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Hände weg von HIRNTOTEN ohne Zustimmung für Organentnahmen!

Hände weg von HIRNTOTEN ohne Zustimmung für Organentnahmen!

08.09.2018, 18:28 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Widerspruchsregelung versus Zustimmungsregelung


Gesundheitsminister Jens Spahn plant das Transplantationsgesetz (TPG 1997, 2007, 2017) zu ändern, indem er die bisherige Zustimmungsregelung durch eine Widerspruchsregelung ersetzt. Jens Spahn erhofft sich durch diese einschneidende Änderung des TPG, dass die Anzahl der "Organspenden" pro Jahr deutlich gesteigert werden können.


Kein Widerspruch, also Schweigen, ist keine rechtsgültige Zustimmung


Die Widerspruchsregelung bezeichnet eine Regelung, nach der eine Zustimmung zu einer Entscheidung als getroffen gilt, wenn der Betroffene nicht explizit widerspricht. Das Gegenteil ist die Zustimmungsregelung, die zur Zeit in Deutschland gilt. (s. Wikipedia unter Widerspruchsregelung)

Anmerkung: Schweigen (z.B. kein Widerspruch) gilt im Rechtsverkehr grundsätzlich nicht als eine Willenserklärung, also weder als Zustimmung noch als Ablehnung. Dem Grundsatz der Zustimmung entspricht die Zustimmungsregelung: das heißt, wenn der Betroffene explizit zustimmt, gilt die Erklärung als gegeben. Schweigen, d.h. kein Widerspruch, bedeutet im Rechtswesen weder „Ja“ noch „Nein“, weder Zustimmung noch Ablehnung zu einem Rechtsgeschäft, sondern gar nichts. Es ist grundsätzlich keine Willenserklärung. (s. Wikipedia unter Widerspruchsregelung)

Halten wir fest, die Widerspruchsregelung bedeutet, dass Organe ohne Einwilligung des "Organspenders" entnommen werden dürfen.


Organentnahmen ohne Zustimmung sind Körperverletzungen


Daraus ergibt sich ein juristische Problem, nämlich der Tatbestand einer Körperverletzung, denn nach geltendem Arztrecht gilt jede ärztliche Handlung/Eingriff als eine Körperverletzung (§ 223 StGB), wenn keine rechtswirksame Einwilligung ( z.B. in Form eines Organspendeausweis) vorliegt. Da bei der geplanten Widerspruchslösung Organe ohne Einwilligung entnommen werden, erfüllt diese Form der Organentnahme den Tatbestand einer Körperverletzung.

Die Verletzung der Würde: Hirntote Patienten sind Patienten, bei denen noch kein Tod des Gesamtorganismus vorliegt, denn tote Organe wären für Transplantationen ungeeignet. Das heißt, hirntoten Patienten werden lebende Organe entnommen und nach der Organentnahme wird die künstliche Beatmung der Patienten abgestellt, worauf der Tod des Restorganismus der "Organspender" eintritt.

Bei der Widerspruchslösung werden folglich Organe ohne Einwilligung entnommen, es handelt sich nicht nur um eine Körperverletzung, sondern es wird die Würde des "Organspenders" verletzt (§1 GG), weil er nur als Mittel zum Fremdzweck und nicht als sein Selbstzweck behandelt wird. Darüberhinaus findet nach der Organentnahme eine aktive Tötung (§ 216 StGB) ohne jede Rechtfertigung statt, da der Patient zu Lebzeiten einer Entnahme noch lebender Organe nicht ausdrücklich zugestimmt hat.

Der Hirntote stirbt letzten Endes an und nach der Organentnahme!


Fazit

Aus moralischen und juristischen Gründen muss die Widerspruchsregelung abgelehnt werden, weil bei Organentnahmen unter Widerspruchsregelung
1. keine Einwilligung vorliegt,
2. deshalb der Tatbestand einer Körperverletzung (§ 223 StGB) vorliegt,
3. die Würde (§1 GG) des "Organspenders" grob verletzt wird und
4. der Tatbestand einer aktiven Tötung (§ 216 StGB) des Restorganismus ohne Zustimmung vorliegt.

Deshalb, Hände weg von Hirntoten, die Organentnahmen nicht widersprochen haben!

PS: "Organspende" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil im Fall der Widerspruchsregelung Organe nicht freiwillig gespendet werden, sondern per Transplantationsgesetz zwangsweise entnommen werden. Bei der Widerspruchsregelung kann deshalb von einer Organspende im eigentlichen Sinn nicht gesprochen werden!
...denn kein Widerspruch ist keine Zustimmung!


Achtung! Weshalb man den Hirntod nicht mit dem endgültigen Tod eines Menschen verwechseln bzw. gleichsetzen sollte: https://www.t-online.de/nachrichten/...ma-auf.html

68 Kommentare

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ANNE WILL vom 9.9.2018:
Das ist und war eine geplante Werbesendung für die Einführung der Widerspruchsregelung zur Steigerung der Organspende.
Kritische Stimmen waren nicht erwünscht, zumindest nicht in dieser Sendung.
Die Widerspruchslösung bedeutet:
1. Kein Widerspruch, also Schweigen, ist KEINE rechtsgültige Zustimmung.
2. Organentnahmen OHNE Zustimmung (Organspende-Ausweis) sind Körperverletzungen (§ 223 StGB).
3. Hirntote sind KEINE Leichen, denn der Hirntod ist NUR ein Organtod (des Gehirns) und nicht der Tod des Gesamtorganismus, denn tote Organe können nicht transplantiert werden.
4. Der Hirntote stirbt letzten Endes an der Organentnahme.
Also, Hände weg von Hirntoten, die einer Organentnahme nicht zugestimmt haben, also keinen Organspende-Ausweis haben.



Meine Meinung:
JA zur freien, selbstbestimmten Organspende, aber ein klares NEIN zur erzwungenen Organentnahme unter Fremdbestimmung.
  • 11.09.2018, 20:26 Uhr
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  • 11.09.2018, 19:59 Uhr
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Viel Verwaltungsaufwand, es müssen Stellen geschaffen werden, all das kostet Geld, wer soll dies bezahlen?
  • 11.09.2018, 19:46 Uhr
Die Widerspruchslösung bedeutet nicht mehr Verwaltungsaufwand als bei der Zustimmungregelung, denn ein Organspendeausweis entfällt.
  • 11.09.2018, 19:54 Uhr
wize.life-Nutzer
Das bezahlen wir alle, nämlich die Steuerzahler!
Ich persönlich lehne die Widerspruchsregelung ab, da sie gegenüber der Zustimmungsregelung erhebliche moralische und juristische Probleme mit sich bringt.
  • 11.09.2018, 22:29 Uhr
Wer erteilt diese Regelung? Wer ist für die Pflege der Daten verantwortlich. Was ist, wenn man umzieht, werden diese Daten dann automatisch weitergeleitet. Hier bin ich mir schon sicher, dass es einen Mehraufwand geben wird, denn es sind ja dann ALLE angesprochen. Es werden sicherlich mehr Anträge vorliegen, als es Ausweise zu verwalten gibt.

