Funktionen der Sprache

Beitrag von wize.life-Nutzer

Funktionen der Sprache

Die Entstehung der Sprache ist ebenso umstritten wie die Entstehung des Universums. Wann fingen Menschen an, miteinander sprachlich zu kommunizieren? Lässt sich ein Miteinander ohne Sprache vorstellen, das nur aus visuellen und haptischen Reizen besteht?

Rudolf Steiner stellte sich Frauen als Sprachschöpfer vor, die abends am Feuer saßen und ihre Gefühle durch Vokale äußerten … „oh“ …. „ah“ ...Warum nur Vokale? Weil der Sprechvorgang auf keine Hindernisse stößt, wie das bei Konsonanten durchweg der Fall ist.
Sagt jemand voller Bewunderung oder Überraschung „oh“, so kann die Luft mühelos den Mundraum verlassen.

Sicher spielen G e f ü h l e bei der Entstehung von Sprache eine ganz entscheidende Rolle. Man wollte sich von ihnen einfach befreien; das war eine erste spezielle Information.

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Sprache ist akustische Übermittlung von Informationen, die sich, abhängig von Inhalt und Absicht des Sprechers - f o r m a l unterscheidet.
Man spricht dabei von Textsorten.

In der Literatur werden Prosa, Drama und Lyrik unterschieden, wobei jeder seine ganz eigene Affinität zu einer bestimmten sprachlichen Form zu haben scheint.
Bei mir waren es von allem Anfang an GEDICHTE.

Mein erstes Gedicht entstand , als ich mich im Winter 1945 durch die Flucht aus Bromberg von einem Hund trennen musste.
Ich höre noch heute das Winseln des Hundes, der in den Lastwagen springen wollte und vom Stiefel des SS-Mannes getroffen wurde.
Da schrieb ich mein erstes „Gedicht“.

Später, wenn das Leben zur Feier wurde oder ein Feuer gelöscht werden musste, entstand ein Gedicht, holprig, mit Reimen oder ohne, mitunter ein Loblied, ein Liebeslied oder eine böse Karikatur.

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Als ich Philologie als Studienfach wählte, traten immer häufiger englische, deutsche und lateinische Gedichte in mein Leben. Als wir schließlich auch noch das altenglische Drama Beowulf in Versform lesen mussten – Prof. Flasdiecks sprachhistorisches Interesse war nicht nur berühmt, sondern auch berüchtigt - , stellte ich fest, dass mich die formalen Elemente, Stil, Metrum, Rhythmus, Reime, besonders interessierten.
Meine Zulassungsarbeit zum Staatsexamen schrieb ich natürlich über einen „metaphysical poet“ und später erweiterte ich das, indem ich die Metaphorik von Andrew Marvells Liebesgedichten näher untersuchte.

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Warum entstehen überhaupt Gedichte? Es gibt natürlich immer einen Anlass, meist ein extrem starkes Gefühl positiver oder negativer Färbung.
Wize.life – damit meine ich ganz speziell die seelischen Hochs, die man durchaus hier erleben kann, aber auch die tiefen Erschütterungen – hat mich entdecken lassen, dass das Schreiben von Gedichten eine starke therapeutische Komponente haben kann. Überhaupt ist so ein „brodelnder Gefühlskessel“ wie wize.life ein Energiereservoir für Menschen, die diese Energie spüren und umsetzen können.

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Eine Erinnerung an eine Waldfreizeit:
Es gab da einen jungen Förster, der beide Augen im Krieg verloren hatte. Aber er erkannte alle Vögel an ihrem Sprech-Gesang!

Wie jemand mit Sprache umgeht, sorgsam oder schlampig, sparsam oder großzügig oder gar opulent – sagt viel über den Menschen aus.
Nicht alles natürlich, denn Sprache ist nur ein geistig-seelisches Instrument. Auch der Körper hat seine Sprache, seinen Gang, seine Gesten, seine Mimik. Die Sprache eines Balletttänzers kann eindringlicher und faszinierender sein als die eines brillanten Rhetorikers.

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