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Haben Sie eine Patientenverfügung?

Haben Sie eine Patientenverfügung?

Bestattungsvergleich.de
03.02.2014, 14:50 Uhr

Im Zuge der Vorsorge stellt sich sehr schnell die Frage nach einer Patientenverfügung. Jeder kann durch einen Unfall, durch Krankheit oder Alter in die Lage kommen, wichtige Fragen selber nicht mehr beantworten zu können oder eigenverantwortlich zu handeln. Doch was muss man beim Abfassen einer Patientenverfügung beachten? Was muss darin enthalten sein und wo hinterlegt man die Verfügung, damit sie im Zweifelsfall auch wirklich zur Anwendung kommt? Alles, was Sie über dieses Thema wissen müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was genau ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist die Willenserklärung eines einwilligungsfähigen Menschen für künftige medizinische und pflegerische Behandlungen. Somit entscheidet der Patient darüber, ob und welche medizinische Maßnahmen in einem konkreten Krankheitszustand gewünscht oder nicht gewünscht sind. Oft sind dabei lebensverlängernde Maßnahmen oder Therapien gemeint.

Patientenverfügungsgesetz seit 2009

Das sogenannte Patientenverfügungsgesetz ist seit dem 1.September 2009 in Kraft getreten und in das Betreuungsrecht eingeführt worden. Durch die Einführung haben Ärzte mehr Möglichkeiten, den Patientenwillen umzusetzen und Fälle von unterlassener Hilfeleistung können minimiert werden. Wichtig ist jedoch eine eindeutige Formulierung in der Verfügung.

Richtige Formulierungen statt pauschaler Vordrucke

In Deutschland kursieren derzeit Hunderte verschiedener Vordrucke zur Patientenverfügung. Viele davon sind allerdings aufgrund der pauschalen Formulierungen im Zweifelsfall in der Intensivmedizin unbrauchbar. Entscheidend bei einer Patientenverfügung sind konkrete Situationsbeschreibungen, die jedoch in allgemein formulierten Texten fehlen und sie damit unbrauchbar machen. Ganz wichtig ist es auch zwischen Akut- und Dauerzuständen bei nicht eindeutiger Prognose zu unterscheiden.

Reichweite und Widerruf

Auch die Frage der Reichweitenbestimmung und des Widerrufs sollten in der Verfügung geklärt sein. Damit ist gemeint, ob die Regelungen nur für ganz bestimmte medizinische Indikationen (begrenzte Reichweite) oder für alle Behandlungsmaßnahmen und Situationen (unbegrenzte Reichweite) gelten. Eine Patientenverfügung kann außerdem jederzeit widerrufen werden. Dazu bedarf es auch keiner Schriftform, der Widerruf kann auch mündlich erfolgen.

Datum und Unterschrift

Neben einer eindeutigen Formulierung seiner Wünsche im konkreten Krankheitsfall muss eine Patientenverfügung Ort, Datum und Unterschrift des Verfassers beinhalten, damit sie gültig ist.

Beratung zur Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung sollte immer unter Zuhilfenahme einer fachlich-medizinischen Beratung abgefasst werden, etwa durch den Hausarzt oder eine Beratungsstelle. Die Bundeszentrale Patientenverfügung (http://www.patientenverfuegung.de/ih...nen-vor-ort) vermittelt dazu deutschlandweit Kontakte zu entsprechenden Einrichtungen oder Beratern. Beim Hausarzt hat man jedoch den Vorteil, dass dieser dabei helfen kann, die Verfügung auf die persönlichen medizinischen Probleme und Erkrankungen des Patienten abzustimmen.

Umfassend informieren

Viele Menschen erstellen eine Patientenverfügung, weil sie Angst vor unnötigen Qualen und Leiden am Lebensende haben und eine nutzlose, nicht mehr lebensbringende Therapie vermeiden wollen. Patientenverfügungen geben Medizinern so einen Hinweis, um patientengerecht handeln zu können. Allerdings können fehlende Fachkenntnisse der medizinischen Praxis auch zu Fehleinschätzungen bei der Verfassung einer Patientenverfügung führen. Aber auch, wenn Patienten plötzlich betroffen sind, kann sich ihre Einstellung gegenüber einer Therapie ändern. Daher ist es wichtig, sich ausgiebig mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich fachkundigen Rat beim Abfassen der Verfügung einzuholen.

Bezeugung

Im Zuge der Abfassung ist es auch sinnvoll, sich vom Arzt oder der Beratungsstelle bestätigen zu lassen, dass eine Beratung stattgefunden hat. Dies zeigt dem behandelnden Arzt, dass der Patient sich intensiv und mit dem Thema auseinandergesetzt hat und erhöht die Qualität und Glaubhaftigkeit der Patientenverfügung.

