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Streitfrage: Schwangerschaftsabbruch

Von wize.life-Nutzer - Sonntag, 11.11.2018 - 05:18 Uhr

"Auf der einen Seite stehen die Selbstbestimmung der Frau und «mein Bauch gehört mir», auf der anderen die Forderung nach unbedingtem Lebensschutz. Weil neue Methoden zur vorgeburtlichen Diagnose von Geschlecht und Krankheiten entwickelt wurden, stellen sich alte Fragen verschärft.



Die Fronten zwischen den Lagern sind verhärtet. Vor wenigen Wochen demonstrierten in Bern Abtreibungsgegner bei einem «Marsch fürs Läbe». Seit der Volksabstimmung 2002 gilt in der Schweiz die Fristenlösung. Dank neuer Instrumente der Fortpflanzungsmedizin können heute frühzeitig Krankheiten und Geschlecht erkannt werden. Verschiedene religiöse Traditionen stehen dem Thema Abtreibung mit Skepsis gegenüber.

Auch innerhalb der Religionen findet sich eine Bandbreite von liberalen und restriktiven Haltungen. Wie lassen sich diese Haltungen begründen? Wer soll wann was entscheiden? Wann beginnt das Leben? Im Berner «Haus der Religionen» diskutieren die jüdische Theologin Annette Böckler, die reformierte Theologin Christina aus der Au und der Freidenker Valentin Abgottspon mit Norbert Bischofberger."

(Quelle: YouTube)

Meine Bemerkungen zu diesem Video:

Eine völlig neue Information war für mich die Tatsache, dass die jüdische Glaubenslehre vollständig kompatibel mit der Fristenlösung ist, während die protestantische Lehrmeinung bekanntermaßen nur sehr eingeschränkt damit kompatibel ist.

Ein Vertreter des Katholizismus war leider nicht in der Diskussionsrunde vertreten, aber es ist inzwischen bekannt, dass der Oberhirte der Katholiken, Papst Franziskus, den Schwangerschaftsabbruch mit einem Auftragsmord vergleicht.

Ich bin der Meinung, dass in einem säkularen Staat, Religionen - gesamtgesellschaftlich gesehen - der falsche Berater sind, wenn es um sozialpolitische und moralische Bewertungen des Schwangerschaftsabbruchs geht.

Andererseits kann sich jede religiös gläubige Frau frei entscheiden, ob sie die Fristenlösung in Anspruch nimmt oder eine Schwangerschaftsunterbrechung aus religiösen Gründen ablehnt.

Solange die Religiösen von den Nicht-Religiösen NICHT verlangen, dass sie ihre religiösen Einwände gegen eine Schwangerschaftsunterbrechung ÜBERNEHMEN, müsste ein friedliches Zusammenleben in Sachen Schwangerschaftsabbruch eigentlich problemlos möglich sein.

Entscheidend ist die Haltung des Gesetzgebers zum Schwangerschaftsabbruch, und diese Haltung (in Form der Fristenlösung) wurde nach eingehender parlamentarischer Beratung im Bundestag DEMOKRATISCH beschlossen*.

*Am 26. April 1974 entschied sich der Bundestag mit knapper Mehrheit für die Fristenregelung. Diese wurde jedoch am 25. Februar 1975 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt, nachdem die CDU geklagt hatte. Am 6. Mai 1976 verabschiedete der Bundestag eine modifizierte Indikationsregelung als Kompromiss.

33 Kommentare

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- Denkanstöße dazu:

Vatikan: »Wer Verhütungsmittel benutzt, will nicht, daß neues Leben entsteht, weil er ein solches Leben als Übel betrachtet. Das ist dieselbe Einstellung wie die eines Mörders, der es als ein Übel ansieht, daß sein Opfer existiert.«

"... daß es eine unzulässige polemische Aufbauschung ist, die Unterbrechung in dieser frühen Phase allen Ernstes als »Mord« hinzustellen, und ein Beispiel abstoßender Demagogie ..."

