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Augustinus - Vom Philosophen zum Christen

Beitrag von wize.life-Nutzer

Augustinus – Vom Philosophen zum Christen

Augustinus ist eine der größten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte. Er übte nicht nur als Denker, Lehrer, Schriftsteller, Diskussionsredner und Bischof größten Einfluss aus, sondern faszinierte auch als Mensch, der die Tiefen und Abgründe seiner eigenen Seele auslotete.

Augustinus wurde am 13. November 354 in der Stadt Thagaste in der Provinz Africa geboren.
Diese Provinz gehörte zu dieser Zeit zu dem damals riesigen römischen Herrschaftsbereich, der von England über Spanien, einem nordafrikanischen Küstenstreifen bis nach Ägypten, Syrien und die Türkei reichte.
In Thagaste lebten Menschen mehrerer Rassen und Religionen. Träger der Zivilsation waren aber ausschließlich die Römer. Die reicheren Bewohner der Stadt sprachen Lateinisch und lebten nach der römischen Rechtsordnung. Da Ausgutinus' Vater verarmte, finanzierte ein reicher Verwandter die klassische Ausbildung von Augustinus.

Kurz davor – er war gerade 15 Jahre alt – geriet er in eine jugendliche Clique, die in der Stadt durch Diebstähle, Trinken und Sexgelage bekannt wurde. Seiner frommen Mutter, die diesen Sohn über alles liebte, gefiel das natürlich nicht.

Als Student in Karthago wurde Augustinus Manichäer, eine Sekte, die das Böse als Gegenspieler des guten Gottes sah.

„Ich hatte noch nie geliebt und liebte es zu lieben ... Ich liebte das Lieben und kannte die Sicherheit und den Weg ohne Fallstricke.“ („Bekenntnisse“ III,1,1.
Mit ca. 17 Jahren lernte er das gleichaltrige Mädchen kennen, mit dem er 15 Jahre zusammenlebte. Sie bekamen einen Sohn. Eine Heirat musste wegen des unterschiedlichen sozialen Rangs ausgeschlossen werden.
Als der Vater starb, zog seine Mutter auch nach Karthago, aber sie weigerte sich, als Christin mit ihrem Sohn, dem Manichäer, gemeinsam zu essen!Nach etwa 2 Jahren entdeckte er das Werk des größten römischen Redners, Cicero, das sein Interesse an Philosophie weckte.
Augustinus empfand, er bekomme es hier zum
ersten Mal mit der Wahrheit zu tun. Cicero hatte die
ausgefeilte stilisierte Rhetorik zugunsten der
nüchternen Argumente und der Diskussion
aufgegeben. Seine Bücher lassen sich wie
Gespräche zwischen Lehrer und Schüler lesen.
Sokrates und Platon hatten auch diese Methode
bevorzugt. Auf der Suche nach Wahrheit geriet er
an die Manichäer, eine Art persische Abwandlung
des Christentums, die sich im ganzen Römischen
Reich ausbreitete (Spätform des Gnostizismus).
„Die Vorstellung, esoterisches Wissen und geheime Erlösungswege zu finden, sagte ihm zu.“. (S. 53) Auch Horoskope und Hellsehen gefielen ihm. Neun Jahre genoss er die Gemeinschaft seiner Glaubensgenossen.

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Nach Abschluss seiner Studien kehrte Augustinus in seine Heimatstadt zurückund lebte bei seinem Verwandten Romananius.
Daran schloss sich eine siebenjährige Phase als Rhetoriklehrer in Karthago an , aber die Disziplinlosigkeit seiner Studenten enttäuschte ihn und so machte er sich auf den Weg nach Rom.
Dort gewann er einen Wettbewerb in Sachen Rhetorik und bekam dadurch eine Position als Rhetoriklehrer in Mailand. Hier erfolgte seine Bekehrung zum christlichen Glauben, indem er sich mehr und mehr mit Plotin beschäftigte. Plotins Hauptgedanke war „die dauerhafte Einheit aller Dinge“.
„Plotin war der Überzeugung, die Menschen könnten den Weg der Emanation bis zum Wiedervereintwerden mit dem Einen zurückgehen. Er behauptete, ihm sei diese E r f a h r u n g vier mal in seinem Leben zuteil geworden.“ (S: 71)

