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Mein Wort zum Sonntag: Was ist Luxus?

Mein Wort zum Sonntag: Was ist Luxus?

News Team
15.03.2014, 20:36 Uhr
Beitrag von News Team

In letzter Zeit haben wir uns über den Luxus so mancher Herrschender empört. Aber was ist eigentlich Luxus?
Diese Personen machten in Deutschland Schlagzeilen:
- Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg: Die Ausgaben für die Erneuerung seines Bistums überstiegen alles Denkbare, und das Geld stammte angeblich aus Spenden und Einnahmen, die für die Gemeinde, für die Karitas, für die Unterstützung der Armen und Bedürftigen bestimmt war. Ein Kritiker nannte den Bischofssitz einen "monströsen Luxuskomplex."
- Jakob Kreidl, Landrat von Miesbach: Seine Geburtstagsfeier kostete 150.000 €, ein Betrag, den niemand sonst für eine solche Feier aufwendete. Doch Kreidl zahlte das Geld nicht etwa aus eigener Tasche, sondern ließ sich von der örtlichen Sparkasse aushalten - deren Chef er ist.
- Viktor Janukowitsch, Ex-Regierungschef der Ukraine: Die Bürger konnten nach seiner Vertreibung den Luxus bestaunen, in dem er gelebt hatte. Im ummauerten Anwesen gab es luxuriöse Villen, weitläufige Parks, Teiche mit Brunnen und wilden Enten, einen Tennisplatz, einen Golfplatz und einen Säulenpavillon. Von der Innenausstattung ganz zu schweigen: Da sah man Marmorböden, Kristall-Kronleuchter, vergoldete Figuren und alte Ritterrüstungen, und ein Treppenaufgang war offenbar mit einem Geländer aus Gold ausgerüstet.

Wer Macht hat, zeigt sie auch

Alle genannten Personen hatten keinerlei Einsicht darin, dass sie etwas Unrechtes getan hätten. Und neu ist das Ganze ja auch nicht. Schon die alten Pharaonen zeigten: Ich, der Gott, kann mir Luxus und Verschwendung leisten, ihr, das Volk, dürft für mich schuften und euch in meinem Glanz baden. Hier einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:
- Im Jahre 1976 krönte Oberst Bokassa, Staatsoberhaupt der Zentralafrikanischen Republik, sich selbst zum König. 25 Millionen Dollar hat das Schauspiel gekostet - wer hat das bezahlt? Darüber konnte der selbsternannte König dann im Gefängnis nachdenken.
- Félix Houphouët-Boigny, Diktator der Elfenbeinküste, ließ in seiner Geburtsstadt eine gigantische Basilika für seine katholischen Untertanen errichten. Der Papst war dabei. Der Herrscher wurde kurze Zeit später abgesetzt, und ob die Kirche ihren Zweck erfüllt, ist zu bezweifeln.

Ein Verschwender, der den Staat bereicherte

Heute wird jemand, der allzu viel Luxus zur Schau stellt, eher moralisch verurteilt. Und manchmal bringt enorme Verschwendung dem Land sogar etwas Gutes. Beispiel dafür: Bayerns besessener Märchenkönig Ludwig II. Schlösserbauen war offenbar sein einziges Lebensziel. Erst baute er Linderhof, dann Neuschwanstein, schließlich Herrenchiemsee. Wenn kein Geld da war, lieh er es eben, z.B. von Bismarck. Aber das hatte seinen politischen Preis. Schließlich, nach über 6 Millionen Reichsmark Minus, wurde es den Herren in München zuviel. Sie erklärten ihren König für verrückt und setzten ihn ab, was unmittelbar zu seinem tragischen (und immer noch geheimnisvollen) Tod im Starnberger See führte.
Dem Staat hat Ludwigs verschwenderische Bausucht indessen nicht geschadet. Erst mal hielt Ludwig Bayern aus Kriegen heraus, denn er hasste Blutvergießen (er verbot auch die Jagd). Damit hat er seinem Land womöglich mehr erspart, als er für seine Schlösser verbrauchte. Dann hat er durch seine Beschäftigungspolitik Handwerker und Künstler beträchtlich gefördert, was sich auch langfristig positiv auswirkte. Und schließlich sind seine Schlösser auch heute noch eine touristische Attraktion, an der der Staat gut verdient.

Wer kann sich Luxus leisten?