Übrigens, ich bin auch gegen diese Widerspruchsregelung
  • 12.09.2018, 12:32 Uhr
wize.life-Nutzer
Das solltest du den Gesundheitsminister Spahn fragen.

Aber meinetwegen soll die Widerspruchsregelung mehr Aufwand als die Zustimmungsregelung machen, denn ich bin ja gegen die Widerspruchsregelung, aber aus ganz anderen Gründen.
  • 12.09.2018, 15:34 Uhr
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Es ist einfach ein Unding, dass Menschen, die eine neue Niere brauchen, diese nicht bekommen, weil da jemand sich nicht mit der Tatsache auseinandersetzen wollte, dass nach seinem Tod an ihm herumgeschnippelt wird.

Hier sind lebende, kranke Menschen, die eine Niere brauchen um weiterleben zu können.

Da sind geeignete Nieren vorhanden - und was macht man mit denen: man vergräbt sie uns lässt sie verfaulen!

Was für ein Schwachsinn!

Ich bin für die Widerspruchslösung. Als lebender Mensch ist man schon zur Hilfeleistung verpflichtet, wenn es jemandem schlecht geht. Das sollte auch für Leichen gelten. Was die Angehöringen dabei empfinden, muss zweitrangig sein!
  • 10.09.2018, 11:32 Uhr
wize.life-Nutzer, bitte ganz entspannt und sachlich bleiben:

Es wird medizinisch & gesellschaftlich mehrheitlich begrüßt, wenn hirntote Menschen ihre Organe spenden, weil sie diesem Eingriff zu Lebzeiten zugestimmt haben

Was ICH für unmoralisch und juristisch NICHT gedeckt halte, ist der ZWANG zur Organentnahme und zwar OHNE Einwilligung desjenigen, dem die Organe entnommen werden sollen.

Zwang ist UNMORALISCH und entspricht, nach unseren gesetzlichen Bestimmungen ((§ 223 StGB), dem Tatbestand der KÖRPERVERLETZUNG, ist also strafbar.
  • 10.09.2018, 15:38 Uhr
Zitat wize.life-Nutzer:
>> Ich bin für die Widerspruchslösung. Als lebender Mensch ist man schon zur Hilfeleistung verpflichtet, wenn es jemandem schlecht geht. Das sollte auch für Leichen gelten. <<
____________________

Wo steht, dass ein Hirntoter Hilfe leisten MUSS, indem OHNE Zustimmung Organe entnommen werden?

ORGANSPENDE bedeutet eine FREIWILLIGKEIT, die durch die Widerspruchslösung in einen ZWANG zur Organspende umgeändert wird.

Übrigens Volker, ein Hirntoter ist KEINE Leiche, denn unter hirntot versteht man lediglich den Total-Ausfall aller Hirnfunktionen und damit der Ausfall des Bewusstseins und der personalen Identität. Das heißt, der Hirntot ist NUR ein Organtot und KEIN Tod des Gesamtorganismus wie es bei einer Leiche mit den sicheren TODESZEICHEN der Fall ist. Ein Organspender wird erst dann zur Leiche, wenn die zu transplantierenden Organe entfernt wurden, und danach die künstliche Beatmung abgestellt wird. Erst dann stirbt der Mensch und wird zur Leiche.

Fazit: Ein Hirntoter ist KEINE Leiche, denn eine Leiche enthält TOTE Organe, die NICHT transplantiert werden können (bzw. dürfen).
  • 10.09.2018, 15:58 Uhr
Frank,

Keine Haarspaltereien bitte.

Hirntote sind tot. Tote sind Leichen. Auch wenn Hirntote mit Maschinen noch vorübegehend in einem Schwebezustand gehalten werden können.

Es gibt schon einen ZWANG für Lebende, anderen Lebenden zu helfen, wenn sie in Not sind. Wer dies unterlässt, macht sich unterlassener Hilfeleistung schuldig.

Wer seine Nieren nicht hergeben will, obwohl klar ist, dass sie in wenigen Stunden beginnen zu verfaulen und er selber absolut nichts mehr damit anfangen kann, der macht sich m.E. unterlassener Hilfeleistung schuldig.
Bestrafen kann man ihn ja in diesem Fall nicht mehr, deswegen sollte von vorneherein klar sein, dass Bedürftige ein Recht auf diese Nieren haben.

Alles andere ist Gefühlsduselei! Menschen sind vernunftbegabt und sollten diese Gabe auch benutzen.

Und Frank, "Körperverletzung" kann doch wohl nicht zutreffend sein, wenn dieser Körper sich in einem unaufhaltsamen Zerfallsprozess befindet. Es gibt nichts mehr zu verletzen an einem Körper, der in wenigen Wochen zu einer toten, stinkenden Masse werden wird. Es ist doch auch keine Sachbeschädigung, wenn ich aus einem Schrottauto noch etwas ausbaue, bevor es in die Schrottpresse wandert.

Das Einzige, was verletzt wird, sind die Gefühle der Angehörigen, die (jetzt sind wir wieder beim anderen Thema) von gewissen Institutionen in dem Irrtum belassen werden, der Tote werde irgendwann wieder lebendig. Aber diese Gefühle müssen gegen dem Recht auf Leben eines Anderen eben zurückstehen.
  • 12.09.2018, 08:36 Uhr
Dass der Organentnahme vor dem Tod noch widersprochen werden kann, ist ein Zugeständnis an diese Gefühlsduseleien. Aber meinetwegen soll es so sein, wenigstens vorübergehend, bis sich die Öffentlichkeit daran gewöhnt hat, dass Verstorbene mit ein paar zusätzlichen Nähten aus der Leichenkammer der Krankenhäuser abgeholt werden. Ich kann mir sowieso nicht vorstellen, dass Angehörige sich die nackte Leiche noch genau anschauen wollen.
  • 12.09.2018, 08:52 Uhr
wize.life-Nutzer
Das ist eben ein sehr wichtiger Punkt, der uns GRUNDSÄTZLICH unterscheidet:

DU hältst den Hirntod für den Gesamttod, ICH halte den Hirntod NUR für einen Organtod und für keinen Gesamttod.

