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Besuch des Dalai Lamas in Heidelberg (Bericht von Sebastian Riemer in der RNZ v. 21.9.18)

21.09.2018, 15:02 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

"Gut 1400 Menschen wurden gestern in der Stadthalle Zeugen einer vollkommen missglückten Kommunikation. Da verstand keiner keinen: die Wissenschaftler den Dalai Lama nicht, er sie erst recht nicht. Kaum eine Frage wurde beantwortet, das Aneinandervorbeireden schon fast zur Kunstform. Und auch die Zuschauer hatten große Mühe, das radebrechende Englisch des großen Tibeters - häufig mehr gebrummelt, als gesprochen - zu entziffern. ...
"Guten Morgen, Brüder und Schwestern", begrüßt der Dalai Lama die stehend applaudierenden Heidelberger ... was dann kommt, ist keine Rede. Es sind die ganz lose und oft leise vorgetragenen Gedanken eines Mannes, der es gewohnt ist, das Gleiche zu sagen- und deshalb gerne abschweift, um sich selbst nicht zu langweilen...
Auf diesem Planeten leben sieben Milliarden Menschen - sie alle wollen ein glückliches Leben ... es bringt nichts, nur zu beten, wir müssen arbeiten ... Was also ist das Rezept des geistlichen Oberhaupts der TIbeter, um alle Menschen glücklich zu machen? "Echte Liebe" ... echte sozusagen leidenschaftlose Liebe aber enstehe aus allgemeinem Mitgefühl. .. Religion könne diese Rolle nicht erfüllen, nur die Wissenschaft können das. ..."

Soweit, so gut. Dann sollte eigentlich ein Gespräch mit 3 Wissenschaftlern stattfinden, mit dem Gerontologen Kruse, der eine Frage zu Jaspers' Existenzphilosophie stellte. Der Astrophysiker Bartelmann stellt die Frage, wie wichtig Demut für Forscher sei.
Der Dalai Lama versteht die Fragen nicht, sein Übersetzer wirkt ebenfalls überfordert. Seine Antworten gehen in die Leere.

Besser klappt es mit der Hirnforscherin Hanna Monyer, die betont, dass Tiere nur ihren Artgenossen helfen. Wie sollte der Mensch lernen, über diese Familiengrenzen h i n a u s z u g e h e n?
Der Dalai Lama antwortet, der Mensch habe einen Verstand und könne das analysieren.

"Der Friedensnobelpreisträger erkennt, dass diese Diskussion viele in der Stadthalle, vielleicht ihn selbst, verwirrt zurücklässt. 'Versucht, Mitgefühl zu haben, versucht, glücklich zu sein - und nicht wie die Professoren, die immer so kompliziert sind ' sagt er ganz offen und lacht sein unverwechselbares Lachen ...

_______

Der Text ist ein verkürzter Beitrag aus der hiesigen Presse (RNZ v. 21. 9. 18)

Ich war auch dabei und war auch ein wenig verwirrt. Zunächst einmal über die körperliche EIngeschränktheit dieses 83jährigen Mannes, der von zwei Männern gestützt und unterstützt wurde.
Seine Botschaft ist bekannt, wurde von ihm noch einmal. unterstrichen. Seine EInstellung zu Flüchtlingen wurde mehrfach eingeblendet: sie sollten aufgenommen und ausgebildet werden und dann in ihre Heimatländer zurückgehen.
Am Ende richtete er eine Friedensbotschaft an alle, wies darauf hin, dass alle Religionen in Indien friedlich zusammenleben. Es sei fatal, "wenn man im Namen Allahs oder eines Gottes" Krieg führe.

Mich hat seine kindliche Natürlichkeit, alles Fehlen von Affektiertheit, seine "Unschuld" gerührt.
Da s a ß ein Mensch ohne Falsch, ohne Affekte, ohne Neid, ohne Stolz, reine Güte.
Irgendwie tat er mir auch leid, denn im Grunde passte er nicht m e h r in diese Welt voller EItelkeiten und Oberflächlichkeit.
Ich ging nach knapp 4 Stunden still am Neckar entlang nach Hause.

