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Was Frauen wirklich denken: Werden wir im Alter nach Kenia exportiert?

Was Frauen wirklich denken: Werden wir im Alter nach Kenia exportiert?

Sonja Bissbort
10.02.2014, 19:05 Uhr
Beitrag von Sonja Bissbort

Alter in Deutschland wird ungemütlich, in vielen Industrienationen der Welt zeichnet sich aktuell Ähnliches ab. Schon heute holen wir Pflegekräfte aus Polen und anderen Ländern zur Versorgung unserer so genannten Alten, die nicht den finanziellen Spielraum haben, in Residenzen oder von deutschen Pflegedienste um- und versorgt zu werden. Schon heute wandern ältere Menschen nach Thailand aus und nehmen dort die sehr viel günstigere Pflege und Hilfe von Thais in Anspruch.

Ist Kenia die Lösung?

Ein Freund hat mir kürzlich erzählt, ein Bekannter von ihm plane ein Alters- und Pflegeheim in Kenia. Dort sei Grund und Boden wie auch der Bau so viel günstiger als in Deutschland. Er wolle osteuropäische Pflegekräfte einfliegen, die seien mittlerweile gut geschult und deutlich besser ausgebildet als afrikanische, aber immer noch sehr günstig. Der Businessplan stehe und die Verhandlungen mit seinen Banken sehen gut aus. "Das rechnet sich", sagte der Bekannte meines Freundes, "und wenn alles so läuft, wie ich geplant habe, dann folgt das nächste Projekt."

Als reine Geschäftsidee betrachtet, hat der Plan was. Aber die Vorstellung graust mich und lässt mir die Nackenhaare hoch stehen. Werden wir nun zum Land der jungen Leistungsbringer und verbringen die, die nicht mehr können und unserer Pflege bedürfen, weg aus Deutschland nach anderswo? Wird Gesundheit zum Kriterium, wo man die letzten Jahre seines Lebens verbringt?

Werden wir vom Exportweltmeister zum Altenexportland?

Unsere Produkte, Waren und Erfindungen sind weltweit noch immer gesucht. Und damit die Bilanzen optimal ausfallen, lassen wir vieles in Billiglohnländern produzieren, wie übrigens die meisten anderen Industrienationen auch.

Wird nun das Billiglohnland ein Pendant bekommen: im Billigwohnland?

Werden spätere Generationen glauben, es gäbe nur gesunde junge und gesunde ältere Menschen - so wie schon heute viele Großstadtkinder glauben, die Milch komme von der lila Kuh und nicht vom Bauernhof? Rein rational betrachtet, mutet eine solche Entwicklung fast folgerichtig an. Aber nicht alles, was folgerichtig scheint, ist auch richtig. Zudem - und das ist wohl das Entscheidendere: Wir haben doch nicht nur einen Verstand, sondern auch Herz und Seele und diese sind, auch wenn der Verstand dies nicht wahr haben will und viele Gehirnforscher uns nahelegen, das Gehirn sei die Krone des Menschen, letztlich doch die wichtigeren Seiten unseres Seins. Kurzum: Wir sind Menschen und brauchen nicht nur materiellen Wohlstand, sondern auch emotionales Wohlergehen und das Gefühl, Hilfe zu finden, wenn mit den Jahren die Gesundheit schwindet. Auch und gerade in Deutschland. Alt und schwach sein und abgeschoben werden führt zu keinem Wohlergehen - weder für die Abgeschobenen noch für die, die es tun. Hier bricht das Rückgrat einer sozialen Gemeinschaft. Hier wird Alter stigmatisiert, entsteht eine neue Kultur, die eigentlich den Namen Unkultur verdient.

Aber mal abgesehen von allen philosophischen, akademischen, volks- oder betriebswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Diskussionen, die wir in der nahen Zukunft zu diesen Themen noch hören und lesen werden, stelle ich mir folgende Frage:

Möchte ich in einem solchen Land, wie es dann denn sein würde, noch leben? Möchten Sie es?