>>Aus meiner subjektiven Perspektive gab es mich in dieser meiner menschlichen Existenz vorangehenden – sie quasi vorbereitenden Phase noch nicht. Von außen, aus objektivem Blickwinkel betrachtet, ist das eine Frage der Definition. Daß die am Anfang meiner individuellen Entwicklung stehende befruchtete Zelle sozusagen das Potential meiner Existenz darstellte, ist unbestreitbar. Daß sie selbst schon als menschliches Wesen anzusehen gewesen wäre, dürfte kaum jemandem in den Sinn kommen. Der Hypothese gar, daß sie, aufgrund welcher Konstruktion auch immer, als mit mir identisch zu gelten hätte, würde ich entschieden widersprechen. Irgendwann zwischen diesem Stadium vor dem ersten Teilungsschritt und der Geburt (vor der Geburt, das allerdings ist unstreitig) war das Entwicklungsstadium erreicht, von dem ab die »Menschlichkeit« des selbständig noch immer nicht lebensfähigen Kindes vorauszusetzen war (auch wenn dieses Kind noch kein Bewußtsein, geschweige denn ein Bewußtsein seiner selbst hatte). Eine scharfe, eindeutig bestimmbare Grenze gab es nicht. Der Übergang war fließend.

Man sieht, worauf ich hinaus will: Wenn irgend jemand die Entwicklung an einem Punkt unterbrochen hätte, der eindeutig vor diesem Übergang lag, dann hätte er damit zwar die Möglichkeit meiner personalen Existenz vernichtet, aber nicht diese selbst (die es noch gar nicht gab). Er hätte, noch deutlicher, nicht einen Menschen getötet, sondern die Voraussetzung seiner noch in der Zukunft liegenden Existenz beseitigt. Wohlgemerkt, ich behaupte keineswegs, daß das eine Handlung ohne Belang gewesen wäre. Ich behaupte jedoch, daß es eine unzulässige polemische Aufbauschung ist, die Unterbrechung in dieser frühen Phase allen Ernstes als »Mord« hinzustellen, und ein Beispiel abstoßender Demagogie, ihre unstreitig problematische Verbreitung in unserer Gesellschaft in die Nähe des Grauens von Auschwitz zu rücken.

Die vatikanische Sprachregelung geht inzwischen darüber noch hinaus: Selbst die bloße Verhütung des Eintritts einer Schwangerschaft wird neuerdings schon einer mörderischen Handlung gleichgesetzt. Ende 1988 erklärte der Leiter des päpstlichen »Instituts für Studien über Ehe und Familie«, Monsignore Caffara: »Wer Verhütungsmittel benutzt, will nicht, daß neues Leben entsteht, weil er ein solches Leben als Übel betrachtet. Das ist dieselbe Einstellung wie die eines Mörders, der es als ein Übel ansieht, daß sein Opfer existiert.« Wer sich zu solch maßlosen Begriffskonstruktionen hinreißen läßt, weckt Zweifel an seinen Motiven. Er muß sich fragen lassen, ob es ihm wirklich allein um eine verantwortungsvolle Klärung des Problems geht. Oder ob sich hinter dieser Tendenz zu hemmungsloser Emotionalisierung nicht vielleicht die listige Absicht verbirgt, die Gesellschaft durch die Mobilisierung kollektiver Schuldgefühle dem eigenen Führungsanspruch gegenüber willfähriger zu machen. Den Schwangeren wird auf diese Weise jedenfalls nicht geholfen, und dem Schutz der Ungeborenen (dem die ganze Kampagne angeblich gilt) ist unter den obwaltenden Bedingungen der sozialen Realität auf diese Weise nicht gedient.
[...]
Sosehr mir der Gedanke an eine vorzeitige Beendigung meiner bewußten Existenz zuwider sein mag, sowenig erschrecke ich bei dem Gedanken an die Möglichkeit, nicht geboren zu sein. Das »Nichts« gar nicht erst zu verlassen, in das man ohnehin zurückkehren muß, dieser Gedanke enthält für mich weder Schrecken noch ein Bedauern.