Betreuer und Bevollmächtigte

Damit der Patientenwille durchgesetzt wird bedarf es eines Bevollmächtigten oder eines gesetzlichen Betreuers. Ärzte allein dürfen ohne Mitwirkung eines Patientenvertreters die Behandlungsentscheidungen anhand der Patientenverfügung nicht treffen. Bevollmächtige können durch eine Vorsorgevollmacht eingesetzt werden.

Vorsorgevollmacht

Mit Hilfe der Vorsorgevollmacht kann man eine Person seines Vertrauens einsetzen, die die eigenen Interessen und Angelegenheiten wahrnimmt, wenn man selbst keine Entscheidungen mehr treffen kann.
Wichtig: Familienangehörige oder Ehepartner werden nicht automatisch zu Bevollmächtigten. Sie müssen direkt vom Betroffenen eingesetzt werden.

Unterschied zwischen Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht

Durch eine Vorsorgevollmacht wird direkt ein Bevollmächtigter eingesetzt, der das Recht hat, im Namen des Vollmachtgebers zu handeln und zu entscheiden. Eine Betreuungsverfügung hingegen ist lediglich die schriftliche Festhaltung des Wunsches, wer im Ernstfall als Betreuer eingesetzt werden soll. Spricht nichts gegen den vorgeschlagenen Betreuer, so folgt das Betreuungsgericht dem Wunsch. Ein Betreuer wird regelmäßig vom Betreuungsgericht kontrolliert, ein Bevollmächtigter hingegen nicht.

Hinterlegung einer Patientenverfügung

Die Patientenverfügung kann dem Bevollmächtigten oder Betreuer ausgehändigt werden oder der Verwahrungsort dem Betreuer mitgeteilt werden. Wer die Verfügung bei sich zu Hause hinterlegt hat auch jederzeit die Möglichkeit Aktualisierungen vorzunehmen. Es ist auch möglich, seine Patientenverfügung beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer gegen eine Gebühr zu hinterlegen. Deren Datenbank wird im Zuge einer Betreuungsfrage von Betreuungsrichtern abgefragt. Auf diese Weise kann gegebenenfalls ein Betreuungsverfahren oder eine Entscheidung, die auf den mutmaßlichen Willen des Patienten fußt, vermieden werden. Sinnvoll ist es auch, eine Karte mit sich zu führen, auf der vermerkt ist, dass und wo eine Patientenverfügung hinterlegt ist und wer der Bevollmächtigte ist.

Patientenverfügung aktualisieren

Sowohl die medizinischen Möglichkeiten als auch die Rechtslage kann sich immer wieder ändern. Daher ist es wichtig, seine Patientenverfügung alle zwei Jahre zu überprüfen, aktualisieren oder Änderungen vorzunehmen. Aber auch das Eintreten einer Krankheit kann eine Aktualisierung erforderlich machen. Die Änderung oder Nichtänderung sollte jeweils mit Datum und Unterschrift bestätigt werden.

4 Kommentare

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News Team
Ein sehr informativer und ausführlicher Artikel.
Ein Textbeispiel für eine Patientenverfügung haben wir als Anregung noch zusätzlich unter http://www.seniorbook.de/patientenve...mulierungen hinterlegt.
  • 17.06.2015, 17:41 Uhr
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Wir haben uns schon vor einigen Jahren Gedanken über unsere Zukunft gemacht.
Dazu gehört natürlich auch eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.
Wir fanden es richtig, nicht alles dem überlebenden Partner zu überlassen.
Da sind wirklich schwerwiegende Entscheidungen zu treffen.
Die Formblätter haben wir uns übrigens kostenlos vom Bundesministerium der Justiz und vom Bayerischen Staatsministeriums der Justiz runtergeladen und ausgedruckt.

Dazu gehört natürlich auch eine Überlegung zur Bestattung.
Bei uns in Marktoberdorf ist schon die Bestattung unter Bäumen (natürlich auf dem Friedhof) erlaubt. Das finden wir richtig gut und haben uns sofort darauf festgelegt.
Ich spreche bezüglich Grabpflege unserer Eltern/Schwiegereltern aus Erfahrung.
Je mehr Geschwister an allen möglichen Wohnorten da sind, ist so etwas gar nicht so einfach. Ich kümmere mich schon 40 Jahre darum.
  • 06.02.2014, 18:12 Uhr
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Bereits seit 7 Jahren und den Organspendeausweis seit 1997
  • 06.02.2014, 17:27 Uhr
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habe ich schon seit 4 jahren. finde es sehr wichtig, genauso wie den organspendeausweis
  • 06.02.2014, 14:48 Uhr
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