Begründung:

Wäre der Hirntod der Gesamttod des Menschen, dann wären ja alle anderen Organe (wie z.B. Herz, Lunge, Leber, Nieren) auch tot.

Tote Organe kann man aber nicht transplantieren, sondern nur LEBENDE Organe.

Wenn aber alle Organe des Menschen, außer dem Gehirn, nicht TOT sind, sondern LEBEN, dann kann man beim Hirntod NICHT von einem Gesamttod des Menschen sprechen.

FAZIT: Ein Hirntoter ist kein LEICHNAM*

Der Hirntote wird erst dann zum Leichnam, NACHDEM ihm die LEBENDEN Organe entfernt wurden.

*als Leiche spricht man nur bei toten Tieren
  • 12.09.2018, 14:53 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer:
>> Und Frank, "Körperverletzung" kann doch wohl nicht zutreffend sein, wenn dieser Körper sich in einem unaufhaltsamen Zerfallsprozess befindet. <<

Die Organentnahme ist ein ärztlicher Eingriff bei einem bewusstlosen Menschen (Hirntod), dessen Organe noch leben.

Aus juristischen Gründen (§ 223-231 StGB) benötigt der Arzt, auch bei einem bewusstlosen Menschen, für die Organentnahme eine rechtsgültige Einwilligung (Organspende-Ausweis) andernsfalls macht er sich dem Straftatbestand der KÖRPERVERLETZUNG schuldig.

Deshalb bin ich gegen die WIDERSPRUCHSREGELUNG.

Gegen eine Organentnahme unter der bisherigen ZUSTIMMUNGSREGELUNG habe ich keine moralische und juristische Einwände.
  • 12.09.2018, 15:03 Uhr
wize.life-Nutzer
Im übrigen, auch ein Leichnam hat das Recht auf Unversehrtheit und "Leichenfledderei" ist deshalb strafbar.
  • 12.09.2018, 15:05 Uhr
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Also, da hat sich jemand weit aus dem Fenster gelehnt.
Es gibt durchaus Fälle, wo Schweigen als Zustimmung gewertet wird.
Wer als Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches auftritt, hat die Handelsbräuche und Gepflogenheiten zu beachten. Zur wichtigsten Gepflogenheit zählt, dass mündliche Absprachen schriftlich zusammengefasst (kaufmännisches Bestätigungsschreiben) und dem Vertragspartner zur Kenntnisnahme übermittelt werden. Einer Bestätigung durch den Annehmenden bedarf es in diesem Fall nicht. Allein das Schweigen reicht als Zustimmung. Diese Ausnahme gilt aber nur, wenn es sich bei den Vertragspartnern um zwei Kaufleute im Sinne des HGB handelt.
Das gilt auch, wenn der Auftraggeber auf eine geänderte Auftragsbestätigung schweigt.

Regelungen über den Tod hinaus gehören grundsätzlich ins Erbrecht. Ausnahmen müssen geregelt werden (Vollmacht über den Tod hinaus). Beim Problemfeld "Organspende" wird ein fortdauerndes Persönlichkeitsrecht fingiert, das bislang eine Zustimmung erforderlich machte. Das wird auch bei der "Störung der Totenruhe" angenommen.

Eine Leiche ist kein Mensch im Rechtssinne. Vorschriften über Körperverletzung sind daher gar nicht einschlägig. Die Obduktion zur Feststellung der Todesursache ist keine Körperverletzung. Die Leiche selbst het keine Rechte und keine Pflichten mehr. Der oder die Erben treten voll in die Rechtsstellung des Verstorbenen ein. Rein dogmatisch wären die Erben kraft Gesetzes dazu berufen, über das Schicksal der Leiche zu befinden, wenn der Verstorbene nicht im Wege einer letztwilligen Verfügung eine Regelung getroffen hat.

Provokante Frage: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Organentnahme, um das Organ einem anderen einzusetzen, und Kannibalismus?
  • 10.09.2018, 08:27 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer:
>> Es gibt durchaus Fälle, wo Schweigen als Zustimmung gewertet wird.
Wer als Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuches auftritt, hat die Handelsbräuche und Gepflogenheiten zu beachten. <<

Bei dem höchst sensiblen Thema der ORGANSPENDE handelt es sich nicht um das eher banale Kaufmannsrecht (utilitaristischer "Kaufmannsseelen") im Sinne des Handelsgesetzbuches, sondern um das ARZTRECHT im Sinne des STRAFGESETZBUCHES.

Christian, es werden nämlich keine Organe VERKAUFT, sondern die Organe sollen nach ZUSTIMMUNG (zu Lebzeiten), im Fall des Hirntodes, zum Zweck der Transplantation FREIWILLIG gespendet und entnommen werden.

Dabei handelt es sich eindeutig um einen ärztlichen Eingriff (zur Gewinnung LEBENDER Organe), der nur dann NICHT dem Straftatbestand einer Körperverletzung (§ 223-231) entspricht, wenn eine ausdrückliche EINWILLIGUNG vorliegt.

KEIN Widerspruch entspricht aber KEINER ausdrücklichen Einwilligung, also läge bei unserer derzeitigen Gesetzeslage der Tatbestand einer KÖRPERVERLETZUNG ohne Einwilligung vor, falls die Zustimmungsregelung durch die Widerspruchsregelung ersetzt würde.


INFO zur Einwilligungspflicht bei ärztlichen Eingriffen (z.B. Organentnahmen):

Ein Eingriff, der nach den Regeln der ärztlichen Kunst vorgenommen wurde und der erfolgreich ist, erfüllt den objektiven Tatbestand der KÖRPERVERLETZUNG nach § 223 StGB. Es reicht somit nicht aus, dass der Mediziner mit guten Absichten handelt. Vielmehr ist der ärztliche Eingriff nur durch eine Einwilligung des Patienten gerechtfertigt. Deshalb muss der Arzt vor jedem Eingriff den Patienten pflichtgemäß AUFKLÄREN, um wesentlichen Willensmängeln der Einwilligenden vorzubeugen. Um das Risiko einer Strafbarkeit zu vermeiden, wird die Aufklärung des Patienten und seine EINWILLIGUNG vor der Operation (z.B. Organentnahmen) in einer Einverständniserklärung (z.B. Organspende-Ausweis) DOKUMENTIERT. (nach Wikipedia)

Ist KEIN Widerspruch zu einem Eingriff als eine EINWILLIGUNG zu bewerten?

