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Luise Rinser, eine deutsche Schriftstellerin

Von wize.life-Nutzer - Samstag, 13.10.2018 - 14:16 Uhr

Luise Rinser, eine deutsche Schriftstellerin

Luise Rinser (1911-2002) ist eine der bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellerinnen der Moderne. Ihr Werk umfasst zahlreiche Romane, Erzählungen und Tagebücher.
Besonders bekannt wurden der Briefroman „Mitte des Lebens“, der als Bestseller in 20 Sprachen übersetzt wurde, der Erzählband „Ein Bündel weißer Narzissen“ mit der sehr bewegenden Erzählung „Jan Lobel aus Warschau“ und ihre beiden Autobiographien „Den Wolf umarmen“ (1988) und „Saturn auf der Sonne“ (1994).
Sie wurde gefeiert und wegen ihrer Nähe zu spirituellen Themen kritisiert
„Man lobte mich, man verriss mich.“ (S. 39)

Da sie sich in ihren Tagebüchern ausgiebig und offen zu politischen Themen äußerte, schlugen die Grünen sie 1984 als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vor. Der Gegen-Kandidat war Richard von Weizsäcker, und sie wusste, dass sie keine konkrete Chance hatte, die Wahl zu gewinnen. Aber bekannt und diskutiert wurde ihr Ausspruch, ihr erster Akt würde darin bestehen, die kostspieligen Staatsbankette abzuschaffen, um eine Menge öffentlicher Gelder einzusparen.
Natürlich – und leider – hatte sie keine Chance.

1959 verließ sie Deutschland, das sie als „lebensfeindlich“ empfand und zog 1965 in ein Haus oberhalb von Rom, in Rocca di Papa.

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Ich beschäftigte mich beruflich mit ihrem Werk, schrieb einige Interpretationen, die in der Zeitschrift „Literatur für Leser“ veröffentlicht wurden und kam dadurch auch in brieflichen Kontakt mit ihr.
Wie Hermann Hesse beantwortete sie alle Zuschriften, die sie von ihren Lesern erhielt, und so habe ich auch noch einige handschriftliche Briefe von ihr in meinem Besitz.

Der Zufall wollte es, dass ich ihr sogar einmal auf Schloss Elmau persönlich begegnet bin. Sie stand vor mir, eine kleine, zierliche Frau mit einem gütigen und ein wenig traurigen Lächeln.

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Nachdem ich ihr Hauptwerk „Mitte des Lebens“ gelesen hatte, wollte ich sie als Persönlichkeit näher kennenlernen und las ihre erste Autobiographie, die 1988 erschienen war und ihr Leben bis 1950 umfasst.
Da stolperte ich geradezu über ihre astrologischen Hinweise, die sie mit ihrem Vater verband. Sie schrieb, sie sei mit der schwierigen Konjunktion Sonne und Saturn geboren, und als ihr Vater gestorben sei, habe sie diesen Tag als Befreiung erlebt.
In der Tat repräsentiert die Sonne u.a. den Vater, und Saturn gilt als der Karmaherrscher, der Lehrer, der Druck ausübt, Trennungen oder unüberwindliche Barrieren mit sich bringt.

In der Tat erscheint Luise Rinsers Leben zwiespältig: farbig und facettenreich als Schriftstellerin, einsam und voller Verzicht als Frau.

Der zweiten Autobiographie gibt sie sogar den provokanten Titel „Saturn auf der Sonne“ und deutet ihn so:

„Der Titel dieses Buches verlangt eine Erklärung. Er stammt aus dem Vokabular der Astrologie. Er bezeichnet eine wichtige Konstellation in meinem Horoskop.
Die Sonne bedeutet Lebenskraft und irdischen Erfolg. Die Lichtseite meines Lebens. Der Saturn ist ein strenger Herrscher, er treibt zur Arbeit, gibt Kraft und Mut, fällt aber auch als Schatten auf meine Sonne. Wäre er nicht, so wäre ich heiter und glücklicher, aber keine Schriftstellerin, denn kein glücklicher Mensch lässt sich beladen mit der Last eines künstlerischen Berufs ...“ (S. 7)

Der Saturn brachte ihr aber nicht nur die Arbeit ins Leben, sondern auch viele Trennungen von Männern.
Sie heiratete zweimal, bekam zwei Söhne und ließ sich zweimal scheiden, geriet dann an den bekannten Komponisten Carl Orff, den sie nach 5 aufregenden Jahren verließ.

Im Alter hatte sie dann zwei sehr intensive geistig-seelische Beziehungen zu zwei katholischen Würdenträgern, einem Abt eines berühmten Klosters, eine innige Beziehung zu dem großen Theologen Karl Rahner, die bis zu dessen Tod anhielt.

