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Gedanken einer ehemaligen Altenpflegerin

09.02.2014, 03:14 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Der Grund in ein Altenheim zu ziehen, ist die Pflegebedürftigkeit, und diese wird durch die unterschiedlichsten Erkrankungen hervorgerufen. Manchmal zeichnet es sich über längere Zeit ab, dass Mutter oder Vater, gelegentlich sogar beide, ihren Alltag nicht mehr selbständig bewältigen können, z.B. aufgrund fortgeschrittener Demenz oder schwerer Gebrechlichkeit, welche öfter zu Stürzen geführt hat. Bekannterweise kann Pflegebedürftigkeit auch sehr plötzlich entstehen, eben durch die schlimmen Folgen eines Sturzes oder u.a. aufgrund eines schweren Schlaganfalls.
Die eigene Wohnung, in der man sich geborgen, ja, eben zu Hause fühlt, verlassen zu müssen, um in ein Haus, in dem nur alte Leute wohnen, zu ziehen, ist sehr schwer. Besonders schwer wird es, wenn Mann oder Frau sich nicht rechtzeitig mit dem Gedanken an eine eigene eventuell eintretende Pflegebedürftigkeit vertraut gemacht haben und für sich eine passende Lösung ins Auge fassen konnten. Oft kommt nur ein Altenheim in Frage.
Für mich, als ehemalige, langjährige Altenpflegerin steht fest, dass ich, falls es notwendig werden sollte, ins Altenheim ziehe. Meine beiden Töchter sind gelernte Krankenschwestern. Die Eine ist relativ spät Mutter geworden, und die Andere arbeitet schon seit Jahren in der häuslichen Pflege. Sie sind beide so liebevolle Kinder, und doch will ich nicht, dass die Tochter, welche im Nachbarort wohnt, mich zu Hause pflegt. Meine Töchter haben immer fleißig gearbeitet, und sie sollen ihr Alter mit ihren Ehemännern genießen können.
Allerdings wären für mich die regelmäßigen Besuche meiner Familie von größter Wichtigkeit.
Wie oft habe ich es in den vielen Jahren meiner Berufstätigkeit erlebt, dass es immer wieder Bewohner(innen) gab, die kaum Besuch von Familienangehörigen bekamen. Das fand ich sehr traurig. Eine Familie mag für ihr Fernbleiben gute Gründe haben, denn es gibt nun mal Mütter und Väter, die ihren Kindern eine sogenannte schwere Kindheit bescherten. Manchmal ist es auch einfach Desinteresse, Überlastung durch Arbeit von Seiten der Angehörigen, oder der Grund ist eine weite Entfernung, warum Besuche so selten stattfinden. Sei es wie es sei - meine Erfahrungen mit alten Menschen, die im Leben ihre Familien kaum mehr eine Rolle spielten, haben mich zum Schreiben des folgenden Gedichtes veranlasst:

"Endlösung"

In trüben Augen sinnender Blick,
kaum nach vorn, doch weit zurück -
erlebte Freude, verklungener Schmerz -
vom langen Leben ein müde gewordenes Herz.
Kann nicht mehr so stark wie früher schlagen -
darin schlummern Sonnenstrahlen
aus vergangenen Tagen.-
Weißes Haar, welke Haut, eingesunkene Wangen -
tief im Inneren immer noch Hoffen und Bangen.
Kommen die Kinder morgen, oder haben sie wieder keine Zeit?
Haben sie so viele Sorgen?
Ist der Weg zu mir wirklich so weit?
Wache Gedanken in früheres Leben:
Wie konnte ich da meine Hände noch regen!
Wie konnte ich sorgen
und Freude machen meinen Lieben!
Wo sind nur meine Sorgen und Freuden geblieben?
Die Kinder haben sie mir abgenommen. -
Du bist nun alt, und die Zeit ist für Dich gekommen
um endlich einmal auszuruh'n.
Lass andere für Dich die Arbeit tun. -
Das hatten meine Kinder zu mir gesagt
und mich dann gar nicht mehr gefragt,
sondern mich in ein großes Haus
und dort in ein Zimmer gebracht.
Du - sagten die Kinder - es klang ein wenig atemlos -
wir haben uns gedacht,
hier ist es besser für Dich als in deinem bisherigen Heim,
Du konntest dort wirklich nicht länger alleine sein.
Darum konnten wir tragen für dich
die Verantwortung nicht mehr.
Schau, hier bist Du sicherlich in den besten Händen
und lebst doch auch weiter in eigenen Wänden.
Da ist Dein Schrank, sieh', die Bilder gehören auch dir,
Dein Tisch, Deine Stühle, - es sind nur noch vier -
die anderen und Dein übriges Mobiliar
haben wir ausrangiert - wie alt und abgenutzt es schon war!
Du freust dich ja gar nicht -
nun, Du wirst schon seh'n
das Leben wird hier für Dich auch
bestimmt sehr schön!
Du weinst ja - glaub nur,
jetzt ist's vorbei mit der Einsamkeit Qual,
denn hier gibt's ein Gesellschaftszimmer
und auch einen Gemeinschaftsspeisesaal,
freundliches Personal und nette alte Leute,
eben Deinesgleichen; -
und auch ein Telefon für Dich -
Du kannst uns jederzeit damit erreichen.
Wir wollen nun gehen,
damit Du findest jetzt die Ruh'
Dich einzuleben hier. Ach, und vergiss nicht,
wir kommen doch dann ab und zu
Dich auch besuchen mit den Kindern und den Kleinen.
Ach, hör doch endlich auf mit deinem Weinen!
Du brauchst nun nicht mehr putzen, kochen, waschen
und auch nicht länger tragen schwere Einkaufstaschen.
Wir haben uns so viel Mühe
und Arbeit gemacht wegen Dir -
taten es gerne, erwarten deshalb keinen Dank dafür.