NEIN, denn die Widerspruchsregelung bezeichnet eine Regelung, nach der eine Zustimmung zu einer Entscheidung als getroffen gilt, wenn der Betroffene nicht explizit widerspricht. Nicht widersprechen, also SCHWEIGEN gilt im Rechtsverkehr grundsätzlich NICHT als eine Willenserklärung, also weder als Zustimmung noch als Ablehnung.

FAZIT: Die Widerspruchsregelung gilt NICHT als eine Willenserklärung, was zur Folge hat, dass eine Organentnahme OHNE eine rechtsgültige Willenserklärung in Form einer Einwilligung durchgeführt wird. Das bedeutet aber: Organentnahmen unter der Widerspruchsregelung sind Körperverletzungen (§ 223 StGB).
  • 11.09.2018, 15:15 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer:
>> Eine Leiche ist kein Mensch im Rechtssinne. <<

Aber im moralischen Sinn gilt eine LEICHE als ein toter MENSCH.

Christian, der eigentliche Denkfehler besteht darin, dass du indirekt behauptest ein HIRNTOTER sei eine LEICHE und das ist nicht zutreffend, weil man aus einer Leiche keine LEBENDEN Organe gewinnen kann.

Es wird erst dann von einer Leiche gesprochen, wenn DIREKTE Todeszeichen (z.B. Leichenstarre) vorliegen und wenn diese vorliegen, sind auch die inneren Organe wie Herz, Lunge oder Leber TOT.

Organentnahmen (außer z.B. Nieren) können also NUR von Hirntoten entnommen werden, die künstlich beatmet werden, damit die inneren Organe noch leben BEVOR sie entnommen werden. Das bedeutet, VOR der Organentnahme schlägt ein lebendes Herz in einem warmen, noch lebendem Gesamtorganismus.

Ein Hirntoter* ist also KEINE Leiche. Der Hirntot bedeutet nur den Tod des Gehirns und nicht den Tod aller anderen Organe. Der Hirntote wird erst dann zur LEICHE, nachdem die LEBENDEN Organe entfernt und danach die künstliche Beatmung beendet wurde. Erst DANN wird der hirntote Mensch zur LEICHE.

*dabei handelt sich um einen kompletten, irreversiblen Funktionsausfall des gesamten Gehirns, verbunden mit einem irreversiblen Bewusstseinsverlust. Für einen modernen Menschen bedeutet der Hirntod sein personales Ende, das viele Menschen mit dem Tod ihres Gesamtorganismus verwechseln bzw. gleichsetzen.
  • 11.09.2018, 15:44 Uhr
"Christian, der eigentliche Denkfehler besteht darin, dass du indirekt behauptest ein HIRNTOTER sei eine LEICHE und das ist nicht zutreffend, weil man aus einer Leiche keine LEBENDEN Organe gewinnen kann."
Das habe ich nicht geschrieben. Ich werde diese Frage auch nicht behandeln, weil ich kein Arzt bin. Vielmehr gehe ich in meinem Posting davon aus, dass diese Frage bereits anderweitig fachlich entschieden ist.
Ich bitte darum, in meine Postings nichts hineinzulesen, was nicht drinsteht.

Dein letztes Zitat ist richtig. Aber das StGB knüpft bei der Vorschrift über Tötung und Körperverletzung nicht an die Leichenstarre aller Organe an.

Wenn ein Mensch von einem Täter durch Herzschuss getötet worden ist, kann ein zweiter Täter unmittelbar danach kein Tötungsdelikt mehr begehen.
  • 11.09.2018, 16:17 Uhr
wize.life-Nutzer
>> Eine Leiche ist kein Mensch im Rechtssinne. Vorschriften über Körperverletzung sind daher gar nicht einschlägig. <<

Was hast du denn DANN mit diesem Kommentar sagen wollen, wenn nicht, dass ein Hirntoter eine Leiche ist? ...denn dein obiger Kommentar ergibt nur einen Sinn, wenn du einen Organspender für eine LEICHE hältst, auf die dann, nach deiner Auffassung, "Vorschriften über Körperverletzung* gar nicht einschlägig gültig sind."

Anm.: Ich habe deinen Postings nichts "hineinzugelesen", sondern ich habe dein Posting nach logischen Gesichtspunkten interpretiert, was einem üblichen Vorgang im Rahmen von Diskursen entspricht.

*§ 223-231)
  • 11.09.2018, 16:30 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer:
>> Das habe ich nicht geschrieben. Ich werde diese Frage auch nicht behandeln, weil ich kein Arzt bin. Vielmehr gehe ich in meinem Posting davon aus, dass diese Frage bereits anderweitig fachlich entschieden ist. <<

Wenn du dich mit der Widerspruchsregelung kompetent und kritisch auseinandersetzen willst, solltest du dich zumindest über wichtige medizinische Fragen informieren. Dazu gehört u.a. das Arztrecht, die Einwilligungspflicht, die Problematik der Körperverletzung ohne rechtsgültige Einwilligung und dem Unterschied von Hirntoten und Leichen.

Auch in einer Demokratie sollte man sich nicht darauf verlassen, dass wichtige Fragen zur Widerspruchsregelung anderweitig bereits fachlich vollumfänglich geklärt bzw. entschieden sind.

Aber ich bin sicher, dass sie im Rahmen der parlamentarischen und außerparlamentarischen Diskussion alle wichtigen Fragen erörtert werden.
  • 11.09.2018, 16:32 Uhr
"Bei dem höchst sensiblen Thema der ORGANSPENDE handelt es sich nicht um das eher banale Kaufmannsrecht (utilitaristischer "Kaufmannsseelen") im Sinne des Handelsgesetzbuches, sondern um das ARZTRECHT im Sinne des STRAFGESETZBUCHES."

Das Strafgesetzbuch kennt kein "Arztrecht". Bei meinen Ausführungen ging es nur darum, dass Schweigen durchaus Zustimmung sein kann - eben im Kaufmannsrecht. Daraus ergibt sich, dass die Regel "Schweigen = keine Zustimmung" disponibel ist, der Gesetzgeber also weitere Ausnahmen zulassen kann. Man kann sich sogar über eine ausdrückliche Verweigerung der Zustimmung hinwegsetzen, z.B. wenn jemand dabei ist, einen Suizid zu begehen. Es gibt Religionsgemeinschaften, bei denen die Bluttransfusion Sünde ist. Bei Verletzung einer Minderjährigen kann sich das Jugendamt über die Verweigerung der Zustimmung durch die Eltern zu einer lebensrettenden Bluttransfusion hinwegsetzen. Das Prinzip "Schweigen = keine Zustimmung" gilt zwar in der Regel, ist aber keineswegs verfassungsrechtlich in Stein gemeißelt.

