DIE ZEIT herrscht nicht uneingeschränkt
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DIE ZEIT herrscht nicht uneingeschränkt

Beitrag von wize.life-Nutzer

Es gibt keinen Zeitpfeil

Machen Menschlichen Zellen Politik?
Die Ordnung der Welt in zeitliche Abläufe sei eine Konstruktion unseres Bewusstseins, sagen Biologen. Sollen wir uns von so etwas tyrannisieren lassen? Tatsächlich spielt der Fluss der Zeit, den wir empfinden, in der Physik keine Rolle. Elementarteilchen verhalten sich, als könne für sie die Zeit vorwärts und rückwärts ablaufen. Es gibt keinen Zeitpfeil, der von der Vergangenheit in die Zukunft weist. Dieser bekommt auf rätselhafte Weise erst für komplexere Gebilde eine Bedeutung.

Besonders deutlich wird die Richtung der Zeit im expandierenden Kosmos, der sich beginnend mit dem Urknall ausdehnt. Doch selbst hier herrscht die Zeit nicht unumschränkt. Sie ist eng verwoben mit dem Raum. Hier finden wir viele Möglichkeiten, die Zeit zu überlisten. Wurmlöcher, eine ideale Abkürzung zwischen verschiedenen Zonen der Raumzeit, bieten theoretisch die Möglichkeit, in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu gelangen. Man weiß zwar nicht, wo man wieder herauskommt, aber die Sache ist ja noch in der Erprobungsphase.

Misstrauisch sollte man Schwarze Löcher für Zeitreisen nutzen, denn dort kommt man nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens nicht mehr heraus. Allerdings: Während des Fallens in ein Schwarzes Loch lässt sich gut feststellen, wie sich der Fluss der Zeit verändert. Fällt eine Uhr alleine hinein, so kann man von außen sehen, wie sie sich verlangsamt und schließlich stehen bleibt. Fällt man zusammen mit der Uhr in das Schwarze Loch, so endet alles - man selbst, die Uhr und die Zeit - im Inneren. Die Zeit selbst findet ihr Ende, so wie sie im Urknall entstanden ist.

Ein klein wenig erlaubt uns also die moderne Physik mit der Zeit zu spielen. Das ist eine Erleichterung und, um es mit den Worten des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger zu sagen, "sie kann uns zu dem Gedanken ermutigen, dass der ganze Zeitplan nicht so ernst zu nehmen ist, wie es auf den ersten Blick erscheint."

Machen Menschlichen Zellen Politik?
Das Ende ist zigtausend Fach. Und es ist ein Schutz für das, was bleiben soll. Im menschlichen Körper nämlich lebt der Sozialismus fort. Hier stirbt jede Minute reihenweise Märtyrer in den Diensten des Großen Ganzen. Wenn eine Zelle merkt, dass sie nicht mehr gut für den Organismus ist, dann zieht sie die Konsequenzen. Dabei ist es gleich, welchen Rang sie innehat - ob sie nur eine einfache Zelle aus dem niederen Bindegewebe ist oder aber zu den spezialisierten und hochangesehenen Vertretern wie den Nervenzellen im Gehirn gehört. Zellen ziehen sich selbst aus dem Verkehr. Und dabei versuchen sie nicht, noch ein letztes Mal die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen - wie das Menschen in der Politik und anderswo tun, die nicht abtreten wollen, die von Hochhäusern springen oder einen "unerlaubten Personeneingriff in den Schienenverkehr" vornehmen. Leise und ohne andere in Mitleidenschaft zu ziehen, nehmen Zellen Abschied von der Welt. Ein eingebautes Selbstmordprogramm hilft ihnen dabei. Sie müssen es nur anschalten, dann wird ihr Erbgut fein säuberlich in kleine Stückchen zerhackt. Ihr Innerstes, das Chromatin, zieht sich zusammen, und schließlich lösen sich die ganzen Zellen in kleinen Bläschen auf, die von einer spezialisierten Müllabfuhr (den "Makrophagen") ohne große Mühen und Kosten beseitigt werden können. Zugegeben, der Sozialismus unter den Zellen funktioniert nicht so perfekt. Es gibt ein paar tief rote Gesellen, die ewig leben wollen. Durch einen oder mehrere dumme Zufälle, schlechte Erziehung, schlechte Gene? ist ihr Selbstmordprogramm ausgeschaltet worden. Unaufhörlich leben sie weiter, und mitunter bilden sie Krebsgeschwüre. Dass ihr verweigerter Abgang letztlich das Ende aller Sozialisten bedeutet, ist diesen Egoisten egal.

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