Als seine Mutter Monika nach Mailand kam, schickte er seine Gefährtin und Mutter seines Sohnes nach Africa zurück.
Er versammelte dann Gleichgesinnte in einer Art Klostergemeinschaft um sich herum, eine Mischung aus Verwandten, Freunden und Schülern mit dem festen Vorsatz, die religiösen Grundlagen seines Lebens zu klären. Askese und Hingabe, also Selbstverleugnung und Liebe zu Gott wurden nun die zwei tragenden Pfeiler seines Lebens.

32-jährig begann seine Phase als Schriftsteller, meist Bücher in Dialogform. Es folgten „Selbstgespräche“ und die „Bekenntnisse“ - die ersten autobiographischen Schriften in der Geschichte der Philosophie.
387 empfing er in Mailand die christliche Taufe.
Kurz danach erlebte er mit seiner Mutter eine VISION, die er als „außerkörperliche Erfahrung“ bezeichnete.
388 ging es zurück in die Heimat. Dort starb sein 17jähriger brillant begabter Sohn

Er wurde Priester, später Bischof, und nun war es 40 Jahre lang seine Aufgabe, den Glauben an einfache Menschen weiterzugeben.
Er erlebte noch den Schock , dass Rom 410 von dem Westgoten Alarich erobert wurde.
420 starb er. Gleich danach zerbrach die römische Ordnung und die Struktur der Kirche.

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Augustinus ist eine der ganz großen Gestalten der europäischen Geistesgschichte. Er integriert die Einsichten der griechischen Philosophie in die christliche Theologie. Die Gnade Gottes ist für ihn von universeller Wichtigkeit.

Zit. Nach: Knowles/Penkett, „Augustinus und seine Welt“. (Herder, 2004).

© ez


5 Kommentare

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Man könnte sagen, Augustinus ist ein Beispiel für ein Leben, in dem eine Transformation stattfindet. Vielleicht ausgelöst durch die Vision, die er mit seiner Mutter gemeinsam erlebt hat. Leider kenne ich keine Details dieser Erfahrung.

Aber mir ist aufgefallen, dass er im Zeichen Skorpion geboren ist, dessen Herrscher Pluto ist. PLuto steht für Transformation schlechthin. Man nennt ihn oft - in Anlehnung an Goethe - den Stirb-und-Werrde-Planeten. Er zerstört massiv und baut auf.

Auch Luther hat 4 Planeten in diesem Zeichen, auch er ein Revolutionär, einer der alle Brücken zerstört und neu aufbaut.
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Wie "IHN" die Kirche sieht:
Augustinus von Hippo, auch: Augustinus von Thagaste, Augustin oder Aurelius Augustinus war neben Hieronymus, Ambrosius von Mailand und Papst Gregor dem Großen einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike und ein wichtiger Philosoph an der Schwelle zwischen Antike und Frühmittelalter.

Wie ich "IHN" sehe ins Moderne übersetzt:
Augustinus , Wir kennen ihn als Heiligen und Kirchenvater, aber ursprünglich war Augustinus ein Fan von Kampfsport, pornografischen Fantasyromanen und unverbindlichem Sex.

Nun das war zu Augsutinus Zeiten auch noch kein Thema in der Kirche , die Kirche selbst unterhielt bis zum 13 Jahrhundert sogar noch eigene Bordelle

Über den Erfinder des Bekenntnisromans.

Der nach der Bibel vielleicht wichtigste Text des christlichen Abendlandes ist eine Ich-Geschichte, die ausschweifend von den subjektiven Befindlichkeiten des Autors handelt, vor allem aber von der Frage, ob er weiter mit seiner Geliebten schlafen soll oder nicht.