"Dabei handelt es sich eindeutig um einen ärztlichen Eingriff (zur Gewinnung LEBENDER Organe), der nur dann NICHT dem Straftatbestand einer Körperverletzung (§ 223-231) entspricht, wenn eine ausdrückliche EINWILLIGUNG vorliegt."
Das ist eindeutig falsch. Nicht die Organe für sich sind geschützt, sondern der Mensch als Ganzes. Was du aus Wikipedia zitierst, ist die gegenwärtige Rechtslage, die ja gerade geändert werden soll.

"Ist KEIN Widerspruch zu einem Eingriff als eine EINWILLIGUNG zu bewerten?" Nein. Zur Einwilligung ist Entscheidungsmöglichkeit Voraussetzung. Im Augenblick der Entnahme ist eine Entscheidungsmöglichkeit für immer ausgeschlossen.

Aus dem lebenden Menschen wird eine Sache - so brutal das klingt. Er hat keinerlei Rechte mehr. Die Störung der Totenruhe hat (wie der frühere Gotteslästerungsparagraf) nicht den Toten (und auch nicht Gott) als Schutzobjekt, sondern die Angehörigen (bzw. die Gläubigen).
Gerade bei der Obduktion zeigt sich das, wenn es um Tötung durch Beibringung von Gift geht, das bei Erkalten des Körpers nicht mehr nachweisbar ist.

Ich bin auch nicht für die Verwandlung des Menschen zum Ersatzteillager, aber aus anderen Gründen.
Ich habe hier ja schon einmal gefragt, was eigentlich der Unterschied zum Kannibalismus ist. Dass das Organ gebrutzelt im Magen landet, statt funktionsfähig im Körper eingesetzt zu werden? Es hat ja Fälle von Kannibalismus bei Schiffbrüchigen gegeben, die lange auf dem Meer herumgetrieben sind. Gewaltiges Entsetzen!

Der medizinische Fortschritt hat uns bis hin zu Verhaltensweisen der Urvölker fortentwickelt - Nur aus Angst vor einem Tod, der unausweichlich ist - nur halt vielleicht etwas später.
  • 11.09.2018, 16:43 Uhr
"Was hast du denn DANN mit diesem Kommentar sagen wollen, wenn nicht, dass ein Hirntoter eine Leiche ist?"
Das habe ich geschrieben: Diese Frage ist naturwissenschaftlich zu beantworten und nicht juristisch.
  • 11.09.2018, 16:45 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer:
>> Wenn ein Mensch von einem Täter
durch Herzschuss getötet worden ist,
kann ein zweiter Täter unmittelbar danach
kein Tötungsdelikt mehr begehen. <<

Das trifft auf die Situation der Organspende aber NICHT zu, denn ein Hirntoter ist nur ein Organtoter, kein "Gesamt-Toter", denn alle anderen Organe LEBEN ja noch.

Das heißt, bei der Widerspruchslösung haben die Ärzte, vom potenziellen "Organspender", KEINE Erlaubnis dafür, dass sie

1. Organe entfernen dürfen
2. diese Organe bei anderen Menschen implantiert werden dürfen und
2, dass nach der Organentnahme die künstliche Beatmung abgestellt wird.

Unter der Widerspruchsregelung machen das Ärzte alles (nämlich Pkt. 1-3) ohne AUFTRAG und ZUSTIMMUNG durch den potenziellen Organspender.
  • 11.09.2018, 16:58 Uhr
"Unter der Widerspruchsregelung machen das Ärzte alles (nämlich Pkt. 1-3) ohne AUFTRAG und ZUSTIMMUNG durch den potenziellen Organspender. "

Das ist richtig.
Die entscheidende Frage ist aber, ob der Gesetzgeber das anders regeln kann/darf.
Und nur das steht zur Diskussion.
  • 11.09.2018, 17:03 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer
>> Das Strafgesetzbuch kennt kein "Arztrecht". <<

Das hat auch niemand behauptet, aber das Arztrecht wird u.a. durch bereits bestehende Gesetze ergänzt und vor allem geregelt.

Dazu zählt das Strafgesetzbuch, das das Verhalten der Ärzte bei ärztlichen Eingriffen in die Körperintegrität von Menschen durch Aufklärung- und Einwilligungs-Vorschriften exakt regelt.

Gemäß dieser gesetzlichen Regelungen, bedeutet das SCHWEIGEN (nicht widersprechen) des Patienten KEINE Einwilligung, denn eine Einwilligung liegt RECHTSGÜLTIG nur dann vor, wenn der Arzt aufgeklärt hat und danach der Patient SCHRIFTLICH eingewilligt, d.h. zugestimmt hat, und das ist NUR bei der Zustimmungsregelung, nicht aber bei der Widerspruchsregelung, gegeben.
  • 11.09.2018, 17:16 Uhr
wize.life-Nutzer
Mein Zitat: >> "Unter der Widerspruchsregelung machen das Ärzte alles (nämlich Pkt. 1-3) ohne AUFTRAG und ZUSTIMMUNG durch den potenziellen Organspender. " <<

Deine Antwort: >> Das ist richtig.
Die entscheidende Frage ist aber, ob der Gesetzgeber das anders regeln kann/darf.
Und nur das steht zur Diskussion. <<
____________________

Der Regierung hat die Legislative, sie kann/darf (fast) alle Gesetze ändern/ergänzen und das MUSS sie auch, wenn sie die Widerspruchsregelung juristisch "wasserdicht" machen möchte, damit sie nicht anschließend höchstrichterlich wieder "gekippt" wird.

Ich hoffe, dass Jens Spahn dafür KEINE Mehrheit bekommt, wenn ja, dann muss ich diese Widerspruchsregelung leider hinnehmen, wie das in einer funktionierenden Demokratie nun mal vorgesehen ist.

Ich hoffe aber und schreibe dafür, dass die Zustimmungsregelung bleibt.
  • 11.09.2018, 17:27 Uhr
Mein Zitat: >> "Dabei handelt es sich eindeutig um einen ärztlichen Eingriff (zur Gewinnung LEBENDER Organe), der nur dann NICHT dem Straftatbestand einer Körperverletzung (§ 223-231) entspricht, wenn eine ausdrückliche EINWILLIGUNG vorliegt." <<

Deine Antwort: >> Das ist eindeutig falsch. Nicht die Organe für sich sind geschützt, sondern der Mensch als Ganzes. Was du aus Wikipedia zitierst, ist die gegenwärtige Rechtslage, die ja gerade geändert werden soll. <<

Da liegst du völlig falsch, denn eine Körperverletzung liegt dann vor, wenn der Arzt in die Körperintegrität ohne Zustimmung des davon Betroffenen eingreift bzw. sie verletzt. Das betrifft selbstverständlich den Menschen als Ganzes aber vor allem auch seine Organ-Integrität, die bei der Organentnahme ja eindeutig verletzt wird. Das heißt, bei der Organentnahme wird die Integrität des Menschen als Ganzes verletzt, weil ihm Organe entnommen werden.

