Was Frauen wirklich denken: Warum soll ein Verbrechen an Kindern kein Verbre ...
Was Frauen wirklich denken: Warum soll ein Verbrechen an Kindern kein Verbrechen sein?Foto-Quelle: blu-news.org unter http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de

Was Frauen wirklich denken: Warum soll ein Verbrechen an Kindern kein Verbrechen sein?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

Die letzten Tage konnte man lesen und hören, welche Folgen der Fall Edathy wohl für die SPD, die Koalition, die Regierung haben könnte. Mag sein, dass diese Fragen berechtigt waren, mich empörte etwas völlig anderes.

Da schaut sich ein erwachsener Mann Kinderbilder im Internet an, x-tausende.


Bestellt hat er sie bei einer Firma, die auch die eindeutige Szene mit kinderpornographischen Bildern beliefert. Angeblich seien es "naturalistische" Aufnahmen und diese sind in Deutschland strafrechtlich erlaubt. Auf diese straffreie Handlung bezieht sich Herr Edathy noch immer. So schreibt er zum Beispiel per SMS an die ZEIT: "Ich finde es rechtsstaatlich bedenklich, einen Bürger aufzufordern, ein legales Verhalten zu rechtfertigen. Es gibt ein Recht auf Schutz der Privatsphäre, dachte ich jedenfalls. War wohl ein Irrtum."

Da ermittelt die Staatsanwaltschaft und angeblich verhält sie sich nicht ganz so, wie sie es sollte.


Herr Edathy empört sich über die Ermittlungsweise, einige Journalisten diskutieren ebenso heftig, ob die Staatsanwaltschaft nicht doch möglicherweise anders hätte agieren müssen.

Viel wird in diesen Februar-Tagen das deutsche Strafgesetzbuch zitiert, wonach Herr Edathy offensichtlich nichts Illegales getan hat, aber eventuell die Staatsanwaltschaft nicht ganz korrekt gehandelt haben könnte.

Ja, wo sind wir denn?!


In welchem Land leben wir denn hier in Deutschland, dass der offensichtliche "Genuss" von x-tausenden von Kinderbildern ganz normal sein soll, so normal, dass er keine strafrechtliche Grauzone berührt? Steht das moralische Recht und Rechtsempfinden so weit unter jenen Gesetzen, die irgendwann gemacht wurden und auch irgendwann geändert werden? Ist parteipoltisches Kalkül und koalitionspolitisches Taktieren wichtiger, als eindeutig Position zu beziehen gegen Pädophilie?

Die SPD trennt sich nun endlich von Herrn Edathy. Ich möchte sagen: es hat lange, zu lange gedauert. Zu lange hat man versucht zu verwischen und zu schützen, was nicht verwischt und geschützt werden darf. Hätte Herr Edathy keine schlechten Absichten und Gedanken mit seinen "naturalistischen" Bildern verbunden, hätte er sie dann eben von dieser anrüchigen Firma bestellt? Hätte er dann seinen Laptop als gestohlen gemeldet? Hätte er nicht alles getan, um der lückenlosen Aufklärung zu dienen? Wäre er jetzt in Dänemark oder nicht hier vor Ort? Ein nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich reines Gewissen lässt anders agieren. Das ist meine Meinung.

Man liest, dass sich Unions-Abgeordnete daran erinnern, dass Herr Edathy im Innenausschuss dafür votiert hat, die Richtlinien für Kinderpornografie zu verschärfen. Warum er auch immer dies getan hat und zugleich das andere, sei dahin gestellt. Vielleicht waren ihm die eigenen Neigungen verdächtig und er wollte sich selbst eine imaginäre Grenze setzen.

Warum aber hat er keine Hilfe gesucht? Jeder weiß, ein Kind ist das schwächste Mitglied unserer Gesellschaft. Es verdient unseren Schutz und es darf nicht zum Opfer werden. Weder in Deutschland noch in anderen Ländern dieser Welt.

Wir leben in einer aufgeklärten Zeit und aufgeklärten Gesellschaft. Es gibt viele Einrichtungen für pädophil veranlagte Menschen.

Keiner MUSS sich an Kindern oder Bildern von KIndern vergreifen.

Das ist kein Naturgesetz, sondern eine Entscheidung und wer es tut, soll und muss die Verantwortung dafür übernehmen. Moralisch und strafrechtlich.

Wir wissen, dass viele pädophile Täter ehemals Opfer waren. Aber nicht jedes Kind, das missbraucht wurde, wird zum Täter. Zwischen dem einen und dem anderen liegt die Willensentscheidung, es nicht zu tun. Was Herrn Edathy dazu geführt hat, wird wohl nur er selbst wissen. Und vielleicht irgendwann auch darlegen. Ob er dann die Wahrheit sagt, muss er mit sich ausmachen.

Was auch immer der Fall Edathy in Berlin auslöst: weder die SPD noch die Koalition wird daran scheitern. Aber unsere Gesellschaft steht mit jedem weiteren solchen Fall auf dem Prüfstand.

Wir müssen andere Fragen stellen, damit sie nicht von der nächsten und übernächsten Generation dieser Welt an uns gestellt werden:

Warum definieren wir Missbrauch so eng und nicht schon in seinen Anfängen?

Warum sollen sexuelle Übergriffe erst dort beginnen, wo ein Kind zu sexuellen Handlungen oder gar zum Sexualakt gezwungen wird?

Warum ziehen wir nicht klare Grenzen und definieren sexuelle Übergriffe als das, was sie sind: Gewalt und deshalb ein Verbrechen?

Warum scheuen wir uns so sehr, einen Täter möglicherweise zu früh oder zu hart zu bestrafen und nehmen in Kauf, dass missbrauchte Kinder ihr Leben lang bestraft sind?

Warum gibt es so viele Täterschutzprogramme und so wenige Opferschutzprogramme?

Warum ist die Würde eines Menschen, der sich zumindest moralisch würdelos verhält, höher zu bewerten als die Würde von Kindern?

Warum schützen wir nicht die uns Schutzbefohlenen besser und sehr viel konsequenter?

Warum reden sich die meisten Täter heraus und haben nur den Mut, ihrer Neigung gegenüber Wehrlosen zu folgen, aber nicht den Mut, die Konsequenz dafür zu tragen?