Der Autor, das ist ein mit seinem Leben mäßig zufriedener Rhetoriklehrer Mitte vierzig, der in der nordafrikanischen Großstadt Karthago als Fan brutaler Kampfsportveranstaltungen und Leser halbpornografischer Fantasyromane ein mehr oder weniger lasterhaftes Leben führt, in dem er den Stoff für ständig neue Selbstvorwürfe und freischwebende Spekulationen über Gott und die Welt findet.
Apropos Gott:
Der spielt in den „Confessiones“ des hl. Augustinus, geboren 354 und gestorben 430 im heutigen Algerien, natürlich auch eine Rolle, sonst hätte es der Verfasser kaum zum Kirchenvater gebracht, ein postum nach strengen Auswahlkriterien vergebener Titel, den neben Augustinus Gregor der Große, Hieronymus oder Ambrosius von Mailand führen. Augustinus ist, wie schon angedeutet
Prototyp der Autobiografie
Offiziell ist Gott das Ein-Mann-Publikum der „Bekenntnisse“,
vom ersten Kapitel an wird er angerufen, immer wieder und mit immer neuen Formeln: „du Ordner und Schöpfer des Alls“, „mein Gott“, „o Herr unser Gott“. Man könnte sich als Leser also etwas ausgeschlossen fühlen aus diesem Zwiegespräch einer suchenden Seele mit ihrem Erzeuger, würde man nicht vom ersten Satz an spüren, dass Augustinus sich mit seinen Bekenntnissen, der ersten echten Autobiografie der Geschichte, an niemand anderen als an einen selber wendet, so wie man dasitzt mit seinem Smartphone auf dem Tisch, fast zweitausend Jahre später auf der anderen Seite des Mittelmeers.

Die „Confessiones“ sind um das Jahr 400 herum entstanden und in der Rückschau geschrieben, also aus der Perspektive des zum Christentum konvertierten und zum Bischof geweihten Mannes. Er blickt zurück auf ein Leben, das in seiner Mischung aus Unentschlossenheit und Selbsterforschung viel exemplarischer ist als jede Heiligenlegende – ein einziges Sichtreibenlassen im „Strom menschlicher Gewohnheit“, vom Birnendiebstahl in der Jugend über den „Schlamm der Fleischeslust“ in der Adoleszenz bis zur ewig hinausgezögerten Konversion, die selbst dann, als Augustinus längst von ihrer Notwendigkeit überzeugt ist, immer wieder auf den nächsten Tag verschoben wird, immer erst „cras et cras“, also morgen und morgen stattfinden soll.

Und in diesem Prokrastinieren über Fragen der Lebensführung erfindet Augustinus noch im Vorbeigehen eine Philosophie der Zeit und eine Theorie der Erinnerung, die durch alles, was danach kam, nicht wesentlich übertroffen wurden.
Eine interessante Ergänzung-.

Ich muss gestehen, diese Persönlichkeit hat mich vor Jahren gerade wegen ihres "zweigeteilten Lebens" fasziniert .
Die sexuellen Ausschweifungen in der ersten Hälfte, die extreme Bindung an die Mutter und dann die absolute Hinwendung an einen persönlichen Gott und damit einhergehend eine asketische Lebensweise.
Eine solche Transformation!

Damals las ich die Confessiones (teilweise) in der Originalsprache, jetzt das Werk zweier englischer Theologieprofessoren.

Was mich mit Augustinus verbindet, ist das Interesse an Platon, Plotin und den Neuplatonikern, die Prof. Halbwassen hier in HD einmal sehr faszinierend vorstellte.
Augustinus war ein bedeutender Philosoph. Er hat den weltberühmten Körper-Geist-Dualismus von Descartes ("ich denke, also bin ich) mit, "ich zweifle, also bin ich", viele Jahrhunderte vorweggenommen.

Da Descartes die Schriften von Augustinus kannte, muss man davon ausgehen, dass Descartes bei Augustinus abgeschrieben hat, allerdings, wie damals üblich, ohne Augustinus zu zitieren.
Augustinus, ein Kirchenvater UND Philosoph!
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