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Orientierungsdebatte im Bundestag zur Organspende

Von wize.life-Nutzer - Donnerstag, 29.11.2018 - 04:43 Uhr

"Bei Organspenden werden menschliche Organe für eine Transplantation zur Verfügung gestellt. Lebendspenden sind bei Nieren und Leber gängige Praxis, bei Gebärmüttern sind solcherartige Spenden in der Experimentalphase. Lebendspenden sind neben der Zustimmung des Spenders oft noch an weiterreichende Bedingungen gebunden.
Die Entnahme von Organen wie Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm wird nur post mortem vorgenommen. Gesetzliche Voraussetzung dafür ist meist die eindeutige Feststellung des Hirntodes, in einigen Ländern ist auch das Herztodkriterium notwendig. Darüber hinaus konkurrieren aus rechtlicher Sicht grundsätzlich Widerspruchs- und Zustimmungsregelungen.
Von der Organspende im engeren Sinn abgegrenzt werden Gewebespenden (z. B. von Hornhaut), Blutspenden, Knochenmarkspenden (Blutstammzellenspende) und Spenden von vaskularisierten Gewebekomplexen (z. B. bei Hand- oder Gesichtstransplantationen)."

(Quelle: Wikipedia)

7 Kommentare

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Ohne Widerspruchslösung (wer nicht widerspricht ist potentieller Organspender) werden wir kein vernünftige Zahl an Spendenorganen erhalten.
Da könnten die Kirchen mal mithelfen: Bereitschaft zur Organspende ist ein Akt der "Nächstenliebe". Wer lieber mit seinen noch brauchbaren Organen verfaulen möchte ist ein Egoist.
wize.life-Nutzer
Ob wir mit der Widerspruchslösung die Zahl der Organspenden steigern können, ist nicht sicher! ...es könnte sogar sein, dass die Organspenden, aus Protest der Bürger gegen die Widerspruchslösung, sogar abnehmen.

Es gibt viel effektivere Stellschrauben um die gespendeten Organzahlen zu erhöhen, und das weiß der Gesundheitsminister Spahn auch.

Ganz abgesehen davon, nach geltendem Medizinrecht* erfüllt jeder ärztliche Eingriff den Straftatbestand einer KÖRPERVERLETZUNG, wenn KEINE explizite Einwilligung des Patienten zum Eingriff vorliegt.

Wenn also Ärzte Organe OHNE eine explizite Einwilligung des Spenders entnehmen, machen sie sich der schweren Körperverletzung schuldig.

*Rechtslage (Quelle: Wikipedia):
"Jede ärztliche Behandlung zu Heilzwecken, bei der auf irgendeine Weise in den Körper des Patienten eingedrungen wird, ist eine Körperverletzung, die NUR dann NICHT rechtswidrig ist, wenn in sie EINGEWILLIGT wird.
Im deutschen Strafrecht wird die Körperverletzung in § 223 bis § 231 StGB (Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit) geregelt."

"Die Widerspruchsregelung bezeichnet eine Regelung, nach der eine Zustimmung zu einer Entscheidung als getroffen gilt, wenn der Betroffene nicht explizit widerspricht. Das Gegenteil ist die Zustimmungsregelung."

"SCHWEIGEN (Widerspruchsregelung) gilt im Rechtsverkehr grundsätzlich NICHT als Willenserklärung, also weder als Zustimmung noch als Ablehnung. Diesem Grundsatz entspricht die Zustimmungsregelung: Nur wenn der Betroffene explizit zustimmt, gilt die Erklärung als gegeben."

Zusammenfassung:
Nur wenn eine explizite ZUSTIMMUNG zur Organentnahme vorliegt, gilt die Einverständnis-Erklärung zur Organentnahme als gegeben. Da unter der WIDERSPRUCHSREGELUNG Organentnahmen ohne eine explizite Zustimmung des Spenders entnommen werden, liegt ein schwerer Straftatbestand der Körperverletzung nach §223 - §231 vor.

Aus rechtlichen Gründen ist deshalb die Widerspruchsregelung strikt abzulehnen, da sie gegen geltendes Recht verstößt.