23 Kommentare

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Ich gehe mal davon aus, das ein wichtiges Indiz die "Vernetzung" in Deutschland ist, um eine Altersauswanderung zu wagen. Wenn es hier wenig Kontakte gibt, kann ich mir gut vorstellen im Ausland ein Plätzchen mit guter Gesamtversorgung zu suchen.
Was mich aufregt ist, das es Menschen gibt, die das als Geschäftsidee betrachten und sich nur einbringen , wenn die Rendite hoch genug ist.
  • 14.02.2014, 15:48 Uhr
Sonja Bissbort
Wobei die Rentabilität auch bei der Pflege in Deutschland die Betreiber letztlich motiviert. Dazu gab es selbst bei so genannten karitativen Einrichtungen entsprechende Vorfälle.
  • 17.02.2014, 08:18 Uhr
  • 17.02.2014, 13:25 Uhr
Ich bin viel gereist und habe viele nette, liebe Menschen überall auf der Welt getroffen. Es wäre für mich schon vorstellbar, irgendwo an einem schönen Platz im Ausland meinen Lebensabend zu verbringen, aber ob das meine Kinder zulassen würden? Ich glaube eher nicht.
  • 23.02.2014, 23:32 Uhr
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Kenia? Mir wird dauernd Thailand und Kambodscha empfohlen, einerseits wegen der lieben Menschen, andererseits, weil ich dort mit meiner Rente (fast) wie eine Fürstin leben könnte!
  • 11.02.2014, 07:14 Uhr
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Geld wäre genug da, aber das fließt nur dorthin, wo es schon im Überfluss ist. Eine neue Kulturrevolution steht bevor, wann genau und mit welchen Siegern und welchen Verlierern ist noch offen. Ich bin trotz allem froh, jetzt zu leben und alt zu werden als früher. Auch wenn unser Schicksal ungewiss ist, was hätten wir alles versäumt, wenn wir jetzt schon weg wären.
  • 10.02.2014, 21:38 Uhr
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Ist schon mal aufgefallen, das nur über die Renten und Rentner ,geredet wird, in den Medien und in der Politik.
Also nur die Rentner belasten die Jungen ?
Warum hört man nichts über die Pensionen,die weit höhere Belastungen für die Jungen bringen,als die Renten.
Es werden über 1 Billion € ,Kosten für die Steuerzahler ,für Pensionen erwartet.
Aber nur die Renten sind Thema.
Ablenkung ,von den wahren Problemen.
Ablenkung, das man Jahrzentelang ,Geld aus der Rentenkasse,für Fremdleistungen gestohlen hat.
Aber die Rentner lassen sich halt alles gefallen.
  • 10.02.2014, 20:13 Uhr
Lieber Franz-Georg Laumer, was sollen wir denn dagegen unternehmen?
  • 11.02.2014, 07:14 Uhr
Sonja Bissbort
Gegen politische Entscheidungen im Nachhinein etwas unternehmen? Ein Anfang wäre mehr Zusammenrücken, Nachbarschaftshilfe, gemeinsame WG's, Rent a Grant "andersrum". Z.B. Inwieweit man auf Politiker einwirken kann? ich weiß es nicht. Ich vermisse da zunehmend Bodenhaftung und den blick für die Realität.
  • 11.02.2014, 15:48 Uhr
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Unsere Jungen die in die Pflege gehen,SOLLEN ASTÄNDIG bezahlt werden.Dann haben auch wir älteren eine anständige Betreuung wenn es eines Tages nötig wird.Ich war früher bei der Diakonie in der Nachbarschaftshilfe und betreut meine Freundin ,die mit über 70 einfach nicht mehr kann.Da kommt 1 mal am Tag der Pflegedienst und ich könnt jedesmal kotzen.Wie die m it meiner Freundin umspringen das schreit zum Himmel..mal erscheint jemand mal kommt keiner zu dem Termin wenn es sein muss.Usw..haben schon Beschwerde eingereicht.Nur weil man nimmer so kann wird man behandelt wie ein unmündiger Mensch.Schnell schnell und teuer.