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18 Kommentare

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Danke für diesen Beitrag, dass Du uns die Gedanken zu diesem Besuch schilderst.
Menschen die noch irgendwo ihre kindlich naive unbefangene Art erhalten konnten, sind eine Rarität. Nur weil er seinen Charakter nicht verbogen hat, konnte er es schaffen, dass Neid und Oberflächlikeit garnicht erst aufkommen konnten. Ein wunderbarer Mensch, begnadet mit Eigenschaften die heute einen Seltenheitswert haben.
  • 21.09.2018, 22:16 Uhr
Ja, was mir besonders auffiel, war die Kluft zwischen diesen Wissenschaftlern und diesem Menschen, der keine aufgesetzte Pose kennt, der einfach nur i s t und in Gedanken jeden Menschen umarmt.

Er kam 20 M inuten zu spät, weil er sich der wartenden Menge draußen zuwandte - da gibt es viele schöne Bilder (www.rnz.de )
  • 21.09.2018, 22:55 Uhr
Wissenschaftler wollen alles bewiesen haben, auch das was nicht geht.
So ist es eben ein einfaches, dann z.B. auch zu sagen, es gibt keinen Gott und so könnte man auch fortfahren.
Was ich nur festgestellt habe, dass es einige Menschen gibt, die schon daran glauben, dieses aber nach Möglichkeit nicht zugeben wollen.

Dass zwischen diesem großen weisen Gelehrten und den Wissenschaftlern eine Kluft war, das ist nun wirklich nicht zu bestreiten.
  • 21.09.2018, 23:05 Uhr
Ja, Rabeah, und wie können sie LIEBE beweisen? Nur materielle DInge lassen sich exakt messen. Alles an Gefühlen, Inspirationen, alles jenseits der Materie lässt sich n o c h nicht messen, weil die Instrumente dafür noch gar nicht existieren.
  • 21.09.2018, 23:12 Uhr
Auch Liebe läßt sich nicht beweisen, genauso wie Gefühle, Inspirationen die im Kopf entstehen und sie sind auch nicht meßbar - noch nicht.
  • 21.09.2018, 23:34 Uhr
Rabeah: Das stimmt aber nicht, wenn du pauschal behauptest, dass Wissenschaftler alles beweisen wollen. Kennst du persönlich überhaupt Wissenschaftler? Ein guter Wissenschaftler IST demütig und akzeptiert die Grenzen der Beweisbarkeit. Wer das nicht tut, hat die Bezeichnung "Wissenschaftler" nicht verdient.
  • 22.09.2018, 13:05 Uhr
Du hast so recht Heidi, ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler. Niemals würde sich ein Wissenschafter mit dummen Menschen abgeben.
  • 22.09.2018, 13:08 Uhr
Heidi, du verallgemeinerst Nicht? DU sagst doch, ein guter Wissenschaftler IST demütig !!!

Da kenne ich aber viele, die das absolut nicht sind.

Bei Geisteswissenschaftlern und auch in einer Transpersonalen Psychologie kann es gar nicht um Beweisbarkeit gehen. Lässt sich die Wirkung eines Gedichts b e w e i s e n? Nein,man kann viele werkimmanante Details zusammentragen, aber das reicht nicht aus.l

Genau darin unterscheiden sich Natur- und Geisteswissenschaften, und der Konflikt wurde MItte des letzten Jahrhunderts in zahlreichen Untersuchungen ausgetragen

Das meiste im Leben lässt sich nicht beweisen.
  • 22.09.2018, 13:11 Uhr
Die Kluft zwischen der Person des Dalai Lama und den 3 auf der Bühne anwesenden deutschen Wissenschaftlern war fast physisch zu spüren. Sie sprachen aneinander vorbei,.missverstanden einander oder verstanden sich gar nicht.
Dementsprechend negativ war in der RNZ die Berichterstattung.

Das geistliche Oberhaupt der Tibeter lebt aus dem Herzen hjeraus, achtet den Verstand, aber ordnet ihn dem Herzen unter.
Bei den Wissenschaftlern ist es meist anders herum.

