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Mein Wort zum Sonntag: Heim ins Reich

Mein Wort zum Sonntag: Heim ins Reich

News Team
22.03.2014, 22:46 Uhr
Beitrag von News Team

Die Krimkrise und die Reaktion des Westens werden ganz unterschiedlich bewertet. Was ist Meinungsmache, was Wahrheit?
Die Krimkrise ist zu dem Zeitpunkt, da Sie dies lesen, noch lange nicht überstanden. Ihre Folgen sind unabsehbar. Dennoch sollten schon heute ein paar Vorstellungen zurechtgerückt werden.

Der Vergleich mit Hitlers Forderung von 1938 ist falsch.

Diesen Vergleich machte Amerikas Außenministerin Hilary Clinton. Sie verglich aber nicht Putin mit Hitler, sondern die Situationen: Hitler führte die Tschechoslowakei "heim ins Reich", indem er seine Armee einmarschieren ließ, mit der Begründung, seine Landsleute würden von der tschechischen Bevölkerung unterdrückt und er müsse sie beschützen. Praktisch das Gleiche sagte auch Putin über die Russen in Bezug auf die Ukrainer. Bedenkt man nun, dass nach Meinung derer, die es wissen müssen, Putin eine Wiederherstellung der Sowjetunion beabsichtigt, dann ist der Vergleich absolut gerechtfertigt. Um es nochmals zu sagen: Der Vergleich der Situationen, nicht der Persönlichkeiten!

Der Westen nimmt zu wenig Rücksicht auf die Sensibilität Putins.

Wieso sollte er? Nur weil, wie es die deutsche Bundeskanzlern so schön ausdrückte, Putin die Probleme des 21. Jahrhunderts mit den Methoden des 19. Jahrhunderts lösen will, nur deshalb muss man auf ihn Rücksicht nehmen, obwohl er, durchaus berechenbar, sich mit der Krim keineswegs zufrieden geben wird? Sind unsere Politiker Psychologen oder Sozialarbeiter?

Der Westen kreist Russland ein.

Wenn sich immer mehr Länder am Rande Russlands dem Westen anschließen, also erst der EU, dann möglicherweise auch der NATO, dann hat das nichts mit Einkreisung zu tun, im Gegenteil: Diese Länder wissen, was sie an Russland hatten und wieder hätten, kämen sie zu einer neuen Ländergemeinschaft unter Russlands Führung. Und deshalb wollen sie nichts wie weg, möglichst auch noch unter einem militärischen Schutzschild. Und warum wollen sie weg? Es wird wohl mit den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in Russland zu tun haben, die fast alle Länder am Rande Russlands dazu bewegen, möglichst das Weite zu suchen!

Der Westen handelt konfus und bietet außer endlosen Gesprächen und ein paar harmlosen Sanktionen nichts wirklich Treffendes.

Ganz im Gegenteil. Noch nie zeigte die EU trotz unterschiedlicher Interessen der Einzelstaaten so viel einheitliche Entschlossenheit wie in der Krimkrise. Unter der ebenso vorsichtigen wie energischen Führung der deutschen Bundeskanzlerin hat Europa endlich gemeinsam gehandelt. Nicht nur das, es hat sich sogar mit den USA abgestimmt. Und diesmal wird kein Weltkrieg vom Zaun gebrochen, wie vor genau 100 Jahren, sondern es wird miteinander geredet.

In Kiew regieren rechtsgerichtete Parteien mit.

Das mag stimmen, aber wenn dieser Vorwurf aus Russland kommt, kann man nur sagen: Haltet die Klappe! Rechtsradikale, ausländerfeindliche, "völkische" Gruppen terrorisieren in Russland Ausländer und solche, die sie dafür halten, knüppeln sie auf der Straße und in der U-Bahn nieder, unter wohlwollender Duldung der Sicherheitskräfte. Und ausgerechnet dieser Staat wirft einem anderen Staat vor, dass es dort rechtsgerichtete Parteien gibt? Der Zynismus dieser Doppelmoral ist kaum zu überbieten!

Der Westen hat den Russen keine Ausdehnung der NATO versprochen und jetzt sein Wort gebrochen.