Wem das nicht selbstverständlich vorkommen will, der führe sich in einer ruhigen Stunde vor Augen, wie unendlich viele Möglichkeiten seines Lebens unverwirklicht geblieben sind, wie – relativ – winzig die Auswahl der seine Lebenswirklichkeit ausmachenden Erfahrungen ist, wenn man sie an der Zahl der Möglichkeiten mißt, die unrealisiert geblieben sind. Mit vollem Recht verschwenden wir auf sie in aller Regel keinen Gedanken. Es kommt uns nicht in den Sinn, das Nichtvorhandensein von Freundschaften zu bedauern, die wir niemals geschlossen haben, oder das Fehlen von Erinnerungen an berufliche Tätigkeiten, die wir nie ausgeübt haben, weil wir uns für andere Interessen entschieden haben (oder weil eine bestimmte Lebenssituation uns keine andere Wahl ließ). Grundsätzlich anders kann unsere Einstellung auch nicht ausfallen angesichts des völlig irrealen Konzepts eines »nicht gelebten Lebens«.
Man bedenke nur für einen Augenblick die Konsequenzen, die sich andernfalls ergäben, dann nämlich, wenn wir das legitime Interesse von Nichtgeborenen daran zu unterstellen hätten, »auf die Welt zu kommen«. -->
--> (Fortsetzung)

Für uns alle ergäbe sich daraus die moralische Verpflichtung, so viele Kinder wie irgend möglich in die Welt zu setzen, unaufhörlich, mit allen Mitteln, auch mit denen, die die medizinische Technik neuerdings zu diesem Zweck anbietet. Jede andere Aktivität hätten wir dieser Pflicht zuliebe zurückzustellen. Das wäre das – auch in diesem Falle unerfüllbare – moralische Postulat. Zu den vielen Skrupeln unseres Gewissens würde sich die permanente Sorge, ach was: die quälende Gewißheit gesellen, daß es uns ungeachtet aller noch so großen Anstrengungen niemals möglich wäre, allen Ungeborenen, die danach verlangten und Anspruch darauf hätten, zum Leben zu verhelfen.

Dies wären, unwiderlegbar, die abstrusen Konsequenzen, wenn es sich bei der Annahme eines legitimen Anspruchs Ungeborener auf »Geborenwerden« nicht um ein in jeder – logischen, existentiellen und moralischen – Hinsicht fiktives Konstrukt handelte. Man muß es der Verdeutlichung halber in so zugespitzter Form ausmalen. Der vehementen Polemik mancher, vor allem katholischer, Kreise gegen jegliche Form einer »Familienplanung« scheint dieses irreale und gewaltsame Konstrukt nämlich zugrunde zu liegen. Denn diese streiten gegen die Zulässigkeit der Empfängnisverhütung mit denselben Argumenten, mit der gleichen Unerbittlichkeit wie gegen die Unterbrechung einer Schwangerschaft. Ich kann aber beides nur dann im selben Atemzug, mit denselben Gründen zur Todsünde erklären, wenn ich – ob explizit oder stillschweigend – davon ausgehe, daß es ein Unglück ist, nicht geboren zu werden. Offensichtlich sogar ein durch keine andere Form des Elends überbietbares Unglück. Wie sonst wäre es zu begreifen, daß die aus derselben Ecke zu vernehmenden Bekundungen der Entrüstung soviel leiser ausfallen, wenn es um die Tatsache geht, daß infolge der bestehenden wirtschaftlichen und politischen Weltordnung, also von uns mitzuverantwortenden, in den Armutsregionen der sogenannten Dritten Welt Tag für Tag 40 000 Kinder elendiglich an Hunger sterben (und vierzig Millionen Menschen jährlich insgesamt)? Ist also das Unglück, nicht geboren zu werden, soviel größer, daß unsere Verantwortung den Nichtgeborenen gegenüber noch schwerer wiegt, als sie es gegenüber den Geborenen ist, die, nicht ohne unsere schuldhafte Mitbeteiligung, millionenfach an Hunger zugrunde gehen?

