Franz von Assisi und "Schwester Sonne und Bruder Mond"

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Franz von Assisi und „Schwester Sonne und Bruder Mond“ (S: 107)

Franziskus (1182-1226) hinterlässt einige wenige Schriften, sein „Testament“, eine Art Autobiographie, und den berühmt gewordenen „Sonnengesang“. Um, abgesehen von den vielen Legenden, die sich um seine Person ranken, ein authentisches Bild von ihm zu erhalten, beschränkt man sich am besten auf seine eigenen Schriften.

Die Zeit, in die er hineingeboren wird, ist keine ruhige Zeit, sondern von tiefgreifenden Umbrüchen gekennzeichnet. Die Feudalordnung ist noch nicht erschüttert: das Dorf und die Burg sind sichtbare Zeichen dafür. Der Bauer versorgt die Herren mit Nahrungsmitteln, und diese sorgen für Recht und militärische Sicherheit.
In den Städten veränderte sich allerdings die Struktur grundlegend, die Unterschiede zwischen Arm und Reich wachsen durch das Aufkommen neuer Techniken und Berufszweige.

Jetzt entstehen auch Konflikte zwischen den politischen Herrschern und den Päpsten. Papst Innozenz III. (1160-1216) ließ sich nicht nur als Nachfolger Petri bezeichnen, sondern auch als Stellvertreter Christi auf Erden.
Franziskus bejahte diesen päpstlichen Machtanspruch.

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Franziskus wurde 1182 in Assisi in Umbrien, einem Ort von großer wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung, als Ältester von 3 Söhnen in eine der reichsten Familien der Stadt geboren. Er ergreift den Beruf des Vaters und wird die Firma (Tuch-Herstellung) später erben. Seine Bildung ist gering, zwar lernt er etwas Französisch und Latein, sammelt Freunde um sich herum und scheint den Ehrgeiz zu haben, in den Adel aufzusteigen.
Als es in der Stadt zu einem Kampf zwischen den Bürgern und Adligen kommt, erlebt er die Niederlage der Stadt, wird gefangen genommen und nach einem Jahr entlassen. Die ehrgeizigen Pläne der Stadt sind also gescheitert.

Franziskus erlebt jetzt die erste tiefe körperliche , seelische und geistige Krise. Zwar könnte er im Geschäft des Vaters so viel verdienen, um einen üppigen Lebensstil zu pflegen, aber das genügt ihm nicht. Er macht sich auf die Suche.

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Damals hatte jede Stadt einen abgegrenzten Stadtteil, in dem Aussätzige lebten. Seit den Kreuzzügen hatte sich die Krankheit verbreitet und überall Panik ausgelöst. Hier entschloss sich Franziskus, Pflege zu leisten.
„Nach den Besuchen bei den Aussätzigen bin ich ein anderer Mensch geworden.“ (S. 44)

Als er in einer Vision die Stimme Jesus hört, er solle die „zerfallenen Kirchen wiederherstellen“, macht er sich daran, Kapellen und Kirchen in der Umgebung von Assisi instand zu setzen. Dafür verwendet er Gelder aus der Firma seines Vaters, wodurch es zum Bruch zwischen den beiden kommt. Franziskus ist gerade 25 Jahre alt.

Er verlässt aber nicht nur die reiche Welt seines Vaters, sondern auch die der traditionellen Christen. Er steht der gelehrten wissenschaftlichen Theologie kritisch gegenüber und bezeichnet sich als „Bruder Einfalt“. Was er predigt, ist, sozialen und politischen Frieden zu bewahren. Es darf kein Herrschaftsverhältnis zwischen Mensch und Natur geben. Tiere sind des Menschen Brüder.
Diese Bescheidenheit, ja Demut, machte das Charisma des Franziskus aus. Bald scharten sich Anhänger um ihn. Es sollte kein Orden sein, sondern eine „Schar von Brüdern“. Gelehrsamkeit war ihm suspekt, Bücher besaß er nicht, nicht einmal eine Bibel.
In der Gemeinschaft der Brüder gab es keine sozialen Unterschiede im Gegensatz zu den älteren Orden wie z.B. der Hildegard von Bingen (1098-1179), die nur adlige Frauen aufnahm.

1209 (1210?) zieht er mit 11 Brüdern nach Rom, um seine Gemeinschaft (Gehorsam, Arbeit, Armut) vom Papst bestätigen zu lassen, was ihm gelang. Die Franziskaner wurden als Orden anerkannt. Bald kam ein weiblicher Zweig (Klarissen) dazu. Dass es eine erotische Beziehung zwischen der heiligen Klara und Franziskus gab, bleibt Spekulation.

In den letzten Lebensjahren (1224) zieht er sich in eine Einsiedelei zurück, meditiert, fastet. Da erscheint ihm in einer Vision Jesus, und danach trägt er die Wundmale der Kreuzigung an seinem Körper (Stigmata).

1225 entsteht der berühmte Sonnengesang, der seine enge Verbundenheit mit der Natur poetisch zusammenfasst.

Heute ist der Franziskanerorden neben dem Jesuitenorden der bedeutendste Orden der Katholischen Kirche.

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Hermann Hesse : „Er aber war ein Kind und Dichter, ein Meister und Lehrer der Liebe, ein demütiger Freund und Bruder jeglicher Geschöpfe, und wenn die Menschen ihn vergäßen, so müssten Steine und Quellen, Blumen und Vögel von ihm reden.“ (S. 144)

Zit. nach Veit-Jakobus Dieterich, „Franz von Assisi“ (rororo Monographie, 4. Aufl. 2001)

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