Richtig Christian, die gültige Rechtslage müsste erst mal geändert werden bevor die Widerspruchslösung überhaupt eingeführt werden kann. Darauf habe ich hingewiesen, denn das wissen die meisten nicht, dass nämlich die Widerspruchslösung erst dann eingeführt werden kann, wenn vorher wichtige Gesetze & Vorschriften geändert worden sind, und wer das nicht will (so wie z.B. ICH), der sollte sich gegen die Widerspruchslösung aussprechen. Genügend Argumente liefere ich ihm ja in diesem Artikel.
  • 11.09.2018, 17:46 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer:
>> Zur Einwilligung ist Entscheidungsmöglichkeit Voraussetzung. Im Augenblick der Entnahme ist eine Entscheidungsmöglichkeit für immer ausgeschlossen. <<

Ja, so ist es und weil ein Hirntoter mit lebenden Organen (außer seinem Gehirn) nicht mehr zur Organentnahme einwilligen kann, benötigt der Arzt eine Einwilligung (ORGANSPENDEAUSWEIS), die der Betroffene zu Lebzeiten gegeben hat. Entfernt der Arzt die Organe ohne Zustimmung, macht er sich der KÖRPERVERLETZUNG schuldig.

Bei der Zustimmungsregelung (Organspendeausweis) ist es wie mit der PATIENTENVERFÜGUNG, die medizinische Eingriffe durch Ablehnung oder Zustimmung regelt, wenn der Patient krankheitsbedingt nicht mehr seinen Willen zum Ausdruck bringen kann.

Der Organspendeausweis ist also eine spezielle Form der Patientenverfügung, der die Entnahme von Organen per Zustimmung regelt, wenn der hirntote Patient seinen Willen selbst nicht mehr zum Ausdruck bringen kann.
  • 11.09.2018, 18:05 Uhr
Zitat von wize.life-Nutzer
Aus dem lebenden Menschen wird eine Sache - so brutal das klingt. Er hat keinerlei Rechte mehr. <<

Das werden Andersdenkende und Andersgläubig ganz sicher völlig anders betrachten. Denn aus einem lebenden Menschen wird nicht für jeden eine SACHE, so wie ein Stein eine Sache ist, wenn ein noch lebender Mensch stirbt, tot ist und dann zu einer Leiche wird.

Wie ich bereits sagte, kann ein hirntoter Mensch schon deshalb keine Sache darstellen, weil außer seinem Gehirn die anderen Organe ja noch LEBEN.

Das bedeutet, bei einer Organentnahme haben wir noch LEBENDE menschliche Materie vor uns, deren WÜRDE unantastbar bleibt. Deshalb halte ich eine FREIWILLIGE Organspende unter ZUSTIMMUNGSREGELUNG für so wichtig, damit ein Hirntoter als sein AUTONOM bestimmter SELBSTZWECK behandelt wird und nicht unter der Widerspruchslösung als ein heteronomes Mittel zum utilitaristischen FREMDZWECK degradiert wird, was ich als eine unwürdige Behandlung betrachte und empfinde.
  • 11.09.2018, 18:23 Uhr
wize.life-Nutzer:
Mein Zitat: >> "Was hast du denn DANN mit diesem Kommentar sagen wollen, wenn nicht, dass ein Hirntoter eine Leiche ist?"

Deine Antwort: >> Das habe ich geschrieben: Diese Frage ist naturwissenschaftlich zu beantworten und nicht juristisch. <<

Definition: Als LEICHE (besser Leichnam) werden menschliche VERSTORBENE bezeichnet, die direkte Todeszeichen (signum mortis) zeigen.

Das betrachten Naturwissenschaftler (Mediziner) und Juristen nicht unterschiedlich.
  • 11.09.2018, 18:42 Uhr
Provokante Frage von wize.life-Nutzer: >> Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Organentnahme, um das Organ einem anderen einzusetzen, und Kannibalismus? <<

Meine nicht provokante und sachliche Antwort:

1. ORGANENTNAHMEN bei Hirntoten sind unter ZUSTIMMUNG moralisch und juristisch unbedenklich und Ausdruck einer uneigennützigen Nächstenliebe.

2. KANNIBALISMUS ist moralisch und juristisch inakzeptabel, weil Menschen ermordet werden, um rein egoistische Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen.

wize.life-Nutzer, auf diese Unterschiede hättest du auch selbst kommen können, oder?
  • 11.09.2018, 22:19 Uhr
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  • 09.09.2018, 07:48 Uhr
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  • 08.09.2018, 21:51 Uhr
die Zeitung Calgary Herald auf ihrer Internetseite schreibt. Seit Wochen berichten die Medien des Landes über den Fall: Robyn und Dylan Benson, ein junges kanadisches Paar aus Victoria, der Hauptstadt der Westküstenprovinz British Columbia. Die beiden hatten sich schon in der Schule kennengelernt. Erst im vergangenen Jahr hatten sie geheiratet, 16 Jahre lang waren sie zusammen.
"Meine Frau stirbt", es sind diese drei Worte, die Dylan Benson Mitte Januar in seinen Blog schreibt. In knappen Sätzen schildert der 32-Jährige auf misterbenson.com, wie seine Frau ins Koma fiel. Wie die Ärzte im Krankenhaus um das Leben seines Babys kämpfen. Es soll ein Junge werden.
  • 08.09.2018, 21:55 Uhr
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Im deutschen Recht gibt es keine gesetzliche Definition des Todes. Das Transplantationsrecht verlangt für eine Organentnahme bei einem Menschen (neben anderen Voraussetzungen) kumulativ den Tod des Organspenders (§ 3 Abs. 1 Nr. 2 TPG) sowie den endgültigen, nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms (Gesamthirntod, § 3 Abs. 2 Nr. 2 TPG). Damit hat der Gesetzgeber keine Definition des Todes vorgenommen, sondern den Gesamthirntod lediglich als notwendige Bedingung für die Organentnahme festgeschrieben. In der Rechtspraxis wird allerdings unter Tod i. S. d. § 3 Abs. 1 Nr. 2 TPG der Gesamthirntod verstanden. In zumeist ausdrücklicher Anlehnung an das Transplantationsrecht greift die Rechtsprechung auch in anderen Rechtsgebieten in Zweifelsfällen auf den Gesamthirntod als Todesdefinition zurück.
  • 08.09.2018, 21:42 Uhr
wize.life-Nutzer
Klar, das Hirntod-Konzept bedeutet den Gesamthirntod, denn der "partielle Hirntod" wird nicht als Hirntod akzeptiert, der nach TPG die unbedingte Voraussetzung für eine Organentnahme ist.