Diese zweifellos schwierigen Beziehungen konnte sie aushalten, weil sie für die mystischen Einflüsse vieler Religionen offen war, nicht um Exerzitien der Selbsterfahrung durchzuführen, sondern um Menschlichkeit und Verantwortung zu leben.

Luise Rinsers Lebensleistung bewundere ich sehr. Sie blieb immer der kritische, kluge und weltoffene Mensch, der „seine Wahrheit“ nie verleugnete und sich immer treu blieb.

Zitiert aus: Luise Rinser, „Saturn auf der Sonne“,
(1994).
© ez

37 Kommentare

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Ich habe von Ihr 36 Bücher und einige davon gelesen, sie hat in den 60ern ja oft für die Zeitschrift "Für Sie" geschrieben. Ich kann nicht so viel anfangen mit ihr.

Wer mag und das epub-Format lesen kann melden per PN ich leihe dies Bücher alle sehr gerne aus.
Immerhin sind ihre Bücher in 22 Sprachen übersetzt worden. Da sie eine sehr spirituelle Persönlichkeit ist, gefällt sie vielen Kritikern eben nicht. Muss sie auch nicht.
Hat eigentlich nicht viel zu sagen, den Harry Potter Bücher wurdenbisher in 80 Sprachen übersetzt.

Was mich stört sind ihre Ungereimtheiten in ihrer Biografie. Sie war im Nationalsozialismus verstrickt und hat es immer bestritten. Fakt ist sie war eine Nazi-Anhängerin. Sie hatte eine wichtige Funktion sie im BDM. Sie hat nie den Mut gehabt zu ihrer Vergangenheit zu stehen.

Warum ich mich nicht weiter mit Ihr beschäftigt habe?

Weil ich festgestellt habe, dass sie Wirklichkeit und die Fantasie nicht mehr unterscheidet oder beide zusammenschmelzen lässt.

Das ist mir dann doch zu viel.
Es ist sehr einfach für Nachgeborene, Urteile über jene Generation zu fällen.
Da ließe sich durchaus sagen, dass alle unsere Vorfahren , auch Deine Großeltern "mitgemacht" haben.
Immerhin wurden die,die sich öffentlich als Gegner outeten , erschossen.

Ich maße mir nicht an, über Rinser ein Urteil auszusprechen.Sie war auch wegen ihres Widerstands im Gefängnis und hat darüber ein Tagebuch veröffentlicht.

Sie hat 3 Ehen und zwei lange , geistig-seelische Beziehungen zu katholischen Würdenträgern.

Na und?

Natürlich gibt es einfachere Lebensläufe, aber da Vergleiche anzustellen, finde ich unangebracht.
Ich bin halt nicht einer Schriftstellerin hörig, jedoch solche Positionen im BDM einzunehmen und dann zu leugnen darum geht es nicht darum, dass fast alle irgendwie dabei waren.

Der BDM war schon ein besonderer Haufen und es mit "Dabei gewesen" abzutun ist sehr billig, sie war ein ganz besonderer Nazifan, das haben auch die Historiker erkannt.
Genau, es geht nicht so sehr darum ob diese Rinser eine Nazi war, sondern dass sie es geleugnet hat, aber vielleicht ist das ja ein Merkmal für Esoterikerinnen, wie es die Rinser ist und war.
Sie war auch ein Jahr ,1944, in einem Nazi-Gefängnis und hat in einem Tagebuch darüber berichtet. Es mag ja sein, dass sie im BDM war. Da waren , soviel ich weiß, alle Mädchen Mitglied.

Ich finde es nachgerade lächerlich, darauf hinzuweisen.

Die Eltern von Richard von Weizsäcker waren auch in der Partei, ein Bekannter, der mit dem Sohn in Berlin aufs Gymnasium ging, hat mir davon berichtet.
Wie viele ehemalige Nazis waren in der CDU der Nachkriegsjahre.

Absolut lächerliche Unterstellung bei einer Autorin, die mit ganz anderen Maßstäben zu messen ist.
Stellt Ihr eure Eltern auch so an den Pranger? Wer sich öffentlich wehrte, wurde hingerichtet. Wenn ihr Kinder habt, werdet ihr auch zum Märtyrer, ja?
Wer ist hier einer Schriftstellerin "hörig"?
Solche Unterstellungen finde ich geradezu krankhaft.
Sind wir nicht alle ein bisschen krank?... es muss ja nicht gleich die Esoterik oder Astrologie sein. Es gibt viele Leute, die der Esoterik hörig sind ohne ein Krankheitsgefühl zu entwickeln.
Heidegger war auch so ein opportunistischer Nazi.
Lesen könnte helfen, sie hatte im BDM eine sehr hohe Stellung und hat das immer vehement bestritten, das ist etwas mehr als Eltern oder Großeltern die auch Kriegsanleihen gekauft haben. Das erwähnte Gefängnis war vorgeschoben und es wurde nie bewiesen..

