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Die Bhagavadgita - der Gesang des Erhabenen

09.09.2018, 16:32 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die Bhagavadgita – der Gesang des Erhabenen

Als Studentin begegnete ich auf den Straßen Heidelbergs oft den sog. Hare-Krishna-Jüngern, die ein kleines Buch an Passanten verteilten: die Bhagavadgita.
Das exotisch klingende, fünfsilbige Wort sagte mir damals nichts.
Die Erinnerung daran verblasste mehr und mehr, und erst, als ich Jahrzehnte später erfuhr, dass das kleine Buch eigentlich die „Bibel der Inder“ sei, dass sie n a c h der Bibel das am meisten übersetzte Buch auf der Welt sei, dass sie 200 Jahre vor der christlichen Zeitrechnung geschrieben wurde – 700 Doppelverse in der uralten Sprache des Sanskrit – las ich den Text in englischer Übersetzung, der von Millionen Menschen auf der Welt gesungen, gehört, gelernt und kommentiert, gebetet und meditiert wird.
Und zu meiner großen Überraschung verstand ich dieses „Lied Gottes“ besser als das „Wort Gottes“ der christlichen Bibel.

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Die erste Übersetzung vom Sanskrit ins Englische geschah 1785 durch Charles Wilkins.
1823, also in der deutschen Romantik, waren es die zwei Schlegel-Brüder, die die erste kritische Ausgabe herausbrachten.
Wilhelm von Humboldt studierte Sanskrit und „dankte Gott“, dass er dieses inspirierte Werk habe lesen dürfen. Er nannte es „die vielleicht tiefste und erhabenste Wirklichkeit, welche die Welt uns bieten kann.“ (S. 11)

Mahatma Gandhi sagt, er finde „einen Trost“ in der Bhagavadgita, den er „selbst in der Bergpredigt vermisse.“ (S. 14).

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Die Gita ist Teil des riesigen Epos Mahâbhârata, das aus 90 000 Versen besteht und dessen Autor Vyasa sein soll. Diesem geradezu gigantischen Werk sind 18 Kapitel entnommen, die als Gîtâ (= Gesang, Lied) bezeichnet werden.
Inhalt ist „der große Krieg der Bharatas“, die in zwei Familien gespalten sind: die Kauravas und Pandavas. Zwei Brüder mit ihren Abkömmlingen führen gegeneinander Krieg.

Für Leser, die keine spirituellen Interessen haben, ist das Ganze lediglich Schilderung eines Familienkrieges. Aber das Geschehen lässt sich auf mehreren Ebenen erfassen und deuten.

Der zentrale Kern ist das Gespräch zwischen Krishna, einem Avatar, und Arjuna, der vor der Schlacht gegen seine Verwandten von Zweifeln und Angst überwältigt wird und Rat einholen möchte.
Arjuna, der Mensch in einer äußerst sensiblen Situation, bekommt nun von Krishna, dem Verkünder der göttlichen Lehre, Ratschläge:

„Was wirklich ist, kann nicht das Sein verlieren...
Die Seele wird nicht geboren und stirbt auch nicht...
Dieser Bewohner im Körper eines jeden Menschen ist ewig und unzerstörbar. Darum solltst du um keiner Kreatur willen Kummer empfinden...
Du hast ein Recht auf das Handeln, aber nur auf das Handeln an sich, niemals auf dessen Früchte …
Der Mensch, dessen Selbst im Yoga gegründet ist, erkennt das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst.
Wer Mich überall erkennt und alles in Mir, ihm gehe Ich nicht verloren, und er geht Mir nicht verloren...
Wer frei ist von Ichhaftigkeit, Freundschaft und Mitgefühl mit allen Wesen hat und keinem lebendigen Geschöpf mit Hass begegnet, wer von ruhigem Gleichmut erfüllt ist gegenüber Freud und Leid, wer geduldig ist und vergibt, wer wunschlos zufrieden ist und sich ständig selbst beherrscht … der ist mir lieb...
Ich wohne im Herzen aller. Aus mir stammen das Gedächtnis und das Wissen und deren Abwesenheit. Ich bin in der Tat der Kenner der Vedas und der Verfasser des Vedantas...
Es gibt zwei spirituelle Wesen in dieser Welt: den Unwandelbaren und den Wandelbaren. Der Wandelbare ist zu allen diesen Wesen geworden. Das hoch erhabene Bewusstsein des Zustands des Brahmans wird der Unwandelbare genannt.....“

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Arjuna, der Wagenlenker, ging nach der Unterweisung gestärkt in die Schlacht und wurde zum Sieger.
Aber das ist nur der Rahmen für ein denkwürdiges Gespräch zwischen Arjuna, einem Menschen, und Krishna, der sich als der Erhabene bezeichnet.
Dieser enge Kontakt zwischen dem Wirklichen und Unwirklichen, der keine Brückenbauer braucht, beschwört eine Nähe herauf, die sich jeder Gläubige wünschte.