Das ist ein Mythos. Und überhaupt: siehe oben! Die NATO dehnt sich nicht aus, die Anrainerstatten Russlands wollen einen Schutz gegen genau das, was jetzt in der Ukraine geschieht. Das liegt nicht an der NATO, sondern an Russland.

Die Krim ist ja eigentlich echt russisch.

Die Krim ist genauso "echt russisch" wie Südtirol "echt österreichisch" ist. Hitler hat Mussolini Südtirol geschenkt, Chruschtschow hat der Ukraine die Krim geschenkt. Sollen jetzt österreichische Truppen in Norditalien einmarschieren und Südtirol "heim ins Reich" holen?

Wie wird es weitergehen?

Das kann niemand voraussagen. Aber langfristig wird die Krimkrise Russland immensen Schaden zufügen. Denn die ehemalige Großmacht (die schon lang keine mehr ist) kann nur durch politische und technologische Neuerungen am Leben bleiben. Lieferungen von Erdgas allein werden auf Dauer nicht ausreichen. Wenn Russland den technischen Anschluss an die Staaten des Westens und des fernen Ostens verliert, dann ist es vorbei mit den schönen Träumen von einem Großreich. Russland wird von innen unterhöhlt werden, und wenn die Politiker im Schatten der Macht nicht mehr ihren Reichtum genießen können - die Sanktionen der EU und der USA bereiten dies vor - dann wird sich auch der oberste Machthaber nicht mehr lange halten können. Dem geht es vielleicht sogar wirklich um Ruhm und Ehre. Seinen Getreuen aber geht es um Luxus und Geld. So lange der Boss ihnen das bietet, bleiben sie ihm loyal. Wenn nicht mehr - doch das ist ein anderes Kapitel.

3 Kommentare

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Herr Genscher hat schon recht, der Weg nach oben ist schnell getan, der Weg zurück mühsam und lang (Zitat aus der WR.mit Blick auf die Krim) Schnellschüsse sind immer von Übel, vor allem in der Politik.
Wie war das doch gleich mit dem Anschluß der Saar, entweder an die Bundesrepublik; oder an Frankreich ? Da gab es doch auch eine Volksabstimmung, die zu Gunsten der BR.ausfiel, weil sich der überwiegende Teil der Bevölkerung so entschieden hatte ! ( Eine demokratische Entscheidung)
Wenn sich nun die Bevölkerung der Krim mehrheitlich als Russland zugehörig fühlt, muss man das nicht akzeptieren?
Da fällt mir gleich noch ein Zitat des Herrn Obama ein, der bei einem Besuch der amerikanischen Soldaten (Besatzungstruppe?) in Ramstein sagte: Deutschland ist ein besetztes Land und wird es auch bleiben!!(Quelle: Internetaufruf: Ist Deutschland ein souveräner Staat?) Da erhebt sich die Frage: Wessen Sprachrohr müssen wir sein?
  • 25.03.2014, 19:57 Uhr
Das haben wir den "Volksverrätern" hauptsächlich von CDU/CSU zu verdanken. Angefangen hat es mit Adenauer!!! Das hat alles was mit den "bilderbergern" zu tun. Sogar ein Herr "Özedemir" hat sich da eingepasst! Aber schuld sind die, die überhaupt noch wählen gehen!!! Oder "Steuern" bezahlen!!!
Noch ein Hinweis: w...slimlife.eu
  • 27.03.2014, 12:08 Uhr
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Schon die Zaren haben Gebiete gesammelt und sie zur "russischen Erde" erklärt. Das Völkergemisch ist dort so mit Russen durchsetzt, dass es sehr schwierig sein dürfte, es allen Recht zu machen. Während der über 70 Jahre dauernden Sowjetherrschaft waren alle einfach "Sowjetbürger" . Niemals hat es dort und auch schon in der Zarenzeit nur ansatzweise so etwas wie Demokratie gegeben.
Und: wissen wir denn, ob die jetzige Führung in der Ukraine die "Guten" sind?
  • 23.03.2014, 15:16 Uhr
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