Meine andere Freundin hatt für ihre Demenzkranke Mutter 2 aus Rumänien da,Ihre Mama wird super versorgt,liebevoll behandelt.Und ist halt günstiger.Ich möchte auch nicht in ein anderes Land.Da glaub ich eher ,dass meine Tochter einspringt.Die hilft mir jetzt schon wenn sie auf Besuch ist.Und mein Mann hilft mir auch.
  • 10.02.2014, 19:47 Uhr
Sonja Bissbort
Eine Freundin hat für ihre über 90jährige Mutter, die nicht mehr allein sein kann (Demenz), Hilfe aus Polen gefunden. Die Pflegerinnen wechseln sich alle zwei Monate ab und leben dann solange bei der alten Dame in der Wohnung. Meine Freundin, die in einer anderen Stadt noch berufstätig ist, sagte, dass sie sehr froh ist um die gute Betreuung. Eine deutsche Pflegesituation hätten sie und ihre Geschwister nicht bezahlen können.
  • 10.02.2014, 20:21 Uhr
Ja so gehts meiner Bekannten auch.Nun warten sie auf einen Pflegeplatz den sie eventuell im März bekommen.
Ist schlimm ,wenn bei uns hier solche Zustände sind,dass man so wa nicht zahlen kann.
  • 11.02.2014, 11:44 Uhr
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Liebe Sonja ich bin vollkommen Deiner Meinung
ich bin in Bayern geboren da möchte ich auch sterben
lieber eher sterben als in einem Betonbunker in so einem heißen
Land mit so vielen Viren und Bakterien leben da würde ich ja noch
eher sterben als in meiner Heimat auf gar keinen Fall würde ich
meine Heimat verlassen
  • 10.02.2014, 16:34 Uhr
Sonja Bissbort
Ja, liebe Maria, es sollte jedenfalls niemand gezwungen sein, anderswo alt zu werden und zu sterben, weil in Deutschland die eigene Pflege nicht mehr bezahlbar ist.
  • 11.02.2014, 07:50 Uhr
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Die Kinder sind ein Problem, die chronisch Kranken sind ein Problem, die Menschen mit Behinderung und Alte sind eines und alte Leutchen, die pflegebedürftig sind, erst recht.
Bei gut und gerne 12 bis 14 Milliarden Soli-Einnahmen im Jahr 2013 (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaf...402-b2.html) sollte es eigentlich keine Schwierigkeit hinreichend Fachkräfte mit anständiger Bezahlung und regelmäßiger Arbeitszeit einstellen zu können und somit Abhilfe zu schaffen. Pflegefachkräfte werden auch dringend in Krankenhäusern u. i.d. häusl. Pflege gebraucht. Das Ding ist, dass die Krankenkassen und Pharmakonzerne ihre Finger überall im Spiele haben. Ein Zwangsumsiedelung in 'Billigländer' dieser Welt für Pflegebedürftige kann wohl kaum die Lösung sein. Wer nach Malle oder auch Kenia will, bitte schön. Der geht auch freiwillig. Ich bestimmt mal nicht.
Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen, dass der junge Mann
  • 10.02.2014, 16:06 Uhr
mit seinem Plan in Afrika ein Altersheim mit einem Bankkredit aufzubauen, jemals einen Fuß auf den Boden bekommt. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, dass die Bank oder auch mehrere Banken die Idee grundsätzlich toll finden und kräftig nicken. Sie werden Wochen, u.U. Monate brauchen, um eine Entscheidung zu fällen. Dies wird negativ sein. Der Grund: Sie haben in einem solchen Land keinen Zugriff auf die Immobilie. Was sollen sie damit, wenn die ganze Chose daneben geht? Die können sie nicht weiter verscherbeln. Ohne das nötige Kleingeld in der Portokasse, ohne auch nur einen Cent Kredit zu brauchen, mag das Konzept aufgehen.