Aber, dieser Hirntod kann nicht mit dem Tod des Gesamtorganismus gleichgesetzt werden und das muss auch so sein, denn tote Organe dürfen/können nicht transplantiett werden.
  • 08.09.2018, 21:53 Uhr
die Zeitung Calgary Herald auf ihrer Internetseite schreibt. Seit Wochen berichten die Medien des Landes über den Fall: Robyn und Dylan Benson, ein junges kanadisches Paar aus Victoria, der Hauptstadt der Westküstenprovinz British Columbia. Die beiden hatten sich schon in der Schule kennengelernt. Erst im vergangenen Jahr hatten sie geheiratet, 16 Jahre lang waren sie zusammen.

"Meine Frau stirbt", es sind diese drei Worte, die Dylan Benson Mitte Januar in seinen Blog schreibt. In knappen Sätzen schildert der 32-Jährige auf misterbenson.com, wie seine Frau ins Koma fiel. Wie die Ärzte im Krankenhaus um das Leben seines Babys kämpfen. Es soll ein Junge werden.
  • 08.09.2018, 21:56 Uhr
wize.life-Nutzer
Es geht hier aber nicht um die Hirntod-Problematik, sondern um das FÜR & WIDER der Widerspruchsregelung, die ich auf Grund meiner vorgebrachten Argumente ablehne.
  • 08.09.2018, 21:57 Uhr
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Sorry, ich bin Fan der Widerspruchsregelung

Schweigen kann sehr wohl das Annehmen einer (neu) erstellten Gesetzeslage darstellen. Dies muss dann (soviel ich weiß) innerhalb des Gesetzes geregelt werden.

Damit würde doch der Punkt "Körperverletzung" entfallen, da er ja dann mit Duldung / Genehmigung der betroffenen Person passiert.

Der Punkt "aktive Tödung" ist doch sicher bereits im bestehenden Transplantationsgesetz abgehandelt? Durch den Diskussionsvorschlag von S. ändert sich daran nichts.

"Würde des Menschen" - Wurde dieser Punkt nicht ebenfalls bereits bei der Erarbeitung des bestehenden Transplantationsgesetz berücksichtigt und hat deshalb mit dem Vorschlag von S. nichts zu tun?


Zur Widerspruchsregelung
Es gibt jede Menge Möglichkeiten mitzuteilen, dass man keine Organentnahme zulassen will (Patientenverfügung, Karte im Geldbeutel, Karte im Ausweis, Information der Angehörigen, Vorsorgevollmacht, Notfallmappe usw.). Ich fände zwar ein Kennzeichen im Personalausweis am besten, aber dann entsteht leider ein Problem mit dem Datenschutz, und deshalb wird das nicht passieren.
  • 08.09.2018, 19:31 Uhr
wize.life-Nutzer
Wer für die Widerspruchsregelung ist, findet auch Gründe dafür, die mich allerdings nicht überzeugen, denn die Widerspruchsregelung verstößt gegen geltendes Gesetz, nämlich gegen §223 (Körperverletzung), § 216 (Tötung) und §1 GG (Würde).

Wer die Widerspruchsregelung einführen möchte, müsste zumindest § 223 und § 216 für den speziellen Fall des Hirntodes ÄNDERN bzw. ANPASSEN.

Notwendig ist eine eingehende parlamentarische und gesellschaftliche Diskussion über die Widerspruchslösung, mit der Hoffnung, dass sie nicht eingeführt wird, denn ZWANG ist eine sehr schlechte Alternative zur FREIWILLIGKEIT.
  • 08.09.2018, 19:38 Uhr
Die Definition des Hirntodes ist bei der bereits existierenden Regelungen für Transplantationen berücksichtigt.

Was meiner Meinung nach geregelt werden muss ist eine Art "Stichtagsregelung für die Widerspruchsregelung".
Hier könnte (ohne jemand diskrimieren zu wollen) z.B. definiert werden, dass
für Menschen über 75
für Menschen unter Betreuung
....
diese Regelung nicht zutrifft. Das wäre aber mit sehr empfindlicher Formulierung zu machen, da man ja denjenigen die Fähigkeit zur eigenen Entscheidung abspricht.

Ich will dich nicht überzeugen!
Die Bereitschaft eine Organentnahme zu erlauben ist eine persönliche Entscheidung. Ich habe zu deinem Themenbeitrag nur meinen Standpunkt mit den aus meiner Sicht geltenden Punkten angebracht.
  • 08.09.2018, 19:49 Uhr
wize.life-Nutzer
Die Definition des Hirntodes ist strittig und entspricht NICHT dem Tod des Gesamtorganismus. Wenn der Mensch sicher tot wäre, also die sicheren Todeszeichen aufweisen würde, wären auch die Organe tot und tote Organe kann man nicht mehr transplantieren.

Mich stört deine Meinung, die nicht meiner Meinung entspricht, in keiner Weise, ganz im Gegenteil.

PS: Zwang zur Spende, wenn man nicht widerspricht, untergräbt das Prinzip der Einwilligung bzw. aktiven Selbstbestimmung, weil eine Einwilligung nicht mehr notwendig ist.
  • 08.09.2018, 19:55 Uhr
Stimmt, deshalb habe ich zwischen dem Tod des Ich (Hirntod) und dem körperlichen Tod unterschieden.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Problematik des Hirntods bereits geklärt ist, da ja Transplantationen mit Zustimmung möglich sind.

Und ein (sehr minimaler) Teil der öffentlichen Diskussion wird doch auch hier in WL durchgeführt.
  • 08.09.2018, 20:03 Uhr
wize.life-Nutzer
Mit dem Hirntod-Konzept ist nichts wirklich gelöst, zumindest nicht die Frage nach dem Tod des Menschen, es ist lediglich ein Konzept, das den Sinn hat, die Transplantation zu ermöglichen und fördern.

Mit dem eigentlichen Tod des Menschen hat das Hirntod-Konzept nichts zu tun.

