Deutschland schwelgt im Exportüberschuss - wie lange noch?
Deutschland schwelgt im Exportüberschuss - wie lange noch?Foto-Quelle: Oxfordian Kissuth unter http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Deutschland schwelgt im Exportüberschuss - wie lange noch?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Die deutsche Wirtschaft überschlägt sich mit immer neuen Rekorden beim Exportüberschuss. Sie stellt 2013 mit 200 Milliarden Euro sogar China in den Schatten und 2014 soll der Überschuss weiter steigen. EU und USA halten diese Entwicklungen für bedenklich - sie sehen längst die wirtschaftliche Stabilität weltweit gefährdet.

Das amerikanische Finanzministerium wirft den Deutschen „Abhängigkeit vom Export“ vor und kritisiert den „blutleeren Binnenmarkt“. Europäische Politiker warnen vor einer Schuldenkrise Made in Germany - erwirtschaftet Deutschland sein Wachstum auf Kosten der hochverschuldeten europäischen Partner?

Stolz auf die Ohrfeigen der Konkurrenz
Die deutsche Politik und Wirtschaftsexperten wie Volker Treier, Außenhandelschef des DIHK, beurteilen dies ein wenig anders: Ohne seine Überschüsse, so Treier, hätte Deutschland gar nicht als Garantiegeber für die europäischen Krisenländer auftreten können. Wir seien gerade wegen der Rettungsschirme der größte Gläubiger der Welt.

In den Export-Überschüssen sieht Treier lediglich einen „Ausweis der Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft“. Schließlich seien diese nicht politisch verordnet oder durch Manipulationen auf dem Markt erreicht worden. Die Angriffe bezeichnet er schlicht als „Konkurrenzschelte“, denn zufällig erziele Deutschland bei den größten Kritikern – Frankreich und USA –auch die höchsten Überschüsse. Oder wie BDI-Chef Ulrich Grillo, es formulierte: "Wir können stolz sein auf diese Ohrfeigen."

Wer kauft noch deutsche Luxusklasse-Automobile?

Können wir das wirklich? Denn dass sich das deutsche Wachstum trotz der insgesamt flauen Wirtschaftslage 2013 überhaupt im Plus bewegte, verdanken nur dem Umstand, dass sich die deutschen Verbraucher die Kauflaune nicht verderben ließen und die Konjunktur handfest stützten. Zwar stieg auch die Nachfrage nach Importen, aber gleichzeitig waren die Aufträge der Exporteure aus dem europäischen Ausland rückläufig.

Konkret: Nicht nur spanischen Unternehmen fehlt derzeit schlicht das Geld für die Neuanschaffung deutscher Luxusklasse-Automobile. Aber genau darauf beruht letztendlich unser großer wirtschaftlicher Erfolg im Ausland. Insofern sind wir tatsächlich abhängig – vom Export einiger weniger großer Unternehmen. Zudem könnte den deutschen Konsumenten - und der Politik - die gute Laune bald vergehen.

Die Signale für die deutsche Wirtschaft stehen auf rot
Wir sind nicht nur der größte Gläubiger, sondern vor allem der größte Kapital-Exporteur der Welt. Das bedeutet, dass der größte Teil des deutschen Kapitals - auch unsere Ersparnisse - nicht im Inland, sondern im Ausland investiert wird. Und der Exportüberschuss bei den Finanzen schadet uns selbst, denn die Milliarden, die nach China oder Spanien fließen, fehlen eben zwangsläufig in Deutschland - unserer Infrastruktur, den Schulen und Straßen und auch allen sonstigen Vorhaben mit dringendem Innovationsbedarf. Die öffentliche Hand lebt von der Substanz, deutsche Unternehmen machen keine Fortschritte mehr bei der Produktivität - langfristig eine fatale Wachstumsbremse.