Aber auch hier darf man natürlich nicht verallgemeinern.
Es war nur allen - auch dem Dalai Lama selber - s i c h t b a r, und er ging am Ende auf den Astrophysiker zu , schüttelte ihm die Hand und sagte, Ihr Wissenschaftler seid so kompliziert, lächelte und erhielt viel Applaus von der Menge, die sich vor IHM verneigte. (www.rnz.de)
  • 22.09.2018, 13:17 Uhr
So ist es Edith und weil sich so vieles nicht beweisen läßt, haben für diese These viele Menschen mit dem Leben bezahlen müssen.
Ist das was wir als Himmel bezeichnen auch wirklich der Himmel? Sind Engelswesen beweisbar? Ich sage, in der Existenz als Materie nicht. Auch die Seele ist nicht beweisbar, obwohl wir doch dauernd darüber sprechen. Oder auch der Sitz der Seele.
  • 22.09.2018, 13:17 Uhr
Mir ist es im Prinzip ziemlich egal, ob etwas beweisbar ist oder nicht.
Mir reicht es zu wissen, was ich persönlich verspüre, z.B. wenn ich manchmal in bestimmten Situationen das Gefühl habe, ich habe da jemand der mir über die Schulter schaut, mich führt, so ist es rein mein Empfinden, das muss ich niemandem beweisen und auch nicht mir selber. Wenn es mir gut dabei geht, dann ist es einfach gut...
  • 22.09.2018, 13:22 Uhr
Gegen die Aura von Dalai Lama anzukommen, wird kaum einem Wissenschaftler gelingen, wenn dieser etwas unbedingt ausdiskutiert haben will, was nicht beweisbar ist wie z.B. die Liebe.
Ein Mensch der in sich ruht und in Frieden lebt, hat eine Aura um sich, die zum greifen nahe und spürbar ist.
Ist doch logisch, dass sich die Menschen vor ihm in Demut verneigen.
  • 22.09.2018, 13:27 Uhr
Ja, er hat seine Aufgabe mustergültig erledigt.
Eine Frage habe ich noch nicht beantwortet: Er soll gesagt haben, es solle keinen Nachfolger mehr für das Amt des Lama = Lehrers geben.
Warum ?
Welche Gründe liegen dieser Entscheidung zugrunde? Vielleicht weiß Heidi Näheres ?
  • 22.09.2018, 14:03 Uhr
Aber sie ist doch keine Buddhistin oder Dalai Lama Anhängerin
Es ist doch so, dass sich der Lama auf den Weg mach und den Jungen sucht, der der spätere Lama wird. Vielleicht ist mit seinem Ableben der Kreis geschlossen.
  • 22.09.2018, 14:16 Uhr
Heidi ist Zen-Buddhistin.

Es ist immer ein Kreis von Anhängern, der sich nach dem Tod eines Lama auf den Weg macht, um den Nachfolger zu finden.
Diesen fanden sie, als er 5 Jahre alt war
  • 22.09.2018, 14:40 Uhr
Edith, Rabeah, diese Frage kann ich leider nicht beantworten.
Zen ist eine ziemlich "trockene" Sache im Gegensatz zum "blumigen" tibetischen Buddhismus. Man könnte es mit evangelisch/ katholisch vergleichen.
Wir haben kein geistiges Oberhaupt. Es gibt Lehrer, auch Roshis genannt und diese dürfen wiederum nach vielen Prüfungen andere Lehrer ernennen. So wird die Tradition fortgesetzt.
  • 22.09.2018, 16:08 Uhr
Ja, so habe ich das auch verstanden. "Lama" heißt übersetzt auch "Lehrer".

Mich hätte das Motiv interessiert. Ist er mit seinem Auftrag zufrieden? Sieht er etwas voraus, was wir noch nicht ahnen. Er betont immer die "säkulare Ethik" und fände es besser, wenn ein solcher Unterricht den Religionsunterricht ersetzen würde. Das würde viel Auseinandersetzungen vermeiden.

Die Theosophen reden auch von einer allgemeinen Spiritualität, die die vielen Religionen ersetzen sollte.
  • 22.09.2018, 16:55 Uhr
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Der Dalai Lama ist ein Mensch, durch besondere Umstände in eine besondere Rolle gefallen. Ich denke allein diese Position, die er von Kindesbeinen einnimmt, einnehmen musste, befördert ihn in diese Sonderstellung. Natürlich erfordert es auch einen besonders friedfertigen Charakter, sonst hätte er dieser Rolle nicht gerecht werden können.
Er verdient Respekt, mehr aber auch nicht, das ist meine Meinung.
  • 21.09.2018, 19:50 Uhr
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