt - das ist hier gerade nicht der Fall, wenn manche wie eine Schallplatte mit einem Riss in der Rille immer und immer wieder gleiche Argumente durchkauen.
Und was auf jeden Fall draußen bleiben sollte in fruchtbaren Diskussionen sind Bewertungen der Gehirnleistungen der Diskussionspartner - Ja: das ist wohl der springende Punkt (fiel mir eben beim Schreiben ein): Man sollte einfach öfter versuchen partnerschaftlich zu diskutieren, anstatt hier entweder erbitterte Feindschaften oder Seilschaften aufzubauen.
  • 21.08.2018, 14:59 Uhr
Das stimmt, Herr Russel hat 1970 "seinen Löffel" abgegeben, aber soll das ein sinnvolles Argument dafür sein, dass sein Gedankenexperiment "Teekanne" deshalb überholt oder nicht mehr zutreffend ist?

Einstein ist 1955 gestorben! ...würdest du in diesem Fall denn auch davon ausgehen, dass seine Relativitätstheorie weniger bedeutsam ist, nur weil er schon über 60 Jahre tot ist?

Dein Zitat:
"...auch wenn du und einige andere User immer wieder kleine Sticheleien anbringen, weil sie meinen, sie könnten mich in die Enge treiben. Liegt der mangelnde Respekt mir gegenüber möglicherweise daran, dass ich eine Frau und schon ziemlich in die Jahre gekommen bin?"

Wir sind alle in die Jahre gekommen. Man braucht sich nicht "in die Enge getrieben zu fühlen", nur weil man gegen "argumentative Sticheleien" anderer nichts entgegenzusetzen hat! ...der konstruktive Umgang sollte vielmehr in der intellektuellen Auseinandersetzung bestehen, um selber weiterzukommen und sich argumentativ weiterentwickeln zu können. Der Respekt dir gegenüber ist doch nicht in Gefahr, nur weil dir widersprochen wird.
  • 21.08.2018, 15:04 Uhr
Der Großteil unserer Meinungen, Ansichten und Überzeugungen wurde von Denkern der Vergangenheit maßgeblich bestimmt, du scheinst es nur nicht zu wissen oder zu verdrängen.

Wir können ALLE davon ausgehen, dass unsere Gedanken und Meinungen zum größten Teil eben NICHT auf unserem "Mist gewachsen" sind.

Anm.: Allerdings ist es offensichtlich und nicht zu übersehen, dass bei manchen die Gedanken und Meinungen in der Tat auf "MIST" gewachsen sind.
  • 21.08.2018, 15:11 Uhr
Was die Teekanne betrifft, da gab es vor längerer Zeit eine ellenlange Diskussion über die "Osterhasen-Agnostiker" des noch nicht in die Jahre gekommenen Philosophie-Professors Thomas Metzinger, und dabei wurde so viel argumentiert über die darin angesprochene intellektuelle Redlichkeit. Du warst bei dieser Diskussion nicht dabei, deshalb hast du meinen ersten Kommentar auch nicht verstehen können;
  • 21.08.2018, 15:17 Uhr
Niemand kann und soll die Gehirnleistungen anderer bewerten, was objektiv ja auch nicht möglich ist... was man aber sehr wohl bewerten kann, ist, wie andere argumentieren, ob sie überhaupt argumentieren und ob sie anderen, vor allem besseren, Argumenten überhaupt zugänglich sind.
  • 21.08.2018, 15:17 Uhr
Tja und wieder die Frage: wer beurteilt, was "besser" ist. Ich z. B. kenne ein paar Menschen, die leider nicht redegewandt sind, aber klügere Gedanken haben als mancher Deutsch-Dozent.
  • 21.08.2018, 15:19 Uhr
Nur weil in der Vergangenheit über ähnliche Sachverhalte (z.B. Osterhasen-Agnostiker) bereits ausführlich diskutiert wurde, bedeutet das noch lange nicht, dass damit die Problematik der Nichtwiderlegbarkeit Gottes abgeschlossen wäre.
  • 21.08.2018, 15:21 Uhr
Fast jeder kann sehr kluge Gedanken haben, aber wenn er sie nicht in entsprechende Worte fassen kann, werden seine Gedanken entweder nicht verstanden oder sie entsprechen nicht seinen Gedanken.
  • 21.08.2018, 15:24 Uhr
Ich erkenne BESSERE Argumente daran, dass sie meine Argumente als nicht (mehr) widerspruchsfrei kennzeichnen. Dann wähle ich die mir besser erscheinenden Argumente.
  • 21.08.2018, 15:26 Uhr
Ob zum Beispiel Argumente BESSER sind, entscheidest vor allem DU selbst...

...und zwar indem DU abwägst.
  • 21.08.2018, 15:31 Uhr
Kann schon sein, dass es noch einige Menschen hier gibt, die dieses Thema nochmals oder überhaupt erstmalig diskutieren wollen - nur ich melde mich jetzt ab, für mich war das Thema durch - das ist jetzt nicht gegen dich gerichtet.
Ich bin sogar gespannt, ob noch etwas kommt.
  • 21.08.2018, 15:33 Uhr
Eben, es gibt ja noch andere als dich... es wird aber nicht viel kommen, vor allem nicht inhaltlich zum Artikel, was ja auch jetzt nicht der Fall war.
  • 21.08.2018, 15:44 Uhr
Ich würde es (auch) als reine Zeitverschwendung ansehen, wenn ich mich (so wie du) in einen Thread reinhänge, obwohl er inhaltlich für mich bereits "DURCH" ist.
  • 21.08.2018, 15:46 Uhr
Übrigens, nicht jeder, der einen Artikel liest, muss das, was er anders sieht oder genau so sieht, in der Kommentar-Ebene unbedingt mit anderen durchkauen.
  • 21.08.2018, 15:49 Uhr
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