Streitfrage: Schwangerschaftsabbruch
Streitfrage: SchwangerschaftsabbruchFoto-Quelle: D.R. 2018

Streitfrage: Schwangerschaftsabbruch

Beitrag von wize.life-Nutzer

"Auf der einen Seite stehen die Selbstbestimmung der Frau und «mein Bauch gehört mir», auf der anderen die Forderung nach unbedingtem Lebensschutz. Weil neue Methoden zur vorgeburtlichen Diagnose von Geschlecht und Krankheiten entwickelt wurden, stellen sich alte Fragen verschärft.



Die Fronten zwischen den Lagern sind verhärtet. Vor wenigen Wochen demonstrierten in Bern Abtreibungsgegner bei einem «Marsch fürs Läbe». Seit der Volksabstimmung 2002 gilt in der Schweiz die Fristenlösung. Dank neuer Instrumente der Fortpflanzungsmedizin können heute frühzeitig Krankheiten und Geschlecht erkannt werden. Verschiedene religiöse Traditionen stehen dem Thema Abtreibung mit Skepsis gegenüber.

Auch innerhalb der Religionen findet sich eine Bandbreite von liberalen und restriktiven Haltungen. Wie lassen sich diese Haltungen begründen? Wer soll wann was entscheiden? Wann beginnt das Leben? Im Berner «Haus der Religionen» diskutieren die jüdische Theologin Annette Böckler, die reformierte Theologin Christina aus der Au und der Freidenker Valentin Abgottspon mit Norbert Bischofberger."

(Quelle: YouTube)

Meine Bemerkungen zu diesem Video:

Eine völlig neue Information war für mich die Tatsache, dass die jüdische Glaubenslehre vollständig kompatibel mit der Fristenlösung ist, während die protestantische Lehrmeinung bekanntermaßen nur sehr eingeschränkt damit kompatibel ist.

Ein Vertreter des Katholizismus war leider nicht in der Diskussionsrunde vertreten, aber es ist inzwischen bekannt, dass der Oberhirte der Katholiken, Papst Franziskus, den Schwangerschaftsabbruch mit einem Auftragsmord vergleicht.

Ich bin der Meinung, dass in einem säkularen Staat, Religionen - gesamtgesellschaftlich gesehen - der falsche Berater sind, wenn es um sozialpolitische und moralische Bewertungen des Schwangerschaftsabbruchs geht.

Andererseits kann sich jede religiös gläubige Frau frei entscheiden, ob sie die Fristenlösung in Anspruch nimmt oder eine Schwangerschaftsunterbrechung aus religiösen Gründen ablehnt.

Solange die Religiösen von den Nicht-Religiösen NICHT verlangen, dass sie ihre religiösen Einwände gegen eine Schwangerschaftsunterbrechung ÜBERNEHMEN, müsste ein friedliches Zusammenleben in Sachen Schwangerschaftsabbruch eigentlich problemlos möglich sein.

Entscheidend ist die Haltung des Gesetzgebers zum Schwangerschaftsabbruch, und diese Haltung (in Form der Fristenlösung) wurde nach eingehender parlamentarischer Beratung im Bundestag DEMOKRATISCH beschlossen*.

*Am 26. April 1974 entschied sich der Bundestag mit knapper Mehrheit für die Fristenregelung. Diese wurde jedoch am 25. Februar 1975 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt, nachdem die CDU geklagt hatte. Am 6. Mai 1976 verabschiedete der Bundestag eine modifizierte Indikationsregelung als Kompromiss.