Ballonfahrt in Kenia
Ballonfahrt in KeniaFoto-Quelle: Wajahatmr unter http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/

Was Frauen wirklich denken: Werden wir im Alter nach Kenia exportiert?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Alter in Deutschland wird ungemütlich, in vielen Industrienationen der Welt zeichnet sich aktuell Ähnliches ab. Schon heute holen wir Pflegekräfte aus Polen und anderen Ländern zur Versorgung unserer so genannten Alten, die nicht den finanziellen Spielraum haben, in Residenzen oder von deutschen Pflegedienste um- und versorgt zu werden. Schon heute wandern ältere Menschen nach Thailand aus und nehmen dort die sehr viel günstigere Pflege und Hilfe von Thais in Anspruch.

Ist Kenia die Lösung?

Ein Freund hat mir kürzlich erzählt, ein Bekannter von ihm plane ein Alters- und Pflegeheim in Kenia. Dort sei Grund und Boden wie auch der Bau so viel günstiger als in Deutschland. Er wolle osteuropäische Pflegekräfte einfliegen, die seien mittlerweile gut geschult und deutlich besser ausgebildet als afrikanische, aber immer noch sehr günstig. Der Businessplan stehe und die Verhandlungen mit seinen Banken sehen gut aus. "Das rechnet sich", sagte der Bekannte meines Freundes, "und wenn alles so läuft, wie ich geplant habe, dann folgt das nächste Projekt."

Als reine Geschäftsidee betrachtet, hat der Plan was. Aber die Vorstellung graust mich und lässt mir die Nackenhaare hoch stehen. Werden wir nun zum Land der jungen Leistungsbringer und verbringen die, die nicht mehr können und unserer Pflege bedürfen, weg aus Deutschland nach anderswo? Wird Gesundheit zum Kriterium, wo man die letzten Jahre seines Lebens verbringt?

Werden wir vom Exportweltmeister zum Altenexportland?

Unsere Produkte, Waren und Erfindungen sind weltweit noch immer gesucht. Und damit die Bilanzen optimal ausfallen, lassen wir vieles in Billiglohnländern produzieren, wie übrigens die meisten anderen Industrienationen auch.

Wird nun das Billiglohnland ein Pendant bekommen: im Billigwohnland?

Werden spätere Generationen glauben, es gäbe nur gesunde junge und gesunde ältere Menschen - so wie schon heute viele Großstadtkinder glauben, die Milch komme von der lila Kuh und nicht vom Bauernhof? Rein rational betrachtet, mutet eine solche Entwicklung fast folgerichtig an. Aber nicht alles, was folgerichtig scheint, ist auch richtig. Zudem - und das ist wohl das Entscheidendere: Wir haben doch nicht nur einen Verstand, sondern auch Herz und Seele und diese sind, auch wenn der Verstand dies nicht wahr haben will und viele Gehirnforscher uns nahelegen, das Gehirn sei die Krone des Menschen, letztlich doch die wichtigeren Seiten unseres Seins. Kurzum: Wir sind Menschen und brauchen nicht nur materiellen Wohlstand, sondern auch emotionales Wohlergehen und das Gefühl, Hilfe zu finden, wenn mit den Jahren die Gesundheit schwindet. Auch und gerade in Deutschland. Alt und schwach sein und abgeschoben werden führt zu keinem Wohlergehen - weder für die Abgeschobenen noch für die, die es tun. Hier bricht das Rückgrat einer sozialen Gemeinschaft. Hier wird Alter stigmatisiert, entsteht eine neue Kultur, die eigentlich den Namen Unkultur verdient.

Aber mal abgesehen von allen philosophischen, akademischen, volks- oder betriebswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskussionen, die wir in der nahen Zukunft zu diesen Themen noch hören und lesen werden, stelle ich mir folgende Frage:

Möchte ich in einem solchen Land, wie es dann denn sein würde, noch leben? Möchten Sie es?