Literatur:
„Die Bhagavadgita in der Übertragung von Sri Arobindo“, 1992 (Herder).

© ez

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5 Kommentare

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wize.life-Nutzer
Vorgeschichte zur Bhagavad Gita aus dem Mahabharata Die 18 Kapitel und 700 Verse der Bhagavad Gita sind ein kleiner Teil des großen Mahabharata Epos (6.Buch, Kapitel 25-42) der nicht weniger als 100.000 Doppelverse umfasst und als größter Epos der Menschheit zählt, der Situation auf dem Schlachtfeld geht eine unglaublich tiefe und komplexe Geschichte um eine Familienfehde des Geschlechtes der Nachfahren des Königs Bharata vorraus die im Mahabharata erzählt wird. Die ganze Geschichte habe ich 2016 nochmals neu aufgenommen, als Ergebnis einer langen Recherche rund um das Mahabarata und die vielen Handlungsstränge die zur epischen Schlacht führen- Das Mahabharata Epos umfasst etwa 106.000 Verse und dreht sich um die Geschichte der Dynastie der Bharatas, also der Nachfahren des großen Königs Bharata der als erster Indien vereinte. In der Mitte des 6. Buches des Mahabharata findet der berühmte Dialog zwischen der Gottinkarnation Krishna und dem Heerführer Arjuna statt, der als „Bhagavad Gita“ bekannt ist. Die Familienfehde zwischen den zwei Zweigen der Bharatadyastie, den „Pandavas“ und den „Kauravas“, führt zur epischen Schlacht von Kurukshetra und sie wird im Mahabharata ausführlich beschrieben. Kurz vor der Schlacht befindet sich der heldenhafte Krieger und Heerführer Arjuna mit seinem Wagenlenker Sri Krishna in der Mitte des Schlachtfeldes und begutachtet die Armee seiner Gegner, als er realisierte, dass dort seine Freunde, Lehrer, Cousins und weitere Bekannte und Verwandte gegen ihn kämpfen wollen, bekommt Arjuna er einen Nervenzusammenbruch. Völlig verzweifelt bittet er seinen Wagenlenker, die Gottinkarnation Sri Krishna, um Hilfe, und wird dann von ihm in die Yoga-Philosophie unterwiesen. Während auf dem Schlachtfeld die Zeit anhält vermittelt Krishna seinem Schüler Arjuna auf verschiedene Weisen eine Anleitung in dieser schwierigen Situation zu einer Entscheidung zu kommen.In der Einleitung des Mahabharata wird gesagt: „Was hier gefunden wird, kann woanders auch gefunden werden.
Was hier nicht gefunden werden kann, kann nirgends gefunden werden.“
  • 09.09.2018, 18:31 Uhr
Eigentlich hättest DU diesen Beitrag schreiben sollen!
Herzlichen Dank für diese großartige Ergänzung, Vertiefung, Veranschaulichung.

Für einen "Westler" ist zunächst die unglaubliche Länge der Texte eine Herausforderung. HInzu kommt die sprachliche Schärfe, das Riesenangebot an Ausdrucks-Nuancen und schließlich die Entdeckung, dass sich der Inhalt mit elementaren christlichen Forderungen deckt.

Es ist die Lehre von der EInheit allen Seins (a-dvaita= Nicht-Zweiheit).
Materie und Geist, eine Zweiheit, die aus dem Geist hervorgegangen zu sein scheint. Oder anders ausgedrückt: der Mensch, in die Materie herabgestiegen und zurück auf dem Weg in eine Welt des Geistes.
Oder: "Ich und der Vater sind eins,"
  • 09.09.2018, 18:47 Uhr
Ein LW für Beitrag und Kommentare, auch wenn ich den Bezug zum Christentum etwas weit hergeholt finde.
Diese Story mit dem "eingeborenen Sohn" und dem "Vater" finde ich nach wie vor absurd.
Krishna-Jünger gabs auch in DDR schon in Weimar, aber kamen gelegentlich auch nach jena und stellten sich vor. Bücher vrteilten sie nicht, aber in Weimar konnte man vegetarische oder wohl sogar veganes kosten. War sehr lecker. Auch die Musik gefiel mir da. Ich hatte da auch nie das Gefühl missioniert zu werden. Traf da nur angenehme Menschen.
  • 09.09.2018, 19:43 Uhr
Der Bezug zum Christentum wird da, was die Reihe der Avatare angeht - immer betont. Da erscheint Christus immer nach Rama, Krishna, Buddha ...

Alle Weisen, ob Yogananda, Sai Baba, Sri Aurobindo, Ramana Maharshi haben mit größter Hochachtung von Jesus gesprochen., Gerade diese Toleranz habe ich immer als sehr wohltuend empfunden.

Alle Wege führen irgendwann zum Ziel, und jeder sucht sich eins aus oder auch nicht
  • 09.09.2018, 19:55 Uhr
Speziell bei dem letzten Satz bin ich wieder bei dir.
  • 09.09.2018, 19:57 Uhr
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