Anm.: Auch die Organspende unter der Zustimmungsregelung hat juristische Probleme, die nicht gelöst sind, aber hier geht es ja um die Widerspruchsregelung und die schafft das zusätzliche Problem der KÖRPERVERLETZUNG.
  • 08.09.2018, 20:08 Uhr
Das ist mein bekannter Stand zu Hirntod.
"Im Jahre 1960 - das war 7 Jahre vor der ersten Herztransplantation - veröffentlichten Wertheimer, Rougemont, Jouvet und Descotes in einem Artikel, dass sie eine künstliche Beatmung beendet haben. Als Kriterien für ihr Handeln nannten sie: Nachweis der völligen Areflexie, keine Eigenatmung, das EEG weist eine Nulllinie auf und eine angiographische Darstellung der fehlenden Hirndurchblutung. Diese Untersuchungen sind noch heute die Basis für die Hirntoddiagnostik. Damit trat der Hirntod mit der Beendigung einer sinnlos gewordenen Therapie erstmals an die Öffentlichkeit."

Dass die Transplantationsethik diesen Begriff übernommen hat ist sowohl positiv als auch negativ betrachtbar.
Für mich (und nur dafür argumentiere ich), ist der Tod des ICH das Ende meiner Existenz, mein Körper ist zu dem Zeitpunkt nur noch die Masse von chemischen Elementen und Verbindungen.
  • 08.09.2018, 20:14 Uhr
wize.life-Nutzer
Ja, so kannst DU das sehen, deshalb bist du ja auch für die Transplantation mit oder ohne Widerspruchsregelung.

Ohne Hirntod-Konzept wäre die Transplantationsmedizin unmöglich, deshalb wurde im TPG der Hirntod als der endgültige Tod des Menschen willkürlich festgelegt, also rein utilitaristisch.

Unstrittig dürfte aber sein, dass der Hirntod NICHT dem Tod des Gesamtorganismus entspricht.
  • 08.09.2018, 20:21 Uhr
wize.life-Nutzer
Wenn der Hirntod DAS Kriterium des Todes wäre, dann wären anencephale Kinder tote Kinder... das sind sie aber nicht, zumindest so lange nicht, bis sie wirklich tot sind.
  • 08.09.2018, 20:26 Uhr
zum oberen Kommentar
Stimmt ja alles was du in dem Kommentar schreibst.

Ich bewerte einige Punkte im Rahmen der Organentnahme anders und ziehe damit auch andere Folgerungen.

zum zweiten Kommentar
Sind das die Kind mit schwach bis nicht vorhandenem Stammhirn und fehlendem Klein- und Großhirn?
Das hat zwar mit Transplantation nichts mehr zu tun, aber ich glaube dass ein Arzt in einem Krankenhaus die gleichen Kriterien (Hirntod) anwenden würde.
  • 08.09.2018, 20:40 Uhr
wize.life-Nutzer
Es ging beim Beispiel der anencephalen Kinder allein darum zu verdeutlichen, dass der komplette Ausfall der Hirnfunktion nicht der Tod des Menschen ist.

Mit dem Hirntod-Konzept wird aber genau das behauptet und diese Behauptung ist zumindest kritikwürdig.

Ich möchte dich nicht überreden, es geht nur um den Meinungsaustausch und es macht mir überhaupt nichts aus, wenn du bei deiner Meinung bleibst, was die Widerspruchsregelung betrifft.
  • 08.09.2018, 20:56 Uhr
Ich habe weiter oben zwischen dem "ICH-Tod" und dem "Körper-Tod" unterschieden, für mich ist das ICH der relevante Anteil meiner Person.

Wenn du den Tod als Gesamtheit betrachtest, ist der Sterbevorgang erst abgeschlossen, wenn der "Körper-Tod" eingetreten ist. Das bestreitet niemand der sich ernsthaft mit Tranplantationen oder Organspende befasst.

WIr haben (glaube ich) ein kleines Standpunktproblem - ich trenne zwischen ICH und Körper, du betrachtest den Menschen bis zu seinem Tod als Gesamtheit. Dadurch ergeben sich natürlich andere Schwerpunkte.
Nur hat das nichts mit der Widerspruchslösung zu tun, sondern betrifft dann eigentlich den Bereich Organtransplantation Ja/Nein.
  • 08.09.2018, 21:05 Uhr
wize.life-Nutzer
Die gängige Meinung des modernen Menschen ist, dass er den Hirntod als den Tod des Menschen betrachtet, weil sie die daraus resultierende APERSONALITÄT als IHR Ende betrachten und das Ende ihres ICHs als ihren Tod.

Das Ende des ICHs ist aber nicht der Tod des Gesamtorganismus, sondern nur ein Erlöschen des Bewusstseins, also das Erlöschen einer mentalen Funktion.

Du wirst mir aber wahrscheinlich zustimmen, dass das fehlende Bewusstsein nicht unbedingt etwas mit dem Tod zu tun hat, denn ein bewusstloser Boxer oder ein bewusstloser Patient in Narkose sind nicht TOT.

Übrigens, das Gehirn, ist wie der Restkörper Materie.

Der Hirntod hat etwas mit der Widerspruchslösung zu tun, denn wenn der Hirntod nicht der Gesamttod des Menschen ist, dann stirbt der Gesamtorganismus erst, wenn die Organe entnommen sind und die künstliche Beatmung abgestellt wird... erst dann stirbt dieser hirntote Mensch und der Tod des Gesamtorganismus wird unwiderruflich in Gang gesetzt.

Da die Widerspruchslösung auf die Einwilligung grundsätzlich verzichtet, wird die Entnahme der Organe und das darauf folgende Abstellen der künstlichen Beatmung OHNE Erlaubnis durchgeführt, was einer Körperverletzung mit anschließender Tötung entspricht.
  • 08.09.2018, 21:35 Uhr
Gerhard, DU bist für die Widerspruchsregelung, ICH bin strikt dagegen, wir haben beide unsere PROs und CONs, sind aber von unseren Argumenten überzeugt und die sind von den unterschiedlichen Standpunkten und Sichtweisen der Menschen abhängig.
  • 08.09.2018, 21:42 Uhr
Es wird sich zeigen, ob SPAHN eine Mehrheit für die Widerspruchsregelung bekommen wird... die Lobbyisten der Transplantationsmedizin hoffen natürlich, dass sich Spahn durchsetzen wird.
  • 08.09.2018, 21:45 Uhr
Zum Standpunkt - Ja - und danke für deine Argumente
Zur S. - das wird noch dauern, aber ich finde es schon mal gut, dass wieder mal darüber geredet, geschrieben und diskutiert wird.

Danke und noch einen schönen Abend
  • 08.09.2018, 21:49 Uhr
Gerhard, dir auch einen schönen Abend, ich schaue jetzt das Damen-Finale der US OPEN 2018
  • 08.09.2018, 22:06 Uhr
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