Plotin - der letzte große Denker der Antike

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Plotin – der letzte große Denker der Antike

„Plotin ist neben Platon und Aristoteles der größte, einflussreichste und wirkungsmächtigste Denker der Antike.“ (Halfwassen, S. 9)

Plotin bezieht sich auf Platon und strebt eine Synthese der ganzen antiken Philosophie an, wobei er sich vor allem auf die Metaphysik konzentriert.
Sie hat ihren Ursprung in dem „absoluten Einen“, das nur erreicht werden kann, wenn „das Denken sich selbst übersteigt und aus sich heraustritt (ekstasis)“ (Halfwassen, S. 12) und mit dem Einen verschmilzt.
Plotin wollte kein Erneuerer sein. Er und seine Schüler nannten sich einfach Platoniker.

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Plotins Leben (204-270) ist außerordentlich gut dokumentiert. 31 Jahre nach dessen Tod verfasst sein Schüler Porphyrios eine Biographie. Sie präsentiert Plotin als einen idealen Weisen, der auch gewisse übermenschliche, paranormale Fähigkeiten besessen hat.
Er berichtet, dass Plotin nicht viel über seine durchaus interessante Herkunft berichtet habe. Mit 28 Jahren habe er sich der Philosophie zugewandt und berühmte Lehrer in Alexandria besucht, das damals eine der bedeutendsten Bildungsstätten der damaligen Welt war.
Ammonios war 11 Jahre lang sein Lehrer, der ihn an Platon heranführte. Er lehrte, wie es damals üblich war, nur mündlich.

243 verließ Plotin – wahrscheinlich nach dem Tod seines Lehrers – Alexandria und ging nach einem kurzen Intermezzo als Reisebegleiter des Kaisers Gordian III. auf dessen Perserfeldzug nach Rom.
Dort eröffnete er eine eigene Philosophenschule, in der er sehr dialogisch unterrichtete.
Mit dem engsten Schülerkreis lebte er auch zusammen, denn Philosophie war im Altertum gleichermaßen wissenschaftliche Disziplin und Lebensweise. Plotin war Vegetarier und lebte sexuell enthaltsam.
270 ist sein Todesjahr.

Man holte in Delphi ein Orakel über die „Vergöttlichung“ Plotins ein. Er wurde danach tatsächlich – nach Platon und Pythagoras - als „göttlicher Philosoph“ eingereiht (Halfwassen, S. 26)

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Alle Schriften Plotins wurden von seinem Schüler Porphyrios sorgfältig aufbewahrt. Es waren zunächst nur esoterische Schriften, d.h. sie waren nicht jedermann zugänglich. Die Gesamtausgabe trägt den Titel „Enneaden“, da der Inhalt in 6 Gruppen zu je neun Abhandlungen gegliedert war.

Man könnte seine Philosophie die „Philosophie des Einen“ nennen. Einheit ist der Grund des Seins. Die Übereinstimmung mit der Mystik des Hinduismus, der Advaita-Lehre, verblüfft.
Aus diesem Einen ist alles durch Emanation hervorgegangen.
Auch das deckt sich mit der östlichen Gottesvorstellung von Brahman, „dem alles durchdringenden Sein“.
Der Mensch könne durch die mystische Einkehr ins eigene Innere die Einheit mit dem Einen wieder erreichen. Diese ekstatische Erfahrung hat Plotin mehrfach erlebt.

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Wer sich die Mühe macht, große Persönlichkeiten der europäischen Geistesgeschichte ein wenig näher kennenzulernen, kann erstaunliche Übereinstimmungen feststellen.

Sokrates bestätigt Kontakte zu seinem inneren Meister (daimonion). (Hellhören)
Augustinus, Franziskus, Plotin berichten von außergewöhnlichen Erfahrungen, die ebenso von christlichen Mystikern wie Meister Eckart und Hildegard von Bingen beschrieben werden.

Diese wiederum finden ihre Parallele in den östlichen Erfahrungen des Erwachens (samadhi) oder der Erleuchtung (moksha).

Wer mehrere Sprachen systematisch erlernt, kann sowohl ihre Besonderheiten, als auch ihre Gemeinsamkeiten klar erkennen.
Dasselbe gilt für den Vergleich unterschiedlicher Weisheitslehren.
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Zit. nach Jens Halfwassen, „Plotin und der Neuplatonismus. 2004.
Ernst von Aster, „Geschichte der Philosophie“. 1956.
Johannes Hirschberger, „Kleine Philosophiegeschichte.“ 5. Aufl. 1965.

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