Also diese Dame nicht nachträglich glorifizieren sie war ein ganz besonderer NS-Vogel.
wize.life-Nutzer, Esoterikerinnen vom Sockel holen, können bewundernde Esoterikerinnen doch nicht widerspruchslos zulassen.
Scheinbar ist das so.
Wenn es dich glücklich macht, andere zu verunglimpfen, bitte.

Ich wünsche Dir von Herzen, einmal in einem Unrechtsstaat zu leben.
...mit Frau Luise Rinser in führender Position, weil sie das gelernt hat...
wize.life-Nutzer, da kannst du dir den Mund fusselig reden, Esoteriker decken Esoteriker, auch wenn es sich um Unrecht handelt.
Bei Heidegger ist das ähnlich.
Nur Ihr seid integere Vorbilder . in allen Bereichen, natürlich.
wize.life-Nutzer
Du Schuld besteht nicht darin in einem Unrechtsstaat gelebt zu haben, sondern sich nachträglich NICHT von diesem Unrecht zu distanzieren. Aber das werden wohl niemals alle kapieren.
>>> Nur Ihr seid integere Vorbilder . in allen Bereichen, natürlich. <<<

An solchen Zitaten erkennt man diejenigen, die diesbezüglich nichts gelernt haben und auch nichts lernen werden.
Wie angenehm wäre es doch, wenn die analytische Intelligenz einigermaßen gleich verteilt wäre. Aber das wird wohl ein ewiger Wunschtraum bleiben.
wize.life-Nutzer Aber warum zackern wir hier ergebnislos rum?

Das aufzuklären hat ihr langjähriger Freund José Sánchez de Murillo bereits getan.

Einfach mal lesen und dann sieht das mit dem "Kapieren schon anders aus:

https://www.zeit.de/kultur/literatur...r-biografie

und hier:

https://www.buecher.de/shop/rinser-l...d/32201056/

Genug oder noch weitere Details gefällig?
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Danke für die Erinnerung an diese Schriftstellerin. Der astrologischen Hinweise hätte es dabei allerdings nicht bedurft. Allerdings schien sie doch auch angehaucht von diesem Metier.
Doch die astrologischen Hinweise waren sehr wesentlich, denn es zeigt wieder, dass sich international bekannte Persönlichkeiten nicht scheuen, zu ihren Erkenntnissen zu bekennen.
Und sie sogar noch zum Titel einer Autobiographie zu wählen!

Wer das dann verschweigt, ist kein integerer Philologe.
_______

Du tust geradeso, als wäre es ein Verbrechen, oder eine Art Schande, sich mit Astrologie zu beschäftigen. Vielleicht könnte ja Dein Weltbild defizitär sein
Verbrechen und Schande hast du geschrieben, nicht ich. Ich halte Astrologie lediglich für überflüssig.
Was mir an ihr gefällt, ist ihre Unfähigkeit, eine Rolle zu spielen. Sie hat den Mut, sie selber zu sein. Sie sagt, was sie denkt. Heuchelei ist ihr fremd.

Vielleicht ist es das, was ich an ihr besonders schätze.
Es get doch wize.life-Nutzer auch ohne Astrologie einen Menschen zu würdigen.
Knight, ja, natürlich geht das, wenn sich ein Mensch nichts aus Astrologie macht.
Aber, wenn ein Philologe sich mit einer Schriftstellerin befasst, die sich ausdrücklich und an vielen Stellen in ihrem Werk dazu bekennt, gehört es einfach zu einer ehrlichen Interpretation, das zu erwähnen.
Wenn jemand sogar eine AUTOBIOGRAPHIE schreibt mit dem Titel "Saturn auf der Sonne", so heißt das im Klartext, "mein Leben war astrologischem Einfluss unterworfen". Das kommt einem Bekenntnis gleich und gehört selbstverständlich zu einer integeren Analyse.
Da geb ich dir recht und ich hab mich diesbezüglich geirrt.
Ich sehe halt Astrologie sehr kritisch, vor allem, weil damit auch Schindluder getrieben wird - siehe Astro-TV und so.
wize.life-Nutzer, diese ständigen und penetranten Esoterik-/Astrologie-Bezüge nerven Unbeteiligte. Aber ohne das geht's bei der wize.life-Nutzer wohl nicht (mehr), oder?
Okay, man kann sich darüber amüsieren, aber immer nur lachen kann auf Dauer auch nerven.
Das Team selber hat wohl einen Herrn O. gebeten, täglich astrologische Sprüche einzustellen, die absoluter Unsinn sind. DA kannst du dich gern über Astrologie beschweren.

Ich kann ja auch mal anfragen, ob deine Videos, die dieses Thema bevorzugen, nicht nerven.
Ja klar, wenn es dir hilft, dann frage gerne mal an.
Meine eingestellten Videos sind thematisch ziemlich breit gestreut.
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