Was Frauen wirklich denken: Wir wissen immer weniger, aber von dem zu viel
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Was Frauen wirklich denken: Wir wissen immer weniger, aber von dem zu viel

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Wann hatten Sie das letzte Problem mit Ihrem Telefonanschluss? Mein letztes Mal war ein Riesenproblem. Nichts ging mehr. Ich war offline mit meinem kompletten Geschäftspaket, kein Telefon, kein Internet, keine E-Mails und das kurz vor einer wichtigen Präsentation.

Ich hing ungefähr vier Stunden via Handy in der Leitung mit der Telekom, bis eine Mitarbeiterin meine Not verstand und mich nicht einfach zum nächsten Kollegen weiterleitete, der dann doch nicht zuständig war. Davor führte ich Gespräche, die mich an Slapstick-Filme erinnerten, über die ich allerdings nicht lachen konnte.

"Ein Mac? Ja, da kann theoretisch, also wissen Sie, da müssen Sie mit dem Support... Ich verbinde Sie mal ... (Musik) ... Einen Moment bitte, es sind alle Leitungen belegt ... (Musik) ... Können Sie es in ein paar Minuten noch einmal probieren?" Das war noch die freundliche Variante. Es gab auch Mitarbeiter, die wegen mangelnder Zuständigkeit, fehlender Kompetenz oder nicht vorhandenem Interesse einfach auflegten.

Offensichtlich störte ich den normalen Montagmorgenablauf.

Mein Puls war auf 180, ich übte mich gleichwohl darin, nicht zu explodieren. Wer zu unfreundlich wird, minimiert seine Chance auf Hilfe dramatisch. Ungefähr der zehnte Anruf führte mich zu einer Mitarbeiterin, die beides war: freundlich und kompetent. Sie kümmerte sich um mein Problem, als wäre es ihres. Sie verstand offensichtlich, wie es ist, wenn man selbständig arbeitet und nichts geht, weil sie - wie sie mir sagte - auch schon einmal selbständig gearbeitet hat. Vielleicht hatte sie damals auch ein Problem mit der Telekom gehabt, dachte ich mir.

Sie und ich gingen Step by Step das Ganze durch und identifizierten den Router als Problem. Sie sagte mir, was ich zu tun hätte (über den T-Shop einen Ersatzrouter besorgen) und was sie tun würde (einenen neuen Router bestellen, der in wenigen Tagen da sein würde).

Gerade versuche ich, eine Wohnung zu verkaufen.

Haben Sie schon einmal einen Notarvertrag gelesen? Haben Sie ihn verstanden? Wirklich? Ich wollte mir am Freitag eine Zweitmeinung zu dem Vertragsentwurf einholen und hing ungefähr eine Viertelstunde in der Leitung, bis ich erfuhr, dass die Notariatsmitarbeiterin mir nicht wirklich Auskunft geben kann und der Notar jetzt vor Weihnachten keine Zeit für eine Prüfung hat. Die Nachgenehmigung sei Standard. Ich solle mir keine Gedanken machen. Standard? Warum verstand ich ihn dann nicht? Nun, ich habe dann doch noch einen freundlichen Notar gefunden, der sich die Zeit nahm, meine Fragen zu beantworten.

Aber ich frage mich: Muss unsere Welt wirklich so kompliziert sein, dass der gesunde Menschenverstand nicht mehr versteht, was gerade in unserem modernen Dschungel passiert, und keiner mehr tatsächlich zuständig ist, weil keiner mehr durchschaut, was los ist? Oder keiner mehr zuständig sein möchte, weil es besser ist für den eigenen Arbeitsplatz, nicht zu viel Verantwortung zu übernehmen?

Was können wir, was kann jeder Einzelne von uns tun, dass wir wieder wissen und verstehen, was wir tun? Könnte persönliches Engagement, die Bereitschaft, das Problem des Anderen ernst und wahr zu nehmen, der Schlüssel sein?