Es wäre hilfreich – nicht zuletzt auch für sie selbst –, wenn die Gegner einer Empfängnisverhütung oder »Geburtenkontrolle« diese ihre unausgesprochene Hypothese als eine der logisch unvermeidlichen Voraussetzungen ihres Widerstandes einmal aus dem Dämmer des Unbewußten emporholten und kritisch betrachteten. (Sie sollten dabei auch auf keinen Fall versäumen, uns darüber aufzuklären, wie wir uns die Wesenheit eigentlich genauer zu denken haben, die im Falle der Verhütung einer Schwangerschaft von diesem Unglück betroffen ist.) Hier gibt es, scheint mir, wahre Berge an archaischen, magisch-mythischen Vorstellungen, die abzutragen wären, bevor das – ich wiederhole: ohne jeden Zweifel gravierende – Problem sinnvoll durchdacht und diskutiert werden könnte.<<

https://www.facebook.com/notes/hoima...04197980200
Der Papst vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord:
www.sz.de/1.4163952

>>Papst Franziskus hat Abtreibung mit Auftragsmord verglichen. "Einen Menschen zu beseitigen ist wie die Inanspruchnahme eines Auftragsmörders, um ein Problem zu lösen", sagte der Papst bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Seine Predigt befasste sich mit dem biblischen Tötungsverbot. "Wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?", fragte er.<<
Ich bin völlig deiner Meinung. Nur eines ist leider auch eine Tatsache. Da es heute möglich ist, einige Krankheiten und Defekte problemlos in den ersten Schwangerschaftswochen festzustellen, werden die Frauen, die ein behindertes Kind erwarten, so sehr unter gesellschaftlichen Druck gesetzt, das "wegzumachen", dass die meisten, auch wenn sie zunächst den Willen hatten, dieses Kind doch auszutragen, resignieren.
Heidi wize.life-Nutzer
Frauen, die ein behindertes Kind austragen möchten, können das auch heute noch tun, denn sie werden zu keinem Schwangerschaftsabbruch gezwungen.

Frauen haben heutzutage den Vorteil der WAHLMÖGLICHKEIT, auch wenn es Menschen in ihrem Umfeld gibt, die ihnen zu einem Schwangerschaftsabbruch raten und sie letzten Endes damit unter Druck setzen.

Aber, eine Frau, die KEIN behindertes Kind haben will, ist diesem Schicksal heutzutage nicht mehr wie früher AUSGELIEFERT und das halte ich für einen sehr großen sozialmedizinischen Fortschritt.
Frank, ich weiß sicher besser als jede andere, wie die Gesetzeslage ist, denn ich habe einen 13-jährigen Enkel mit Down-Syndrom.
Natürlich hätte meine Tochter auch die Möglichkeit gehabt, die Fruchtwasseruntersuchung zu machen und abzutreiben - hat sich aber bewusst dafür entschieden, das Kind auf das sie lange hat warten müssen, auszutragen, ganz gleich, wie und was es ist.
Selbst ich als Großmutter habe mir die bittersten Vorwürfe von "wohlmeinenden" Bekannten anhören müssen und sie hat anonyme Mails folgenden Inhalts bekommen: "Brut nichts geworden - weg damit."
Meine Beobachtung ist, dass die Abtreibung von vielen so gesehen wird, dass man nur noch das Designer-Kind haben will, selbst das "falsche" Geschlecht wird schon abgetrieben - und wer "Pfusch" zur Welt bringt, wird ausgegrenzt.
Wer es nicht schafft, die Belastung, die ein behindertes Kind verursacht, zu ertragen, soll die Wahlmöglichkeit haben - aber jene Familien, die ein solches Kind austragen und großziehen verdienen allerhöchste Achtung und nicht Spott und Vorwürfe.
wize.life-Nutzer, es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn sich eine Frau, wie zum Beispiel deine Tochter, FÜR ein Kind mit Trisomie 21 entscheidet.

Aber es ist auch überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn sich eine Frau GEGEN ein behindertes Kind entscheidet und die Schwangerschaft deshalb abbricht.

Dies war früher nicht möglich, weil es eine pränatale Diagnostik nicht gab und der § 218 in Deutschland erst seit 1976 in Form der Fristenlösung liberalisiert wurde.

Anm.: Dass deine Tochter, wegen ihrer Entscheidung für ein behindertes Kind, mit Dreck beworfen wurde, ist natürlich sehr bedauerlich.
Dem habe ich doch gar nicht widersprochen...
Dann ist ja alles klar, wize.life-Nutzer und wir sind ganz offensichtlich einer Meinung, nämlich dass Frauen, nach der entsprechenden pränatalen Diagnostik, sich entweder FÜR oder GEGEN ein behindertes Kind entscheiden DÜRFEN.
wize.life-Nutzer, deine sehr ausführlichen Denkanstöße zur "Streitfrage Abtreibung" sind sehr interessant, lösen aber leider das Problem nicht, denn es wird immer Menschen bzw. Interessengruppen geben, die den Zeitpunkt eines schützenwerten Lebens absolut kontrovers sehen.