Verarbeitete Hände, unruhig suchend im Schoß -
trauriges Fragen: wozu sind sie mir noch nutze bloß?
Was soll ich nur den langen Tag über tun?
Nichts gibt's mehr, um davon im Schlafe auszuruh'n.

Sitzen am Fenster - traurig gebeugt der Kopf -
krumm der Rücken,
mit geschlossenen Augen
in bewegte Vergangenheit blicken.
Dann- - jähes Erschrecken, banges Fragen:
Kommen die Kinder in den nächsten Tagen?
Bitteres Wissen: Sie waren schon lange nicht hier,
und der Weg ist auch nicht allzu weit zu mir!
Die Lösung für ihre Probleme,
die sie sich für mich erdachten
war für die Kinder sehr bequem -
ob sie nicht dabei bedachten,
dass es ihnen im Alter könnte auch so ergeh'n?

Wärme, helles Licht,
sanft klingender Ton aus der Seele Falten
dringt empor! Ich fühle mich geborgen, werde gehalten. -
Leichtigkeit breitet sich in mir aus -
lässt mich schweben - endlich zu Haus.

Waltraud Berndt

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27 Kommentare

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Hallo Waltraud
Dem ist nichts hinzu zu fügen....du sprichst mir aus der Seele....ich arbeite seit fast 10 Jahren im Seniorenheim....und manche Schicksale gehen schon unter die Haut....es tut manchmal weh zu sehen wie die Alten vergessen werden.....
  • 22.08.2014, 19:36 Uhr
Ja Gabi, der Beruf ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sehr belastend, aber es ist ein sehr guter Beruf, und ich wünschte, viel mehr Menschen würden ihn ergreifen. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden - als erstes sollte die Ausbildung kostenfrei sein.......
  • 22.08.2014, 19:49 Uhr
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Hallo Waltraud, so ist das leben in einer Senioreneinrichtung, da ich selber Pflegekraft von 1994-2010 war hatte ich viel Schicksale miterlebt, Abschiede, Warten auf die Kinder, mir kam Weihnachten immer wie ein schlechtes gewissenfest vor, nicht für alle, aber einige kamen nur Weihnachten, traurig aber wahr.
  • 22.08.2014, 12:45 Uhr
Ja Irmi, und ich habe es auch erlebt, dass vom Sohn das Taschengeld der Mutter aus dem Büro abgeholt wurde, ohne ihr selbst "Guten Tag" zu sagen.
Viele Kinder sind so ungemein beschäftigt, dass eben nur sehr wenig Zeit für Besuche bei Mutter oder Vater bleibt. Aber auf der Beerdigung fließen die Tränen dann reichlich, und der Blumenschmuck kann dort nicht üppig genug sein.
Wie Du schreibst: traurig aber wahr!
  • 22.08.2014, 17:41 Uhr
ich hoffe für dich und auch allen anderen, das es uns erspart bleibt, meine Große wollte für ihre Oma sogar unbezahlten Urlaub nehmen um sie zu pflegen, so eine Liebe hab ich, wir mussten unser gute Oma am Montag zu Grabe tragen, sie wurde bei ihrem Sohn, mein verstorbenen Mann beigesetzt. Mein Sohn sagte sie sitzt jetzt auf Wolke 7 mit dem Papa zusammen
  • 22.08.2014, 18:04 Uhr
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  • 21.08.2014, 13:22 Uhr
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ich habe einige jahre als betreuungskraft für demente bewohner gearbeitet...es war eine schöne und gleichzeitig schwere zeit....alles was in deinem beitrag steht stimmt,habe es ja auch selbst erlebt.....alles gute erni.erika
  • 24.06.2014, 20:27 Uhr
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Der beitrag ist sehr Lesenswert. genau so ist es. ich spreche aus erfahrung. ich habe meine schwiegermutter zusammen mit meiner schwägerin gepflegt. die schwiegermutter hatte Alzheimer. Sie wurde denoch 88 jahre alt. Aber es ist schlimm mit anzusehen wie ein mensch Körperlich und geistig abbaut. echt schlimm. da braucht man gute nerven. das kann nicht jeder. dazu muß man berufen sein, und darf sich nicht vor vielem Ekeln.
  • 19.06.2014, 15:25 Uhr
Liebe Marion,
