Luise Rinser, eine deutsche Schriftstellerin

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Luise Rinser, eine deutsche Schriftstellerin

Luise Rinser (1911-2002) ist eine der bedeutendsten und meistgelesenen Schriftstellerinnen der Moderne. Ihr Werk umfasst zahlreiche Romane, Erzählungen und Tagebücher.
Besonders bekannt wurden der Briefroman „Mitte des Lebens“, der als Bestseller in 20 Sprachen übersetzt wurde, der Erzählband „Ein Bündel weißer Narzissen“ mit der sehr bewegenden Erzählung „Jan Lobel aus Warschau“ und ihre beiden Autobiographien „Den Wolf umarmen“ (1988) und „Saturn auf der Sonne“ (1994).
Sie wurde gefeiert und wegen ihrer Nähe zu spirituellen Themen kritisiert
„Man lobte mich, man verriss mich.“ (S. 39)

Da sie sich in ihren Tagebüchern ausgiebig und offen zu politischen Themen äußerte, schlugen die Grünen sie 1984 als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vor. Der Gegen-Kandidat war Richard von Weizsäcker, und sie wusste, dass sie keine konkrete Chance hatte, die Wahl zu gewinnen. Aber bekannt und diskutiert wurde ihr Ausspruch, ihr erster Akt würde darin bestehen, die kostspieligen Staatsbankette abzuschaffen, um eine Menge öffentlicher Gelder einzusparen.
Natürlich – und leider – hatte sie keine Chance.

1959 verließ sie Deutschland, das sie als „lebensfeindlich“ empfand und zog 1965 in ein Haus oberhalb von Rom, in Rocca di Papa.

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Ich beschäftigte mich beruflich mit ihrem Werk, schrieb einige Interpretationen, die in der Zeitschrift „Literatur für Leser“ veröffentlicht wurden und kam dadurch auch in brieflichen Kontakt mit ihr.
Wie Hermann Hesse beantwortete sie alle Zuschriften, die sie von ihren Lesern erhielt, und so habe ich auch noch einige handschriftliche Briefe von ihr in meinem Besitz.

Der Zufall wollte es, dass ich ihr sogar einmal auf Schloss Elmau persönlich begegnet bin. Sie stand vor mir, eine kleine, zierliche Frau mit einem gütigen und ein wenig traurigen Lächeln.

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Nachdem ich ihr Hauptwerk „Mitte des Lebens“ gelesen hatte, wollte ich sie als Persönlichkeit näher kennenlernen und las ihre erste Autobiographie, die 1988 erschienen war und ihr Leben bis 1950 umfasst.
Da stolperte ich geradezu über ihre astrologischen Hinweise, die sie mit ihrem Vater verband. Sie schrieb, sie sei mit der schwierigen Konjunktion Sonne und Saturn geboren, und als ihr Vater gestorben sei, habe sie diesen Tag als Befreiung erlebt.
In der Tat repräsentiert die Sonne u.a. den Vater, und Saturn gilt als der Karmaherrscher, der Lehrer, der Druck ausübt, Trennungen oder unüberwindliche Barrieren mit sich bringt.

In der Tat erscheint Luise Rinsers Leben zwiespältig: farbig und facettenreich als Schriftstellerin, einsam und voller Verzicht als Frau.

Der zweiten Autobiographie gibt sie sogar den provokanten Titel „Saturn auf der Sonne“ und deutet ihn so:

„Der Titel dieses Buches verlangt eine Erklärung. Er stammt aus dem Vokabular der Astrologie. Er bezeichnet eine wichtige Konstellation in meinem Horoskop.
Die Sonne bedeutet Lebenskraft und irdischen Erfolg. Die Lichtseite meines Lebens. Der Saturn ist ein strenger Herrscher, er treibt zur Arbeit, gibt Kraft und Mut, fällt aber auch als Schatten auf meine Sonne. Wäre er nicht, so wäre ich heiter und glücklicher, aber keine Schriftstellerin, denn kein glücklicher Mensch lässt sich beladen mit der Last eines künstlerischen Berufs ...“ (S. 7)

Der Saturn brachte ihr aber nicht nur die Arbeit ins Leben, sondern auch viele Trennungen von Männern.
Sie heiratete zweimal, bekam zwei Söhne und ließ sich zweimal scheiden, geriet dann an den bekannten Komponisten Carl Orff, den sie nach 5 aufregenden Jahren verließ.

Im Alter hatte sie dann zwei sehr intensive geistig-seelische Beziehungen zu zwei katholischen Würdenträgern, einem Abt eines berühmten Klosters, eine innige Beziehung zu dem großen Theologen Karl Rahner, die bis zu dessen Tod anhielt.

Diese zweifellos schwierigen Beziehungen konnte sie aushalten, weil sie für die mystischen Einflüsse vieler Religionen offen war, nicht um Exerzitien der Selbsterfahrung durchzuführen, sondern um Menschlichkeit und Verantwortung zu leben.

Luise Rinsers Lebensleistung bewundere ich sehr. Sie blieb immer der kritische, kluge und weltoffene Mensch, der „seine Wahrheit“ nie verleugnete und sich immer treu blieb.

Zitiert aus: Luise Rinser, „Saturn auf der Sonne“,
(1994).
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