Unstrittig dürfte sein, dass ein Leben unmittelbar nach der Geburt absolut schützenswert ist.

Strittig ist, ab wann Leben bzw. entstehendes Leben schützenswert ist.

Diese Frage lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit beantworten und wird immer kontrovers diskutiert bleiben.

Letzten Endes entschied 1976 in Deutschland ein parlamentarischer Demokratie-Prozess, d.h. die parlamentarische Mehrheit darüber, ab wann das ungeborene Leben schützenswert ist und diese Zeitgrenze ist die 12. Schwangerschaftswoche (Fristenlösung).

Anm.: Diese Entscheidung, nach dem Prinzip der Mehrheit, bedeutet aber nicht, dass in Deutschland bestimmte (vorwiegend religiöse) Interessengruppen nicht gegen diese Fristenlösung demonstrieren dürfen, was ja auch geschieht und diese Form der Uneinigkeit muss eine Demokratie auch aushalten (können), solange die Streitigkeiten nicht mit militanten Mitteln durchgeführt werden.
>>Strittig ist, ab wann Leben bzw. entstehendes Leben schützenswert ist.
Diese Frage lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit beantworten ...<<

Unstrittig ist, das diese Frage für viele Lebensbereiche zeitgemäß und im Konsens beantwortet werden muss.
Unstrittig ist für mich ebenso meine Erleichterung, dass ich nicht zu den Entscheidern / Beantwortern gehöre. Ich wäre dazu --vielleicht-- rational in der Lage, nicht jedoch emotional ...
Zitat wize.life-Nutzer:
>>> Unstrittig ist, das diese Frage für viele Lebensbereiche zeitgemäß und im Konsens beantwortet werden muss. <<<
___________________________

Diese Frage wurde im demokratischen KONSENS beantwortet und zwar mit der Liberalisierung der Schwangerschaftsunterbrechung durch die Fristenlösung von 1976.
nun ja, bleibt die Frage, ob "1976" noch zeitgemäß ist ... nur mal so ein Einwurf, ich weiß es auch nicht.
wize.life-Nutzer
Wenn es eine bessere Lösung gibt, dann kann sie ja öffentlich diskutiert werden und wenn eine solche NEUE Lösung eine parlamentarische Mehrheit findet, dann wird die Fristenlösung, vielleicht durch eine zeitgemäßere, ersetzt.

In einer Demokratie ist zwar nicht alles möglich, aber die zeitgemäße Anpassung/Veränderung von gesetzlichen Regelungen schon.

Übrigens, wer die Fristenlösung für schlecht hält, muss sie ja nicht anwenden, denn keine Frau wird dazu gezwungen ihre Schwangerschaft NICHT auszutragen.
Unstrittig ist wohl auch, dass die Kirchen, besonders die katholische, die von einer Altmänner-Riege geführt wird - in Bezug auf einen Schwangerschaftsabbruch über keinerlei Kompetenz verfügen. Sie sollten sich also in dieser Frage nicht aufblasen.

Ansonsten bringen sie Schwangere nur unnötig in Gewissensnöte.
Richtig! ...und dass der Oberhirte der Katholiken den gesetzlich geregelten Schwangerschaftsabbruch als AUFTRAGSMORD bezeichnet, ist ein Skandal!
Obwohl ich von Franziskus viel erwartete, bin ich darüber auch entsetzt.
Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
wize.life-Nutzer
Der viel zu früh gelobte Reform-Papst Franziskus hat sein wahres Gesicht gezeigt.

Es reicht es eben nicht mit einem Renault durch Rom zu fahren, denn wirkliche Reformen sehen anders aus.

Papst Franziskus ist ein guter Schauspieler, aber was die Erneuerung der Kirche betrifft ist er eine herbe Enttäuschung* und "Frauen in Not" scheinen für ihn der letzte Dreck zu sein, denn sonst hätte er sie nicht so krass beleidigt.

