Können "unterlassene Hilfeleistungen" gerechtfertigt werden?
Können "unterlassene Hilfeleistungen" gerechtfertigt werden?Foto-Quelle: Eigener Bestand

Können "unterlassene Hilfeleistungen" gerechtfertigt werden?

Beitrag von wize.life-Nutzer

Das besondere Video

"Warum lässt Gott das Leid zu?"

Michael Kotsch (* 1965) ist ein deutscher evangelischer Theologe, Dozent und Autor apologetischer und religionswissenschaftlicher Bücher.


Mein Kommentar

Zum Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung

Herr Kotsch ist ein recht guter Religions-Rhetoriker, aber einen Spruch hat er vergessen, nämlich: "Trotz allen Leids, kann man nie tiefer fallen als in Gottes Hand." Wer so eine Parole kritiklos verinnerlicht, glaubt alles, auch an das, was Herr Kotsch im Auftrag der Kirche hier verbreitet.

Des weiteren unterschlägt Herr Kotsch vor allem das Problem bzw. den Tatbestand der "UNTERLASSENEN HILFELEISTUNG". Wir wissen alle, dass man sich der "unterlassenen Hilfeleistung" schuldig macht und gegen Gesetze verstößt, wenn man in Not geratenen Menschen nicht hilft, obwohl man das gekonnt hätte und die Hilfe zumutbar gewesen wäre.

Nun, Gott soll ALLMÄCHTIG sein UND die Menschen unendlich LIEBEN. Wie kann es dann möglich sein, dass Gott in Not geratenen Menschen* seine Hilfeleistungen regelmäßig vorenthält, obwohl er hätte helfen können und es ihm auch zumutbar gewesen wäre. Ja, es ist Gott nicht nur zumutbar, sondern er ist dazu auch moralisch verpflichtet, wenn er die Menschen tatsächlich liebt.

Für den Fall, dass es den Gott der Christen tatsächlich gibt, könnte man die "unterlassene Hilfeleistung" Gottes nur damit rechtfertigen, dass er entweder NICHT allmächtig, sondern in solchen Situationen OHNMÄCHTIG ist, oder Gott zwar allmächtig ist, die Menschen aber NICHT liebt und sich deshalb um unschuldig Leidende nicht kümmert.

Gott ist aber als ein SCHÖPFER unserer Welt und der Naturgesetze nur allmächtig vorstellbar, genauso wie ein moralisch unvollkommener Gott, den die Menschen nicht interessieren, nicht dem christlichen Bild eines Gottes entsprechen kann.

Wenn Gott aber ALLMÄCHTIG ist UND die Menschen LIEBT, wie ist es dann zu rechtfertigen, dass sich Gott der "unterlassenen Hilfeleistung" ständig schuldig macht?


Nachtrag:

Am Problem der "unterlassenen Hilfeleistung" wird die Ohnmacht Gottes offensichtlich.
Es stellt sich die Frage, ob ein ohnmächtiger Gott die Bezeichnung "GOTT" überhaupt noch verdient, denn ein ohnmächtiger Schöpfer-Gott ist als Gott unvorstellbar.

Ein personaler Gott, der mit den Menschen in ihren schweren Notlagen mitleidet, weil er die Menschen liebt, ist nicht mehr wert als ein guter Freund, der zwar mitleidet, aber nicht wirklich helfen kann.

Es wird deutlich, dass es in Notfällen sinnlos ist, zum Beispiel über Bittgebete, eine unsichtbare Instanz um Hilfe anzuflehen, von der eine existenzielle Hilfe nicht zu erwarten ist.

Das schließt natürlich nicht aus, dass - über einen auf "Gott" projizierten Placebo-Effekt - im Leid eine psychische Stress-Bewältigun durch ein Gefühl des Trostes nicht möglich sein könnte.


*Zum Beispiel: Rund 6 Millionen Juden kamen im Nazi-Deutschland in unverschuldete, existenzielle Notsituationen und wurden während des Holocaust ermordet, auch wenn sie in ihren Bittgebeten Gott um Beistand und Hilfe angefleht haben.