Paracelsus, der Ketzer der Medizin

Beitrag von wize.life-Nutzer

Man weiß wenigstens die Namen, die Paracelsus als Kind hatte: Theophrastus Bombastus Aureolus Philippus von Hohenheim.
Sonst ranken sich Gerüchte und Vermutungen um seine Kindheit, auch sein Geburtstag ist unbekannt. 1493/94 scheinen möglich zu sein.

Der junge Theophrastus besucht die Klosterschule bei Villach. Seine Mutter scheint zu diesem Zeitpunkt schon gestorben zu sein. Sein Vater, Wilhelm von Hohenheim (1457-1534, der außereheliche Sohn des damaligen Großmeisters des Johanniter-Ordens, war Arzt, liebte seinen Beruf und hatte wohl den größten Einfluss auf seinen Sohn. Paracelsus selber äußert sich später voller Dankbarkeit seinem Vater gegenüber.
Das Adelsgeschlecht der Bombaste von Hohenheim stammte ursprünglich aus Schwaben, wo die Familie nahe Stuttgart ihren Sitz hatte.

xxx

Sehr früh wird Theophrastus seinen Vater bei Krankenvisiten begleitet haben. Sicher hat er auch mit ihm Kräuter gesammelt und zu einem bestimmten Arzneimittel verarbeitet.
In der Benediktiner-Abtei Sankt Paul, ihrer Klosterschule, wird er als Schüler unterrichtet. Die Themen waren Gott, Mensch und Natur, Alchemie, Magie und Astrologie.
Außerdem besuchte er die Bergschule, in der sein Vater chemisches und metallurgisches Wissen lehrt.

Von 1507- 1511/12 besuchte Theophrastus als Medizinstudent/Gasthörer verschiedene Universitäten, darunter Tübingen, Heidelberg …. Wien, auch Wittenberg, wo er Luther hört.
Es ist anzunehmen, dass er nach den 3 Jahren Studium an der Universität Wien den untersten akademischen Grad erworben hat (Bakkalaureat). Grundlage in der Medizin war damals die 4-Säfte-Lehre des Galenus (129-199 n.Chr.), die Urinschau, das Ausbrennen der Wunden und das Aufschneiden von Geschwüren.
Aber Theophrastus wollte auch fortschrittlichere Anschauungen kennenlernen und beschäftigte sich mit den „Aphorismen“ des Hippokrates. Auch die „Franzosenkrankheit“ (Syphilis) interessierte ihn.
1516 beschließt er das 3-jährige Studium an der Universität Ferrara mit der Promotion.

Das alles genügt ihm aber nicht, er geht auf Wanderschaft. Von 1516 – 1524 ist er unterwegs, um die Medizin des einfachen Volkes kennen zu lernen wie Luther „dem Volk aufs Maul zu schauen“ . Lissabon, Spanien, England, Litauen, Polen, Ungarn, Walachei, Siebenbürgen … sind einige Stationen.
Er arbeitete als Arzt und lernte gleichzeitig hinzu. Nicht immer gefiel das den ansässigen Ärzten, besonders in Paris machten ihm die Ärzte das Leben zur Hölle.

1524 kommt er endlich von all diesen Reisen zurück nach Villach, in seine Heimat, wo er den Vater besucht., der immer noch seinen ärztlichen Pflichten nachgeht

In Salzburg richtet er sich nun eine Praxis ein und beginnt, seine Erfahrungen niederzuschreiben. Doch schon nach wenigen Monaten muss er die Stadt verlassen.
1526 ist er in Straßburg und lässt sich dort nieder.
1527 erreicht ihn ein Bittbrief eines weithin bekannten Verlegers, Johannes Froben aus Basel. Man hat ihm gesagt, sein Bein müsse amputiert werden. Theophrastus gelingt es, ihn zu heilen! Diese medizinische Meisterleistung bestimmt fortan sein Leben.
Daraufhin erhält er ein Schreiben des berühmten Philosophen Erasmus von Rotterdam, der ständig kränkelt. Theophrastus diagnostiziert Nierensteine. Die Erkenntnis, dass es solche Rückstände im Organismus gibt, stellt eine seiner wichtigsten Leistungen dar,
Von Basel erhält er nun das Angebot, die Stelle eines Stadtarztes zu übernehmen, was ihm auch die Möglichkeit geben würde, an der Universität zu lehren. Er lehrt in lateinischer, aber auch deutscher Sprache, was natürlich ein Bruch mit der Tradition ist. Man nannte ihn deshalb auch den „Ketzer der Medizin“ – in Anlehnung an Luther.

Als er am 24.6.1527 ein medizinisches Kompendium ins Feuer wirft, wird das als Provokation empfunden. Als er darüber hinaus auch die Missstände an den Apotheken attackiert, verliert er überall den Rückhalt.

Was bleibt, sind 13 Jahre Wanderschaft. Gleichzeitig schreibt er alles auf, was er in all den Jahren an Erfahrungen gemacht hat. Er fordert die Ärzte auf, das Wirken der Natur in ihrer Gesamtheit zu verstehen und die Einflüsse der Umwelt und des Kosmos in ihre Überlegungen mit einzubeziehen. Was man spürt, ist seine Hingabe, seine Gewissenhaftigkeit.
Daneben entstehen 14 Bände, die seine theologischen und religiösen Auffassungen enthalten.

xxx

Äußeres und inneres Leben sind bei Paracelsus untrennbar miteinander verwoben. Nie unterwirft er sich einer Autorität, sondern versucht, sich ein eigenes Bild zu machen. Theoretische Erörterungen sind unzureichend, er ergänzt sie durch Erfahrungen. Details akribisch achtend, sucht er dennoch immer den ganzen Menschen, eingebettet in seine soziale und kosmische Situation.

Ein ebenso berühmter wie unverstandener Mensch, der dennoch zu den ganz großen Persönlichkeiten der europäischen Kultur gehört.

Ernst Kaiser, „Paracelsus“ (rororo, 1969)
Helmut Werner, „Paracelsus, okkulte Schriften“, o.J.

© ez