Ich weiß schon weshalb ich mit diesem scheinheiligen Altherren-Verein nichts (mehr) zu tun haben möchte!

*wenn nicht gar ein glatte Fehlbesetzung
Leider gibt es in Deutschland - wie die Kandidaten für den CDU-Vorsitz zeigen - noch immer eine Menge Leute, die Dinge wie Schwangerschaftsabbruch und Homo-Ehe öffentlich ablehnen. Und zwar wegen eines "heiligen" Buches, das die Sexualmoral vor ein paar Jahrtausenden beschreibt.
Von AKK bin ich diesbezüglich enttäuscht, sie schien mir noch die akzeptabelste Kandidatin zu sein. Als die Homo-Ehe legalisert wurde, hat Frau Merkel zwar auch "Bauchschmerzen" gehabt (oder geheuchelt? aus Rücksicht auf "Konservative"?).

Der Herr Spahn ist wohl auch nur deswegen nicht gegen die Homo-Ehe weil er selber mit einem Mann verheiratet ist.
wize.life-Nutzer
Es wird immer Menschen und damit auch Politiker geben, die die aktuelle gesetzliche Regelung des Schwangerschaftsabbruch oder die Homo-Ehe ablehnen und das ist auch ihr gutes Recht, solange sie nicht, wie der Papst, Frauen öffentlich als Auftragsmörderinnen beschimpfen, denn das diffamiert und diskreditiert alle Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen.

Anm.: Man darf auch "NEIN" zum Schwangerschaftsabbruch oder zur Homo-Ehe sagen, zumindest in einem demokratischen Staat.
Nicht nur beim Schwangerschaftsabbruch und Homoehe.
Irgendwie scheinen sich Weltsichten allgemein, und bei 'öffentlichen Personen' im besonderen, gefühlt zurück zu entwickeln, in eine Zeit verminderter Aufklärung. Vielleicht ist es nur scheinbar, aber die vielen öffentlichen Bekenntnisse vergangener Jahre beunruhigen mich doch ... nicht immer, aber immer öfter ...
Und das in Zeiten vermehrter und zunehmender Informationsverfügbarkeit! Vermutlich verführt die angebotene Informationsfülle dazu, sich resigniert in seiner übersichtlichen Erkenntnis-'Blase' (wie es jetzt neudeutsch heißt) abzukapseln.
(leider ertappe ich mich gelegentlich selbst dabei )
Richtig wize.life-Nutzer, der Schwangerschaftsabbruch und die Homo-Ehe sind nur zwei Beispiele von vielen, bei denen es klar wird, dass in der Gesellschaft keine Einigkeit in der Bewertung besteht.
Selbstverständlich darf man als Politiker für oder gegen alles mögliche sein, auch gegen Schwangerschaftsabbruch und Homo-Ehe (und Sterbehilfe).

Man sollte es aber auch begründen können, man sollte Für und Wider abwägen können. Wem schadet es? Wem nützt es?

Wenn das "Wider" nur in einem unbestimmten Gefühl besteht oder gar nur darin, dass etwas in einem alten Buch abgeleht wird, sollte man sich auch als Politiker überlegen, welches Gewicht solche Argumente haben. Politik mag ja viel mit Emotionen zu tun haben, ein bisschen Vernunft sollte trotzdem sein.

Wer Politiker wählt, die Schwangerschaftabbruch und Homo-Ehe ablehnen - etwa sogar, WEIL sie da tun - sollte sich einmal Gedanken darüber machen, wieso er meint, anderen Menschen etwas verbieten zu dürfen, was ihn nicht das Geringste angeht.

Eine Rückentwicklung, "in eine Zeit verminderter Aufklärung", vermag ich nicht zu erkennen, jedenfalls nicht in der einheimischen Bevölkerung. Klar, es gibt da noch Viele, denen der Religionsunterricht derart zu Kopfe gestiegen ist, dass sie ihren geistlichen Führern alles unbesehen abkaufen. Und die Kirchenleute blockieren natürlich mit aller Kraft jegliche diesbezügliche Veränderungen.