Indes: Den größten Luxus leisten sich oft diejenigen, die sich ihn gar nicht leisten können. Siehe die anfangs erwähnten Beispiele. Doch auch im privaten Bereich sehen wir ähnliches. Bauernhochzeiten und Polterabende beanspruchten die Kassen der beteiligten Familien oft so stark, dass sie für Jahre verschuldet waren. Darum gab es auch Gesetze gegen zu große Verschwendung. Sie halfen ebenso wenig wie die "Turniervorschriften" aus dem Mittelalter, die dem Luxusgebaren bei Turnieren vorbeugen wollten. Vergeblich: Wer's hatte, zeigte es; wer's nicht hatte, zeigte es erst recht.

Der wahre Luxus!

Doch ist es wirklich der höchste Luxus, sich ein goldenes Bett oder eine goldene Uhr zu leisten? Eine Befragung erfolgreicher Künstler und Geschäftsleute, von Lagerfeld (Mode) bis Loriot (Satire) ergab Erstaunliches: Sie alle sagten, der wahre Luxus für sie sei - Zeit! Ein wenig Muße, nichts tun zu müssen, die Seele baumeln lassen - danach sehnten sich diese Erfolgreichen. Das erinnert an den Witz vom vielbeschäftigten Manager, der, nach seinem größten Wunsch befragt, seufzte: Ach hätte der Tag doch 48 Stunden, und nicht die 36, die er hat. Ist das der wahre Luxus?
Es gibt einen noch größeren. Dazu fliegen wir in den Orient, ins Reich traditioneller Pracht und Verschwendung. Der Herrscher von Saudi-Arabien, Ibn Saud, einer der reichsten Männer unserer Erde, baute sich ein zweites Versailles in der Wüste, jagte Falken in der kühlen Abendbrise und badete in Gold. Doch als sein Lieblingssohn Turki starb, da schloss er sich drei Jahre lang ein, um zu trauern. Das ist wahrer Luxus - der Luxus großer Gefühle!

31 Kommentare

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Für mich ist es Luxus ,wenn ich in meiner schmerzfreien Zeit bewegen kann .
Meinen Garten und den Haushalt machen kann. Die Freizeit mit schönen Dingen ausfühlen und meine Freunde daran teilhaben lassen kann
  • 16.03.2014, 15:44 Uhr
Wenn ich ein paar Tagen bei Freunden in Südtirol verbringen und dort ohne Verpflichtungen und ohne Zeitdruck die wunderschöne Natur erleben darf, dann ist das für mich Luxus pur.
  • 17.03.2014, 06:35 Uhr
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Was "Lacoste" die Welt, Geld spielt keine "Rolex"
  • 16.03.2014, 14:40 Uhr
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Ich hab mal im Lexikon nachgeschaut, weil ich es auch nicht genau wußte.Da steht als Erklärung für Luxus - Prunksucht - übertriebener Aufwand -
  • 16.03.2014, 13:32 Uhr
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Für mich ist schon Warmwasser Luxus.
  • 16.03.2014, 13:01 Uhr
  • 16.03.2014, 20:03 Uhr
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immer genug zu haben um auch andere glücklich zu machen ( liebe - zeit - glück - essen - wärme - raum )
  • 16.03.2014, 12:51 Uhr
gefällt mir, weil es selbstlos klingt...denn bei Luxus denken die meisten doch nur an sich selbst...
  • 16.03.2014, 13:12 Uhr
ich kenn es nicht anders -- ich bin nur glücklich wenn ich andere glücklich machen kann -- jeden tag ein bisschen geben -
  • 16.03.2014, 13:48 Uhr
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Ein sehr lehrreicher, interessanter Artikel, den Nordberg scheinbar nicht verstanden hat.
Die Option zum ewigen Leben gibt es nicht.
Also eine entscheidende Einschränkung, die die "Zeit" zum Luxusgut werden läßt.
  • 16.03.2014, 12:33 Uhr
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Um zu wissen, was Luxus ist, brauche ich keinen 'interessanten' oder 'lehrreichen' Artikel oder die Meinung anderer.
Luxus ist, wenn man - in jeder Hinsicht - die Wahl hat!
  • 16.03.2014, 12:22 Uhr
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Dein Artikel ist sehr interessant und lehrreich. Ich würde im ersten Moment auch Karl Lagerfeld beipflichten. Wir verbringen zu wenig Zeit entspannt mit anderen Menschen, die meisten haben etwas anderes vor oder interessieren sich nur für ihre Belange.
  • 16.03.2014, 12:17 Uhr
Lagerfeld hat gut reden.Wenn ich seine Piepen hätte könnte ich mir auch alle Zeit der Welt gönnen
  • 16.03.2014, 12:34 Uhr
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