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Warum ich nicht für den Doppelpass/Staatsbürgerschaft bin

16.03.2014, 11:09 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Bislang gilt die Optionspflicht für Kinder von ausländischen Eltern, sich bis zum 21. Lebensjahr entweder für die deutsche Staatsbürgerschaft oder für die Staatsbürgerschaft der Eltern zu entscheiden.

Im Koalitionsvertrag SPD/CDU/CSU wurde vereinbart, dass das Staatsbürgerschaftsrecht so geändert werden soll, dass diese Kinder den Doppelpass erhalten, unter der Voraussetzung, dass sie in Deutschland „ geboren UND aufgewachsen“ sind.
Die Länder Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein streben sogar die Vergabe des Doppelpasses ohne diese Bedingung an.
Also, den Doppelpass für Kinder, die zwar in D. geboren wurden aber in ihren Heimatländern aufwuchsen.
Begründung: Mit diesem Schritt würden die Betroffenen zur Einbürgerung in Deutschland ermuntert werden.

Ich bin nicht für die doppelte Staatsbürgerschaft.

Der deutsche Pass ist global so begehrt, so, wie der Schweizer- oder der britische Pass es ist. Verlockend begehrt.

Das aber ist nicht der Grund, warum ich gegen den Doppelpass bin.
Mir geht es allein um das Wohl des Kindes mit fremden Wurzel, das in Deutschland geboren wurde.
Ihm sollte die uneingeschränkte Chance, sich in unserer westlich, freiheitlichen Demokratie zu entfalten, zugestanden werden.

Es sollte sich in unserem Kulturkreis frei entwickeln und etablieren können.
Es soll in unsre Gesellschaft integriert werden und nicht am Rande stehen bleiben müssen.

Das gelingt, wenn es sich frei von dem Ballast der heimatlichen Tradition der Eltern und Großeltern fühlen kann.
Wenn es nicht in seinem Bestreben der Annäherung mit der elterlichen Ermahnung: "Vergiss nicht, dass Du Türke, Syrer, etc. bist." gehemmt, behindert werden soll.

Es ist für mich aber nachvollziehbar, dass die Eltern/Großeltern ihrer Heimat, ihrer Tradition noch engstens verbunden sind. Sie werden lange unter dem Verlust der Heimat leiden.
Die Einbürgerung der Eltern mit gleichzeitigem Verlust der angestammten Staatsbürgerschaft wäre sicherlich eine besondere Härte.

Kinder dagegen werden in eine Welt hineingeboren, die sie ohne Anpassungszwänge erfassen sollen, in der sie später groß werden sollen und wollen.

Deshalb halt ich einen Doppelpass für nicht kindgerecht.

Er ist ein politisches Kompromissprodukt von zweifelhafter Tauglichkeit.

27 Kommentare

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„Staatsbürgerschaft“ hat auch etwas mit Identität zu tun, die aus Vertrauen und Loyalität zum eigenen Staat erwächst und die Mitverantwortung auch des Einzelnen für „seinen“ Staat begründet.
Ich darf deshalb z. B. nur einmal wählen und zwar hier in Deutschland „für“ eine Partei meines Vertrauens und kann nicht z. B. in der Türkei eine Partei „gegen“ Deutschland wählen.
Türken, die demnach aber 2 Pässe bekommen sollen, nämlich einen deutschen und einen türkischen, können dies dagegen schon!
Ist das normal?
Aus der Staatsangehörigkeit ergeben sich Pflichten und Rechte dem jeweiligen Staat gegenüber. Gibt es in diesem Fall schon bei Personen aus dem gleichen Kulturkreis Probleme, so ist es geradezu absurd, diese Regelung auf Personen aus verschiedenen Kulturkreisen und politischen Systemen auszudehnen. Es wird die Autorität des Staates untergraben und führt in Krisenzeiten zu sehr gefährlichen Situationen.

Sollten unsere Politiker sehen und beachten!
  • 07.04.2014, 14:11 Uhr
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In der Zeitung lese ich, dass ein junger Student türkischer Herkunft Stipendiat der Deutschlandstiftung geworden ist.
Er ist im Alter von 2 Jahren mit seinen Eltern nach D. gekommen und stellt - treffen, so meine ich - fest:

"Ich habe genug türkische Luft geatmet, um zu wissen, dass mein Volk die Türken sind.
Meine Heimat, aber ist Deutschland!"