Auch in anderen Staaten beobachtet man, dass diese Meinungen auf dem Rückzug sind. Sogar in erzkatholischen Ländern wie Polen oder Irland nimmt ihr Einfluss immer mehr ab. Das Verbot der Ehescheidung wurde da doch erst kürzlich aufgehoben - was hier schon fast unvorstellbar ist. Andere Länder sind schon weiter als wir, etwa Luxemburg oder die Schweiz, was aktive Sterbehilfe betrifft. Der Trend geht in die richtige Richtung.
wize.life-Nutzer
Es gibt so gut wie keine Politiker, die ihre Meinungen/Entscheidungen NICHT begründen. Allerdings stimmen nicht alle mit den Meinungen/Interessen anderer (Politiker) überein und das hängt meistens mit unterschiedlichen (moralischen) Wertesystemen zusammen.

Letzten Endes siegt im Parlament (und damit in unserer Demokratie) die PARLAMENTARISCHE Mehrheit und das hat sich in der Vergangenheit zum Beispiel beim Eherecht, Schwangerschaftsabbruch, der Bewertung der Homosexualität, der Einführung der "Ehe für alle" und in der Sterbehilfe (usw.) niedergeschlagen.

Das Mehrheitsprinzip im Parlament bedeutet aber nicht automatisch, dass es dafür auch Mehrheiten in der Gesellschaft gibt, denn die Zusammensetzung des Parlaments ist nicht unbedingt repräsentativ für die gesamte Gesellschaft und Interessengruppen.

Eine (leider) immer noch sehr wichtige Interessengruppe sind die Kirchen, die eine sehr starke (politische) Lobby darstellt und damit bestimmte Politiker und Teile der Gesellschaft beeinflussen und damit das ÖFFENTLICHE (moralische) Wertesystem prägen.

Das war mal erheblich ausgeprägter, als die Staaten noch von der Kirche DOMINIERT wurden. Das ist zwar schon lange her, aber Reste von diesem Kirchen-Einfluss sind auch heute noch deutlich erkennbar, zumindest in Demokratien, die nicht laizistisch (wie in Frankreich), sondern nur säkular (wie in fast alle Westeuropäischen Staaten) organisiert sind.
"Es gibt so gut wie keine Politiker, die ihre Meinungen/Entscheidungen NICHT begründen"

Ich präzisiere: "... die ihre Meinungen VERNÜFTIG begründen"

Der Veweis auf irgendwelche Moralvorstellungen ist keine vernüftige Begründung.
wize.life-Nutzer
Deshalb habe ich "moralisch" ja auch in Klammern gesetzt, weil es nicht nur moralische Wertesysteme gibt.

Welche Meinungen "VERNÜNFTIG" sind oder nicht, dürfte unterschiedlich beurteilt werden und was DU oder ICH als vernünftig bezeichnen, können andere als unvernünftig bewerten.

Wie gesagt, letzten Endes geben Mehrheiten den Ausschlag wie mit einem Anliegen zu verfahren ist. Das kann für viele einem vernünftigen Vorgehen entsprechen, anderen aber nicht.

Man hat sich in unserem Gesellschaftssystem darauf geeinigt, dass die MEHRHEIT entscheidet (z.B. was vernünftig ist) und das halte ich auch für eine VERNÜNFTIGE Lösung, andere wiederum halten das für nicht vernünftig.

Anm.: Der Verweis auf Moralvorstellungen kann (gesellschaftlich) durchaus vernünftig sein. Beispiel: Homosexuelle dürfen aufgrund ihrer sexuellen Präferenz nicht kriminalisiert werden.
Sicherlich: politische Entscheidungen können nicht NUR aufgrund rationaler Überlegungen getroffen werden.
Andererseits gibt es ja einen gesellschaftlichen Konsens über gewissen Dinge, von dem man ausgehen kann. So z.B., dass niemandem grundlos Leid zugefügt werden sollte. Oder das es niemanden etwas angeht, was wir mit dem Inhalt unserer Unterhose anstellen.
Daraus kann man vernünftigerweise schliessen, dass sowohl die Homo-Ehe wie auch der Schwangerschaftsabbruch und auch aktive Sterbehilfe vom Staat nicht aus grundsätzlichen Gründen hintertrieben werden sollten.