Anm.: Es ist mir völlig unverständlich, weshalb im Bundestag dieses schwerwiegende Argument der Körperverletzung nicht zur Sprache kommt.
Ob man eine Leiche noch als "Körper" bezeichnen sollte? Als einen schützenswerten "Körper"?

Es gibt glaubich Paragrafen, die sich mit Totenruhe und Leichenschändung befassen, die mögen da zutreffend sein.

Aber "Körperverletzung"? Die fraglichen "Körper" befinden sich doch im Zustande unmittelbar bevorstehenden und unaufhaltbaren Zerfalles. Was gibt es da noch zu schützen? Diese "Körper" sind unrettbar verloren und reissen einige wertvolle funktionierende Organe mit ins Verderben. Diese Organe möge man retten und damit wenigstens einem Teil des "Körpers" zum Weiterleben verhelfen.

Mir fällt da gerade die grausliche (aber wahre) Geschichte mit dem Bestatter ein, der die Leiche nicht in den Sarg hineinbekam, weil der zu klein war. Er hat der Leiche einfach die Beine gebrochen... Nicht schön, nein. Aber "Körperverletzung"?

"...abzulehnen, da sie gegen geltendes Recht verstößt"

Wie sagte (angeblich) schon Jesus: "das Gesetz ist für die Menschen da und nicht die Menschen für das Gesetz" (oder so ähnlich).
Wenn die Widerspruchslösung gegen geltendes Recht verstößt, dann möge man das geltende Recht eben ändern.

Wenn es wirklich so sein sollte, dass eine Widerspruchslösung die Anzahl der zur Transplantation zur Verfügung stehenden Organe nicht erhöht, dann wird diese Anzahl jedenfalls auch nicht sinken (hier ist der Gedanken der Pascal'schen Wette mal angebracht).
Ich erwarte aber was ganz anderes. Man kann doch auf internationale Erfahrungen zurückgreifen.
wize.life-Nutzer
Wer durch logisch-rationale Gründe nicht zu überzeugen ist, der hat einfach 'ne andere Denke, wie in deinem Fall. Es ist immer wieder interessant wie unterschiedlich die Menschen ticken.

Glücklicherweise entscheidet die parlamentarische Mehrheit darüber, ob die Widerspruchsregelung eingeführt wird oder nicht.

Mein Eindruck ist der, dass die Widerspruchsregelung keine Mehrheit finden wird und der "erweiterten Einverständnisregelung" (Vorschlag der GRÜNEN) der Vorzug gegeben wird.
Zitat von wize.life-Nutzer:
>>> Ob man eine Leiche noch als "Körper" bezeichnen sollte? Als einen schützenswerten "Körper"? <<<
_______________________________

Noch einmal ganz langsam zum Mitschreiben:

Aus medizinisch-naturwissenschaftlichen Gründen kann ein Hirntoter keine Leiche sein, denn aus einer Leiche kann man unmöglich noch lebende Organe entnehmen.

Da aus dem Körper von Hirntoten aber LEBENDE Organe entnommen werden können, kann ein Hirntoter KEINE Leiche sein, das heißt, die körperliche Unversehrtheit eines Hirntoten ist nach den gleichen Rechtsvorschriften zu schützen wie das bei einem Nicht-Hirntoten der Fall ist.
"... kann ein Hirntoter keine Leiche sein, "

Das ist schon wieder eine Frage der Definition, hier von "Leiche".

Ein Hirntoter - nur solchen dürfen Organe entnommen werden - hat weder Bewusstsein noch einen Willen und auch keine Gefühle mehr. Das alles spielte sich im Hirn ab, das ja nun tot ist. Ein Hirntoter ist keine Person mehr, er ist als Sache anzusehen und einer Leiche gleichzustellen.

Ich bin kein Jurist und mir sind die geltenden Paragraphen hier auch egal. M.E. gehören sie jedenfalls so geändert, dass jeder geeignete Hirntote als Organspender verwendet werden darf.
Aus Rücksicht auf die mulmigen Gefühle mancher Menschen sollte man halt auf den eigentlich sinnlosen und egoistischen Wunsch Rücksicht nehmen, seine Organe mit ins Grab nehmen zu dürfen, wenn das zu Lebzeiten ausdrücklich erklärt wurde.