Du und Deine Schwägerin habt, insgesamt gesehen, eine sehr schwere Aufgabe gemeinsam bewältigt. Diese hat nicht nur körperliche, sondern auch sehr viel seelische Kraft gebraucht, denn Pflege zu Hause ist noch schwieriger als im Heim.
Meine Hochachtung !
Liebe Grüße Waltraud
  • 19.06.2014, 23:40 Uhr
Hallo Waltraud . ich würde es mit meinen elterbn jeder zeit wieder so machen. Gruß marion
  • 20.06.2014, 15:03 Uhr
  • 20.06.2014, 22:27 Uhr
hallo waltraud. na wie geht es dir? hoffe doch gut gruß marion
  • 22.08.2014, 19:08 Uhr
Hallo , liebe Marion, danke, es geht mir gut und Dir hoffentlich auch!
Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende und sende Dir liebe Grüße Waltraud
  • 22.08.2014, 19:16 Uhr
ja mir geht es auch gut. ich habe viel zu tun. beui den mobilen hausfrauen. habe 11 haushalte die ich putzen muß im Monat.
  • 22.08.2014, 19:23 Uhr
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Sehr schön, hat mich tief berührt dein Gedicht. Auch ich würde meinen Kindern nicht zu Last fallen wollen und wenn es nicht mehr geht ins Altenheim gehen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob man dann, wenn es soweit ist, auch noch so denkt.
  • 26.03.2014, 10:25 Uhr
Liebe Gica, ich möchte nicht als bettlägriger Schwerstpflegefall zu Hause liegen und auf das 3malige kurze Erscheinen des Pflegedienstes warten. Da gehe ich lieber ins Heim, wo ich noch von dem, was da so alles abläuft, etwas mitbekomme. Da bin ich dann gut aufgehoben.
Liebe Grüße Waltraud
  • 26.03.2014, 12:40 Uhr
Ja Waltraud, da hast du sicherlich recht und ich denke eigentlich auch so. Ich habe aber festgestellt, dass sehr viele alte Menschen sich regelrecht weigern ins Heim zu gehen und gar nicht merken, dass sie die einsame Variante wählen. Ich stelle es mir auch schrecklichvor alleine zu Hause rumzuliegen und nichts mehr vom Leben mitzukriegen. Da finde ich das Heim auch die bessere Lösung. LG Gica
  • 26.03.2014, 13:43 Uhr
warst du denn schon mal in eimem Altenheim?
  • 19.03.2016, 17:34 Uhr
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DANKE, ich sage einfach Waltraud,---das Gedicht hat mich tief gerührt. H.H.
  • 10.02.2014, 15:00 Uhr
Das "Danke" gebe ich mit lieben Grüßen zurück
  • 11.02.2014, 01:33 Uhr
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Hallo liebe Waltraud. Meine Bewunderung und Hochachtung zu Deinem Beitrag bzw. zu deinem Gedicht. Ich kenne dich nun schon eine ganze Weile über Face- bzw S-book und kann jetzt nur wieder sagen "chapeau".
  • 10.02.2014, 12:40 Uhr
Danke, lieber Heinz, ich freue mich sehr über Deine positive Reaktion und wünsche Dir heute einen wunderschönen Tag. Bis bald.
Liebe Grüße Waltraud
  • 10.02.2014, 13:28 Uhr
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Dein Gedicht berührt mich sehr.... danke dafür.
  • 09.02.2014, 12:30 Uhr
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Liebe Waltraud. Das Gedicht ist sehr anrührend.
Ich habe eine feste Vorstellung, wie es im fortgeschritten Alter weitergehen soll und alles schriftlich fixiert.
Ich hoffe, meine Kinder halten sich daran. Auch sie wohnen weit entfernt und haben ihr eigenes Leben.
Als ich für meine Eltern Entscheidungen treffen mußte, wußte ich nie, ob alles in ihrem Sinne ist, vor allem bei meiner Mutter, die massiv an Alzheimer litt.
Das ist der Grund, warum ich rechtzeitig meine Wünsche zu Papier gebracht habe,einschließlich aller notwendigen Adressen hier vor Ort..
ch fixiert.
  • 09.02.2014, 07:36 Uhr
Liebe Heidemarie, es ist wichtig, dass man, wie Du, das Notwendige regelt und vorsorgt und sich auch gedanklich auf Eventualitäten einstellt.
Liebe Grüße
  • 09.02.2014, 13:16 Uhr
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