Der Schrei der Natur, Nationalgalerie Oslo
Der Schrei der Natur, Nationalgalerie OsloFoto-Quelle: Edvard Munch (1863–1944), https://en.wikipedia.org/wiki/File:The_Scream.jpg

Klimawandel, Überwachungsstaat, Armut - ist unsere Zukunftsangst wirklich begründet?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Unsere Zukunft erscheint mitunter in einem bedrückenden Licht: Die Geheimdienste überwachen uns systematisch und flächendeckend, der globale Umweltschutz kommt nicht voran und die Schere zwischen Armen und Reichen geht immer weiter auseinander. Doch hinter solchen düsteren Perspektiven stecken meist viele Missverständnisse in Bezug auf künftige Entwicklungen und vor allem auch große Angst.

Die „German Angst“ geht um
Umfragen zeigen, dass die Deutschen im Grunde ziemlich optimistisch sind: die meisten von ihnen gingen sogar weitaus zuversichtlicher ins neue Jahr 2014, als in das vergangene. Gleichzeitig glaubt allerdings nur ein kleiner Teil von ihnen daran, dass die Zukunft besser werden könnte als die Vergangenheit. Sie sind - so scheint es - infiziert von einem typisch deutschen Phänomen: der „German Angst“ - einer dubiosen Angst vor unkontrollierbaren Mächten und Ereignissen und dem beharrlichen Glauben daran, dass alles fast zwangsläufig immer schlechter würde, frei nach dem Motto: „Uns geht es zwar noch gut, aber die ganze Welt geht sowieso den Bach herunter.“ Und das trotz unseres - relativen - Wohlstands und obwohl unsere Lebensrisiken sogar kleiner geworden sind.

Gefahren werden dabei gerne übertrieben dargestellt, Risiken überzeichnet und Prognosen grundsätzlich linear erstellt, nämlich indem bestimmte Trends einfach von A über B in die Zukunft verlängert werden. Neue technologische Möglichkeiten und gesellschaftliche Lernprozesse berücksichtigen wir dabei oft gar nicht. Daran haben auch die Medien ihren Teil: Sensationsdruck und Quotenorientierung sorgen dafür, dass Falschdarstellungen und ideologische Polemik überhand nehmen. Und wir selbst pflegen lieber eine Haltung des Protests und der trotzigen Passivität, als uns zu engagieren und aktiv zu werden. Diese Lebenseinstellung hat fatale Nebenwirkungen: Sie kann genau jene kleinen Veränderungen verhindern, die notwendig wären, um einen Wandel herbei zu führen.

Beispiel Klimawandel
Der Anstieg der Erdtemperatur durch menschliche Einflüsse ist ein Fakt. Wir erleben aber gleichzeitig auch, dass gerade dieser Handlungsdruck Innovation befördern kann. Und dabei kann sich der menschliche Einfluss wiederum sehr positiv auswirken: Die Energiewende in Deutschland nimmt Gestalt an. Viele Hürden liegen noch vor uns, aber wir sind dabei, die Welt in kleinen Schritten zu verändern und können so langfristig den negativen Folgen der globalen klimatischen Veränderungen hoffentlich entgegenwirken. Zudem haben die Erneuerbaren Energien auch wirtschaftlich enormes Potenzial und Deutschland kann in seiner Vorreiterrolle das technologische Knowhow weiter ausbauen.

Perspektivwechsel: Lösungen!
Ähnliches gilt für alle anderen anstehenden Aufgaben. Wir konzentrieren uns zu sehr auf die Probleme und zu wenig auf Lösungen. Und wir vermitteln diese Einstellung auch unseren Kindern, die unsere kollektiven Sorgen und Ängste und unsere zum Teil übertriebenen Sicherheitsbedürfnisse verinnerlichen. Schon in ihrem Sinne sollte wir immer wieder unsere Perspektiven wechseln. Zweifellos ist es wichtig, auch die Risiken und Gefahren des Lebens realistisch einzuschätzen, doch dafür brauchen wir Verstand und weise Voraussicht, aber keine Hysterie. Die meisten Krisen sind schlicht Wandlungsprozesse. Aber wir brauchen den Mut und die Offenheit, sie auch tatkräftig anzugehen. Und wir Menschen haben eine wunderbare Fähigkeit: Wir können uns anpassen, wir können lernen und wir können aus den Notwendigkeiten Neues entwickeln!

Matthias Horx (Trend- und Zukunftsforscher): Anleitung zum Zukunfts-Optimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird.