Mein Wort zum Sonntag: Was ist Luxus?
Mein Wort zum Sonntag: Was ist Luxus?Foto-Quelle: http://www.rolex.com/de/watches/milgauss/m116400gv-0001.html

Mein Wort zum Sonntag: Was ist Luxus?

News Team
Beitrag von News Team

In letzter Zeit haben wir uns über den Luxus so mancher Herrschender empört. Aber was ist eigentlich Luxus?
Diese Personen machten in Deutschland Schlagzeilen:
- Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg: Die Ausgaben für die Erneuerung seines Bistums überstiegen alles Denkbare, und das Geld stammte angeblich aus Spenden und Einnahmen, die für die Gemeinde, für die Karitas, für die Unterstützung der Armen und Bedürftigen bestimmt war. Ein Kritiker nannte den Bischofssitz einen "monströsen Luxuskomplex."
- Jakob Kreidl, Landrat von Miesbach: Seine Geburtstagsfeier kostete 150.000 €, ein Betrag, den niemand sonst für eine solche Feier aufwendete. Doch Kreidl zahlte das Geld nicht etwa aus eigener Tasche, sondern ließ sich von der örtlichen Sparkasse aushalten - deren Chef er ist.
- Viktor Janukowitsch, Ex-Regierungschef der Ukraine: Die Bürger konnten nach seiner Vertreibung den Luxus bestaunen, in dem er gelebt hatte. Im ummauerten Anwesen gab es luxuriöse Villen, weitläufige Parks, Teiche mit Brunnen und wilden Enten, einen Tennisplatz, einen Golfplatz und einen Säulenpavillon. Von der Innenausstattung ganz zu schweigen: Da sah man Marmorböden, Kristall-Kronleuchter, vergoldete Figuren und alte Ritterrüstungen, und ein Treppenaufgang war offenbar mit einem Geländer aus Gold ausgerüstet.

Wer Macht hat, zeigt sie auch

Alle genannten Personen hatten keinerlei Einsicht darin, dass sie etwas Unrechtes getan hätten. Und neu ist das Ganze ja auch nicht. Schon die alten Pharaonen zeigten: Ich, der Gott, kann mir Luxus und Verschwendung leisten, ihr, das Volk, dürft für mich schuften und euch in meinem Glanz baden. Hier einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:
- Im Jahre 1976 krönte Oberst Bokassa, Staatsoberhaupt der Zentralafrikanischen Republik, sich selbst zum König. 25 Millionen Dollar hat das Schauspiel gekostet - wer hat das bezahlt? Darüber konnte der selbsternannte König dann im Gefängnis nachdenken.
- Félix Houphouët-Boigny, Diktator der Elfenbeinküste, ließ in seiner Geburtsstadt eine gigantische Basilika für seine katholischen Untertanen errichten. Der Papst war dabei. Der Herrscher wurde kurze Zeit später abgesetzt, und ob die Kirche ihren Zweck erfüllt, ist zu bezweifeln.

Ein Verschwender, der den Staat bereicherte

Heute wird jemand, der allzu viel Luxus zur Schau stellt, eher moralisch verurteilt. Und manchmal bringt enorme Verschwendung dem Land sogar etwas Gutes. Beispiel dafür: Bayerns besessener Märchenkönig Ludwig II. Schlösserbauen war offenbar sein einziges Lebensziel. Erst baute er Linderhof, dann Neuschwanstein, schließlich Herrenchiemsee. Wenn kein Geld da war, lieh er es eben, z.B. von Bismarck. Aber das hatte seinen politischen Preis. Schließlich, nach über 6 Millionen Reichsmark Minus, wurde es den Herren in München zuviel. Sie erklärten ihren König für verrückt und setzten ihn ab, was unmittelbar zu seinem tragischen (und immer noch geheimnisvollen) Tod im Starnberger See führte.
Dem Staat hat Ludwigs verschwenderische Bausucht indessen nicht geschadet. Erst mal hielt Ludwig Bayern aus Kriegen heraus, denn er hasste Blutvergießen (er verbot auch die Jagd). Damit hat er seinem Land womöglich mehr erspart, als er für seine Schlösser verbrauchte. Dann hat er durch seine Beschäftigungspolitik Handwerker und Künstler beträchtlich gefördert, was sich auch langfristig positiv auswirkte. Und schließlich sind seine Schlösser auch heute noch eine touristische Attraktion, an der der Staat gut verdient.

Wer kann sich Luxus leisten?

Indes: Den größten Luxus leisten sich oft diejenigen, die sich ihn gar nicht leisten können. Siehe die anfangs erwähnten Beispiele. Doch auch im privaten Bereich sehen wir ähnliches. Bauernhochzeiten und Polterabende beanspruchten die Kassen der beteiligten Familien oft so stark, dass sie für Jahre verschuldet waren. Darum gab es auch Gesetze gegen zu große Verschwendung. Sie halfen ebenso wenig wie die "Turniervorschriften" aus dem Mittelalter, die dem Luxusgebaren bei Turnieren vorbeugen wollten. Vergeblich: Wer's hatte, zeigte es; wer's nicht hatte, zeigte es erst recht.

Der wahre Luxus!

Doch ist es wirklich der höchste Luxus, sich ein goldenes Bett oder eine goldene Uhr zu leisten? Eine Befragung erfolgreicher Künstler und Geschäftsleute, von Lagerfeld (Mode) bis Loriot (Satire) ergab Erstaunliches: Sie alle sagten, der wahre Luxus für sie sei - Zeit! Ein wenig Muße, nichts tun zu müssen, die Seele baumeln lassen - danach sehnten sich diese Erfolgreichen. Das erinnert an den Witz vom vielbeschäftigten Manager, der, nach seinem größten Wunsch befragt, seufzte: Ach hätte der Tag doch 48 Stunden, und nicht die 36, die er hat. Ist das der wahre Luxus?
Es gibt einen noch größeren. Dazu fliegen wir in den Orient, ins Reich traditioneller Pracht und Verschwendung. Der Herrscher von Saudi-Arabien, Ibn Saud, einer der reichsten Männer unserer Erde, baute sich ein zweites Versailles in der Wüste, jagte Falken in der kühlen Abendbrise und badete in Gold. Doch als sein Lieblingssohn Turki starb, da schloss er sich drei Jahre lang ein, um zu trauern. Das ist wahrer Luxus - der Luxus großer Gefühle!