Bei der Organentnahme aus Hirntoten wird niemandem ein Leid zugefügt, es gibt niemanden, der etwa durch ein staatliches Gesetz geschützt werden müsste.

Ich vermute, dass die bestehenden Vorschriften auch von der Kirche so gewünscht wurden. Schliesslich ist man sich dort sicher, dass der Körper dereinst wieder "auferstehen" wird, und man meinte wohl, dann sollten die Nieren auch mit auferstehen... Man darf aber gestrost davon ausgehen, dass ein allmächtiger Gott, der in der Lage ist, Tote auferstehen zu lassen auch leicht ein paar neue Nieren mit erschaffen könnte. Das haben sogar die Katholiken eingesehen, die früher der Meinung waren, man dürfe Leichen nicht verbrennen, weil dann ihr Gott sie dereinst nicht wieder zusammensetzen könnte...

Also her mit der Widerspruchslösung. Sie ist eigentlich Christenpflicht, man sollte ja seinen Nächsten lieben wie sich selbst.

Das wär doch ein schönes Thema für eine Predigt am Totensonntag: wer stirbt und der Organentnahme widersprochen hat, kann nicht in den Himmel kommen - er hat gegen das erste und größe Gebot der christlichen Nächstenliebe gesündigt. Er muss noch einige Zeit im Fegefeuer braten, mitsamt seinen Nieren. Also, liebe Gemeindemitglieder, zerreisst schleunigst euren Widerspruch. Und bis die Gesetze geändert wurden: gleich eine Organspendeausweis besorgen! Am Kirchenausgang liegt ein ganzer Stapel bereit. Die Meßdiener helfen gerne beim Ausfüllen! Wenn jemand ohne stirbt, werde ich das am Grabe verkünden! Amen.
wize.life-Nutzer, du bist einfach unzureichend informiert, denn der Begriff "LEICHE" ist KEINE Frage der unterschiedlichen Definition, denn der Begriff "Leiche" ist EINDEUTIG definiert, du brauchst den Begriff nur zu googeln.

Aber ein viel wichtiger, ja entscheidender Sachverhalt ist im Falle einer Leiche der folgende, nämlich:

(1) Eine Leiche enthält mit absoluter Sicherheit keine lebenden Organe, die man transplantieren könnte.

(2) Da die Organe von Hirntoten aber transplantiert werden können, kann ein Hirntoter unmöglich eine Leiche sein, und das ist keine Frage der Definition, sonder eine medizinische Tatsache.

Und weil Hirntote keine Leichen sein können, gilt für sie das Recht auf einen unversehrten Körper. Diese Selbstbestimmung ist ein gesetzlich garantiertes MENSCHENRECHT, das nur der Einzelne persönlich aufheben kann, indem er zu Lebzeiten seine explizite EINWILLIGUNG dazu gibt, im Falle seines Hirntodes seine Organe zu spenden.

Nur so ist gewährleistet, dass es sich um eine selbstbestimmte, freiwillige Organspende handelt, denn die Bereitschaft, ob man spendet, muss eine freiwillige Entscheidung sein und bleiben, eine Entscheidung, die zwar erwartet werden, aber keinesfalls GEFORDERT oder gar ERZWUNGEN werden darf, wenn man nicht riskieren will, dass die Organspenden in Deutschland noch weiter abnehmen.

Der Wunsch nach Nächstenliebe in Form der Organspende endet dort, wo der Einzelne, aus welchen Gründen auch immer, nicht bereit ist seine Organe zu spenden. Sich über diese Selbstbestimmung hinwegzusetzen, darf ein freiheitlich-demokratischer Staat niemals zulassen, wenn er die allgemeinen Menschenrechte achten und das Recht auf körperliche Unversehrtheit garantieren will.

Nicht nur ich, sondern offensichtlich die meisten unserer Politiker sind der Meinung, dass man diese Rechte am besten in Form einer Zustimmungsregelung (bzw. erweiterten Einverständnisregelung) lösen kann, und ich bin mir sicher, dass es für die Widerspruchslösung keine parlamentarische Mehrheit geben wird.

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