Das gefällt mir
  • 06.04.2014, 16:34 Uhr
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Zum Dt. Einbürgerungsrecht:
Die GroKo ( IMi De Maizière und JuMi Maas) legten Gesetzentwurf vor, nach dem die Optionspflicht geändert worden ist:
Für diejenigen Kinder ausländischer Eltern, die vor dem 21 Lebensjahr 8 Jahre lang in D. gelebt haben oder 6 Jahre eine dt.Schule besucht haben, entfällt die Optionspflicht. Sie behalten beide Pässe.
Eine gute Entscheidung? Warum?
  • 28.03.2014, 10:40 Uhr
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" Deutschland erlaubt eine doppelte Staatsbürgerschaft innerhalb der EU und der Schweiz " (aus Wikipedia)
Inwiefern jetzt ein EU-Bürger einem Nicht-EU-Bürger (die Beispiele nehmen fast alle Bezug auf türkische Mitbürger) nicht gleichzusetzen ist entzieht sich meinem Verständnis.
Von vielen wird das leuchtende Vorbild Schweiz gerne zitiert.
In der Schweiz wird das Bürgerrecht durch die Annahme einer anderen Staatsbürgerschaft nicht betroffen.
Warum sollte das in Deutschland nicht auch möglich sein?
  • 20.03.2014, 15:46 Uhr
Bei diesem Beitrag ging es mir darum, herauszustellen, und nur darum,
dass Kinder,
die in D. zwar geboren wurden, dann aber in ihrem Heimatland, in der Kultur ihrer Elter, in ihrer Muttersprache aufwachsen,
mit einem Deutschen Pass versehen werden würden.

Würden diese Kinder (z.B. verheiratete Mädchen) sich dann jemals in D. niederlassen - zu welchen Zwecken auch immer - so wären diese Menschen deutsche Staatsbürger.
Sie würden vermutlich sprachlos, hilflos in einer (scheinbar) feindlichen, fremden, westlichen Welt stehen; womöglich in prekären Verhältnissen einer Parallelgesellschaft leben müssen.

Die Herbeiführung solcher Verhältnisse wäre politisch verantwortungslos, meine ich.

Die Schweiz ist mit D. nicht vergleichbar, da in CH eher prominenten Emigranten neue Heimat finden.

Viele Beispiele beziehen sich auf Mitbürger türkischer Herkunft der Aktualität wegen.
  • 21.03.2014, 16:15 Uhr
Ich finde, dass du hier sehr viel spekulierst...
  • 29.03.2014, 17:44 Uhr
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Es gibt Länder, die ihre Auswanderer nicht aus ihrer eigenen Staatsbürgerschaft entlassen oder den Ausstieg enorm schwierig gestalten. Zuwanderer aus solchen Ländern erhalten in Deutschland bisher schon den zweiten (deutschen) Pass.
  • 16.03.2014, 20:43 Uhr
Gibt es Länder, die ihre Auswanderer auch nicht aus ihrer Tradition, aus ihrer Kultur entlassen wollen?
Sind diese Auswanderer offen für eine neue, eine fremde, eine westliche Kultur?
Wenn nicht, so sollten sie zumindest ihre in Deutschland geborenen und lebenden Kinder in die Freizügigkeit entlassen.
  • 17.03.2014, 09:05 Uhr
Ich verstehe das Problem nicht so ganz. In USA gibt es eine ganze Menge ausgewanderter Deutscher, die durchaus noch Traditionen aus der alten Heimat leben. Was soll daran schlecht sein, wenn man nicht vergisst, wo die Wurzeln der Familie sind. (mein Beitrag soll eigentlich oben hin.)
  • 31.03.2014, 13:12 Uhr
Hedi, es ging um eine Rechtsvorstellung, nach dem Kinder, die zwar in Deutschland geboren wurden, danach aber im Ausland aufwachsen und nichts mehr mit D. zu tun haben, trotzdem die Dt. Staatsbürgergsschaft neben der Staatsbürgerschaft ihrer Eltern erhalten sollten.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf soll jedoch diese Form nicht zulassen.

Heimatliche Traditionen in der Fremde, in der neuen Heimat, zu pflegen, das ist natürlich fast eine Pflicht.