In dieser Richtung sollte also Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Dass letztendlich die Mehrheit entscheidet, ist unbestritten.
Eben... so isses.

Anm.: die aktive Sterbehilfe nicht mit der passiven Sterbehilfe oder der assistierten Sterbehilfe verwechseln, denn die aktive Sterbehilfe ist unter allen Umständen verboten und wird mit Gefängnisstrafen sanktioniert, während die passive und assistierte Sterbehilfe grundsätzlich erlaubt sind.
"..die aktive Sterbehilfe ist unter allen Umständen verboten.."

Das ist eben das, was m.E. geändert werden sollte.

Wer sich aus freien Stücken entscheidet, aus dem Leben zu scheiden sollte nicht auf so unwürdige Methoden wie das "sich-vor-den Zug-werfen" angewiesen sein.
Jedermann wünscht sich doch einen schmerzlosen Tod.

Dafür braucht man Profis, die dieses Geschäft gekonnt erledigen.
Wie man bei den Tierärzten sieht, ist das wohl gar nicht so schwer: ein Pieks, einschlafen und nicht mehr aufwachen. Fertig.

Warum sowas verbieten?

Klar, es müssten Regelungen her, damit nicht jeder Jüngling mit Liebeskummer diesen Weg gehen kann. Also Bedenkzeit, medizinische Begründung etc.

Aber ein generelles Verbot ist m.E. nicht gerechtfertigt.
wize.life-Nutzer
Die assistierte, die passive und die indirekte Sterbehilfen sind ja NICHT verboten, sondern grundsätzlich ERLAUBT.

Weißt du denn was AKTIVE Sterbehilfe bedeutet? ich glaube nicht, und diese Form der Sterbehilfe ist aus gutem Grund verboten! ...wir brauchen sie auch nicht, um Menschen, die aus guten Gründen sterben wollen, beim Sterben zu helfen/zu assistieren.
"Weißt du denn was AKTIVE Sterbehilfe bedeutet?"

Ich stelle mir das so vor:
Wer sein Leben beenden möchte, muss ein gewisses juristisches und medizinisches Verfahren durchlaufen. Ist die aktive Sterbehilfe dann genehmigt, spaziert er zu einem Sterbehelfer, krabbelt praktischerweise gleich in seinen Sarg, er bekommt eine Spritze oder auch was zu trinken und schläft selig ein. Ein Arzt stellt den Tod fest, der Sargdeckel kommt drauf und der Bestatter fährt in zur Leichenhalle. Dann weiter wie immer.

Wenn der Sterbewillige nicht in der Lage ist, zum Sterbehelfer zu gehen (das wird eher die Regel sein als die Ausnahme) macht der Sterbehelfer auch Hausbesuche.

Ach ja: bezahlt werden muss im Voraus...

Ich finde ein solches Verfahren jedenfalls viel humaner als das jetzt praktizierte langsam-zu-Tode-vegetieren-lassen unter starken Schmerzmitteln. Wozu dieser Umweg?
wize.life-Nutzer, du hast keine Ahnung, denn es gibt inzwischen viele Sterbende, die nicht "langsam zu Tode vegetieren"müssen. Es gibt heute die assistierte Sterbehilfe, die passive Sterbehilfe und die indirekte Sterbehilfe, die alle erlaubt sind und der die Ärzte, ambulant oder im Krankenhaus, auch nachkommen.

Wenn du meinen Artikel über die reformierte Sterbehilfe in Deutschland (2015) gelesen hast, wirst du erkennen, dass es zwar leider noch Probleme mit der ärztlichen Ausübung der ASSISTIERTEN Sterbehilfe gibt, dass sie aber gesetzlich NICHT verboten ist und in Deutschland auch praktiziert wird.

Du kennst den wesentlichen Unterschied zwischen AKTIVER und ASSISTIERTER Sterbehilfe nicht, deshalb sind Unterhaltungen & Diskussionen über die Sterbehilfe leider oft etwas anstrengend und vor allem unergiebig, aber ich kann dir versichern, dass man die VERBOTENE aktive Sterbehilfe gar nicht braucht um deine oben beschriebenen Probleme zu lösen, denn den gleichen Effekt erreicht man auch mit den NICHT verbotenen Formen der Sterbehilfe.
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