Vor einem oder zwei Jahren sah ich eine Doku, wo ein alter demenzkranker Mann nach Tschechien verbracht wurde zur Pflege. Ich fand's gruselig.
  • 10.02.2014, 16:15 Uhr
Sonja Bissbort
Den Film habe ich auch gesehen, Renate, mir ging es Dir. Und ich frage mich, wie (gut) alles wohl "funktionieren" würde, wenn die Krankenkassen und Pharmakonzerne nicht mitmischen würden. Mir graut vor dem Tag, wo Schulen und Kindergärten als wie auch immer geartete Geldmaschinerie entdeckt werden.
  • 10.02.2014, 16:33 Uhr
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Das angesprochene Problem ist nicht nur ein Problem in Deutschland, sondern ein Gesamteuropäisches. Im Volksmund heißt es:"Einen alten Baum verpflanzt man nicht". Selbst wenn keine Angehörigen mehr vorhanden sind, so wäre eine "Zwangsumsiedelung" der sog. "Alten", ein ethischer Skandal. Die Politik ist einmal mehr aufgerufen, sich ihrer Verantwortung gewahr zu werden, endlich einmal eine Zukunftsplanung zu erstellen und rechtzeitig Maßnahmen zur Verwirklichung zu ergreifen.
Nachdem Familien immer mehr zerbrechen, warum wohl? Großfamilien es fast nicht mehr gibt, müssen die "Alten" halt in irgendeiner Form "entsorgt" werden. Da ist kein Blödsinn groß genug, um nicht im Rahmen einer Expertenkommission darüber zu befinden und Studien anzustellen. Eine gesamthafte prospektive Planung der gesellschaftlichen Entwicklung fehlt. Es werden leider immer nur fragmentarische Teile herangezogen.
Sollte es der Fall sein, eines Tages pflegebedürftig zu werden, dann bitte sicher nicht im Ausland.
  • 10.02.2014, 12:39 Uhr
Sonja Bissbort
Ja, es fehlt das Menschliche in unserer Welt der Konzepte und Bürokratismen.
  • 10.02.2014, 14:44 Uhr
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für familienlose alte menschen, keine schlechte alternative in ein land zu gehen, wo man preisgünstiger versorgt wird.
ich könnte es mir vorstellen, dies zu tun, wobei kenia mir wohl zu heiß wäre.
die vorstellung allerdings generell auf eine "altenstation", egal wo, abgeschoben zu sein, finde ich wenig attraktiv. unsere deutschen "altenstationen" sind weiß gott unmenschlich genug.
ich mache mir zunächst praktische gedanken. wie ist eine menschenwürdige pflege und betreuung alter menschen möglich in unserem land. oft höre ich, es fehlen pflegekräfte, warum? die menschen werden nicht angemessen bezahlt, sie werden auch noch kräftemäßig ausgebeutet. es wird nicht genügend wert darauf gelegt bessere bedingungen zu schaffen.
was sind die gründe?
es geht immer nur ums geld. gewiß nicht nur in unserem land.
was ist die ursache?
gibt es wirklich eine möglichkeit etwas zu verändern?
ist dieser kreislauf überhaupt noch aufzuhalten?
  • 10.02.2014, 10:35 Uhr
Sonja Bissbort
Ich denke auch, der Hauptgrund ist Geld. An allem will irgendwer möglichst viel verdienen. Irgendwann hat man den "Markt" Pflege entdeckt und nun wird er vielfach nach dem Mini-Max-Prinzip (mit möglichst minimalem Aufwand möglichst viel herausholen) "bearbeitet". Wer viel Geld hat, der wird umsorgt, alle anderen finden sich - wie Du so schön schreibst - auf einer "Altenstation" wieder. Für mich sind das oft Verwahranstalten, auch deshalb, weil die Pflegekräfte völlig überfordert sind und werden.
  • 10.02.2014, 16:15 Uhr
Hier gibt es einige Antworten:
https://www.facebook.com/pages/Pfleg...7987?ref=hl

ganz speziell über die eingefügten Dokus und diesem Link:

http://news.doccheck.com/de/newslett...b435611b2be
  • 10.02.2014, 17:02 Uhr
Sonja Bissbort
Das erinnert mich an die Situation nach der Wiedervereinigung. Treuhand & Co. Es gab jede Menge, die sich damals bereichert haben. Auf Kosten vieler auf beiden Seiten und auf Kosten gegenseitigen Vertrauens. Da standen plötzlich die "Wessies" als schlimme Finger da, dabei haben die meisten nicht profitiert, im Gegensatz über den Solidaritätszuschlag finanziert, was dann in irgendwelchen Kanälen versickerte. Und die "Ossies" machten jede Menge schlechte Erfahrungen, (kleine) Unternehmen wurden gegen die Wand gefahren, Versicherungen verkauft, die kein Mensch brauchte usw. Das Prinzip der Macht- und Geldgierigen steht da m.E. dahinter. Und so wird oftmals eine gute Sache in ihr Gegenteil verdreht.
  • 12.02.2014, 07:19 Uhr
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