Für in USA geborene Kinder ist aber USA die Heimat und nicht mehr D.
  • 01.04.2014, 09:36 Uhr
Dann wären sie aus Deutschland ja ausgewandert und benötigten die deutsche Staatsbürgerschaft nicht mehr. Ich dachte, es ginge um junge Türken, die die Deutsche Staatsbürgerschaft möchten, aber die türkische nicht aufgeben wollen und in Deutschland leben.
  • 01.04.2014, 09:54 Uhr
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Manfred, bist du sicher, dass für Kinder, die in Deutschland aufgewachsen sind, dabei aber großenteils von ihrem familiären Clan umgeben, heimatliche Traditionen ein Ballast sind? Könnte es nicht auch Bereicherung sein?
Ich sehe keinen Grund, die doppelte Staatsangehörigkeit für junge Erwachsene,denn in dem Augenblick ihrer Entscheidung darüber, sind sie ja wohl keine Kinder mehr, abzulehnen.
Ausserdem spielen auch praktische Vorteile eine Rolle. Sehr viele in Deutschland lebende Ausländer haben Verwandte, manchmal auch Besitztum im Ausland.
Selbst wenn sie sich als Deutsche fühlen und gut integriert sind, ist die doppelte Staatsangehörigkeit für sie im Heimatland in vielen Dingen von großem Vorteil und erleichtert Vieles. Warum ihnen das nicht zugestehen?
  • 16.03.2014, 12:28 Uhr
Fremdartigkeit, fremde Kultur, fremde Sprachen, Folklore und Traditionen sind zweifelsohne eine Bereicherung für uns.

Mir geht es aber um das Bewusstsein des 21jährigen um seine Identität zum Zeitpunkt, zu dem die Entscheidung ansteht.

Ist sein Identitätsbewusstsein gespalten, so befindet er sich in der selben Situation, im ähnlichen Spannungsfeld, wie sich ein Ehepartner befindet, der sich in eine Affäre verwickelt hat.

Worin besteht der Vorteil im Erwerb der dtschn Staatsbürgerschaft für meinen türkischen Nachbarn?
  • 16.03.2014, 13:08 Uhr
Ich Frage anders herum!
Worin besteht der Nachteil für einen Menschen der sich gegen seine türkischen Pass und für eine andere Nationalität entscheiden muss?
Kann ein Kind türkischer Eltern, welches in Deutschland geboren wurde und aufwuchs noch das Land seiner Vorfahren in der Türkei erben, wenn es die türkische Staatbürgerschaft aufgegeben hat?
  • 16.03.2014, 13:25 Uhr
Genau das meinte ich mit "praktischen Vorteilen", Peter. Rechtswisenschaftlich bin ich da überfragt, Aber auf alle Fälle hat man in einem andeen Land mit nur deutscher Staatsangehörigkeit möglicherweise einige Nachteile.
Der Vergleich mit Ehe und Geliebter ist meines Erachtens in diesem Zusammenhang nicht unbedigt passend, Manfred. Damit begibst du dich ja auf eine rein emotionale Ebene, unter dem Aspekt ich die doppelte Saatsangehörigkeit nicht sehe.
  • 16.03.2014, 14:02 Uhr
Renate,
ich meine, ich begäbe mich in einen Gewissenskonflikt.
In beiden Fällen.
Ich pflegte mit mehreren Türken/innen freundschaftlichen Umgang und ich weiß um deren innere Konflikte.

Ich erlebe, wie junge Menschen sich ihrer gebrochenen Identität wegen in die Isolation stellen.

In Indien lebende Moslems würden jedoch bedenkenlos, so sie die Möglichkeit hätten, die deutsche Identität annehmen.
Sie werden in Indien verfolgt und kommen nach D. als Flüchtlinge.

Unsere freiheitliches Rechtssystem bietet dem Immigranten, dem Flüchtling, die Freiheit, sich frei zu entfalten.

