Was Frauen wirklich denken: Wie klar darf ein Bundespräsident seine Meinung  ...
Was Frauen wirklich denken: Wie klar darf ein Bundespräsident seine Meinung sagen?Foto-Quelle: Sebastian Hillig unter http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de

Was Frauen wirklich denken: Wie klar darf ein Bundespräsident seine Meinung sagen?

Sonja Bissbort
Beitrag von Sonja Bissbort

In einer Diskussion mit Schülern antwortete Bundespräsident Joachim Gauck im letzten Jahr auf die Frage, wie er zu einem Verbotsverfahren gegen die NPD stehe, unter anderem: "Wir können die Partei verbieten, aber die Spinner und die Ideologen und die Fanatiker, die haben wir dann nicht aus der Welt geschafft."

Für die NPD war dies der Anlass, Joachim Gauck wegen fehlender politischer Neutralität vor dem BGH zu zitieren.

Botschaft korrekt? Form verfehlt?


Keine leichte Aufgabe für die BGH-Richter, da zum ersten Mal ein Staatsoberhaupt wegen seiner Wortwahl verklagt wurde. Mit anderen Worten: Nur die Wortwahl war also der Stein des Anstosses? Hätte also Joachim Gauck andere gemäßigtere Worte gewählt, hätte die NPD keinen Grund zur Klage gehabt?

Präsident Gauck ist, so scheint es mir einmal mehr, ein überaus intelligenter und weiser Mensch und ich könnte mir gut vorstellen, dass er sich sehr bewusst ist, was er sagt.

Vielleicht war es ja einfach mal an der Zeit, dass von oberster Stelle ein klares Statement erfolgte und kein Weichspülsprachprogramm?


Prof. Thomas Druyen hat vor einiger Zeit ein Buch mit einem interessanten Titel veröffentlicht. Ein Plädoyer für den gesunden Menschenverstand, für die Aufrichtigkeit und die Aufrechten, für alle, die sich in Deutschland und weltweit nicht verbiegen, verleiten und verführen lassen von all der gefälligen Schön- und Falschrederei. Sein Titel:

"Krieg der Scheinheiligkeit."


Er wendet sich in seinem Buch eindrucksvoll gegen die vielen Spielarten des und der Scheinheiligen, die uns immer wieder auf mannigfaltigste Weise ein X für ein U vormachen. Auf politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und zwischenmenschlicher Ebene. Er zeigt, wie Themen so lange verdiskutiert werden, wie des Pudels wahrer Kern so lange abgelenkt und Wahrheit verdreht wird, bis der gesunde Menschenverstand sich selbst nicht mehr traut und bereit ist zu glauben, was er glauben soll zum Vorteil anderer und bestimmter Weniger.

Das Buch ist ebenso lesenswert wie die Interviews mit Prof. Thomas Druyen hörenswert, in denen er weitere Beispiele für Scheinheiligkeit in unserer Welt benennt. Ob Bischof von Limburg, Lance Armstrong oder Euro-Debakel, Spekulantentum um Nahrungsmittel angeblich zum Wohle der Menschheit:

Die manipulative Vortäuschung falscher Tatsachen hat zahllose Facetten und Gesichter.


Das Gegenmittel: "Konkrethik". Mit einer konkreten, handlungsorientierten Ethik entwirft Prof. Thomas Druyen ein Ausweg-Szenario. Das zu tun, was man sagt, und auch das, was man denkt, zu sagen, gehört dazu.

Also, Schluss mit Sprechblasen.


In Jahren, in denen Political Correctness und mediale Wirkung zunehmend über den wahren Sachverhalt gestellt werden, die Form benutzt wird, um Inhalte zu verschleiern, finde ich Joachim Gaucks klare Worte nicht nur mutig, sondern ebenso wichtig wie wegweisend: eines Präsidenten für würdig.

Erweisen wir uns seiner Person und seiner Worte für würdig und rücken wir den Scheinheiligen, die uns allerorten umgeben, zu Leibe. Entlarven wir die Verdummung, der man uns aussetzt, und sagen wir offen, wenn der Kaiser keine Kleider anhat und wir sie bewundern sollen.

Anlässe gibt dafür mehr als genug. Ich bin sicher, Sie finden sie auch manngifaltig. 2014 und wahrscheinlich - leider auch in Zukunft.