Plastikfasten - gar nicht so leicht
Plastikfasten - gar nicht so leicht

Plastikfasten - gar nicht so leicht

Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Das derzeit von der Umweltorganisation BUND und anderen propagierte Plastikfasten ist leichter gesagt als getan. Ich mache es mit, und ich versuche ohnehin schon, nicht so viel Plastik zu verwenden. Ich will es nicht auch noch kaufen müssen.

Natürlich, jede kann ein oder mehrere Baumwolltaschen für die Einkäufe in die Handtasche, den Rucksack und ins Auto legen, um keine Wegwerftaschen und vor allem keine Plastiktüten kaufen zu müssen. Aber schon an der Fleischtheke ist es schwierig, denn die Papiere, in die Fleisch und Wurst eingeschlagen werden, sind plastikbeschichtet und der Einkauf kommt in eine von den besonders schädlichen dünnen Plastiktütchen. Die Rechnung wird auch noch auf extrem umweltschädlichen krebserregenden Thermopapier ausgedruckt und angetackert. Oder das Gemüse. Kam es früher in der Spitztüte mit geschmacklosem Obstmusteraufdruck, so jetzt schön transparent in wiederum den elenden weitfliegenden Plastiktütchen. Bei einem durchschnittlichen Einkauf kann man so gut und gerne schon fünf solcher Wegwerftütchen zusammenbekommen. Vom alltäglichen Verpackungswahnsinn ganz zu schweigen. Hier Plastik zu vermeiden ist wirklich schwer. Die Möhrchen kommen in der Plastiktüte, Birnen und Pilze in Plastikschalen und und und in endloser Reihe.

Bei Milchprodukten hat Frau eine Chance. Es gibt sie noch, wenn auch nicht überall, Milch in Flaschen, Joghurt im 500 g Glas, natur oder mit Aromen (aus dem Chemiebaukasten meist, jedoch ist dies ein anderes Kapitel). Beim Quark ist schon wieder Essig, oder vielmehr Plastik die Verpackung.

Aber jede kann sich ihre Brotzeit zur Arbeit in Butterbrotpapier oder in einer Aluschachtel mitnehmen. Es muss nicht unbedingt eine gekaufte Kinderbrotzeitdose sein, wie sie vom Kindergartenalter der Kinder her in die Familien Einzug gehalten hat. Andererseits, sie sind langlebig und manchmal ja auch uni und nicht mit geschmacklosen Bildchen geschmückt, die das einstige Kindergartenkind ja nun selbst nicht mehr wollen würde.

Und die Trinkflaschen! Wenn ich sowieso mit dem Auto Einkaufen fahre, dann muss ich nichts schleppen, oder jedenfalls nicht so weit. Ich brauche also nicht Getränke in PET-Flaschen kaufen, deren Recyclingquote viel schlechter ist als bei Glasflaschen. Eine Glasflasche geht mindestens zwanzig-, oft sogar dreißigmal. Die PET-Flasche wird nach ihren Durchläufen auch recycelt. Erst wird sie gecruncht, in dem anonymen gefräßigen Apparat, in den wir unser Leergut hineinzustecken und den wiederum krebserzeugenden schädlichen Thermokassenbon zu ziehen wir uns angewöhnt haben. Das Geräusch einer zerpressten PET-Flasche ist der Sound unseres ganzen Ex und Hopp-Lebensstils. Neben vielleicht noch dem "Von den Türen zurücktreten! Zug fährt ab!"

Vielleicht gibt es doch noch ein Wiedersehen mit der PET-Flasche. Sie ist mit Millionen gecrunchter Schwestern in Kuchen oder Blöcke verpresst in Containern nach China gefahren und dort zu Fleeecepullis umgeschmolzen worden. Die gibt es als Billigangebote in Kleidergeschäften, in Billigläden und als Kassenkramartikel in manchen Supermärkten. Warum "Lebensmitteldiscounter" unbedingt neben den Lebensmitteln auch noch Kleidung, Werkzeug, Gartenbedarf, Computer und Reisen verkaufen müssen, weiß der Teufel. Warum ich das nicht kaufe, weiß ich selbst, aber ganz genau. Es ist ökologischer Schwachsinn, der dann auch noch teuer wird. Am anderen Ende.

Die PET-Flasche fährt übers Meer und kommt als Fleece wieder. Die Plastiktütchen der Obstabteilung und Fleischtheke fliegen mit dem Wind davon. Sie landen im Gebüsch. Bald ist wieder die Frühlingsaktion "Ramadama", und wir ziehen rund um die Gemeinde und sammeln einen Teil von diesem Kram wieder ein. Je zwei Leute einen blauen Plastikmüllsack. Es dauert gar nicht lange, und er ist voll. Deprimierend.

Foto Plastikmüll: Bettina Marquis
Foto Müll: http://commons.wikimedia.org/wiki/Fi...annover.JPG
Foto Containerhafen: http://commons.wikimedia.org/wiki/Fi...lchow_1.JPG