Das Erbrecht in z.B. Iran etc. ist kompliziert und an Traditionen gebunden. Da kenne ich mich nicht aus.
  • 16.03.2014, 14:34 Uhr
"Ausserdem spielen auch praktische Vorteile eine Rolle. Sehr viele in Deutschland lebende Ausländer haben Verwandte, manchmal auch Besitztum im Ausland."
Wird ihnen der Besitz weggenommen?
Warum wandern sie aus?
Ist mit dem Besitztum im Ausland ein zweischneidiges Schwert.
Unter Umständen hier SGB2 abfassen und Besitz wird nicht angetastet.
Sag ich einfach mal NÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ
  • 19.03.2014, 11:21 Uhr
"Worin besteht der Vorteil im Erwerb der dtschn Staatsbürgerschaft für meinen türkischen Nachbarn?"

Warum fragen sie nicht:

Worin besteht der Nachteil im Erwerb der dtschn Staatsbürgerschaft für meinen türkischen Nachbarn?
  • 29.03.2014, 17:51 Uhr
Bastian,
"Worin besteht der Nachteil im Erwerb der dtschn Staatsbürgerschaft für meinen türkischen Nachbarn?"
  • 29.03.2014, 19:51 Uhr
Es gibt zum Glück keinen...also warum regst Sie sich darüber auf?
Es ist einfach nur ein "mehr" an Möglichkeiten für die, die es betrifft. Man könnte fast meinen, dass Sie denen (die es betrifft) diese Möglichkeiten nicht gönnen!
  • 31.03.2014, 00:47 Uhr
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Ich sage mir es soll eine doppelte Staatsbürgerschaft nur im zwingenden Fällen geben.Ansonsten bin ich Bürger EINES Landes.Wenn ich mich nicht entscheiden will gut dann bleibt es bei meiner ursprünglichen Staatsangehörigkeit.Kindern die doppelte Staatsbürgerschaft in die Wiege zu legen nur weils dem Mainstream entspricht finde ich nicht gut.
  • 16.03.2014, 12:00 Uhr
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und was soll ich meiner englischen Schwiegertochter sagen, wenn sie für ihre Tochter nebst der deutschen auch den englischen Pass möchte, . Ich denke, das soll mein Enkelkind mit 18 selber entscheiden können.
  • 16.03.2014, 11:50 Uhr
Kunigunde,
auch mein Enkel ist britisch, very british. Ich glaube kaum, dass er mal auf die Idee kommen würde, den dt.Pass zu begehren.

Mein Beitrag zielt jedoch auf Immigranten aus fremden Kulturkreisen in Dt. ab.
Auf das Gezerre am Realitätsbild der Kinder in ihrer Entwicklung. Einer aus einer Unwahrhaftigkeit dt.Politik heraus sich entwickelnden gebrochenen Identität.

Und es zielt auf die trügerischen, verantwortungsfreien Versprechungen mancher Politiker an diese Menschen ab.
  • 16.03.2014, 12:26 Uhr
das dachte ich mir, dass du damit die fremden Kulturkreise meinst, aber auch da möchte ich den Kindern mit 18 oder 21 Jahren die Möglichkeit geben zu entscheiden. Bei mir ist sowieso alles komplizierter, doch die Entscheidungen treffen sowieso die da oben
  • 16.03.2014, 12:55 Uhr
Ich glaube Manfred unterschätzt die Identitätsfestigkeit junger Männer und Frauen!!!
  • 29.03.2014, 17:53 Uhr
Bastian,
ich gebe mir große Mühe die Treue junger Menschen zu ihrem Vaterland, ihrer Muttersprache, nicht zu unterschätzen.
Der Verlust der Heimat mag unbetritten schlimm sein.

Deshalb würde ich die Heimat nicht ohne Not in ein Gastland austauschen.

Aus welchem Grund sollte ein Kind, das zwar in D. geboren worden ist, aber später nie dort gelebt hat, nicht dort in die Schule gegangen ist, nie Deutsch gelernt hat, sich mit D. nicht identifizieren kann, den Dtn.Pass erhalten?

In der Gesetzesvorlage von Maas und De Maizière findet sich die modifizierte "Option" wieder.
Ich finde, das ist ein guter Kompromiss.
  • 29.03.2014, 20:18 Uhr
Es gibt junge Menschen, die gehen freiwillig ins Ausland. Und wenn man seine Heimat verlässt, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass man seine Heimat verliert. Oft bleibt es der Lebenshafen, auch wenn man Hunderte Kilometer weit weg wohnt. Und dadurch gewinnen viele Menschen eine zweite Heimat dazu! Warum also nicht 2 Pässe?
  • 31.03.2014, 00:51 Uhr
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