Mein Wort zum Sonntag: Piefke go home!
Mein Wort zum Sonntag: Piefke go home!Foto-Quelle: WikiCommons

Mein Wort zum Sonntag: Piefke go home!

News Team
Beitrag von News Team

Die Schweizer haben per Volksentscheid entschieden, keine Deutschen mehr aufzunehmen. Warum tun sie sich das an und welche Folgen hat das?
Viele gut ausgebildete deutsche Akademiker wanderten in die Schweiz aus, um dort gut dotierte Posten in Krankenhäusern und Universitäten anzutreten. In einem Volksentscheid vom 9. 2. 2014 hat sich nun eine knappe Mehrheit der Schweizer Bürger dafür ausgesprochen, die Zuwanderung ins Land zu drosseln, und manche halten gar Grenzkontrollen wieder für denkbar: eine Katastrophe für das kleine Land, für das Tourismus eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Die EU hat bereits die ersten Gelder gestrichen, für Forschung, denn eine freie Zuwanderung war ausdrücklich vereinbart worden, und wenn sich die eine Partei nicht an den Vertrag hält, zieht die andere nach.

Volksentscheid gegen Deutsche?

Natürlich richtet sich der Volksentscheid (der in ein Gesetz umgewandelt werden muss) nicht allein gegen die Deutschen - aber doch hauptsächlich. Dabei sind diese "Migranten" keineswegs Armutszuwanderer. Was haben die Schweizer so gegen ihre Nachbarn? In einer Diskussionsrunde über das Thema, lange vor dem Volksentscheid, warf ein Schweizer Bürger den Deutschen vor: Sie stellen sich so schnell dar. Mit anderen Worten: Den Schweizern erscheint jeder Deutsche als Hans Albers, der auf der Kanonenkugel hereinreitend (deutsche Kavallerie!) den Schweizern entgegen singt: Hoppla, jetzt komm ich, Alle Türen auf, alle Fenster auf ... Und das stört offenbar die Schweizer Ruhe oder deren, in dieser Hinsicht zu gering ausgebildetes Selbstbewusstsein. Zudem scheinen die Schweizer so langsam zu merken, dass ihre Alpenfestung nicht mehr ganz so undurchdringlich ist. Das Bankgeheimnis wird aufgeweicht, und ohne den Geldzufluss aus aller Welt wird die Schweiz, so ein Fachmann aus diesem Land, langfristig ihren hohen Lebensstandard verlieren ("verarmen" wäre ein zu hartes Wort). Und so tut sie das, was alle Welt in der gleichen Situation unternimmt: Sie schottet sich ab.

Wie geht man mit "Piefkes" um?

Aber was könnten sie sonst machen? Ein Leser der WELT schrieb auf deren Webseite folgenden Kommentar: GUT so! Die Schweizer Hoteliers sind sowieso durch die Bank ganz schön "ÜBERHEBLICH"!! Macht doch lieber Urlaub in Österreich! Dort ist man höflich, zuvorkommend UND: Es ist Alles viel, viel BILLIGER & BESSER!! Apropos: Wie gehen die Österreicher denn mit ihren deutschen Kollegen (Touristen, Mitarbeitern, Zuwanderern) um? Immerhin sind sie auch im südlichen Nachbarstaat nicht immer beliebt, wofür die Bezeichnung "Piefke" steht: Damit ist ein Wichtigtuer aus dem Norden gemeint, vornehmlich aus Berlin. Aber die Österreicher haben sich inzwischen an die Besucher aus dem Norden gewöhnt, und wenn ein widriges Geschick einen Hamburger Matrosen in das Bergland im Süden verschlägt, muss man Mitleid mit ihm haben und ihn erst mal trösten. Mit Wiener Schnitzel, Apfelstrudel und einem Grünen Veltliner. Lasst ihn doch reden, wenn's ihm gut tut!

Europa der dichten Grenzen

Das Dumme an der Sache ist nur: Der Schweizer Volksentscheid wird in Europa Vorbildfunktion haben. Schon ist die Debatte über die Begrenzung von "Armutszuwanderung" in Deutschland in vollem Gange, wobei nicht einmal klar ist, was "Armut" in diesem Zusammenhang bedeutet. Heißt die zukünftige Parole in Europa: Schotten dicht?