Korruption – Kavaliersdelikt, Medienhysterie oder einfach nur der ganz norma ...
Korruption – Kavaliersdelikt, Medienhysterie oder einfach nur der ganz normale Wahnsinn?

Korruption – Kavaliersdelikt, Medienhysterie oder einfach nur der ganz normale Wahnsinn?

Christine Kammerer
Beitrag von Christine Kammerer

Hoeneß tritt seine Haftstrafe an. Doch wie viele Millionen hat er wirklich hinterzogen? Kommt es womöglich auf ein paar mehr oder weniger gar nicht an? Ist Korruption immer noch ein Kavaliersdelikt? Ein bisschen so, wie wenn Otto Normalverbraucher bei der Steuererklärung schummelt? Und wie viel Korruption verkraftet unsere Wirtschaft?

Alle tun es – überall auf der Welt: Unternehmer, Politiker, Privatpersonen und Beamte. Wenn von Korruption in den ärmsten Ländern der Welt die Rede ist, wundern wir uns nicht weiter darüber. Wo das Gehalt eines Staatsdieners kaum für einen Monat reicht, kann Bestechung ein Verwaltungsverfahren immer noch erheblich beschleunigen. Ein bisschen Bakschisch und schon stellen die Behörden keine Fragen mehr.

Doch auch im Fall Hoeneß soll es einen Deal hinter den Kulissen gegeben haben. Das ist weder ungewöhnlich noch illegal - geheime Absprachen zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft gehören inzwischen zum allgemein üblichen Instrumentarium unseres Rechtssystems. Sie dienen dem Zweck, einen Prozess nicht unnötig in die Länge zu ziehen. Da wird so manche offene Frage eben mal unter den Teppich gekehrt. Ein Schelm, wem sich dabei der Gedanke an an Korruption aufdrängt?

Beinahe wie im Krimi
Polizisten und Staatsanwälte klopfen im Morgengrauen an den Türen: Betrug, Bestechung, Insidergeschäfte, Schwarze Kassen, Mauscheleien, Vetternwirtschaft – der ganz normale Wahnsinn eben. Der Schaden für die deutsche Wirtschaft wird auf bis zu 50 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Bei großen Finanzgeschäften kann man sogar generell davon ausgehen, dass Korruption im Spiel ist. Eine Hand wäscht die andere. Der eigentliche Skandal: Niemanden kümmert es wirklich - man ist Schlimmeres gewohnt.

Korruption – nur ein Kavaliersdelikt?
Korruption gilt nach wie vor als Kavaliersdelikt und wird gerne verharmlosend als „kreative Buchführung“ bezeichnet. Der Bürger toleriert solche Grauzonen bis zu einem gewissen Grad. Schließlich schummelt er selbst auch schon mal bei der Steuererklärung. Doch ist das schon Korruption?

Wirtschafts-Straftäter loten die Grauzonen so weit aus, bis sie eigentlich schon im schwarzen Bereich angekommen sind. Die Schäden gehen in die Millionen, doch die Urteile fallen meist milde aus. Und gut verdienende Kriminelle können sich auch gute Rechtsanwälte leisten. Diese drohen dann damit, das Verfahren endlos in die Länge ziehen. Da gehen Gerichte gerne Kompromisse ein, um überhaupt noch zu einer Verurteilung zu kommen. Das heißt im Klartext: Reduzierung des Strafmaßes auf das absolut notwendige Minimum.

Macht korrumpiert – ein ehernes Gesetz?

Macht verleitet dazu, sich über die Spielregeln der Allgemeinheit hinweg zu heben und Korruption ist so alt wie die Menschheit. Doch seit das Thema in den Medien Konjunktur hat, scheint sie nicht etwa abzunehmen - wie man vielleicht unter dem Druck der Öffentlichkeit erwarten könnte - sondern eher zu. Das liegt unter anderem daran, dass viele Dinge, die früher noch unter dem Mäntelchen des Schweigens abgehandelt wurden, heute öffentlich werden. Aber die viel wichtigere Frage ist doch: Haben wir uns etwa schon mit einem gerüttelt Maß an Korruption abgefunden? So sehr, dass noch nicht einmal mehr der Ruf nach Änderungen im System laut wird, sondern viele den Übeltäter sogar öffentlich bemitleiden?